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Montag, 20. Mai 2024

Peter van Huffels "Callisto"

Wow, was war das für ein Abend voll kräftigem Jazz! Von Beginn an und beide Sets hindurch komplexe Klänge voller Kraft und Dynamik. Schon lange nicht haben wir Musik in dieser Intensität gehört. Peter van Huffels "Callisto" mit:

Peter van Huffel – Baritonsaxophon, Elektronik
Lina Alemano – Trompete
Antonis Anissegos – Piano, Elektronik
Joe Hertenstein – Schlagzeug

Am Beginn steht eine ganz einfache Melodie, wenige Töne nur, die zunehmend schneller und kräftiger gespielt werden. Klingen Piano, Saxophon und Trompete anfangs noch unisono, löst sich das bald in ein wildes Creszendo divergierender Tonfolgen auf. Dazu setzt Joe Hertenstein am Schlagzeug die rhythmischen Akzente obendrauf. Aus anfänglicher Harmonie wird wilder Free Jazz vom Feinsten. 

Montag, 16. Oktober 2023

Gilbert Paeffgen Trio

Mit dem Gilbert-Paeffgen-Trio gab es heute frischen neuen Jazz aus der Schweiz. 

Claude Meier – Bass
Fabian M. Müller – Piano
Gilbert Paeffgen – Drums, Hackbrett

Warnfried Altmann, Organisator von Jazz in der Kammer, hatte für die Konzerte dieses Jahres den Jahresschwerpunkt "Bass" ausgerufen. Und so passte es, dass Claude Meier zunächst solo auf die Bühne kommt. Er zupft den Bass leise, beklopft ihn, macht in so zum Percussion-Instrument und macht deutlich, welch wunderbares Instrument der Bass ist. Weit von dem entfernt, was in Patrick Süskinds grandiosem Stück "Der Kontrabaß" als Lamento eines Bassisten auf die Bühne kommt. 

Danach kommt Fabian Müller hinzu, greift in den Körper des Konzertflügels, lässt die höchsten und tiefsten Saiten metallisch klingen. Dass auch Gilbert Paeffgen wenig später auch auf die Bühne kommt, nimmt erst wahr, als er leise trommelnd erste Rhythmen dazu mischt. Aus diesem Zusammenklang der drei Musiker entwickelt sich bald ein faszinierender minimalistischer und mediativer Sound, der die Zuhörer in den Bann zieht. 

Samstag, 22. April 2023

7 Steps to Mystery

Im zweiten Konzert des mit "Die Stimme" überschriebenen Abends bei den Magdeburger Jazztagen traf Jazz auf Gesänge eines bulgarischen Frauenchores.

Antoni Donchev Quartet
Antoni Donchev (Piano)
Pavel Terziyski (Gesang)
Pantelis Stoikos (Trompete)
Martin Hafizi (Schlagzeug)

Eva Quartet
‍Gergana Dimitrova (Sopran)
Sofia Kovacheva (Mezzosopran)
Evelina Christova (Alt)
Daniela Stoichkova (Kontraalt) 

Dass der Fokus der Jazztage immer wieder auch auf Osteuropa liegt, eröffnet dem Jazzhörer neue musikalische Welten. Der bulgarische Jazzpianist Antoni Donchev verbindet in seinem Projekt „7 Steps to the Mystery“ zwei große Welten – die der traditionellen bulgarischen Folklore und die der Improvisation, der Musik des Augenblicks. Bulgarische Folklore wird in ihrer reinsten Form präsentiert – durch die kristallklaren Stimmen der Sängerinnen des Eva-Quartets, Teil des phänomenalen Chors "The Mystery of Bulgarian Voices". Als weitere Stimme hat er Pavel Terziyski dabei, der unterstützt von elektronischen Effekten seine Stimme zum Instrument wandelt. 

Sonntag, 24. April 2022

Hoppel Hoppel Rhythm Club

Inzwischen schon Tradition: bei den Jazztagen gibt es am Sonntagnachmittag ein Konzert für Kinder. Und Eltern. Und Großeltern. Diesmal auf der Bühne: der Hoppel Hoppel Rhythm Club, mit "Jazz für Kinder ab 5".

Peter Lehel – Saxophon
Peter Schindler – Piano
Mini Schulz – Kontrabass
Obi Jenne – Schlagzeug

Selbstverständlich stand auch beim Konzert für Kinder am Sonntag Nachmittag der Jazz im Mittelpunkt. Die bekannten Melodien von Kinderliedern in Jazz-Form stellten den Kontakt zu den Kindern her. Daneben gab es aber auch Jazz-Standards wie den St. Louis Blues. Und immer wieder Musik zum mitmachen. "Wo ist der Tiger – da ist der Tiger" (und dabei schnell unter den Stuhl krabbeln!), Der Kuckuck und der Esel – gesungen mit verteilten Rollen und als Kanon oder He ho, spann den Wagen an!.

Samstag, 23. April 2022

Julia Hülsmann Quartett

Im zweiten Teil des "Saxophon"-Abends innerhalb der Magdeburger Jazztage war Julia Hülsmann Quartett zu erleben. 

Uli Kempendorff – Saxophon
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Das Konzert begann mit einem von Uli Kempendorff gedämpft gespielten Saxophon, mit orientalisch klingenden Rhythmen und von Julia Hülsmann in harmonischer Übereinstimmung, wenn auch zurückhaltend begleitet. Marc Muellbauers kräftig gespielter Bass kam da kräftig zur Geltung. Not from here war das erste Stück, mit dem im Titel steckenden Gefühl, "noch nicht ganz angekommen zu sein". 

Mich faszinierte das Zusammenspiel der vier Musiker, das einfühlsame aufeinander hören, bei dem ein schöner Gesamtklang entstand. Alle vier trugen mit eigenen Stücken dazu bei. Mitunter auch mit kleinen Stories dazu, die den Titeln eine eigene Bedeutungsebene gaben. Etwa "The wesp on the window" (von Marc Muellbauer), mit langem und akkuratem Bassolo . Oder Uli Kempendorffs Post Post Post, sein Saxophon wurde mit leise perlenden Klaviertönen begleitet. Von Heinrich Köbberling kam Lightcap, (nach dem amerikanischen Musiker Chris Nightcap. Seine Rhythmen wurden von den hoch- und runterlaufenden Akkorden auf Klavier und Bass begleitet. 

Freitag, 22. April 2022

Philipp Gropper`s PHILM

Im Clubabend am zweiten Tag der Magdeburger Jazztage stand Philipp Gropper mit seinem Projekt PHILM auf der Bühne des Forum Gestaltung. Kräftige Klänge aus vollen Rohren!

Philipp Gropper – Tenorsaxophon
Philip Zoubek – Piano, Synthesizer
Robert Landfermann – Bass
Oliver Steidle – Schlagzeug 


Wow, welch ein heftiger Beginn! Das Konzert begann äußerst geräuschbetont und wild. Ein Tohuwabohu – und das meine ich nicht despektierlich – von Klängen, jenseits allen easy listenings, flutete den Raum, drang in die Ohren und machte sie zugleich frei für die kommende Konzertstunde. Nach einem ersten Oha! machte die Musik von Beginn an Freude. Ein progressives Chaos, aus dem hier und da immer wieder einzelne Stimmen der vier Instrumentalisten herausschauten. So etwas kräftiges habe ich lange nicht gehört. Bei aller Wildheit war zugleich die Virtuosität der Musiker erkennbar, vor allem als nach dem fulminanten Beginn auch einige melodischere Passagen folgten. 

Samstag, 27. November 2021

Offbeat: Jazzrock Kollektiv Magdeburg feat. Łukasz Pawlik

Rock, Blues, Fusion – all das steckte in der Musik des Jazzrock Kollektiv Magdeburg zum Abschluss des Offbeat Jazzfestes im Gesellschaftshaus Magdeburg.

Stephan van Briel – Gitarre
Łukasz Pawlik
– Klavier
Mohi Buschendorf
– Bass
Peter Fleckenstein
– Schlagzeug

Das Jazzrockkollektiv hatte sich den Pianisten Łukasz Pawlik hinzugeholt und er gab dem Konzert dann auch eine besondere Note. Da klingen schon mal aus dem E-Piano asiatisch anmutende Klänge, aus denen die Band dann Fusionklänge formt, die von kräftigen Tönen des Flügels abgelöst werden, zu dem sich Pawlik hingewendet hat. 

Stephan van Briel spielt eine leise, melodische Gitarrenballade, zu der Mohi Buschendorf später einen kräftigen Bass und Łukasz Pawlik eine zurückhaltende Klavierbegleitung hinzufügt. Etwas später spricht Stephan van Briel spricht über Jimmi Hendrix und John Coltrane: "die beiden werden wir jetzt in einem coolen Arrangement zusammenbringen". Fusion im doppelten Sinn, Blues wechselt mit Rock, elektronisch verzerrte Gitarre wird zum "Geburtstagsständchen für Jimmi Hendrix" (der exakt am 27. November 1942 geboren wurde). 

Freitag, 26. November 2021

Offbeat: Thomas Walter Maria & Kapelle

Thomas Walter Maria und seine Kapelle könnte man auch gut als "Mini-Big-Band" bezeichnen, so kräftig und schwungvoll wie die wirklich nur fünf Musiker spielten.

Thomas Walter Maria – Saxophon, Flöte, Gesang
Marius Moritz – Klavier
Markus Hensel – Posaune
Mohi Buschendorf – Bass
Ludwig Buschendorf – Schlagzeug

"Wir nehmen Sie mit auf eine musikalische Zeitreise, von den 1920er Jahren bis heute", sagte Thomas Walter Maria zu Beginn des Konzertes. Aber erst jetzt wo ich das schreibe wird mir bewusst dass es ja tatsächlich nun schon fast 100 Jahre her ist, das Songs wie Puttin on the Ritz entstanden. Gespielt und gesungen wie in einer der Bars aus dem Berlin der 1920er Jahre (und da ich noch nicht so alt bin: jedenfalls so wie ich mir das vorstelle). 

Nicht nur eine Zeitreise ist zu erleben, sondern auch eine Fahrt durch die Stile des Jazz. B-Bop, Swing, Musik aus dem Jame-Bond-Film "You only live twice" von 1967 – in einer Samba-Bossa-Nova-Version, die sich so schwungvoll vom Original entfernt, dass es eine Freude hat. Etwas funkiges aus den 70ern. Für die 80er steht "sweet dreams" von den Eurythmics, schon deshalb so interessant weil die Stimme so anders als im Original ist, dazu noch die spezielle jazzige Interpretation, toll! Für die 70er dann "Paquito", eine Hommage an den kubanischen Saxophonisten Paquito d'Rivera.

Offbeat: Marius Moritz

Im zweiten Set des Abends kam Marius Moritz solo auf die Bühne. Konzertrierte Klavierklänge mit Anklängen an minimal music.

Am großen Flügel des Magdeburger Gesellschaftshauses sitzend, beginnt er mit leisen Melodien über einer ruhigen Basslinie. Ruhige Musik, die mit wenigen Tönen auskommt. Schwer zu beschreiben und zugleich faszinierend. Jedenfalls stellt sich im Saal sofort eine konzentrierte Ruhe ein. Allmählich werden die scheinbar gleich wiederholten Tonfolgen kräftiger, das Spiel lebhafter. "Auszüge aus meinen Solo-Alben", wie er später sagt. Als nächstes ein Stück von Erwin Schulhoff, einem mir bis dahin nicht bekannten Komponisten der Neuen Musik. Marius Moritz spielt einen von dessen "Reigen" in einer jazzigen Form. 

Einige weitere Kompositionen von Moritz erinnen mich teilweise an Stücke von Johann Sebastian Bach (so seine "Etüde Nr. 12"), andere mit sich ständig wiederholenden Tonfolgen an minimal music. Marius Moritz' ruhige Musik stellte einen wohltuenden Kontrast zu den anderen beiden Teilen des Offbeat-Abends dar. 

Übrigens schließ sich an dieser Stelle der Bogen zu Jazz in der Kammer: im Juni 2019 war Marius Moritz dort mit seinem Projekt "Sonore Wandbehänge" zu hören, mit Kompositionen von Eric Satie.

Offbeat: Be-Swingt

Lieder in jazziger Form und Instrumentals standen am Beginn des Offbeat Jazzfestes im Magdeburger Gesellschaftshaus. So groß ist die Jazz-Szene in Magdeburg nicht, man kennt sich, tritt auch mal jenseits der gewohnten Pfade miteinander auf. Oliver Vogt und Ulrike Nocker sind in Magdeburg bekannt, Warnfried Altmann auch, nur zusammen habe ich sie das erste mal erleben können.

Oliver Vogt – Piano
Ulrike Nocker – Gesang
Warnfried Altmann – Saxophon
Matti Philipp – Schlagzeug

Der Abend beginnt mit einem swingenden Instrumental. Anschließend kommt Ulrike Nocker auf die Bühne, singt mit kräftiger Jazz-Stimme in Interaktion mit Warnfried Altmanns kräftigem Saxophon. "Du bist der Mondmann", singt sie, "wenn ich Dich brauch machst Du Dich dünn". Es ein wenig ungewohnt, wenn man Altmanns sonst eher dem Freejazz zugewandtes Spiel kennt, und ihn nun als Sideman einer Swing-Jazz-Tanzkapelle auf der Bühne steht. Aber es passt auf eine natürliche Art zusammen. Oliver Vogt erklärt auch warum: "Warnfried haben schon vor 37 Jahren gemeinsam Musik gemacht". Und sagt als Anmoderation des nächsten Stücks ("Medjaroo") zu Altmann: "vor langer Zeit hast Du uns mal ein Stück geschrieben und das spielen wir jetzt gemeinsam". Zu Vogts leisen Synthieklängen spielt Altmann lange Melodiebögen und ist da wieder in seinem improvisierenden Element. Zusammen klingt es wie eine Mischung aus osteuropäischem Klavier und jazzigem Saxophon. 

Montag, 18. Oktober 2021

Pericopes +1

Pericopes +1: das Jazz-Trio aus Italien begeisterte mit seiner Mixtur aus Wildheit und Harmonie. Magdeburg war zweite Station der gerade begonnenen Tour zur Vorstellung ihrer neuen CD "Up".

Alessandro Sgobbio – Klavier
Emi Vernizzi – Saxophon
Ruben Bellavia – Schlagzeug

"Der Kultur-Hunger scheint ausgebrochen zu sein. Ich bin so glücklich, den Saal voll zu sehen", begrüßte Warnfried Altmann das Magdeburger Jazz-Publikum, und stellte die Band vor als "gelungenes Beispiel, wie man Elektronik und analoge Instrumente verbinden kann". 

Eine solche Verbindung gab es in der Tat, denn aus Alex Sgobbios Korg-Piano und Synthesizer strömen sphärische Klänge, über die Emi Vernizzis warm und klar sein Saxophon spielt. Ruben Bellavias Schlagzeug ist da noch zurückhaltend, und in der Kombination der drei Musiker flutet eine Woge von Klang den Saal. Erst recht als Sgobbio beginnt, das Piano mit vollem Körpereinsatz zu spielen, aufsteht, die Musik nicht nur spielt, sondern diese auch tanzt, sich wie ein Derwisch vor und zurück, auf und ab bewegt. Trotz der Dynamik, die sich auf die Musik überträgt, und trotz der Kraft und Lautstärke bleibt der Sound stets lässig. 

Montag, 21. September 2020

Angelika Niescier und Alexander Hawkins

Bei Jazz in der Kammer standen heute Angelika Niescier (sax) und Alexander Hawkins (p) auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung Magdeburg. Zwei großartige Musiker mit Sinn für die kleinen Töne im großen Klang. 

Vor Beginn des Konzertes eröffnet Warnfried Altmann, der die Konzerte von Jazz in der Kammer organisiert, die neue Saison nach der Sommerpause. "Ich freue mich, Euch hier wieder zu sehen", sagt er dem Publikum, das dies nach der allmählichen Lockerung der Corona-Auflagen ebenso empfindet. 

Und dann beginnt das Konzert. In einer unglaublich stillen Atmosphäre: Angelika Niescier stellt sich an den geöffneten Deckel des Flügels, bläst zwei, drei Töne auf dem Saxophon, sehr kräftig, förmlich in den Korpus des Flügels hinein. Und in der danach einsetzenden Stille wird der Nachklang dieser Töne hörbar, die Alexander Hawkins mit seinen Fingern gedrückt hält. Resonanz der Saiten, aber dieser tontechnische Aspekt interessiert in diesem Augenblick nicht. Da hört man einfach nur die Töne leise verklingen, hört sie auch durch das ganze Forum Gestaltung hallen. Und dann nochmal und nochmal. Erst nach und nach beginnt Hawkins auf den Tasten zu spielen, nur einzelne Töne erst, am obersten und untersten Ende der Tastatur liegend. Nach diesem Moment der Ruhe kommt Niescier mit ihrem Sax hinzu, rhythmisch, wild und dennoch an die Ruhe des Pianos angepasst. Ein musikalische Pardoxon, die beiden mit ihren so unterschiedlichen Instrumenten. 

Montag, 16. September 2019

Max Andrzejewskis Hütte & Guests play the Music of Robert Wyatt

Kräftige Musik mit einer begeisternden Sängerin war heute auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung zu hören. Max Andrzejewskis Hütte & Guests stellte die aktuelle CD vor, auf der sie Musik von Robert Wyatt neu vertonten.
Max Andrzejewski – Schlagzeug
Tobias Hoffmann – Gitarre
Andreas Lang – Bass
Johannes Schleiermacher – Saxofon, Querflöte
Ayşe Cansu Tanrıkulu – Gesang
Jörg Hochapfel – Piano, Gitarre

Für sein aktuelles Projekt hat Max Andrzejewski seine "Hütte", sein Quartett, verstärkt, hat die Sängerin Ayse Cansu Tanrikulu und den Pianisten und Gitarristen Jörg Hochapfel hinzugeholt. Zu sechst verbreiten sie von der Bühne herab einen kräftigen Sound, der mal jazzmäßig gewohnt akustisch klingt, mal (oder sogar überwiegend) von Elektronik geprägt ist. Psychedelische Klangwelten tun sich aus, wenn die Instrumente elektronisch verfremdet werden, ihre Klänge sich überlagern, vervielfachen, verzerrt und verfremdet werden.

Hinzu kommt die begeisternde Sängerin Ayse Cansu Tanrikulu, die mit eindringlicher Stimme singt, vor sich ebenfalls ein Effektgerät, das zusätzliche Akzente setzt, Echos, Wiederholungen, Überlagerungen. Der Verwendung von Effektgeräten für die Stimme stehe ich zwar meist eher skeptisch gegenüber. Hier jedoch passen sie zu Cansu Tanrikulu, fügen ihrem kräftigen Gesang, manchmal sind es auch nur laut herausgeschrieene Worte, erst so richtig in die gewaltigen Klänge der Band ein. Dann wieder (wie bei "Cuckoo Madame") singt sie sehr sanft, bildet einen leisen Kontrast zu den interessanten Toneffekten der Band. Wenn ihre Stimme in solchen Stellen klar und einfach neben dem Saxophon zu hören ist, während die Sängerin im fahlen, blassblauen Bühnenlicht steht, dann hat das etwas sehr berührendes.

Freitag, 20. April 2018

Julie Sassoon Quartett

Das Julie Sassoon Quartett eröffnete heute im Forum Gestaltung den Club-Abend der Magdeburger Jazztage: kräftige und experimentelle Klavierklänge, bei denen Harmonie auf Kraft trifft.
Julie Sassoon – Piano
Lothar Ohlmeier – Bassklarinette
Meinrad Kneer – Bass
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug


Zu Beginn des Konzertes greift Julie Sassoon nicht in die Tasten, sondern direkt in die Saiten des Klaviers. Die experimentellen Klänge der die aus Manchester stammenden und jetzt in Berlin lebenden Pianistin werden von Schlagzeuger Rudi Fischerlehner aufgegriffen, der sein Blech zum Klingen und zum Klingeln bringt. Klänge für anspruchsvolle Ohren, die sich am Easy-Listening-Einerlei der Kultursender satt gehört haben und auf Neues warten. Das Quartett liefert Musik, die man nicht nicht einfach nur hören, sondern live erleben sollte. Wenn das Klavier vom immer kräftiger werdenden Schlagzeug übertönt wird, bis sich am Ende aus dem lauten, bunten Rauschen der Musik leise eine klare Melodie erhebt ("Clouds"), dann macht es Spaß vor der Bühne zu sitzen und zu lauschen. "Das waren dann aber auch die einzigen Wolken für heute", sagte Julie Sassoon angesichts des heißen Frühsommertages und der Hitze im Forum Gestaltung.

Montag, 20. November 2017

Charles-Gayle-Trio

Heute stand das Charles-Gayle-Trio auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung.
Charles Gayle – Piano, Saxophon
Ksawery Wojcinski – Bass
Aleksandar Škorić – Schlagzeug


Charles Gayle begann auf seinem Saxophon sofort mit aggressiv wilden Tönen, hinter denen anfangs selbst das Schlagzeug zurückstand. In den ersten Minuten jedenfalls – spätestens mit seinem Solo übernahm auch Schlagzeuger Aleksandar Škorić diesen kräftigen Drive. Er arbeitet an seinem Schlagzeug mit der Kraft eines eines Hauers aus dem Bergwerk, kämpft wie mit einem wilden Tier und entfesselt auf seinen Trommeln und Becken eine ungeheure Energie. Ebenso wie Charles Gayle, als dieser wieder hinzukommt. Ksawery Wojcinski am Bass bleibt bei all den kräftigen Tönen – auch wenn er ebenfalls kräftig in seine Saiten greift – eher im Hintergrund. Ein wenig scheint er der ruhende Pol zu sein. Im Solospiel erweist aber auch er sich als ebenbürtiger Spieler.

Montag, 15. Mai 2017

Benedikt-Jahnel-Trio

Heute war das Benedikt-Jahnel-Trio bei Jazz in der Kammer zu erleben:
Benedikt Jahnel – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Tobias Backhaus – Schlagzeug

Zu Beginn des Konzertes  ("further consequences") füllten einzig Benedikt Jahnels Klavierklänge den Raum, perlende Tonfolgen, die er mit gedrücktem Pedal zu ineinander übergehenden Blöcken verbindet. Dann setzt mit tiefen Tönen, leise und zurückhaltend Marc Muellbauers Baß ein. Erst später kommt Tobias Backhaus am Schlagzeug hinzu. Ab da wird die Musik schneller und löst sich, bevor sie allzu gefällig wird, von den Harmonien. Melodiestückchen werden nur angedeutet, vom Spiel der linken Hand überlagert, Ohr und Geist des Zuhörers sind gefordert genau hinzuhören. Das Interessante an Jahnels Musik zeigt sich gleich am Anfang des Konzertes und setzt sich auch weiter fort: eine leicht klingende Musik, in die man sich leicht einhört und die doch von komplizierten Beziehungen lebt. Musik, die zu hören Freude macht.

Samstag, 22. April 2017

Joachim Kühn – New Trio

Der Klavierabend der Magdeburger Jazztage wurde von Joachim Kühn mit seinem New Trio abgeschlossen, der auch Musik seiner neuen CD „Beauty & Truth“ mitbrachte.
Joachim Kühn – Piano
Chris Jennings – Bass
Eric Schaefer – Schlagzeug

Vor dem Konzert mit dem Joachim-Kühn-Trio erinnerte Warnfried Altmann an die AG Jazz, die es vor vielen Jahren in Magdeburg gab und die Gelegenheit des Austauschs über die gehörte Musik gab. "Ich finde es schön, daß wir jetzt wieder Zeit finden, miteinander über Musik zu reden", sagte er. "Auch Joachim Kühn war früher oft in Magdeburg zu Gast, seit damals aber schon lange nicht mehr". Später berichtet auch Kühn von dieser Zeit: "es muß so etwa 1964 gewesen sein, als ich das erste mal in Magdeburg auftrat".

Joachim Kühn kam in klassischer Triobesetzung nach Magdeburg, gemeinsam mit zwei jungen Musikern an Baß und Schlagzeug. Als er die Bühne betritt, nimmt er seinen Schal ab, setzt sich an den Flügel und greift in die Tasten. Seine Melodien werden von Chris Jennings am Baß aufgegriffen, die Rhythmen von Eric Schaefer am Schlagzeug unterstützt. Später läßt Kühn seinen beiden Partnern über lange Strecken Raum für eigene Interpretationen, für Soli, bei denen vor allem das Schlagzeug sehr kräftig zu hören ist. Aber auch Chris Jenning hebt den Baß aus dem Status eines bloßen Begleitinstrumentes heraus, läßt in melodisch mit tiefer Stimme singen In den von Baß und Schlagzeug erzeugten Grundklang mischt sich dann auch wieder Joachim Kühn hinein.

Beim Titelstück seiner aktuellen CD „Beauty & Truth“ ("da steckt auch ein Stück von Colemann drin: the truth", erklärt Kühn) legt er den Schwerpunkt auf die Schönheit und Harmonie und beginnt das Stück mit einem harmonischen Klaviersolo. Als dann Chris Jennings und Eric Schaefer einsetzen, variiert Kühn das Thema in kräftigen Passagen, nach denen er immer wieder auf die Melodie zurückkommt. 

Sassoon und Kellers

Im zweiten Teil des Klavierabends bei den Magdeburger Jazztagen gab es ein Duo von:
Julie Sassoon – Piano,
Willi Kellers – Schlagzeug, Percussion

Über Julie Sassoon sagt Warnfried Altmann in seiner Anmoderation: "Wie sie die Musik atmen läßt, verschlägt einem den Atem". Und so begann das zweite Klavierkonzert ganz anders als das zuvor gehörte. Nur ganz leise klingen die Metallbesen von Willi Kellers auf seiner Steel drum, zu denen Julie Sassoon ebenso leise Klaviertöne hinzufügt. Es ist, als wollten sich beide Musiker erst langsam an die Instrumente, den Raum, das Publikum herantasten. So ist Kellers anfangs eher ein  Schlagzeuger der leisen Töne, wenn er ein Kinder-Xylophon oder eine Kalimba nutzt. Es ergibt sich ein interessantes Zusammenspiel, wenn das Klavier den Rhythmen des Schlagzeugers folgt.

Erst allmählich steigern sich Sassoon und Kellers gegenseitig in ein kräftigeres, bis ins exzessive gehende Spiel hinein, das sie immer wieder mit leisen Stellen unterbrechen, zuweilen auch mit Pausen – die das konzentrierte Publikum bewußt aushält ohne sich zu sofortigem Applaus verleiten zu lassen. An den leisen Stellen scheint das Klavier leise zu singen (oder ist es Sassoons Stimme?), so wie der Klang von ersten Regentropfen auf der glatten Oberfläche eines Sees.

Freitag, 21. April 2017

Weston – Watts – Knight

Drittes Konzert im Klubabend der Magdeburger Jazztage war der Auftritt der drei Engländer Veryan Weston, Trevor Watts und Peter Knight.
Veryan Weston – Piano,
Trevor Watts – Sax,
Peter Knight – Violine

Mit den drei Briten steht eine äußerst ungewöhnliche Kombination von Musikern auf der Bühne: Violine, Klavier und Saxophon. Drei alte Herren, doch gleich die ersten Töne machen mehr als deutlich: der Begriff "gesetztes Alter" ist hier so was von falsch! Die drei spielen drauf los, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, es klimpert und quietscht auf der Bühne, ein Durcheinander an Tönen – das aber doch Methode hat: aus den Tönen am Klavier werden Klangmuster, die Geige wird melodischer und das Saxophon bringt eine Stimme hinein, die mal Lieder singt, mal laut aufschreit.

Die drei liefern ein wahres Furioso jenseits aller Harmonie und aller Konventionen. Die in hohem Tempo vorgetragene ungeheure Klangvielfalt lässt die Zuhörer um so deutlicher die wenigen kurzen Bereiche wahrnehmen, in denen die Instrumente in Gleichklang und Ruhe zu hören sind. Das Ohr wartete förmlich auf diese Stellen und hörte um so aufmerksamer.   

Uli-Gumpert-Quartett

Das zweite Konzert beim Klubabend der Magdeburger Jazztage kam vom Uli-Gumpert-Quartett.
Uli Gumpert – Piano
Henrik Walsdorff – Sax
Jan Roder – Bass
Michael Griener – Schlagzeug

Am Klubabend beginnt auch die zweite Band mit kräftigen Tönen und einer großen Spielfreude. Gleich zu Beginn bestimmt Henrik Walsdorff mit seinem Saxophon die Musik, gibt Tonfolgen vor, die Uli Gumpert am Piano wiederholt. Melodische Teile wechseln mit experimentellen, aus dem Saxophon kommen alle möglichen und noch viele weitere unmögliche Töne, Michael Griener ein Meister am Schlagzeug und dazu Uli Gumperts Klaviertöne, mal wie nebenbei gespielte und perlend leicht, mal hohes Stakkato, mal mit den Fäusten geschlagen.