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Montag, 19. November 2018

Gratkowski und Tramontana: Instant Songs

Heute war die Bühne von Jazz in der Kammer minimalistisch besetzt, mit nur zwei Bläsern. Die aber hatten es in sich: ein Konzert voller musikalischer Experimente, eine überaus interessante Hör-Erfahrung!
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon 

Sowohl Posaune als auch Saxophon meint man oft in ihrer vollen Lautstärke zu kennen. Zu meiner Überraschung begann das Konzert aber nicht mit wilden und kräftigen Tönen, sondern ganz sacht, mit kleinen Melodiefetzen, einem leisen Auf und Ab von Tönen aus Frank Gratkowskis Saxophon, die Sebi Tramontana zurückspielte, in gegenseitig allmählich steigender Dynamik. Später dann drönende Klänge aus Gratkowskis Bassklarinette, die eine Art Marschrhythmus bilden, zu dem Tramontanas Posaune zu hören ist, diesmal als Melodiestimme.

An vielen Stellen sind Posaune und Saxophon Percussionsinstrumente, da läßt Sebi Tramontane die Posaune im tiefen Baß schnarren, von ins Mundstück gesprochenen Silben unterbrochen, da schnalzt, zischt und wispert Frank Gratkowski auf seinem Saxophon. Als beide Musiker auch noch ihre Stimmen einsetzen und die instrumentalen Klänge mit gesungenen Worten begleiten, fangen die Grenzen an zu verschmelzen – was ist noch Instrument, was ist Stimme, und überhaupt, was ist Saxophon, was Posaune?

Montag, 15. Februar 2016

Metal, Wood & Wire – extended

Heute war das Projekt »Metal, Wood & Wire – extended« (USA, I, D) zu Gast bei Jazz im Schauspielhaus:
Geoff Goodman – Gitarre
Ardhi Engl – Gitarre, div. Eigenbauinstrumente
Sebi Tramontana – Posaune
Bill Elgart – Schlagzeug

Das Projekt der vier Musiker lebt zu einem guten Teil von den Klangexperimenten des bayrisch-sumatranischen Gitarristen Ardhi Engl, der für seine selbst erfundenen Instrumente "Klangobjekte, Materialien, Utensilien und Fundstücke aus den Bereichen Ab-, Zu- und Einfall verfremdet und bespielt", wie es auf der Webseite von Metal, Wood & Wire heißt. Neben diesen experimentellen Klängen gab es aber auch handfest improviserten Jazz zu hören.

Die vier Musiker haben kaum auf der Bühne Platz genommen, da erobert auch schon ein Chaos von Tönen den Raum, erzeugt Ardhi Engl auf einer Art klingendem Kleiderständer (seinem „Stangl-Baß“, wie er ihn später nennen wird) und anderen selbst gebauten Instrumenten willkürliche Klänge. Gitarre, Posaune und Schlagzeug stehen dem nicht nach und spielen ebenso abseits von Melodien. Doch allmählich werden die Töne klarer, formen sich Strukturen aus dieser klanglichen Ursuppe. Aus Klängen werden Töne, entwickeln sich Melodien. Eine musikalische Evolution findet vor den Ohren der Konzertbesucher statt, eine Metamorphose vom Chaos zur Musik.

Das nächste Stück wird von der Elektronik beherrscht, bzw. den elektronisch verstärkten Tönen, die Engl einer Art Daumenklavier entlockt, konstruiert aus Zahnstochern, Laubsägeblättern, Schraubenfedern und ähnlichem Zubehör. Später bringt er ein Besenstiel-Cello oder eine Schlauchflöte zum klingen. Instrumente, aus dem zusammengebastelt, was ihm grad vor die Finger kommt. „Ich bin ein Verfechter des preiswerten Musizierens“, sagt Engl im Pausengespräch über sein Instrumentarium. Wenn er "Spaß daran hat, aus einfachen Dingen etwas herzustellen", dann hat er auf jeden Fall ein Händchen dafür, daraus auch etwas Klingendes zustande zu bringen. Später kommt sogar ein röhrenverstärkter Sinusgenerator (PM5100 von Philips) zum Einsatz, bei dem der Rezensent aus früherer Begeisterung für den Physikunterricht leuchtende Augen bekommt.