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Montag, 20. Januar 2025

Trio St. Tropez

Jazz in ungewöhnlicher Besetzung  – Cello und Geige hört man nicht oft im Jazz – und mit einem Bandnamen, der französische Leichtigkeit verspricht.

Almut Schlichting – Saxophon
Max Eisinger – Violine
Johannes Fink – Cello

Die drei Musiker beginnen ihr Magdeburger Konzert mit Kraft und voller Dissonanzen, die erst allmählich in Harmonie zueinander finden. Ich höre das sowohl Klassische Konzerttöne heraus als auch Hanns Eisler und Kurt Weil, wenig später dann beswingte Walzertöne eines Salonorchesters, gemischt mit musikalischem Witz. "Wir hatten uns als Trio ursprünglich mal zusammengefunden, weil ich angefragt wurde, die Musik für ein französisch geprägtes Programm eines Berliner Veranstalters zu schreiben, im Stil des Jazz der 50er/60er Jahre. Der Name für unser Trio lag dann nicht fern, schließlich war St. Tropez damals ein Sehnsuchtsort der Künstler."

Samstag, 23. April 2022

Roger Hanschel & String Thing Streichquartett

Den mit "Das Saxophon" überschriebenen Abend der Jazztage eröffneten Roger Hanschel und das String Thing Streichquartett

Roger Hanschel – Altsaxophon/Komposition
Nicola Kruse – Violine
Ingmar Meissner – Viola
Gunther Tiedemann – Cello
Jens Piezunka – Bass


Roger Hanschel wurde von Warnfried Altmann, dem Festival-Leiter der Jazztage, mit den Worten anmoderiert, "Roger Hanschel ist für mich einer der bedeutendsten Saxophonisten, heute könnt Ihr ihn auch als Komponist erleben." Und dies mit Stücken, die er für Saxophon und Streichensemble schrieb. Nicht für irgendein Streichensemble, sondern speziell für String Thing, "Die können nicht nur klassische spielen, die können auch grooven und improvisieren", sagte Hanschel nach dem Konzert. 

Die Musik klang zu Beginn nach irgendwo zwischen Jazz, Sinfonik und Tango, ich meinte Melodien von Chatschaturjan herauszuhören, und das alles mit einer angenehm ausgewogenen Verteilung der Stimmen zwischen Saxophon und Streicher. Vielleicht ist Kammerjazz eine passende Bezeichnung? Der Gedanke kam mir im Konzert durch die Assoziation mit Kammermusik. Jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass die Magdeburger Jazzreihe, in die die Jazztage eingebettet sind, passenderweise auch Jazz in der Kammer heißt. 

Samstag, 5. Oktober 2019

Die Hochstapler – The Flop, the Turn and the River

"Die Hochstapler" spielten im wahrsten Sinne des Wortes mit der Musik, als sie im Magdeburger Forum Gestaltung ihr Improvisations-Stück The Flop, the Turn and the River aufführten.
Félicie Bazelaire – Cello
Pierre Borel – Saxophon
Antonio Borghini – Kontrabass
Patricia Bosshard – Geige
Emilio Gordoa – Vibraphon
Louis Laurain – Trompete
Hannes Lingens – Schlagzeug
Michael Thieke – Klarinette

Als die acht Musiker am Beginn des Abends jeder für sich kurze Melodien anspielen, Rhythmen klopfen, Klangvariationen und Tonfolgen probieren, nehmen sie die Zuhörer zugleich mit in die Entstehungsgeschichte ihrer Musik. Scheinbar zufällig angeordnet, sortieren sich diese kurzen Ton-Schnipsel allmählich neu, aus anfangs einzelnen Melodien ergibt sich allmählich ein faszinierender Zusammenklang.

Diese Ouvertüre, bei der die Musiker im Halbrund auf der Bühne stehen oder sitzen, ist nur von kurzer Dauer. In einer Kurzweiligkeit, die darauf angelegt ist, immer neue Ideen zu sammeln, wechseln die Musiker die Melodie – oder ihre Position oder ihre Spielpartner. Man hat gerade begonnen, sich einzuhören, schon gibt es etwas Neues. Dabei wird nicht nur mit Klängen und Spielweisen experimentiert, sondern auch mit dem Raum, indem die Musiker nahezu jede Position auf der sechs mal sechs Meter großen Bühne einnehmen, ständig unterwegs sind. Und reicht ihnen das nicht, dann geht es mit den Instrumenten zwischen die Reihen der Zuhörer, auf diese Weise die Bühne erweiternd. So muss sich nicht nur das Ohr des Zuhörers neu orientieren – auch der Blick versucht den Tönen zu folgen, die mal von hier, mal von dort her klingen. Es immer wieder verblüffend, was woher tönt. Sphärische Klänge aus dem mit dem Geigenbogen angestrichenen Vibraphon etwa, oder rhythmisches Klopfen vom Cello her.

Freitag, 21. April 2017

Weston – Watts – Knight

Drittes Konzert im Klubabend der Magdeburger Jazztage war der Auftritt der drei Engländer Veryan Weston, Trevor Watts und Peter Knight.
Veryan Weston – Piano,
Trevor Watts – Sax,
Peter Knight – Violine

Mit den drei Briten steht eine äußerst ungewöhnliche Kombination von Musikern auf der Bühne: Violine, Klavier und Saxophon. Drei alte Herren, doch gleich die ersten Töne machen mehr als deutlich: der Begriff "gesetztes Alter" ist hier so was von falsch! Die drei spielen drauf los, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, es klimpert und quietscht auf der Bühne, ein Durcheinander an Tönen – das aber doch Methode hat: aus den Tönen am Klavier werden Klangmuster, die Geige wird melodischer und das Saxophon bringt eine Stimme hinein, die mal Lieder singt, mal laut aufschreit.

Die drei liefern ein wahres Furioso jenseits aller Harmonie und aller Konventionen. Die in hohem Tempo vorgetragene ungeheure Klangvielfalt lässt die Zuhörer um so deutlicher die wenigen kurzen Bereiche wahrnehmen, in denen die Instrumente in Gleichklang und Ruhe zu hören sind. Das Ohr wartete förmlich auf diese Stellen und hörte um so aufmerksamer.   

Donnerstag, 20. April 2017

Zoltan Lantos Open Source

Der Eröffnungsabend der zweiten Magdeburger Jazztage stand unter dem Titel "Nu Jazz aus Osteuropa". Das erste Konzert des Abends kam von Zoltan Lantos' Open Source
Zoltan Lantos – Violine, Electronics
Aron Talas – Keyboards
Tibor Fonay – Bassgitarre, Kontrabass
Laszlo Csizi – Schlagzeug
Andrew J – Turntable, Electronics

Die Band um den ungarischen Geiger Zoltán Lantos spielte modernen osteuropäischen Jazz, der überraschend frisch und modern war und eher den Clubsound der Großstädte verkörperte. Der Ungar Zoltan Lantos kombinierte seine Geige mit Klängen von Keyboard und Synthesizer. Seine elektronisch aufbereiteten Geigenklänge, mit Synthesizer untersetzt, bildeten eine durchdringende Klangkulisse, magisch und geheimnisvoll. Die osteuropäische Herkunft merkt man den Klängen nur ab und an, nur schemenhaft an. Bald tauchte die Musik in eine moderne Welt ein, Anklänge an die große Zeit der Fusion-Music wurden hörbar. Musik, die mich unter anderem an Klaus Doldinger erinnerte. Den Lantos zu einem seiner musikalischen Inspirationsquellen zählt. „Auch von der skandinavischen Musik, world music und von der Musik von Stockhausen lasse ich mich in meinen musikalischen Gedanken leiten.“

Montag, 17. November 2014

Carniaux, Maurer, Maneri und Ban

Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano


Wieder einmal war das Foyer des Schauspielhauses sehr gut gefüllt, mußten noch einige Stühle herangeholt werden. Warnfried Altman freute das sichtlich, konnte er doch in seiner Anmoderation sehr viele neue Gesichter zu den monatlichen zwei Stunden improvisierter Musik begrüßen und auch gleich zum nächsten Konzert einladen.

Instrument der Saison 2014/15 von Jazz! Entdeckungen im Schauspielhaus ist die Trompete. Bei diesem für gewöhnlich lauten Instrument ist man geneigt, sich wegen der Lautstärke besser gleich ein Stück weiter weg zu setzen. Nicht so bei Ryan Carniaux, der seine Trompeten sehr gut an die (wenn auch verstärkten) leiseren Instrumente anpaßte. Gerade meinte man noch, die Streicher stimmten ihre Instrumente, da entwickelte sich daraus bereits das erste Stück, mischten sich Albrecht Maurers und Mat Maneris zarte Streicherklänge in einen improvisierten Dialog von Lucian Ban am Piano und Ryan Carniaux an der Trompete.

Ein weiteres Stück, "Elysium Planitium", stammte von der CD "Mars" des Syntopia Quartetts, jetzt für die aktuelle Besetzung adaptiert. "Wir ließen uns damals von den Fotos des Mars-Rovers von der Oberfläche des roten Planeten inspirieren", sagte Maurer dazu. Da kommt der Mars (anders als zum Beispiel beim Planeten-Komponisten Gustav Holst) diesmal nicht als Kriegsgott daher – auf dem Planeten wird zu eher sanften Melodien getanzt.

Vor der Pause wurde es dann noch mal kräftiger, als Lucian Ban unter Pedaleinsatz Melodien ineinander überfließen läßt, unter viel Pedaleinsatz melodisch-harmonisch in die Tasten greift. Daraus entsteht der Sound vom Label ECM (wo das Album von Lucian Ban und Mat Maneri "Transsilvanian Concert" erschienen ist). Piano und Streicher begleiten und erweisen sich einmal mehr als Meister der leisen Töne. 

Der zweite Set beginnt experimentell und dennoch leise, als die vier Musiker einen ruhigen, meditativen Klangteppich weben, als einen Hintergrund, aus dem dann und wann die Trompete hervortönte. "Aura" nannten sie das Stück, und erklärten den Begriff als "etwas, was jeder hat, aber niemand sieht". "Fantasm", das Titelstück der aktuellen CD, ist dann wiederum schon mehr Neue Musik als Jazz, etwas, in dem sich zwei benachbarte Welten mischen.

Die Musiker durften nicht ohne Zugabe nach Hause gehen. Es gab (zur gerade beendeten Rumänien-Tournee ebenso passend wie zur bald beginnenden Adventszeit) ein transsilvanisches Weihnachtslied. Wenn Maurer dazu sagte "Find your way, it's not the one", dann konnte das auch für den Inhalt des Weihnachtsliedes gelten (wo ja in der Weihnachtsgeschichte auch alle irgendwohin unterwegs sind). Damit ging ein großartiger Abend mit neuen musikalischen Welten zu Ende, die auf dem Weg nach Hause noch nachklangen.


Montag, 19. November 2012

Kaleidoscope String Quartett

Kaleidoscope String Quartett mit
Simon Heggendorn – Violine
Ronny Spiegel – Violine
David Schnee – Viola
Bruno Fischer – Violoncello
Simon Heggendorn, Ronny Spiegel,
David Schnee, Bruno Fischer (v.l.n.r.)

Das Kaleidoscope String Quartett spielt in einer für den Jazz wohl einmaligen Besetzung, in der eines klassischen Streichquartetts. Zwei Violinen, eine Viola, ein Cello. Eine Jazzband ohne Rhythmusinstrument, Percussion oder Schlagzeug – geht das denn, mag sich manch einer gefragt haben. Doch gleich nach den ersten Stücken war die Antwort klar: ja, das geht, und sogar bestens. Das Magdeburger Jazzpublikum war jedenfalls begeistert von der Mischung, und möglicherweise lag es auch an der Neugier auf diese interessante Besetzung, die das Foyer des Schauspielhauses so voll wie schon lange nicht werden ließ.

Dabei setzte die Band nicht auf pure Harmonie und den Wohlklang der klassischen Instrumente, sondern auf das Ausprobieren klanglicher Vielfalt. Sowohl in der Harmonik als auch der Dynamik der Stücke. So wie bei "Wishes", mit dem das Konzert begann. Ganz zart kristallisierte sich aus leisen, aber anfangs noch disharmonischen Tönen eine Melodie heraus, wurden Rhythmen eingeführt. Faszinierend zu erleben, wie konzentriert und doch scheinbar leicht die Musiker mit den Herausforderungen umgingen, die ihnen Bandleader Simon Heggendorn mit seinen Stücken gestellt hat. Diese sind ursprünglich durchkomponierte Sätze – durch den Verzicht auf Noten bekommt das Konzert aber eine angenehme Lebendigkeit, klingt die Musik vielfach wie improvisiert. Spielerisch leicht und fast wie von selbst fügen sich die Melodien zusammen. Die Musik einer Gattung zuzuordnen fällt schwer. Bei einigen Stücken hörte ich Ansätze osteuropäischer Musik heraus, sah bei anderen die Berglandschaften der Schweiz beschrieben oder vernahm Anleihen bei Sibelius. Wenn dann aber das Cello wie in "Groovy" einen gezupften Baßrhytmus zugrundelegte, in den die anderen Instrumente einfielen, hatte die Musik beinahe etwas rockiges. Ebenso wenn die Rhythmen in einer nach Beat-Boxing klingenden Art durch das Schlagen der Bögen auf die Seiten erzeugt wurden. Viele der Stücke hatten aber im Grunde etwas zutiefst meditatives, was den Wunsch weckte, die Augen zumachen und  einfach nur noch lauschen zu wollen.

Als Zugabe erklang das letzte Stück der aktuellen CD, "One Life", das nochmals ganz leise begann. Die Bögen der Streicher strichen die Korpusse der Instrumente, was wie ein langsames, tiefes Ein- und Ausatmen klang, mit man seinen eigenen Atem unwillkürlich synchronisierte. Erst ganz leise stimmten erst die Violine und dann die anderen Instrumente ein, um dann aus leisen Tönen allmählich ein kräftiges Finale zu entwickeln.

Was so scheinbar leicht dahingespielt herkam, beruht aber auf echtem musikalischem Können. Anders wären die komplizierten, teils vierstimmigen Melodien gar nicht so perfekt zu spielen. Den Musikern kommt dabei ihre Ausbildung an klassischen Instrumenten zu Gute.

Auch aus einer anderen Sicht war der Abend bemerkenswert: das Konzert kam ohne elektronische Hilfmittel, ohne Mikrofon und Verstärkung aus. Die Instrumente reichten aus, das Foyer der Kammerspiel zu erfüllen. So war es eine schöne Gelegenheit, die eigenen Ohren mal wieder auf unverfälschten Klang zu eichen, neu zu kalibrieren. Das funktioniert vor allem in der zweiten Konzerthälfte, als der Barkeeper die sonst deutlich vernehmbar rauschenden Kühlschränke abgeschaltet hatte. Das Magdeburger Publikum war (wie immer) sehr diszipliniert und aufmerksam und ließ die leisen Töne bis zum Ende ausklingen. Das war Hifi pur.


Montag, 19. April 2010

Andreas Willers: Montauk

Andreas Willers unorthodoxe Projekte (z.B. Hendrix-Bearbeitungen für vier E-Gitarren) lassen sich mit dem Titel Jazz längst nicht mehr ausreichend beschreiben. Willers schöpft ebenso aus Neuer Musik, Rock, freier Improvisation – seine fließende Kompositions- und Gitarrentechnik verschafft ihm die nötige Lockerheit, um blitzschnell zwischen den Stilgrenzen zu changieren und auch mit ironischen Brechungen virtuos zu jonglieren, ohne eine eigenständige musikalische Linie einzubüßen.
Dominique Pifarély (Violine), Andreas Willers (Gitarre), Alain Grange (Cello), Rudi Fischerlehner (Drums)

Montag, 18. Mai 2009

Kent Carter String Trio


Albrecht Maurer (Violine)
Katrin Mickiewicz (Viola)
Kent Carter (Kontrabass)

Aus der Ankündigung:
Das 1982 gegründete »Kent Carter String Trio« präsentiert eine Mischung aus jazziger Kammermusik und freier Improvisation. Tourneen führten das Trio quer durch Europa. Durch die Kombination von Violine, Bratsche und Kontrabass zählt das Kent Carter String Trio bis heute zu den besonders reizvollen Raritäten der Szene. Kent Carter feiert 2009 seinen 70. Geburtstag.
Der Kölner Geiger Albrecht Maurer ist sowohl bekannt durch eigene Formationen wie durch seine Mitwirkung in Projekten z. B. von Theo Jörgensmann, Norbert Stein oder dem Pariser Ensemble »Dialogos«. Die polnische Bratschistin Katrin Mickiewicz lebt zur Zeit in Berlin. Mit ihrer Gruppe »Disguise« gewann sie 2003 den JazzArts Preis 2003.

Montag, 16. Februar 2009

Kyrillis


Johannes Lemke (Saxophon), André Nendza (Bass), Christoph Hillmann (Schlagzeug), Zoltan Lantos (Violine)

Aus der Ankündigung:
In dieser Band trifft eine der am besten eingespielten deutschen Rhythmusgruppen auf einen großen Lyriker am Saxophon. Gemeinsam durchstreifen sie eloquent und vital, abenteuerlustig und risikobereit die Grenzbezirke zwischen ethnischer Inspiration und improvisierter Musik. Spielfreude und Format der drei Extraklasse-Musiker versprechen mehr als nur ein Konzert. – Über ihre aktuelle CD »Kyrillis« schreibt das jazzpodium: »Es gibt kaum ein anderes deutsches Jazzalbum, das ähnlich spannend und abwechslungsreich ist, wie dieses. Ein wahres Kleinod!«