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Freitag, 21. April 2023

Jane in Ether

Im zweiten Teil des Clubabends der Magdeburger Jazztage mischten sich bei "Jane in Ether" die Klangfarben und musikalischen Möglichkeiten von Stimme, Violine,Flöten und Klavier in mikrotonaler Weise.

Biliana Voutchkova - Violine / voice
Miako Klein - Flöte / Paetzold
Magda Mayas - Piano

Das Konzert beginnt am unteren Rand der Hörschwelle, mit Klängen, Tönen und Geräuschen, mit sphärischen Klängen, die sich einander überlagern, irgendwie zu allen Instrumenten passen, zum präparierten Klavier, zu Geige und Flöte - man muss schon genau hinschauen, welches Instrument gerade zu hören ist. Da scheint Obertongesang aus der mongolischen Steppe ebenso drin zu stecken wie helle Gebetsglöckchen (von Magda Mayas aus dem Klavier gezaubert). Biliana Voutchkova malträtiert ihre Violine mit dem Bogen, dass es schmerzt, Miako Klein fügt ruhige Flötentöne hinzu.

Donnerstag, 20. April 2023

Uschi Brüning und Günther Fischer Quintett

Ein grandioser Auftakt der 6. Magdeburger Jazztage: Mit Uschi Brüning und Günther Fischer standen im Magdeburger Gesellschaftshaus zwei Legenden des ostdeutschen Jazz auf der Bühne. Man merkte sofort: Die beiden haben's noch immer drauf!

Uschi Brüning – Gesang
Günther Fischer – Saxophon, Keyboard, Flöte
Rüdiger Krause – Gitarre
Matthias Bätzel – Piano
Tom Götze – Bass
Wolfgang "Zicke" Schneider – Schlagzeug

Günther Fischer kommt zunächst nur mit seiner Band auf die Bühne, setzt sich an sein E-Piano, spielt ein paar Töne und beginnt zu singen. Sofort ist man drin in einer Musikstimmung der 60er Jahre, die nostalgisch und aktuell zugleich wirkt. Sphärische Elektroklänge vom E-Piano, Bass und Gitarre erzeugen einen stimmigen Fusion Sound. Günther Fischer spielt mit einer beiläufigen Lebendigkeit, solo und im musikalischen Zwiegespräch mit seiner Band, wenn sie sich gegegnseitig Melodien zuspielen. 

Immer wieder tritt er an das Mikrophon und man hat den Eindruck, er könnte ewig Geschichten über seine Musik erzählen, über die Musiker mit denen er spielte, über Orte und Filme. Orte, ja auch Magdeburg. "Auch an Magdeburg habe ich lange zurückliegende Erinnerungen", sagt er und erzählt über Auftritte im Café Impro (einer alten Magdeburger Musikkneipe, die es nun auch schon nicht mehr gibt). 

Bei vielen der Stücke hat man Filme im Ohr, für die sie komponiert wurden oder auch Sänger, die die Lieder sangen. Ja, sicher, auch abhängig vom Alter. Mir zum Beispiel sagte der Film "Der Kinoerzähler" nichts, aus dem er Melodien spielte – aber der Sound war dennoch vertraut. Wie soll das auch anders sein bei einem Musiker, der so viele musikalische Spuren hinterlassen hat. Ein Sound, bei dem sich zur Nostalgie noch eine leise Melancholie gesellt. Andere Titel sind mir vertrauter, in denen ich die Stimme von Manne Krug sogar dann heraushöre, wenn sie nur instrumental gespielt werden.

Nach mehreren Instrumentals tritt Günther Fischer ans Micro und kündigt Uschi Brüning an: "Wir haben schon früher über lange Zeit zusammengearbeitet, uns dann aus den Augen verloren und uns dann beide am Horizont wieder wahrgenommen".  Dass beide gemeinsam im Konzert zu erleben sind ist ein Glücksfall, denn hier kommen zwei zusammen, die eine lange Musiktradition verbindet, die ähnliche Auffassungen von Jazz hatten.Als erster gemeinsamer Song ist "In dieser Nacht" zu hören, dass sie schon 1974 mit dem Günther Fischer Quintett für eine LP aufnahm. Im Duett mit Günter Fischer 2023, fast 50 Jahre später, hört man: die beiden können noch immer so gefühlvoll singen.

Montag, 20. Dezember 2021

Ruf der Heimat

Mit "Ruf der Heimat" steht ein Jazzquartett auf der Bühne, das mit Saxophon und Posaune eine doppelte Bläserbesetzung hat. Dazu noch ein Bass und Schlagzeug. Worauf man in diesem Fall ausdrücklich hinweisen kann: ein kräftiger Bass, denn auch dieser spielt unverstärkt. Man kommt also in den Genuss einer völlig unverfälschten, akustischen Musik. Unplugged, und das funktioniert auch wunderbar. 

Thomas Borgmann – Tenor- & Sopransaxophon, Flöte
Christof Thewes – Posaune
Jan Roder – Bass
Willi Kellers – Schlagzeug

Das Konzert fand in einer Zeit mit steigenden Pandemiezahlen statt, in einer wieder heranbrechenden Zeit der Unwägbarkeit für Musiker, Veranstalteru und Publikum. "Egal was die Politiker morgen beschließen, wir machen unbeirrt Kunst und Kultur im Forum", sagte Warnfried Altmann bei der Anmoderation der Musiker. "Wir lassen uns heute nochmal ergreifen von vier phantastischen Musikern".

Bei der Instrumentierung bleibt es nicht aus, dass die Musik ab und an auch Anklänge an klassischen New Orleans zeigt – wenn auch in einer eigenwilligen Form. Christoph Thewes Posaune meint man beinahe sprechen zu hören, Willi Kellers legt einen Rhythmus drüber, den er aus dem Maschinenraum des Jazz holt, Jan Roders Bass klingt mit kräftigen, tiefen und groovenden Tönen und dazu kommt Thomas Borgmann mit einem wilden Saxophon. Vor Weihnachten ist das mal eine Gelegenheit, sich so weit wie möglich von romantisch-kitschigem Weihnachtsgedudel zu entfernen. 

Freitag, 26. November 2021

Offbeat: Thomas Walter Maria & Kapelle

Thomas Walter Maria und seine Kapelle könnte man auch gut als "Mini-Big-Band" bezeichnen, so kräftig und schwungvoll wie die wirklich nur fünf Musiker spielten.

Thomas Walter Maria – Saxophon, Flöte, Gesang
Marius Moritz – Klavier
Markus Hensel – Posaune
Mohi Buschendorf – Bass
Ludwig Buschendorf – Schlagzeug

"Wir nehmen Sie mit auf eine musikalische Zeitreise, von den 1920er Jahren bis heute", sagte Thomas Walter Maria zu Beginn des Konzertes. Aber erst jetzt wo ich das schreibe wird mir bewusst dass es ja tatsächlich nun schon fast 100 Jahre her ist, das Songs wie Puttin on the Ritz entstanden. Gespielt und gesungen wie in einer der Bars aus dem Berlin der 1920er Jahre (und da ich noch nicht so alt bin: jedenfalls so wie ich mir das vorstelle). 

Nicht nur eine Zeitreise ist zu erleben, sondern auch eine Fahrt durch die Stile des Jazz. B-Bop, Swing, Musik aus dem Jame-Bond-Film "You only live twice" von 1967 – in einer Samba-Bossa-Nova-Version, die sich so schwungvoll vom Original entfernt, dass es eine Freude hat. Etwas funkiges aus den 70ern. Für die 80er steht "sweet dreams" von den Eurythmics, schon deshalb so interessant weil die Stimme so anders als im Original ist, dazu noch die spezielle jazzige Interpretation, toll! Für die 70er dann "Paquito", eine Hommage an den kubanischen Saxophonisten Paquito d'Rivera.

Montag, 15. Juni 2020

Gunter Hampel European-New York Quartet

Gesang trifft auf Saxophon, Vibraphon und Elektronik: Heute stand Gunter Hampel mit seinem European-New York Quartet auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung Magdeburg:
Gunter Hampel – bcl, vib, fl
Johannes Schleiermacher – ts, music easel
Cavana Lee-Hampel – voc
Bernd Oezsevim – perc

Das Konzert von Gunter Hampel und seiner Band ist eines der ersten nach der Corona-bedingten Zwangspause, die Künstler wie Kultureinrichtungen hart traf. Nach vier Monaten Konzertpause ist dieses Zusammentreffen von Musikern und Publikum wie ein kleiner Neuanfang. Vor Konzertbeginn, als alle noch im Innenhof des Forum Gestaltung stehen, gibt es viele Gespräche über Kunst und Kultur, über die Auswirkungen für die Künstler. Auch das Ambiente vor der Jazzbühne ist ungewohnt. Statt dicht gedrängt sitzen die Gäste nun auf anderthalb Meter Abstand, Paare dürfen auch enger, es ist nicht so kuschlig wie sonst und für die Frischluftzufuhr sorgen weit offene Türen, durch die hindurch an leisen Stellen die Rufe der Mauersegler die Musik begleiten. 

Als das Konzert beginnt, sind diese Umstände aber sofort vergessen. Die Musiker beginnen erst leise zu spielen, tasten sich an die Möglichkeiten der ungewohnten Konzertatmosphäre, an ihr Publikum heran. Die Musik kommt von der Bühne anfangs zweigeteilt, links Cavana Lee-Hampels Gesang, mit ihr harmonierend Johannes Schleiermachers Saxophon, auf dem er anfangs nur einzelne kurze Töne rhythmisch wiederholt, kurze Tonfolgen spielt, von rechts mischen sich glockenhelle Töne des Vibraphons. So richtig geht gleich darauf die Post ab, als Gunter Hampel die sphärischen Vibraphonklänge unterbricht und zu seiner Bassklarinette greift. Ab da kommt die Band zu einem runden Gesamtklang, wird es jazzig improvisierend und laut auf der Bühne, Bernd Oezsevim legt kräftige Rhythmen drunter – die Band spielt sich in eine wunderbare, in eine wilde musikalische Übereinstimmung hinein. Ja, genau das hat mir so lange gefehlt!

Montag, 16. Dezember 2019

Baars – Kneer – Elgart

Heute waren drei Musiker in Magdeburg, die für kräftige und experimentelle Töne auf der Magdeburger Jazzbühne sorgten.
Ab Baars – Tenorsaxophon
Meinrad Kneer – Bass
Bill Elgart – Schlagzeug

Das Konzert war das letzte der Schlagzeug-dominierten Konzertreihe des Jahres 2019. Und so bestimmte dann auch ganz zu Recht Bill Elgart die Bühne. Er spielte nicht einfach nur Schlagzeug, er wurde eins mit seinen Instrumenten, sitzt nicht nur stoisch da, sondern wirbelt beinahe mit der Geschwindigkeit seiner Stöcke herum, bringt seinen ganzen Körper in Einsatz, wenn er seine Trommeln und Becken schlägt, es gibt kaum einen Ruhepunkt. Was für den Fotografen übrigens sehr schwierig ist, aber das soll bei der Musik keine Rolle spielen.

Zu den ruhigeren Teilen des Abends gehören die Stellen, in denen Meinrad Kneer mit seinem Bass in den Vordergrund tritt. Oft spielt er ihn in experimentellen Techniken, weit abseits klassischer gezupfter oder gestrichener Spielweisen. Etwa wenn er die Seiten des Basses extrem kurz greift, noch unterhalb des Griffbrettes, und darauf dann hohe Tonfolgen, mit Tonabstand von geschätzt Viertel- oder Achteltönen streicht. Dann spielt auch Elgart leise, lässt hier und da helle Glöckchen klingen oder legt einen ganz leisen Marschrhythmus unter die Bassklänge. Als dann Ab Baars statt seines sonst sehr kräftig geblasenen Saxophons zur Shakuhachi, der japanischen Bambusflöte greift, klingt die Musik der drei fernöstlich, sanft und mystisch, ein wenig nach buddhistischen Tempelklängen und lädt ein in Trance zu versinken.

Montag, 16. September 2019

Max Andrzejewskis Hütte & Guests play the Music of Robert Wyatt

Kräftige Musik mit einer begeisternden Sängerin war heute auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung zu hören. Max Andrzejewskis Hütte & Guests stellte die aktuelle CD vor, auf der sie Musik von Robert Wyatt neu vertonten.
Max Andrzejewski – Schlagzeug
Tobias Hoffmann – Gitarre
Andreas Lang – Bass
Johannes Schleiermacher – Saxofon, Querflöte
Ayşe Cansu Tanrıkulu – Gesang
Jörg Hochapfel – Piano, Gitarre

Für sein aktuelles Projekt hat Max Andrzejewski seine "Hütte", sein Quartett, verstärkt, hat die Sängerin Ayse Cansu Tanrikulu und den Pianisten und Gitarristen Jörg Hochapfel hinzugeholt. Zu sechst verbreiten sie von der Bühne herab einen kräftigen Sound, der mal jazzmäßig gewohnt akustisch klingt, mal (oder sogar überwiegend) von Elektronik geprägt ist. Psychedelische Klangwelten tun sich aus, wenn die Instrumente elektronisch verfremdet werden, ihre Klänge sich überlagern, vervielfachen, verzerrt und verfremdet werden.

Hinzu kommt die begeisternde Sängerin Ayse Cansu Tanrikulu, die mit eindringlicher Stimme singt, vor sich ebenfalls ein Effektgerät, das zusätzliche Akzente setzt, Echos, Wiederholungen, Überlagerungen. Der Verwendung von Effektgeräten für die Stimme stehe ich zwar meist eher skeptisch gegenüber. Hier jedoch passen sie zu Cansu Tanrikulu, fügen ihrem kräftigen Gesang, manchmal sind es auch nur laut herausgeschrieene Worte, erst so richtig in die gewaltigen Klänge der Band ein. Dann wieder (wie bei "Cuckoo Madame") singt sie sehr sanft, bildet einen leisen Kontrast zu den interessanten Toneffekten der Band. Wenn ihre Stimme in solchen Stellen klar und einfach neben dem Saxophon zu hören ist, während die Sängerin im fahlen, blassblauen Bühnenlicht steht, dann hat das etwas sehr berührendes.

Montag, 17. Juni 2019

Sonore Wandbehänge

Der Titel Sonore Wandbehänge stand über dem letzten Konzert vor der Sommerpause. Eine interessante musikalische Auseinandersetzung von Jazz-Musikern mit der Musik von Eric Satie!
Otto Hirte – Sax, Flöte, Klarinette
Leon Albert – Gitarre
Marius Moritz – Piano
Sebastian Braun – Bass
Halym Kim – Schlagzeug

Die "Sonoren Wandbehänge" im Bandnamen entnahm der Berliner Pianist Marius Moritz dem Titel einer von Eric Satie geplanten (aber dann doch nicht veröffentlichten) Sammlung von Musikstücken. Satie ist am bekanntesten für seine kurzen Klavierstücke, wie zum Beispiel die Gymnopedien. "Wir haben aber absichtlich die unbekannteren Stücke von Satie herausgesucht", sagte Marius Moritz. Zu den so entstandenen Adaptionen für das jazz-Quintett trug dann jeder der Musiker (die sich während des Studiums an der Dresdener Musikhochschule kennenlernten) etwas bei. "Jeder brachte da 'seine' Satie-Stücke mit, die Arrangements entstanden dann in gemeinsamer Arbeit".

Im ersten Stück des Abends, der Meditation, lassen die ersten Klänge eher auf Kammermusik schließen denn auf Jazz. Marius Moritz spielt leise Tonfolgen auf dem Klavier, zu denen bald Sebastian Brauns gestrichener Bass kommt und Otto Hirte in sein Saxophon haucht, beinahe nur Windgeräusche erzeugt. Als dann alle fünf Musiker bald drauf lso spielen, kommen nun auch die jazzigen, improvisierten und schrägen Töne. Wildes Saxophon, kräftige Schlagzeugrhythmen. Und als am Ende alle anderen verstummen, bleiben noch Marius Moritz' leise, konzentriert gespielte Klaviertöne. "Für uns sind Saties Kompositionen eine hervorragende Basis, die einem Stück Identität schafft, ohne sich beim Spielen zurückhalten zu müssen", sagte der Pianist, der zum Hintergrund des gemeinsamen Projektes sagte, "wir haben die CD im Jahr 2016 zum 150. Geburtstag von Eric Satie (1866 bis 1925) aufgenommen".

Montag, 19. Februar 2018

Fun Horns

Heute standen die Fun Horns auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung.
Volker Schlott – Sopransaxophon, Altsaxophon, Flöte
Jörg Huke – Posaune
Nikolaus Neuser – Trompete, Flügelhorn
Falk Breitkreuz – Tenorsaxophon, Bassklarinette, Flöte

Konzertveranstalter Warnfried Altmann freute sich über ein volles Haus und stellte fest: "wenn alte DDR-Jazzer kommen, dann ist der Saal voll". Die Fun Horns, die sich 1986 zusammenfanden und auch in Magdeburg vor vielen Jahren schon einmal bei Jazz in der Kammer spielten, nahmen diese Bemerkung auf und machten im Laufe des Programms immer mal wieder witzige Anmerkungen zu lange zurückreichenden Musikstücken. Ansonsten spielte die Geschichte der Band eher keine Rolle. Bis auf das unverkennbar große Publikumsinteresse.

Die vier Blechbläser beginnen ihr Konzert beinahe unhörbar leise. Nur ein leises Atemgeräusch ist aus dem Blech zu hören, bis dann Nikolaus Neuser auf der Trompete und Volker Schlott auf dem Saxophon unisono eine sehr leise, zarte Melodie zu spielen beginnen. Eine Melodie, die sich, allmählich lauter werdend, zu einer Begrüßungsfanfare entwickelt. Ein Stück mit beinahe klassischer Anmutung. Erst später stimmen Falk Breitkreuz mit der Baßklarinette und Jörg Huke an der Posaune ein, es entwickelt sich ein instrumentaler Wechselgesang. Gleich zu Beginn war auch wieder zu merken: das kleine, aber feine Magdeburger Jazz-Publikum lauscht äußerst aufmerksam. Auch – oder ganz besonders – an den leisen Stellen. 

Montag, 15. April 2013

Michael Heupel und Frank Wunsch

Michael Heupel — Flöte
Frank Wunsch — Klavier

Frank Wunsch (p) und Michael Heupel (fl)

Frank Wunsch beginnt den Abend mit All the things you are, einem ruhigen Blues, in den dann Michael Heupel mit seiner Kontrabaßflöte einstimmt. Ein wahrhaft großes Instrument, größer als der Musiker, das Mundstück des drei Meter langen Rohrs ist überhaupt nur durch dessen mehrfache Abwinklung zu erreichen. Und ebenso ungewöhnlich wie die Form der Flöte sind auch ihre Klänge. Mit Heupels spezieller Spieltechnik meint man tatsächlich an einigen Stellen, gezupfte Saiten eines Kontrabasses schwingen zu hören, die Wunschs Klaviermusik unterstützen.

Als Heupel dann bei Pay me zur kleineren Querflöte greift, klingt sein Spiel gleich völlig anders, und es mag an dem klassischen Instrument liegen, daß ich dort auch Töne der französischen Romantik heraushörte, Anklänge an Debussy etwa. Allerdings blieb es nicht dabei, denn das Stück wechselte wie auch andere des Abends hin zu komplizierten rhythmischen Figuren und Dissonanzen.

Anders beispielsweise bei Johannas Waltz, einem von Wunsch zwar durchkomponiert notierten, hier aber improvisiert gespielten Stück, das beinahe sphärisch ruhig klang. So unterschied sich der musikalische Gesamteindruck des heutigen Konzertes sehr von so vielen zuvor bei Jazz in der Kammer gehörten.

Überwiegt bei Jazz in der Kammer sonst die laute, kräftige und schnelle Musik, so bleibt vom Konzert von Heupel und Wunsch die ruhige und in weiten Teilen meditative Musik in Erinnerung, in die man sich förmlich versinken lassen konnte. Um ein Maß für die Ruhe und Konzentriertheit der Musik zu geben – das eigentlich relativ leise Auslösegeräusch meiner Spiegelreflex war teils deutlich zu hören und als Fotograf hätte ich mir heute gewünscht, meine gute alte Lumix FZ50 mitgenommen zu haben, mit der ich völlig lautlos fotografieren konnte. Nun ja, ich hoffe das unvermeidliche Auslösegeräusch hat nicht zu sehr gestört und die fotografischen Erinnerungen entschädigen dafür...

Nach der Pause nahm Heupel seine ein wenig kleinere Baßflöte zur Hand, der er percusssionsartige Töne entlockte, die später durch seinen zum Flötenspiel parallelen Stimmeinsatz Tönen aus elektronischen Instrumenten ähnelten. Die Flöten, so ungewohnt sie auch im Jazz zu sein scheinen, sind für Heupel ein wahres Experimentierfeld. Das merkte man auch bei seinem Solo auf der Kontrabaßflöte, die er diesmal wie ein Didgeridoo klingen ließ, mit Zirkularatmung ununterbrochen gespielt, später dann mit Beatboxing-Tönen unterlegt. Eine große Vielfalt an Klängen kommt aus seinem Instrument.

Nach seinen Flöten befragt, sagt Heupel, daß seine heute gespielte Kontrabaßflöte noch nicht die größte ist. Eine Subkontrabaßflöte habe er auch noch, aber die bekomme er im Zug schlecht tranportiert. Die Reise mit dem Zug ist es später auch, die dem Konzert ein etwas plötzliches Ende gibt. Heupel, der am selben Abend noch weiter muß, muß gleich zur Zugabe überleiten, um seinen letzten Zug noch zu schaffen. Bei Charlie Parkers Come to the river greift er nochmals zur Kontrabaßflöte, um damit gleich einem akustischen Baß Wunsch am Piano zu unterstützen.

Auf jeden Fall wird das Konzert in einer schönen Erinnerung bleiben und damit auch Warnfried Altmanns Begrüßungsworte bestätigen. Altmann sagte zu Beginn des Konzertes, daß er Michael Heupel bisher immer gemeinsam mit den Pata Masters in einer großen Besetzung hörte und sich darauf freue, ihn nun nicht nur als einen unter vielen auf der Bühne zu haben.