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Montag, 19. Februar 2024

Theo Jörgensmann Quartett

Mit dem Theo Jörgensmann Quartett war eine Band zu erleben, die bereits seit den 90er Jahren gemeinsam auf den Jazz-Bühnen steht. Im bis auf den letzten Platz (es wurden sogar noch Stühle herangeholt) vollen Saal im Magdeburger Forum Gestaltung.

Theo Jörgensmann – Klarinette
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

"Auf der Bühne erleben wir vier Individualisten, die sich gegenseitig nichts mehr beweisen müssen", so stellte Warnfried Altmann das Quartett des Klarinettisten Theo Jörgensmann vor. Will meinen: alles langjährige Jazzer, die mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit ihre Musik ausleben. Tatsächlich legen die vier von Beginn an ein sehr hohes Tempo vor, spielen über lange Strecken hinweg kräftig, mit nur kurzen Ruhepunkten. Und sie spielen jeden der beiden Sets in einem Zug durch. Wow! 

Montag, 15. Januar 2024

Wood & Steel Trio

Zum Auftakt des Jazzjahres im Forum Gestaltung war das Wood & Steel-Trio zu hören, mit

Marc Muellbauer – Kontrabass
Roland Neffe – Marimba- und Vibraphon
Christian Kögel – Dobro Steel Guitar

"Das heutige Konzert ist noch eines aus dem letzten Jahr, als der Kontrabass im Mittelpunkt stand", begrüßte Warnfried Altmann die Gäste im beinahe ausverkauften Saal des Forum Gestaltung. Und so strich dann Marc Muellbauer seinen Bass zunächst solo. Und wie er zu Beginn spielte, erinnerte mich das an Barockmusik. Mit nur wenigen Tönen, erst langsam gespielt, dann schneller werdend, schaffte er eine Grundstimmung, zu der dann Roland Neffe am Vibraphon und Christian Kögel mit seiner metallglänzenden Dobro Steel Guitar hinzukamen.

Montag, 18. Dezember 2023

Floridis – Kneer – Dimitriadis

Das Dezemberkonzert von "Jazz in der Kammer" war alles andere als weihnachtlich-besinnlich. Und das war auch gut so, denn das griechisch-deutsche Freejazz-Trio pustete die Ohren durch und machte sie frei von seichten Klängen.

Floros Floridis – Klarinette, Bassklarinette
Meinrad Kneer – Kontrabass
Yorgos Dimitriadis – Schlagzeug, Perkussion

Warnfried Altmann erklärte die Vorgeschichte des Konzertes, des letzten in der diesjährigen "Kontrabass-Reihe": "Ich hatte Meinrad Kneer angerufen und ihn gefragt, wen er empfehlen kann, und so kam er mit seinem aktuellen, ganz neuen Trio".

Zu Beginn des Konzertes kam Meinrad Kneer aber erst mal solo auf die Bühne. "Mal sehen wie lange es wird – Ihr könnt auch zwischenrufen", sagte er. (Und wenn jetzt jemandem Patrik Süßkinds Monolog "Der Kontrabass" in den Sinn kommt – nein, ich habe ihn nicht gefragt, wie oft er schon darauf angesprochen wurde). Nein, es rief niemand dazwischen. Ganz im Gegenteil, das Magdeburger Jazzpublikum lauschte aufmerksam. Es wurde eine lange, interessante Improvisation, mit Klängen von den tiefsten Bass-Saiten bis hin zu höchsten Obertönen. Musik mit einer inneren Dramaturgie, die Meinrad Kneer in einer ruhigen, überlegten Weise spielt,wie um eine Geschichte zu erzählen und ich selbst hätte mir sein Solo auch gut als Begleitung zu einem Trickfilm vorstellen können.

Als dann Floros Florides und Yorgos Dimitriades hinzukommen, wird von allen dreien frei und frisch drauflos improvisiert. Dabei wechselt Floros Florides immer mal zwischen Klarinette und der langen Bassklarinette, spielt kurze Tonfolgen, intensiv und kraftvoll, die von Meinrad Kneer am Bass ergänzt und von Yorgos Dimitriades am Schlagzeug kommentiert werden. Ein gemeinsames Spiel von Tönen und Klängen der drei Musiker, die bei aller Wildheit der Klänge doch genau aufeinander hören. 

Montag, 20. November 2023

Paul Brody's City Lights Ensemble

Heute war der geniale Paul Brody mit seinem City Lights Ensemble bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung Magdeburg zu erleben.

Paul Brody – Trompete, Stimme, Komposition
Christian Kögel – Gitarre
Lisa Hoppe – Bass, Stimme
Hans Otto – Schlagzeug

Der aus den USA stammende, schon sehr lange in Berlin lebende Trompeter spielte Musik, die man vielleicht vereinfacht als Speed-Klezmer-Balkan-Jazz bezeichnen könnte. Frisch, fröhlig, spritzig, modern und interessant. Dazu Lisa Hoppe, die mit Bass und Gesang eine ganz eigene Note einbrachte, der langjährige Begleiter von Brody Christian Kögel (Gitarre) und neu in der Band Hans Otto (Schlagzeug). Das Konzert war zugleich Teil der jüdischen Kulturtage Sachsen-Anhalt und des Tonkünstlerfestes des DTKV Sachsen-Anhalt e.V. 

Montag, 16. Oktober 2023

Gilbert Paeffgen Trio

Mit dem Gilbert-Paeffgen-Trio gab es heute frischen neuen Jazz aus der Schweiz. 

Claude Meier – Bass
Fabian M. Müller – Piano
Gilbert Paeffgen – Drums, Hackbrett

Warnfried Altmann, Organisator von Jazz in der Kammer, hatte für die Konzerte dieses Jahres den Jahresschwerpunkt "Bass" ausgerufen. Und so passte es, dass Claude Meier zunächst solo auf die Bühne kommt. Er zupft den Bass leise, beklopft ihn, macht in so zum Percussion-Instrument und macht deutlich, welch wunderbares Instrument der Bass ist. Weit von dem entfernt, was in Patrick Süskinds grandiosem Stück "Der Kontrabaß" als Lamento eines Bassisten auf die Bühne kommt. 

Danach kommt Fabian Müller hinzu, greift in den Körper des Konzertflügels, lässt die höchsten und tiefsten Saiten metallisch klingen. Dass auch Gilbert Paeffgen wenig später auch auf die Bühne kommt, nimmt erst wahr, als er leise trommelnd erste Rhythmen dazu mischt. Aus diesem Zusammenklang der drei Musiker entwickelt sich bald ein faszinierender minimalistischer und mediativer Sound, der die Zuhörer in den Bann zieht. 

Montag, 18. September 2023

The Circle 5.0

Heute ging es nach der Sommerpause ("aber was heißt schon Sommerpause", sagte Warnfried Altmann, "hier im Forum Gestaltung war auch im Sommer immer was los") gleich kräftig zur Sache, mit zwei Schlagzeugern, zwei Saxophonen und einem Bass:

Reza Askari – Kontrabass
Hans Peter Hiby – Saxophon
John Dikeman – Saxophon
Shōji Hano – Schlagwerk 
Willi Kellers – Drum

Für diese ungewöhnliche Besetzung begann das Konzert überraschend leise. Die Musiker hatten zu Beginn den Bass in den Vordergrund gestellt, Bass solo, und so sanft habe ich einen Bass schon lange nicht spielen gehört. Reza Askari lässte seinen Bogen leicht auf die Saiten prallen, erzeugt leise gestrichene Töne, teils auch im Obertonbereich der Saiten, Glissandi, medidative Klänge. 

Montag, 19. Juni 2023

Christian Marien Quartett

Das Christian Marien Quartett stand beim letzten Konzert von Jazz in der Kammer vor der Sommerpause auf der Jazz-Bühne im von der Sonne aufgeheizten Forum Gestaltung:

Christian Marien (Schlagzeug)
Tobias Delius (Tenorsaxophon, Klarinette)
Jasper Stadhouders (Gitarre)
Antonio Borghini (Kontrabass)

Christian Marien beginnt furios, mit Klängen, die von Anfang an voll auf die Ohren gehen: kräftiges Schlagzeug wird von kurzen aber kräftigen Tonfolgen des Saxophons beantwortet. Schon bald finden die vier Musiker sich zu einem gemeinsamen Sound zusammen, bei dem sie immer noch einzeln heraushörbar bleiben. Später wird die Musik leiser, reduziert sich auf Rhythmen, Tobias Delius spielt seine Klarinette mit singendem Ton, mit schon fast orientalisch klingenden Melodien. 

Montag, 15. Mai 2023

The Instincts

Heute gab es unerwartet rockige Jazz-Klänge von "The Instincts".

Georgi Sareski – Gitarre
Antti Virtaranta – Bass
Boris Bell – Schlagzeug, Klavier

In der Ankündigung des Konzert hieß es: "Was passiert, wenn ein Mazedonier, ein Finne und ein Deutscher einfach ihren Instinkten folgen? Es entsteht eine außergewöhnliche Musiker-Formation, ein musikalisches Abenteuer mit Groove-Improvisationen, Jazz-Traditionen und außergewöhnlichen Stileinflüssen in einer kollektiven Interaktion." Das sollte sich im heutigen Konzert live noch viel mehr bestätigen. 

Vor dem eigentlichen Programm gab es für Warnfried Altmann, der Jazz in der Kammer nun schon 33 Jahre lang veranstaltet, ein improvisiertes Happy Birthday. Mit verzerrter Gitarre eher angedeutet als ausgespielt, genau passend für den Improvisateur Altmann. "Das war unser kleines Präsent für Warnfried Altmann", sagte Boris Bell, "jetzt spielen wir wieder ernsthaft". Was am Stil nichts änderte. Verzerrte E-Gitarre, kräftiger akustischer Bass vor den Rhythmen von Bells Schlagzeug. Die drei spielten eine sehr rockige und bluesige Version von Jazz. "Eine Spur von Pop war aber auch dabei", sagte Boris Bell, der sehr vielfältig musikalisch unterwegs ist (unter anderem war er 2018 mit der Berliner Weltmusik-/Balkan-/Klezmer-Brassband Schnaftl Ufftschik in Magdeburg), nach dem Konzert. Dabei hatte das Konzert neben den vielen rockigen auch ganz leise Momente. Wenn etwa Bell seine große Tomtom mit den Händen spielt, Sareski die E-Gitarre nur sparsam einsetzt und Virtaranta den Bass leise streicht, dann hat das etwas meditativ-beschwörendes. Auch wenn sich Bell an den Konzertflügel setzt und dort leise spielt, von den anderen nur ebenso leise kommentiert.

Mitunter meint man, Zitate bekannter Melodien zu erkennen (zu kurz um sie zu erkennen, und überhaupt, "nein, alles von uns" sagte Bell dazu), dann wieder ein wildes Creszendo, von dem die Ohren klingen, gefolgt von einem einem beinahe unhörbar leisen Duett aus Gitarre und Schlagzeug. 

Sareskis Gitarre fällt auf der Bühne durch ihre geringe Größe auf, kaum größer als eine Ukulele. "Die habe ich speziell für mich bei Brennus Guitars in Serbien anfertigen lasse", sagt Sareski und erklärt "die Gitarre ist zwar insgesamt kleiner als andere, aber Saiten sind ganz genauso lang wie normale Gitarren".

Das Trio The Instincts setzt sich international zusammen. Der Gitarrist Georgi Sareski kommt aus Mazedonien, der Bassist  Antti Virtaranta aus Finnland und der Schlagzeuger Boris Bell aus Deutschland. "Seit 2018 spielen wir als Band zusammen", sagt Bell, "aber es ist immer ein recht großer Aufwand, zusammenzukommen". Bei diesem Hinweis merkt man mal wieder, wie groß Europa ist – und wie wichtig und zugleich inspirierend es ist, Musiker aus völlig unterschiedlichen Gegenden und mit musikalischen Hintergründen zusammenzuholen. Das ist musikalische Völkerverständigung as its best. de.

Ihr erstes Album heißt nicht ohne Grund „Music Unseen“. THE INSTINCTS ist ein Trio wie kein anderes, und so spielen sie möglicherweise eine der aufregendsten Musiken der Zeit. Bizarr in dieser Weltlage – oder gerade deshalb.


Sonntag, 23. April 2023

Jolli sieht grün

Jolli, das ist die Sängerin Jorinde Jelen. Sie blickt in dem neuen Kinderprogramm ihrer Jolli-Band mit Kinderaugen auf die Umwelt, auf das was auch die Kinder unweigerlich wahrnehmen, wenn sie Gespräche der Eltern hören oder Nachrichten schauen. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Umwelt, erklärt Zusammenhänge, zeigt was getan werden kann, macht Mut. Und sieht dabei grün. 

Jorinde Jelen – Gesang, Moderation
Volker Dahms – Saxophon
Steffen Greisiger – Keyboards, Akkordeon
Bastian Ruppert – Gitarre, Gesang
Christian Sievert – Bass, Gesang
Eva Klesse – Schlagzeug


"Jolli sieht grün", heißt es im Titelsong, sie sieht blau, rot, gelb. Ihre Welt ist bunt und fröhlich, ihre Musik ist rockig und geht ins Ohr. "Wir malen uns die Zukunft bunt" ist ihre positive Sicht, mit der sie den Kindern einen positiven Blick auf eine Welt gibt, in der so vieles schlecht läuft und besser gemacht werden kann. "Was ist eigentlich Zukunft?" fragt sie, "ist das morgen? Ist das nächste Woche?" und lädt die Kinder ein, mit ihr "Zukunftsforscher" zu sein. 

Samstag, 22. April 2023

Sophie Tassignon: KYHAL

Sophie Tassignon stellte bei den Magdeburger Jazztagen ihr Album "Khyal" vor, ein für europäischen Jazz ungewöhnlicher, aber sehr gut funktionierender Ansatz, Jazz mit arabischen Texten zu verbinden.

Sophie Tassignon – Gesang
Peter van Huffel – Saxophon
Peter Meyer – E-Gitarre
Roland Fidezius – E-Bass
Mathias Ruppnig – Schlagzeug 

Aus Peter van Huffels Saxophon und Peter Meyers E-Gitarre kommen orientalische Klänge, dazu Muschelgeklapper vom Schlagzeuger Mathias Ruppnig. Jazz als Weltmusik, mit akustischen Bildern, über die Sophie Tassignon mit ihrem arabischen Gesang legt. "Mein Interesse für die arabische Sprache begann, als die Syrischen Flüchtlinge nach Europa kamen", sagt sie und berichtet davon, dass sie ab etwa 2016 begann arabisch zu lernen und in ihren Texten zu verwenden. 

Donnerstag, 20. April 2023

Uschi Brüning und Günther Fischer Quintett

Ein grandioser Auftakt der 6. Magdeburger Jazztage: Mit Uschi Brüning und Günther Fischer standen im Magdeburger Gesellschaftshaus zwei Legenden des ostdeutschen Jazz auf der Bühne. Man merkte sofort: Die beiden haben's noch immer drauf!

Uschi Brüning – Gesang
Günther Fischer – Saxophon, Keyboard, Flöte
Rüdiger Krause – Gitarre
Matthias Bätzel – Piano
Tom Götze – Bass
Wolfgang "Zicke" Schneider – Schlagzeug

Günther Fischer kommt zunächst nur mit seiner Band auf die Bühne, setzt sich an sein E-Piano, spielt ein paar Töne und beginnt zu singen. Sofort ist man drin in einer Musikstimmung der 60er Jahre, die nostalgisch und aktuell zugleich wirkt. Sphärische Elektroklänge vom E-Piano, Bass und Gitarre erzeugen einen stimmigen Fusion Sound. Günther Fischer spielt mit einer beiläufigen Lebendigkeit, solo und im musikalischen Zwiegespräch mit seiner Band, wenn sie sich gegegnseitig Melodien zuspielen. 

Immer wieder tritt er an das Mikrophon und man hat den Eindruck, er könnte ewig Geschichten über seine Musik erzählen, über die Musiker mit denen er spielte, über Orte und Filme. Orte, ja auch Magdeburg. "Auch an Magdeburg habe ich lange zurückliegende Erinnerungen", sagt er und erzählt über Auftritte im Café Impro (einer alten Magdeburger Musikkneipe, die es nun auch schon nicht mehr gibt). 

Bei vielen der Stücke hat man Filme im Ohr, für die sie komponiert wurden oder auch Sänger, die die Lieder sangen. Ja, sicher, auch abhängig vom Alter. Mir zum Beispiel sagte der Film "Der Kinoerzähler" nichts, aus dem er Melodien spielte – aber der Sound war dennoch vertraut. Wie soll das auch anders sein bei einem Musiker, der so viele musikalische Spuren hinterlassen hat. Ein Sound, bei dem sich zur Nostalgie noch eine leise Melancholie gesellt. Andere Titel sind mir vertrauter, in denen ich die Stimme von Manne Krug sogar dann heraushöre, wenn sie nur instrumental gespielt werden.

Nach mehreren Instrumentals tritt Günther Fischer ans Micro und kündigt Uschi Brüning an: "Wir haben schon früher über lange Zeit zusammengearbeitet, uns dann aus den Augen verloren und uns dann beide am Horizont wieder wahrgenommen".  Dass beide gemeinsam im Konzert zu erleben sind ist ein Glücksfall, denn hier kommen zwei zusammen, die eine lange Musiktradition verbindet, die ähnliche Auffassungen von Jazz hatten.Als erster gemeinsamer Song ist "In dieser Nacht" zu hören, dass sie schon 1974 mit dem Günther Fischer Quintett für eine LP aufnahm. Im Duett mit Günter Fischer 2023, fast 50 Jahre später, hört man: die beiden können noch immer so gefühlvoll singen.

Montag, 20. März 2023

BROM

Heute stand BROM auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung:

Alexander Beierbach (Saxophon)
Jan Roder (Bass)
Christian Marien (Schlagzeug)

BROM ist als Band-Titel aus den Anfangsbuchstaben der Namen der Musiker zusammengesetzt (und hat nichts mit dem chemischen Element mit der Ordnungszahl 35 zu tun). Unverstärkt spielen sie, nicht mal der Bass hat ein Mikro. Jan Roder spielt ihn durchaus kräftig, zu Beginn des Abends solo und da als Begleitung seines Instrumentes auch leise mitsingend; er spielt seinen Bass in einer phantasievollen, experimentellen Art. Als dann einige Zeit später Schlagzeug und Saxophon hinzukommen, geschieht dies zunächst leise und zurückhaltend. Doch bald fordert Alexander Beierbach am Saxophon, von dem auch die Kompositionen stammen, seine musikalische Führungsrolle ein. Mit kräftiger werdenden, klaren Melodien, den Tonumfang des Instruments voll nutzend. Dazu Christian Marien, mit virtuoser Fingerfertigkeit am Schlagzeug. 

Apropos Kompositionen: "Wir haben ein paar Stücke mitgebracht", sagte Beierbach, und fügte mit sichtbarem Spaß an, "wir spielen sie – oder auch nicht". Die Noten dienten dabei eher als kurze Notizen, der Rest war Improvisation. "Wir lassen das bewusst offen, was wir spielen". Das konnte auch Warnfried Altmann, Organisator der Jazz-Reihe bestätigen. Er hatte die Musiker grad zwei Tage zuvor in seine Heimat ins mecklenburgische Wangelin zu einem Konzert eingeladen. "Das war ein sehr interessantes und schönes – und heute habe ich schon wieder ein ein ganz neues Programm der drei gehört" sagte er nach dem heutigen Konzert.

Montag, 20. Februar 2023

Der Dritte Stand

Der Dritte Stand experimentierte mit Tönen und Stimmungen – dabei entstanden faszinierende Sounds, die nur eines nicht zuließen: in gängige Standards eingeordnet zu werden.

Matthias Müller – Posaune
Matthias Bauer – Kontrabass
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug

Dass der Dritte Stand kein Jazz-Trio der konventionellen Art ist, mit einem Front-Instrument und Begleitung von Bass und Schlagzeug, das hört man von Anfang an. Dabei beginnen die drei Musiker das Konzert sehr ruhig, Matthias Bauer lässt seinen Bass leise singen, durch Ziehen an den Saiten die Töne verzerrend, Matthias Müller lässt anfangs nur Atem- und Ploppgeräusche hören, selbst das Einziehen von Luft durch die Posaune hindurch wird zu Klang. Das alles kommentiert Rudi Fischerlehner mit leisen blechernen Percussionklängen. Erst allmählich nimmt die Musik Fahrt auf, wird lauter, heftiger. Die Posaune trötet los, bis einzelne Töne die Schmerzgrenze erreichen. Auch da bleiben es drei Individualisten, die in einer geheimnisvollen Art miteinander interagieren, scheinbar jeder sein eigenes Ding machend und so doch zu einem gemeinsamen Sound zusammenfindend. 

Montag, 19. Dezember 2022

Mars Williams: An Ayler X-Mas

Heute, kurz vor Weihnachten, wurde es auch auf der Magdeburger Jazzbühne weihnachtlich. Was nicht in jedem Jahr der Fall ist, denn nicht immer ergibt sich diese jahreszeitliche Übereinstimmung. Dass es keine kitschigen Weihnachts-Dudel-Klänge wurden, sondern eher bei Freunden des Free Jazz weihnachtliche Gefühle aufkamen, dafür sorgten die kräftigen Klänge der Musiker, die Mars Williams mit nach Magdeburg brachte.

Mars Williams – Arrangements, Percussion, Toy Instruments
Matthias Schubert – Saxophon
Thomas Berghammer –  Trompete
Knox Chandler – Gitarre
Christian Svendsen – Bass
Klaus Kugel –Schlagzeug

Wenige Minuten vor Beginn des Konzertes sah man Konzert-Organisator Warnfried Altmann mit einem Gitarrenverstärker durch die Gänge des Forum Gestaltung eilen. Der Verstärker von Knox Chandler funktionierte nicht, Ersatz musste her. "Ich kenne ja einige Gitarristen", sagte Altmann, "aber die muss man erst mal ans Telefon bekommen und dann müssen sie auch noch zu Hause sein". Letztlich erreichte er gerade noch rechtzeitig Jörg Rattai, fuhr quer durch Magdeburg und das Konzert konnte pünktlich beginnen. "Das Konzert sollte bereits früher stattfinden, es wurde wegen Corona zweimal verschoben, jetzt beim dritten Mal können wir es endlich hören", kündigte Warnfried Altmann die Musiker an. "Ihnen werden die Ohren ordentlich durchgepustet, ich glaube wir werden heute alle glücklich nach Hause gehen."

Dass Warnfried Altmann nicht zuviel versprochen hatte, merkte man gleich zu Beginn. Dass "Vom Himmel hoch" hinter den Improvisationen stand, war zwischen Speed Marsch und punkig-krawalligen Klängen nur zu erahnen. Aber das machte zugleich Spaß: zwischen all den kräftigen Klängen und schrägen Tönen die Strukturen und Weihnachtsmelodien (schließlich ist es ein X-Mas-Programm) herauszuhören. Das war keine bloßen Jazz-Versionen von bekannten Weihnachtsliedern, das waren echte Neuerfindungen, für die die traditionellen Melodien nur Inspiration und Stichwortgeber waren. Das Kontrastprogramm zum Fest!

Bandleader Mars Williams konnte wegen einer Verletzung nicht selbst Saxophon spielen und beschränkte sich auf Percussion und divers Spielzeuginstrumente, deren Töne immer wieder in die Musik gemischt wurden. Für das Saxophon hatte Matthias Schubert engagiert. Die kräftigen Bläsertöne von Matthias Schubert und von Thomas Berghammer an der Trompete fanden ihren Widerhall in der extremst verzerrten Gitarren von Knox Chandler, dazu der kräftige Bass von Christian Svendsen und Schlagzeug und Percussion von Klaus Kugel, der bereits einigemal in Magdeburg zu hören war.

Montag, 21. November 2022

Cansu Tanrikulu und Gille – Ramond – Kugel

Virtuoser Sprechgesang trifft auf Jazztrio: 

Ayşe Cansu Tanrikulu – Gesang
Sebastian Gille – Saxophon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

Das Konzert beginnt mit Gesang solo. Mit wenigen Tönen, die klingen, als seien sie Volksliedern in  Cansu Tanrikulus türkischer Heimat entlehnt. Nach dem Konzert sagte sie, "ich kann mich tatsächlich in meiner Muttersprache am gefühlvollsten ausdrücken". Erst etwas später und zunächst sehr verhalten reagieren die drei Instrumentalisten. Etwas Bass hier, etwas metallisch klingendes Schlagzeug dort, dazu erst leise, dann kräftiger das Saxophon von Sebastian Gille, das er im Klang der Stimme anpasst, wenn auch in anderer Tonlage. Zwischen Saxophon und der Sängerin baut sich eine musikalische Symbiose auf, wenn Tonfolgen hin und her gehen, jeweils verwandelt zurückgespielt werden.

Montag, 17. Oktober 2022

Jacobien Vlasman Trio

Heute war in Magdeburg das Jacobien VlasmanTrio zu erleben, mit gesangsbetontem Jazz, begleitet von elektronischer Gitarre und kräftigem Acoustic-Bass.

Jacobien Vlasman (vocals, electronics, composition, arrangements)
Peter Meyer (guitar, live processing, electronics)
Miles Perkin (bass, percussion, vocals, electronics)

Jacobien Vlasman setzt mit "Strange Faces" gleich zu Beginn des Konzertes ein Zeichen, wo es musikalisch hingehen soll. Die Stimme steht dabei erkennbar im Mittelpunkt. "Strange faces hanging on the wall where I walking" singt sie und der Text ist dabei ebenso rätselhaft wie die Stimme, Sprechgesang, teils durch Soundprozessoren elektronisch verfremdet. Deutlich im Mittelpunkt bleit der Gesang aber auch, als sie im nächsten Stück sehr viel lässiger singt, den Rhytmus von Gitarre und Bass aufnehmend. "Ich stelle mir dabei irgendwas lässiges vor, vielleicht durch Texas reiten, jedenfalls etwas das völlig easy ist", sagt sie dem Publikum über diese musikalische Wendung. 

Sonntag, 24. April 2022

Christof Sänger Trio feat. Peter Weniger

Zum Abschluss der Jazztage gab es eher in Richtung old style gehenden Jazz, der gleichwohl frisch und modern daherkam: Peter Weniger mit dem Christof Sänger Trio.

Peter Weniger – Saxophon
Christof Sänger – Piano 
Rudi Engel – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Peter Weniger am Saxophon und das Trio des Pianisten Christoph Sänger spielen im Abschlusskonzert der Magdeburger Jazztage neben eigenen Kompositionen Musik, die mir irgendwie vertraut und doch unbekannt war. Stücke, die ich gefühlt (und mit einiger Unsicherheit) irgendwo in den 1960ern bis 70ern einordnen würde. Was den Reiz hatte, dass die Musik zwar nach Jazz-Standards klang, aber zugleich neu war. Perlende Pianoklänge, leicht schnarrendes Schlagzeug, langsamer Bass und warm tönendes Saxophon schufen ein schönes Flair. Nach den teils heftigen Klängen der vorangegangenen Tage des Festivals durfte es zum Ausklang auch etwas sanfter sein. 

Latin Rhythmen wie in Sinatras I'm a fool to want you oder in Christoph Sängers Lago azul (nicht nach dem Film, sondern nach einem Strand in Brasilien benannt) stehen für den Charakter des Abends. Sambarhythmen sind herauszuhören, am Klavier begleitet, dazu warmes Saxophon. Immer wieder gab es aber auch schnelle Soli der vier Musiker, virtuos gespielt. 

Hoppel Hoppel Rhythm Club

Inzwischen schon Tradition: bei den Jazztagen gibt es am Sonntagnachmittag ein Konzert für Kinder. Und Eltern. Und Großeltern. Diesmal auf der Bühne: der Hoppel Hoppel Rhythm Club, mit "Jazz für Kinder ab 5".

Peter Lehel – Saxophon
Peter Schindler – Piano
Mini Schulz – Kontrabass
Obi Jenne – Schlagzeug

Selbstverständlich stand auch beim Konzert für Kinder am Sonntag Nachmittag der Jazz im Mittelpunkt. Die bekannten Melodien von Kinderliedern in Jazz-Form stellten den Kontakt zu den Kindern her. Daneben gab es aber auch Jazz-Standards wie den St. Louis Blues. Und immer wieder Musik zum mitmachen. "Wo ist der Tiger – da ist der Tiger" (und dabei schnell unter den Stuhl krabbeln!), Der Kuckuck und der Esel – gesungen mit verteilten Rollen und als Kanon oder He ho, spann den Wagen an!.

Samstag, 23. April 2022

Julia Hülsmann Quartett

Im zweiten Teil des "Saxophon"-Abends innerhalb der Magdeburger Jazztage war Julia Hülsmann Quartett zu erleben. 

Uli Kempendorff – Saxophon
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Das Konzert begann mit einem von Uli Kempendorff gedämpft gespielten Saxophon, mit orientalisch klingenden Rhythmen und von Julia Hülsmann in harmonischer Übereinstimmung, wenn auch zurückhaltend begleitet. Marc Muellbauers kräftig gespielter Bass kam da kräftig zur Geltung. Not from here war das erste Stück, mit dem im Titel steckenden Gefühl, "noch nicht ganz angekommen zu sein". 

Mich faszinierte das Zusammenspiel der vier Musiker, das einfühlsame aufeinander hören, bei dem ein schöner Gesamtklang entstand. Alle vier trugen mit eigenen Stücken dazu bei. Mitunter auch mit kleinen Stories dazu, die den Titeln eine eigene Bedeutungsebene gaben. Etwa "The wesp on the window" (von Marc Muellbauer), mit langem und akkuratem Bassolo . Oder Uli Kempendorffs Post Post Post, sein Saxophon wurde mit leise perlenden Klaviertönen begleitet. Von Heinrich Köbberling kam Lightcap, (nach dem amerikanischen Musiker Chris Nightcap. Seine Rhythmen wurden von den hoch- und runterlaufenden Akkorden auf Klavier und Bass begleitet. 

Roger Hanschel & String Thing Streichquartett

Den mit "Das Saxophon" überschriebenen Abend der Jazztage eröffneten Roger Hanschel und das String Thing Streichquartett

Roger Hanschel – Altsaxophon/Komposition
Nicola Kruse – Violine
Ingmar Meissner – Viola
Gunther Tiedemann – Cello
Jens Piezunka – Bass


Roger Hanschel wurde von Warnfried Altmann, dem Festival-Leiter der Jazztage, mit den Worten anmoderiert, "Roger Hanschel ist für mich einer der bedeutendsten Saxophonisten, heute könnt Ihr ihn auch als Komponist erleben." Und dies mit Stücken, die er für Saxophon und Streichensemble schrieb. Nicht für irgendein Streichensemble, sondern speziell für String Thing, "Die können nicht nur klassische spielen, die können auch grooven und improvisieren", sagte Hanschel nach dem Konzert. 

Die Musik klang zu Beginn nach irgendwo zwischen Jazz, Sinfonik und Tango, ich meinte Melodien von Chatschaturjan herauszuhören, und das alles mit einer angenehm ausgewogenen Verteilung der Stimmen zwischen Saxophon und Streicher. Vielleicht ist Kammerjazz eine passende Bezeichnung? Der Gedanke kam mir im Konzert durch die Assoziation mit Kammermusik. Jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass die Magdeburger Jazzreihe, in die die Jazztage eingebettet sind, passenderweise auch Jazz in der Kammer heißt.