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Montag, 19. Februar 2024

Theo Jörgensmann Quartett

Mit dem Theo Jörgensmann Quartett war eine Band zu erleben, die bereits seit den 90er Jahren gemeinsam auf den Jazz-Bühnen steht. Im bis auf den letzten Platz (es wurden sogar noch Stühle herangeholt) vollen Saal im Magdeburger Forum Gestaltung.

Theo Jörgensmann – Klarinette
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

"Auf der Bühne erleben wir vier Individualisten, die sich gegenseitig nichts mehr beweisen müssen", so stellte Warnfried Altmann das Quartett des Klarinettisten Theo Jörgensmann vor. Will meinen: alles langjährige Jazzer, die mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit ihre Musik ausleben. Tatsächlich legen die vier von Beginn an ein sehr hohes Tempo vor, spielen über lange Strecken hinweg kräftig, mit nur kurzen Ruhepunkten. Und sie spielen jeden der beiden Sets in einem Zug durch. Wow! 

Montag, 21. November 2022

Cansu Tanrikulu und Gille – Ramond – Kugel

Virtuoser Sprechgesang trifft auf Jazztrio: 

Ayşe Cansu Tanrikulu – Gesang
Sebastian Gille – Saxophon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

Das Konzert beginnt mit Gesang solo. Mit wenigen Tönen, die klingen, als seien sie Volksliedern in  Cansu Tanrikulus türkischer Heimat entlehnt. Nach dem Konzert sagte sie, "ich kann mich tatsächlich in meiner Muttersprache am gefühlvollsten ausdrücken". Erst etwas später und zunächst sehr verhalten reagieren die drei Instrumentalisten. Etwas Bass hier, etwas metallisch klingendes Schlagzeug dort, dazu erst leise, dann kräftiger das Saxophon von Sebastian Gille, das er im Klang der Stimme anpasst, wenn auch in anderer Tonlage. Zwischen Saxophon und der Sängerin baut sich eine musikalische Symbiose auf, wenn Tonfolgen hin und her gehen, jeweils verwandelt zurückgespielt werden.

Montag, 16. März 2015

Damasiewicz, Ramond und Kugel

Heute waren im Schauspielhaus Magdeburg zu Gast:
Piotr Damasiewicz – Trompete
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

Der Schlagzeuger Klaus Kugel und der Bassist Christian Ramond spielen bereits seit 30 Jahren in unterschiedlichen Formationen gemeinsam. Ganz neu in dem Trio war dagegen der polnische Trompeter Piotr Damasiewicz – er war erst wenige Tage zuvor für den ursprünglich vorgesehenen Sergey Pron aus Rußland eingesprungen (der wohl zu spät dran gedacht hatte, ein Visum zu beantragen, so Warnfried Altmanns Anekdote dazu). Damasiewicz verstand sich auf Anhieb mit seinen beiden Kollegen, so als hätten sie schon immer so auf der Bühne gestanden. Kein Wunder, hat doch auch er bereits mehrere eigene Bands und Projekte, in denen er sich zwischen Free Jazz und Sinfonik bewegt, zum Teil auch elektronischer und experimenteller Art. In Magdeburg war das Konzert allerdings ein rein akustisches, sieht man von etwas Verstärkung für den Bass ab. Keine Elektronik formte oder sampelte Töne, alles war handgemacht.

Die ersten Minuten des Abends begannen noch sehr leise, selbst die Trompete nur flüsternd. Während Kugel auf seinem großen Instrumentarium, seinen Glöckchen, Becken, Schellen zarte Percussion-Töne anstimmte, in die Ramonds dissonannte Basstöne gleichsam einzudringen schienen, hielt sich Damasiewicz Trompete zunächst sehr im Hintergrund. Es war wie ein Spiel, wie ein erstes Herantasten an neue Instrumente. Vielleicht, als versuchten Kinder herauszufinden, was anzufangen mit den vielen auf der Bühne stehenden Dingen. Dabei aber jeder für sich hochkonzentriert und sein Instrument beherrschend, immer mehr Klänge oder Melodie-Fragmente beisteuernd. Allmählich kam das Trio in Fahrt, wurden die Töne lauter und füllten das gesamte Foyer des Schauspielhauses. Als Konzertbesucher konnte man sich dabei wie ein Beobachter eines Experimentes fühlen, dessen Funktion und Ablauf es zu ergründen galt, nicht auf den ersten Blick durchschaubar und vielleicht gerade deshalb interessant. Mal dominierten wilde Trompetentöne, dann wieder war es ein brummender Bass-Bordun, der die Schwingungen in den Raum schickte. Kugel saß mal wie ein Wirbelwind an den Drums, mal wie ein Magier an den Percussions. Der (ohne Pause durchgespielte!) erste Set endete mit so etwas wie einer Hommage an Rimski-Korsakov mit seinem Hummelflug, auf die sich Ramond und Damasiewicz schießlich als gemeinsame Melodie einigten und die sie bis zum Verklingen auch des allerletzten Nachhalls ausklingen ließen, das wie immer aufmerksame Magdeburger Publikum bis in diese Stille hinein mitnehmend.

Sind in der von den dreien improvisierten Musik solche Entwicklungen eigentlich vorher abgestimmt, wollte ich in der Pause von Klaus Kugel wissen. Er sieht die Musik solcher Abende eher als "im Moment komponiert an", als etwas, das man sich zwar auch als Noten aufgeschrieben vorstellen könnte: "Dann wäre manches davon wie Neue Musik", das er aber lieber frei spielt. "Wir wollen ja nicht etwas zuvor komponiertes spielen", sagte er, auch wenn er die Musik selbst vom Grunde her schon als "orchestral gedacht" versteht, unter Wirkung musikalischer Naturgesetze und im Vertrauen darauf, daß das Tun des anderen einen Sinn hat. Und die eben noch von mir zu erkennen geglaubte Melodie, gab es sie dann wirklich? Egal, für mich war sie es und vielleicht spielt das auch schon gar keine Rolle mehr.

Den zweiten Set des Abends spielten die drei ebenso an einem Stück durch, wurden aber erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen.