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Montag, 17. März 2025

Duo Azadi

Heute war das Duo Azadi bei Jazz in der Kammer zu hören. Musik an der Grenze zwischen Jazz und Klassik.

Clara Haberkamp – Piano
Atena Eshtiaghi – Violoncello

Von Beginn an ist zu spüren, wie gut beide Musikerinnen aufeinander eingespielt sind, miteinander interagieren. Mal hat das Cello die Melodiestimme, das Klavier begleitet, mal ist es umgekehrt. Clara Haberkamp spielt das Klavier gefühlvoll, ist mit warmen Tönen zu hören, Atena Eshtiaghi spielt ihr Cello mal gestrichen, mal gezupft und oder mit auf die Saiten aufprallendem Bogen, mit interessanten und rein akustischen Klangeffekten. Die Musik der beiden ist mal kräftig improvisierter Jazz, mal klingt sie nach klassischem Konzert. 

Montag, 17. Februar 2025

Lotus Flowers

Lotus Flowers lässt sich für die Musik des Trios von Menschen inspirieren, die sich für Menschenrechte, Würde, Natur oder Freiheit eingesetzt haben, wie Rosa Parks, Nelson Mandela, Madres de Plaza de Mayo, bekannt oder nicht, aber Menschen, die dazu beigetragen haben, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, die den Sumpf um ihre blühende Existenz gereinigt haben und oft mit ihrem Leben bezahlen mussten. 

Bruno Angelinis – Piano, Komposition
Sakina Abdou – Tenorsaxophon 
Angelika Niescier – Altsaxophon
Lotus Flowers bei Jazz in der Kammer
im Forum Gestaltung Magdeburg

Am Beginn des Konzertes erklärt Bruno Angelinis die Intention der Musik von Lotus Flowers mit einem Zitat von Wayne Shorter: "Nur die Lotusblume wächst im tiefen Sumpf. Und wenn sie dort gedeiht, klärt sie das dreckige Wasser um sie herum. Sie ist ein Symbol des Lichts in einer dunklen Welt." 

Donnerstag, 25. Januar 2024

Julie Sassoon und Lothar Ohlmeier: Inside Colours

Am 25. Januar 2024 kamen Julia Sassoon und Lothar Ohlmeier zum Record Release Konzert ihrer Duo-CD "Inside Colours" nach Magdeburg ins Forum Gestaltung.

Julie Sassoon – Klavier
Lothar Ohlmeier – Klarinette. 

Ruhige, ganz zarte Klänge stehen am Beginn des Konzertes, zarte Klänge, einzelne Akkorde mit verbindenden Tönen. Erst als Julie Sassoons Spiel kräftiger wird, setzt auch Lothar Ohlmeier ein, setzt ebenso kräftige Kontrapunkte, mit langanhaltenden Tönen seines Saxophons. Die Ausrichtung der Musik wandelt sich, Julie Sassons Finger hämmern auf die Tasten, werden zur Begleitung. "Sanftheit und Kraft" könnte ebenso als Titel über dem Konzert stehen.

Montag, 15. Mai 2023

The Instincts

Heute gab es unerwartet rockige Jazz-Klänge von "The Instincts".

Georgi Sareski – Gitarre
Antti Virtaranta – Bass
Boris Bell – Schlagzeug, Klavier

In der Ankündigung des Konzert hieß es: "Was passiert, wenn ein Mazedonier, ein Finne und ein Deutscher einfach ihren Instinkten folgen? Es entsteht eine außergewöhnliche Musiker-Formation, ein musikalisches Abenteuer mit Groove-Improvisationen, Jazz-Traditionen und außergewöhnlichen Stileinflüssen in einer kollektiven Interaktion." Das sollte sich im heutigen Konzert live noch viel mehr bestätigen. 

Vor dem eigentlichen Programm gab es für Warnfried Altmann, der Jazz in der Kammer nun schon 33 Jahre lang veranstaltet, ein improvisiertes Happy Birthday. Mit verzerrter Gitarre eher angedeutet als ausgespielt, genau passend für den Improvisateur Altmann. "Das war unser kleines Präsent für Warnfried Altmann", sagte Boris Bell, "jetzt spielen wir wieder ernsthaft". Was am Stil nichts änderte. Verzerrte E-Gitarre, kräftiger akustischer Bass vor den Rhythmen von Bells Schlagzeug. Die drei spielten eine sehr rockige und bluesige Version von Jazz. "Eine Spur von Pop war aber auch dabei", sagte Boris Bell, der sehr vielfältig musikalisch unterwegs ist (unter anderem war er 2018 mit der Berliner Weltmusik-/Balkan-/Klezmer-Brassband Schnaftl Ufftschik in Magdeburg), nach dem Konzert. Dabei hatte das Konzert neben den vielen rockigen auch ganz leise Momente. Wenn etwa Bell seine große Tomtom mit den Händen spielt, Sareski die E-Gitarre nur sparsam einsetzt und Virtaranta den Bass leise streicht, dann hat das etwas meditativ-beschwörendes. Auch wenn sich Bell an den Konzertflügel setzt und dort leise spielt, von den anderen nur ebenso leise kommentiert.

Mitunter meint man, Zitate bekannter Melodien zu erkennen (zu kurz um sie zu erkennen, und überhaupt, "nein, alles von uns" sagte Bell dazu), dann wieder ein wildes Creszendo, von dem die Ohren klingen, gefolgt von einem einem beinahe unhörbar leisen Duett aus Gitarre und Schlagzeug. 

Sareskis Gitarre fällt auf der Bühne durch ihre geringe Größe auf, kaum größer als eine Ukulele. "Die habe ich speziell für mich bei Brennus Guitars in Serbien anfertigen lasse", sagt Sareski und erklärt "die Gitarre ist zwar insgesamt kleiner als andere, aber Saiten sind ganz genauso lang wie normale Gitarren".

Das Trio The Instincts setzt sich international zusammen. Der Gitarrist Georgi Sareski kommt aus Mazedonien, der Bassist  Antti Virtaranta aus Finnland und der Schlagzeuger Boris Bell aus Deutschland. "Seit 2018 spielen wir als Band zusammen", sagt Bell, "aber es ist immer ein recht großer Aufwand, zusammenzukommen". Bei diesem Hinweis merkt man mal wieder, wie groß Europa ist – und wie wichtig und zugleich inspirierend es ist, Musiker aus völlig unterschiedlichen Gegenden und mit musikalischen Hintergründen zusammenzuholen. Das ist musikalische Völkerverständigung as its best. de.

Ihr erstes Album heißt nicht ohne Grund „Music Unseen“. THE INSTINCTS ist ein Trio wie kein anderes, und so spielen sie möglicherweise eine der aufregendsten Musiken der Zeit. Bizarr in dieser Weltlage – oder gerade deshalb.


Sonntag, 23. April 2023

Jolli sieht grün

Jolli, das ist die Sängerin Jorinde Jelen. Sie blickt in dem neuen Kinderprogramm ihrer Jolli-Band mit Kinderaugen auf die Umwelt, auf das was auch die Kinder unweigerlich wahrnehmen, wenn sie Gespräche der Eltern hören oder Nachrichten schauen. Sie nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Umwelt, erklärt Zusammenhänge, zeigt was getan werden kann, macht Mut. Und sieht dabei grün. 

Jorinde Jelen – Gesang, Moderation
Volker Dahms – Saxophon
Steffen Greisiger – Keyboards, Akkordeon
Bastian Ruppert – Gitarre, Gesang
Christian Sievert – Bass, Gesang
Eva Klesse – Schlagzeug


"Jolli sieht grün", heißt es im Titelsong, sie sieht blau, rot, gelb. Ihre Welt ist bunt und fröhlich, ihre Musik ist rockig und geht ins Ohr. "Wir malen uns die Zukunft bunt" ist ihre positive Sicht, mit der sie den Kindern einen positiven Blick auf eine Welt gibt, in der so vieles schlecht läuft und besser gemacht werden kann. "Was ist eigentlich Zukunft?" fragt sie, "ist das morgen? Ist das nächste Woche?" und lädt die Kinder ein, mit ihr "Zukunftsforscher" zu sein. 

Samstag, 22. April 2023

Songdreaming

"Songdreaming" nennt Saadet Türköz ihr Projekt, in dem sie mit unterschiedlichen Musikern auf der Grundlage ihres Gesangs improvisiert. Heute stand sie gemeinsam mit Peter Ehwald und Stefan Schultze auf der Jazzbühne.

Saadet Türköz (Gesang)
Peter Ehwald (Saxophon)  
Stefan Schultze (Piano)


Saadet Türköz schreibt über ihre Musik:

In meinen Improvisationen und Performances von kasachischen und türkischen Liedern geht es mir um die Transformation von Erinnerung. Ich versuche, mit Stimme und Musik Bilder und Stimmungen hervorzurufen, die kulturelle Grenzen überschreiten. Die Erinnerung ist überall und jedes Mal dieselbe – nicht veränderbar – aber der Ausdruck ist anders: Die individuelle Wahrnehmung entwickelt einen universellen Eindruck des kulturellen Lebens.

Die geheimnisvollen Töne, die Stephan Schultze seinem präpariertem Klavier entlockt, die nach so viel mehr als einfach nur einem Konzertflügel klingen und mit Peter Ewalds langsamen und ebnso gefühlvollen wie kräftigen Tonfolgen auf dem Saxophon ergeben zusammen mit dem Gesang eine mystische Stimmung. In der gegenseitigen Interaktion, in der steigenden Dynamik und Intensität entwickelt die Musik etwas schamanisches. Zu diesem Eindruck trägt sicher auch der Gesangsstil von Saadet Türköz bei, in dem sich archaische Traditionen ihrer Herkunft spiegeln. Die Sängerin wurde in Istanbul als Kind von uigurischen Eltern geboren, die vor den Repressionen der chinesischen Regierung in die Türkei flohen und bringt Musikerfahrungen aus diesen Welten mit. 

Freitag, 21. April 2023

Jane in Ether

Im zweiten Teil des Clubabends der Magdeburger Jazztage mischten sich bei "Jane in Ether" die Klangfarben und musikalischen Möglichkeiten von Stimme, Violine,Flöten und Klavier in mikrotonaler Weise.

Biliana Voutchkova - Violine / voice
Miako Klein - Flöte / Paetzold
Magda Mayas - Piano

Das Konzert beginnt am unteren Rand der Hörschwelle, mit Klängen, Tönen und Geräuschen, mit sphärischen Klängen, die sich einander überlagern, irgendwie zu allen Instrumenten passen, zum präparierten Klavier, zu Geige und Flöte - man muss schon genau hinschauen, welches Instrument gerade zu hören ist. Da scheint Obertongesang aus der mongolischen Steppe ebenso drin zu stecken wie helle Gebetsglöckchen (von Magda Mayas aus dem Klavier gezaubert). Biliana Voutchkova malträtiert ihre Violine mit dem Bogen, dass es schmerzt, Miako Klein fügt ruhige Flötentöne hinzu.

Jazz Baby

 Der zweite Tag der Magdeburger Jazztage wurde eröffnet von JAZZBABY! 

Stefanie Bolz - Gesang
Christian Wegscheider - Klavier

Als sich Christian Wegscheider, der aus Österreich in der Nähe vom Achensee kommt, zu Beginn an das Klavier setzt, da darf dann schon mal das Wortspiel erlaubt sein, dass die Töne hell und klar klingen wie ein Bergbach. Perlende Töne, die später zu sinfonischen, romantischen Klängen werden. 

Stefanie Boltz' klare Stimme passt dazu, und Wegscheider passt sich dem Gesang an, spielt nun kräftiger. "Here comes the Sun" ist zu hören, in einer sehr eigenwilligen, gefühlvollen Interpretation des Beatles-Klassikers. "Wir hatten eine lange Reise hinter uns", sagt Stefanie Boltz, und meint damit nicht nur die etwas beschwerliche Anreise nach Magdeburg mit mehren ausgefallenen Zugverbindungen, sondern auch die Entstehung ihres aktuellen Albums "A tamed Tigers Roar". Ein Projekt, für das sie mit Christian Wegscheider gemeinsam in der Corona-Pandemie die nötige Zeitgenommen hatte. "Der Freiraum ist mir wichtig - und Christian ist mir dafür der wichtigste Partner". 

Donnerstag, 20. April 2023

Uschi Brüning und Günther Fischer Quintett

Ein grandioser Auftakt der 6. Magdeburger Jazztage: Mit Uschi Brüning und Günther Fischer standen im Magdeburger Gesellschaftshaus zwei Legenden des ostdeutschen Jazz auf der Bühne. Man merkte sofort: Die beiden haben's noch immer drauf!

Uschi Brüning – Gesang
Günther Fischer – Saxophon, Keyboard, Flöte
Rüdiger Krause – Gitarre
Matthias Bätzel – Piano
Tom Götze – Bass
Wolfgang "Zicke" Schneider – Schlagzeug

Günther Fischer kommt zunächst nur mit seiner Band auf die Bühne, setzt sich an sein E-Piano, spielt ein paar Töne und beginnt zu singen. Sofort ist man drin in einer Musikstimmung der 60er Jahre, die nostalgisch und aktuell zugleich wirkt. Sphärische Elektroklänge vom E-Piano, Bass und Gitarre erzeugen einen stimmigen Fusion Sound. Günther Fischer spielt mit einer beiläufigen Lebendigkeit, solo und im musikalischen Zwiegespräch mit seiner Band, wenn sie sich gegegnseitig Melodien zuspielen. 

Immer wieder tritt er an das Mikrophon und man hat den Eindruck, er könnte ewig Geschichten über seine Musik erzählen, über die Musiker mit denen er spielte, über Orte und Filme. Orte, ja auch Magdeburg. "Auch an Magdeburg habe ich lange zurückliegende Erinnerungen", sagt er und erzählt über Auftritte im Café Impro (einer alten Magdeburger Musikkneipe, die es nun auch schon nicht mehr gibt). 

Bei vielen der Stücke hat man Filme im Ohr, für die sie komponiert wurden oder auch Sänger, die die Lieder sangen. Ja, sicher, auch abhängig vom Alter. Mir zum Beispiel sagte der Film "Der Kinoerzähler" nichts, aus dem er Melodien spielte – aber der Sound war dennoch vertraut. Wie soll das auch anders sein bei einem Musiker, der so viele musikalische Spuren hinterlassen hat. Ein Sound, bei dem sich zur Nostalgie noch eine leise Melancholie gesellt. Andere Titel sind mir vertrauter, in denen ich die Stimme von Manne Krug sogar dann heraushöre, wenn sie nur instrumental gespielt werden.

Nach mehreren Instrumentals tritt Günther Fischer ans Micro und kündigt Uschi Brüning an: "Wir haben schon früher über lange Zeit zusammengearbeitet, uns dann aus den Augen verloren und uns dann beide am Horizont wieder wahrgenommen".  Dass beide gemeinsam im Konzert zu erleben sind ist ein Glücksfall, denn hier kommen zwei zusammen, die eine lange Musiktradition verbindet, die ähnliche Auffassungen von Jazz hatten.Als erster gemeinsamer Song ist "In dieser Nacht" zu hören, dass sie schon 1974 mit dem Günther Fischer Quintett für eine LP aufnahm. Im Duett mit Günter Fischer 2023, fast 50 Jahre später, hört man: die beiden können noch immer so gefühlvoll singen.

Samstag, 26. November 2022

Offbeat: Schultze – Puntin

Akustische und elektronische Klangeffekte und ein phantasievolles Spiel mit Sounds standen im Mittelpunkt des heutigen Konzertes im Rahmen der Offbeat-Reihe im Gesellschaftshaus Magdeburg.  

Stefan Schultze – Klavier, Fender Rhodes Piano
Claudio Puntin – Electronics, Klarinette, Zischophon
Stefan Schultze (links) und Claudio Puntin
an ihrem riesigen Set von überwiegend rein
akustischen Instrumenten aller Art

Leise, voller Konzentration erzeugte Klänge bestimmten den Beginn des Konzertes. Zarte Klaviertöne, Gongs wie aus orientalischen Tempeln, Regenrauschen. Bei manchen dieser Klänge überlegt man, ob diese elektronischen oder akustischen Ursprung haben. Wer Stefan Schultze kennt weiß, dass er vieles auf seinem präpariertem Klavier zaubert und Claudio Puntin hat ebenfalls einiges an Equipment aufgebaut.

Montag, 20. Juni 2022

Kira Linn und Katharina Koch

Heute gab es bei Jazz in der Kammer ein Konzert mit Stimme und Saxophon:

Katharina Koch – Gesang, Klavier
Kira Linn – Baritonsaxophon

Mit warmer sanfter Stimme interpretiert Katharina Koch Jazz-Standards und Pop-Titel, begleitet von Kira Linn an ihrem großen Bariton-Saxophon, dass sie einer eben so warmen Stimme spielt. Viele der Stücke spielen sie  in einer sehr ruhigen und melancholischen Art, Langsam und gedehnt, wie in Zeitlupe, eröffnen sich neue Sichtweisen auf bekannte Melodien, erlauben den Hörern, den Strukturen der Musik nachzuspüren, bis in die kleinsten Wechselwirkungen zwischen Stimme, Saxophon und Klavier.

Montag, 16. Mai 2022

Almut Kühne und Jordina Millà

Heute kamen Improvisation mit der menschlichen Stimme und Improvisation am Klavier zusammen. Ein Programm voller Gefühl und Dynamik. 

Almut Kühne – Gesang
Jordina Millà
– Klavier

Die menschliche Stimme steht in diesem Jahr im Mittelpunkt der Konzerte. Ursprünglich hatte Almut Kühne ihr Konzert gemeinsam mit Jan Heinke geplant, der mit seinem riesigen Stahl-Cello nach Magdeburg gekommen wäre (so stand es noch im Jahresprogramm). Voll Trauer musste sie mitteilen, dass Jan Heinke an einer schweren Krankheit verstorben ist. "Morgen ist die Trauerfeier für ihn", sagte sie, "und ich darf jetzt gar nicht daran denken, sonst kann ich nicht singen". Das Konzert widmete sie dem Andenken an Jan Heinke, der ihr, wie sie sagte ein musikalischer Freund war, mit dem sie wunderbar improvisieren und sich über Musik austauschen konnte.

Leise Klaviertöne von Jordina Millà standen am Beginn des Konzertes. Als Almut Kühne zu singen beginnt, ist das eine leise Mischung aus Melodiestimme und Sprechgesang. Dabei liegt ihrem Gesang eigentlich gar kein Text zugrunde, Silben und Worte sind Mittel des Ausdrucks, der Emotion, Grundlage auch für Assoziation beim Hörer. Ihre sehr ausdrucksvolle und wandelbare Stimme, die gerade im ersten Teil des Konzertes dem Hörer ein melancholisches Gefühl spüren lässt. Eine Stimme, die auch unverstärkt durch den Raum trägt – wie man merkt, wenn sie sich singend vom Mikrophon entfernt.

Jordina Millà spielt das Klavier nicht einfach nur mit den Tasten, sie greift auch in den Körper des Instruments, streicht die Saiten an, schlägt sie mit Klanghölzern an, setzt Klangschalen aus Messing auf die Saiten. Dazu kommen einige elektronische Verfremdungen dieses an sich schon eigenartigen Klanges. Und das alles mit einer leisen Konzentriertheit, die die Ohren für jede noch so kleine Nuance schärft. 

Sonntag, 24. April 2022

Christof Sänger Trio feat. Peter Weniger

Zum Abschluss der Jazztage gab es eher in Richtung old style gehenden Jazz, der gleichwohl frisch und modern daherkam: Peter Weniger mit dem Christof Sänger Trio.

Peter Weniger – Saxophon
Christof Sänger – Piano 
Rudi Engel – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

Peter Weniger am Saxophon und das Trio des Pianisten Christoph Sänger spielen im Abschlusskonzert der Magdeburger Jazztage neben eigenen Kompositionen Musik, die mir irgendwie vertraut und doch unbekannt war. Stücke, die ich gefühlt (und mit einiger Unsicherheit) irgendwo in den 1960ern bis 70ern einordnen würde. Was den Reiz hatte, dass die Musik zwar nach Jazz-Standards klang, aber zugleich neu war. Perlende Pianoklänge, leicht schnarrendes Schlagzeug, langsamer Bass und warm tönendes Saxophon schufen ein schönes Flair. Nach den teils heftigen Klängen der vorangegangenen Tage des Festivals durfte es zum Ausklang auch etwas sanfter sein. 

Latin Rhythmen wie in Sinatras I'm a fool to want you oder in Christoph Sängers Lago azul (nicht nach dem Film, sondern nach einem Strand in Brasilien benannt) stehen für den Charakter des Abends. Sambarhythmen sind herauszuhören, am Klavier begleitet, dazu warmes Saxophon. Immer wieder gab es aber auch schnelle Soli der vier Musiker, virtuos gespielt. 

Freitag, 21. Januar 2022

Julie Sassoon

Das Doppelkonzert von Julie Sassoon und Sophie Tassignon war bereits für den 20. März 2002 geplant. Mit diesem Datum fiel es in die erste Welle der pandemiebedingten Schließung von Veranstaltungsorten und Absagen von Konzerten. Nach fast zwei Jahren konnte es nun nachgeholt werden. "Wenn der Spruch, dass Vorfreude die schönste Freude ist", bemerkte Gastgeber Norbert Pohlmann dazu, "dann hatten wir jetzt zwei Jahre voller Freude". 

Im ersten Teil des Doppelkonzertes war Julie Sassoon solo am Klavier zu erleben.

Ihr Konzert begann Julie Sassoon zum Stecknadel fallen hören leise. Am Bechstein-Flügel stehend ließ sie nur wenige Töne klingen, leicht angeschlagen und lange gehalten. Scheinbar zufällig kamen die Töne, etwa so, wie die ersten Tropfen eines Regens hier und da auf die Erde auftreffen. Der Langsamkeit Raum geben, dem Nachhall der Töne lauschen, das bestimmt den Anfang des Konzertes. Faszinierend ist es (umso mehr, als man es jetzt live erleben kann), wie sich dieses leise Spiel dann allmählich steigert, an Dynamik und Tempo gewinnt. Als sie später zu einem sehr melodisch gespielten Klavier auch noch einzelne Töne singt, da verschmelzen Instrumentenklang und Stimme, man überlegt, was da Ursprung der neu hinzukommenden Töne ist.

Samstag, 27. November 2021

Offbeat: Benjamin Ulrich Trio feat. Alexander Wienand

Ein Jazz-Klaviertrio in klassischer Besetzung gab den Auftakt zum zweiten Teil des Offbeat Jazzfestes. Eine Mischung aus schnellem Blues und sinnlichen Klavierstücken.

Benjamin Ulrich – Schlagzeug
Alexander Wienand – Klavier
Lars Düseler – Bass 

Das Trio beginnt zum Einstieg mit locker dahingespielten Klavierklängen und swingenden Melodien. Etwas später erklingt für einen Jazzabend ungewohntes: Alexander moderiert das nächste Stück (Mozart Paraphrase 3) an, setzt sich an den Flügel, spielt erst den Beginn von Mozarts D-Moll-Sonate, anschließend von Bachs Wohltemperierten Klavier und sagt dazu: "dies nur vorab, damit Sie nachher die Chance haben, das wahrzunehmen". Tatsächlich hört man aus der Musik der Band dann die Struktur dieser klassischern Stücke heraus. 

Andere Stücke basierten auf bekannten Poptiteln. So wie "Here comes the sun", etwas schwungvoller und frischer als das Original der Beatles. And it's alright, little Darling, yeah! Ein weiteres Stück schrieb Bandleader Benjamin Ulrich für Lars Düseler. "Ich liebe Bass-Themen, es ist aber manchmal gar nicht so einfach das hinzubekommen". Ein musikalisches Zwiegespräch zwischen Klavier und dem tief brummenden akustischen Bass. Erst später kommt Ulrich hinzu, die Trommeln nur leise mit den Besen gestrichen (mich erinnerte diese zurückhaltende melodische Musik an Vince Guaraldi). 

Montag, 15. November 2021

Timo Vollbrecht "Fly Magic"

Heute war Timo Vollbrecht mit seinem Projekt "Fly Magic" im Forum Gestaltung zu hören. Ein hochkonzentriertes Spiel von vier bestens aufeinander eingestimmten Musikern. Für mich eine Entdeckung.

Timo Vollbrecht (sax)
Keisuke Matsuno (g)
Elias Stemeseder (p, synths)
Dayeon Seok (perc)

Die Musik der Band beginnt mit sanften Tönen aus Timo Vollbrechts Saxophon und leisen Gitarrenriffs von Keisuke Matsuno. Ab und zu sind dazu einzelne Töne zu hören, also ob jemand eine Melodie pfeift. Klangeffekte aus Emil Stemeseders Synthesizer, der auf dem Flügel steht. Später, bei einem langen Pianosolo, zeigt er, dass er nicht nur die Elektronik, sondern auch die Tasten des Flügels beherrscht. Dayeon Seok spielt im Auftaktstück ihren Schlagzeugpart wie in Zeitlupe gedehnt. Mir kommt es vor wie das, was ein Rock-Schlagzeuger als kräftiges Solo spielt, nur dass sie mit Ihren Stöcken in der selben Abfolge nacheinander ihre Drums und Becken schlägt, aber eben nicht leichthin und in hohem Tempo, sondern voller Konzentration hier und da und dort hinlangt. 

Nach diesem zurückhaltenden Beginn findet die Band in einem Fusionsound zusammen, bei dem das Saxophon im Vordergrund steht. Insgesamt ist die Musik so was von ausgewogen, dass eigentlich egal ist, wo die Klänge grad herkommen. Und, um Missverständnissen vorzubeugen: nein, mit „ausgewogen“ meine ich nicht „beliebig“. Die Musik ist immer wieder faszinierend, auch wenn etwa völlig verrückte spacige Effekte hinzukommen, man das Raumschiff gleich abheben zu hören meint. Oder wenn sie ins rockige wechselt, bei „givers an takers“. „So heißt unsere Lieblingsbar in New York, in der nur Rockmusik läuft“, erklärt Timo Vollbrecht den Titel. 

Montag, 20. September 2021

Maria Baptist und Jan von Klewitz

Mit ihrer neuen CD "Facing Duality" kamen Maria Baptist und Jan von Klewitz nach Magdeburg. Wollte man das Konzert mit wenigen Worten beschreiben, so würde es "Klavier und Saxophon in symbiotischer Harmonie" ganz gut treffen. 

Maria Baptist – Klavier, Komposition
Jan von Klewitz – Saxophon

Maria Baptist war bereits 2017 mit ihrem Trio bei Jazz in der Kammer. Schon damals begeisterte ihr kräftiges und akzentuiertes Klavierspiel. Dieser Eindruck sollte sich auch im heutigen Konzert wiederholen. Am Beginn des Konzertes stand das Titelstück der CD, Facing Duality. Mit warmen Tönen spielt Jan von Klewitz sein Altsaxophon, bläst kurze und klare Melodiefragmente, die Maria Baptist mit wenigen breiten Akkorden begleitet. Langsam erst, dann an Tempo zunehmend, wechseln sich beide immer wieder ab in der Melodieführung, fügen die Fragmente zu einem mehrsätzigen Stück zusammen.

Einige der Titel haben Balladencharakter, etwa "Stillness speaks". Hier gibt das Klavier das Thema vor, das Saxophon kommt später hinzu und aus dem Zusammenspiel entwickelt sich ein großer Klang, Musik voller Gefühl. Am Ende scheint es ein Herantasten an die im Titel stehende Stille zu sein.

Montag, 21. Juni 2021

Phillip Dornbuschs "Projektor"

Heute war Tenor-Saxophonist Phillip Dornbusch mit seinem "Projektor" zu Gast im Forum Gestaltung. 
Phillip Dornbusch (sax, cl, perc)
Johanna Summer (p)
Johannes Mann (g)
Roger Kintopf (b)
Philip Dornbusch (perc)

An der Musik der Band um den Saxophonisten Phillip Dornbusch begeistert die Kraft, die von der Musik ausgeht ebenso wie an leiseren Stellen die Melodiosität: wilde Improvisiertheit geht mit innerer Struktur einher. Grad das richtige für mich, um mich nach einem stressigen Tag der Musik hinzugeben, mich davon auffangen zu lassen. 

Bestimmt werden die Klänge von Dornbuschs Saxophon, dessen Dynamik von den anderen Musikern aufgegriffen wird. Johannes Mann liefert mal heftige Gitarrenriffs, mal leise und konzentrierte einzelne Töne, die auf leise hingehauchte Windgeräusche des Sax reagieren. Interessant auch, wenn Roger Kintopf am Bass und Phillip Dornbusch unisono spielen, mit langsamen und tiefen Borduntönen eine Basis für die später hinzukommenden perlenden Klaviertöne von Johanna Summer liefern.

Montag, 19. Oktober 2020

Klohmann und Spendel

Saxophon und Klavier mit dem vollen Klang beider Instrumente. Das Oktober-Konzert von Jazz in der Kammer machte einen musikalischen Vergleich möglich – denn das September-Konzert hatte dieselbe Besetzung. Zweimal die gleichen Instrumente und doch so unterschiedliche Klänge. Wunderbare Vielfalt des Jazz!
Peter Klohmann – Saxophon
Christoph Spendel – Klavier

Am Beginn des Konzertes setzt sich Christoph Spendel ans Klavier und greift voll in die Tasten. Breite Akkorde schaffen eine harmonische Basis für die Melodien, die Peter Klohmann auf dem Sopransaxophon anstimmte. Avenue E heißt Spendels Komposition, gewidmet nicht etwa einer amerikanischen Straße, sondern der Eschersheimer Landstraße, die sich durch Frankfurt zieht und von seinem Wohnort bis zur Frankfurter Musikhochschule führt. Kräftig und klar klingt die Musik, sommerliche Klänge im regnerischen Herbst. Aus der anfänglichen Klavierbegleitung entwickelt sich ein Solo, bei dem Spendel die Töne nur so aus dem Klavier strömen und perlen lässt. 

Neben Eigenkompositionen gab es auch immer wieder Adaptionen von Stücken des American Songbook. Bei Body & Soul greift Klohmann zum Tenorsaxophon, gehauchte Luftzüge klingen wie das Atmen eines großen Tieres, dann plötzlich schreiend laute Töne, die durch die offene Tür des Saales hinaus in die Gänge des Forum Gestaltung und von dort wieder zurück hallen. Welch ein Kontrast beider Instrumente, als Spendel dann einsetzt, ruhig und akzentuiert spielt. 

Montag, 17. Februar 2020

Fabian-Dudek-Quartett

Vier junge Jazzmusiker, die voller Dynamik kräftige Klänge auf die Magdeburger Jazzbühne brachten: das Fabian-Dudek-Quartett, mit
Fabian Dudek – sax, comp
Felix Hauptmann – p, synth
David Helm – b
Fabian Arends – perc

Von Beginn an war es ein Erlebnis, die vier jungen Jazzer aus Köln auf der Bühne zu erleben. Man hatte gar keine Zeit, sich lange einzuhören, so plötzlich ging es von Null auf Hundert. Ungewöhnlich: ein Bass-Solo gleich am Anfang des Konzertes: mit der Kraft einer großen Maschine bediente David Helm den Bass mit Fingern und Bogen, erst schrammten tiefe Töne ins Publikum, dann holte er aus den Saiten Obertöne heraus, entlockte diesem großen Instrument ungewöhnlich hohe Klänge. Welch eine Ouvertüre! Als sich dann Felix Hauptmann am Flügel und Fabian Arends am Schlagzeug in die Musik einmischten ergab sich für kurze Zeit der Klang eines vergleichsweise "normalen" Klaviertrios, bis dann Fabian Dudek sein Saxophon kräftig blies, die Tonleitern rauf und runter kleine Melodieteile aneinanderreihend.

Spätestens nach dem ersten Stück hatten sich die Ohren in die Klänge des Quartetts eingehört, wurde die kräftige Musik vertrauter. Dabei gab es zwischen all der Wildheit immer wieder ruhigere Phasen, Gelegenheit zum ausruhen, wenn etwa ein Klaviersolo mit klaren, nachhallenden Akkorden kam. Aber nicht lange, dann knallte das Schlagzeug wie ein Schuss dazwischen. Interessante klangliche Assoziationen ergaben sich, als Klavier und Saxophon im Duett spielten. Eine eigentümliche Klangwolke, in der man sich allen Dissonanzen zum Trotz wohlfühlen konnte.