Stephan König (ld, p, comp, arr)
Thomas Prokein (vl)
Ulrike Strobel (vc)
Frank Bartsch (trp)
Gundolf Nandico (hrn)
Natascha Zickerick (tba)
Frank Nowicky (fl, alt-sax, ten-sax, cl)
Michael Arnold (ten-sax, alt-sax, sopr-sax, cl)
André Bauer (alt-sax, bar-sax, cl, bass-cl)
Jan Roth (dr)
Michael Breitenbach (sopr-sax, alt-sax)
Frank Kaiser (git)
Stephan "Grete" Weiser (bg)
Wolfram Dix (vib, perc)
Das LeipJAZZig-Orchester unter Leitung des aus Magdeburg stammenden Pianisten Stephan König lieferte am Sonntag im Gesellschaftshaus Magdeburg ein grandioses Finale. Die Leipziger Bigband, deren Mitglieder frei arbeitende Musiker sind, die sich zum Bigband-Projekt zusammenfinden, interpretierte die Musik von Hanns Eisler neu und setzte den Schwerpunkt auf dessen Orchesterwerke. „Zuletzt war die Bigband im Jahr 2000 in Magdeburg bei Jazz in der Kammer zu Gast“, sagte Stephan König. Damals noch in den Freien Kammerspielen im heutigen Schauspielhaus. Mit seinem neuen Programm erinnerte Stephan König an Leben und Werk von Hanns Eisler. Der Komponist emigrierte während der Zeit des Nationalsozialismus in die USA. Von dort wurde er wegen unamerikanischen Verhaltens ausgewiesen. Zurück in Deutschland, fühlte er sich auch in der DDR als Vertriebener, der sich auch dort nicht so wie erhofft verstanden fühlte. Auch in der nachträglichen Betrachtung seiner Werke wird er häufig nur als Komponist der Nationalhymne gesehen und sein umfangreiches Werk viel zu oft vernachlässigt.
Stephan König, zugleich Pianist des LeipJAZZig-Orkesters, dirigierte die Bigband vom Flügel aus. Das Konzert begann mit einem harmonischen Bläsersatz und dem Marschrhythmus der Trommel. Es folgte eine Zusammenstellung einiger Lieder Eislers, darunter eines meiner Lieblingsstücke von ihm, „An den kleinen Radioapparat“, mit verhaltenen, melancholischen Bläsertönen, im Mittelteil auch E-Gitarre und Geige.
Du kleiner Kasten, den ich flüchtend trug,Das Solidaritätslied, bei dem schon wenige Akkorde reichten, um die Melodie vor Ohren zu haben – auch wenn die Bigband-Version Eislers Klänge sehr stark variierte –, das Vielleicht-Lied, das Lied eines Freudenmädchens waren weitere Stücke. Auch wenn alle diese Lieder nur instrumental erklangen – wer das Solidaritätslied in Erinnerung hatte, für den war aus den Blechbläsern und Streichern war der Ruf „Vorwärts!“ deutlich zu vernehmen, noch bevor die vollständige Melodie zu hören war.
Daß meine Lampen mir auch nicht zerbrächen,
Besorgt vom Haus zum Schiff, vom Schiff zum Zug,
Daß meine Feinde weiter zu mir sprächen,
An meinem Lager und zu meiner Pein,
Der letzten nachts, der ersten in der Früh,
Von ihren Siegen und von meiner Müh:
Versprich mir, nicht auf einmal stumm zu sein!
Ein Schwerpunkt des Konzerts lag für Stephan König in Eislers Orchestersuiten. „Ich habe dafür Teile aus meinen Lieblingsstücken von Eisler zusammengestellt, etwa aus der 5. und 6. Orchestersuite“, erklärte König. Orchesterwerke in den für Eislers Musik typischen Rhythmen, von König in einer Art „Improvisation für Orchester“ neu gemixt. Das war durchaus fröhlich anzuhören, Swing der 40er Jahre kam ebenso vor wie Volksfestmusik. Eine musikalische Zeitreise par excellence.