Das Dezember-Konzert von Jazz in der Kammer ordnete sich mit Christoph Spendels Christmas Jazz Trio in
das Dezemberthema "Weihnachten" ein.
Christoph Spendel (p)
Claudio Zangheri (b)
Jens Biehl (dr)
Bei der Ankündigung des Trios begrüßte Warnfried Altmann den Pianisten Christoph Spendel als einen ganz alten Bekannten, als einen der ersten, die nach 1990 bei Jazz in der Kammer in den Magdeburger Freien Kammerspielen auftraten. Der immer wieder mal in unterschiedlichen Besetzungen auf der Magdeburger Jazz-Bühne zu hören war, zuletzt im Oktober 2012.
Über sein Weihnachtsprogramm, mit dem er inzwischen auch schon seit mehr als 10 Jahren unterwegs ist, sagte Christoph Spendel: "Ich finde Weihnachtslieder faszinierend. Und ich spiele sie durchaus auch im Sommer – ich muß das sogar, immer dann wenn eine Weihnachts-CD im Dezember fertig sein soll". Und fügt hinzu: "die meisten Lieder werden Sie kennen – nur nicht in unserer Interpretation".
Nun werden ja Weihnachtslieder im Dezember zumindest auf den bekannten Dudelsendern vom Pop- bis zum Klassik-Bereich bis zum Überdruß rauf und runtergespielt (einzig im Deutschlandfunk bleibt man davon verschont) und ich muss eingestehen, dass ich auch ein wenig ungewiß war, was mich heute erwarten würde. Jedoch zeigte gleich der Beginn des Konzertes, dass derlei Befürchtungen mehr als unbegründet waren. Schon bei einem der englischen Weihnachtsklassiker, bei Rudolf, dem rotnasigen Rentier, entwickelt Christoph Spendel die anfangs noch klar heraushörbare Melodie gleich nach wenigen Takten zu etwas völlig verrücktem weiter, spielt lange Strecken mit freien Variationen, die kaum noch Ähnlichkeit zum eigentlichen Lied haben, das nur ab und an durchscheint. Auch bei Feliz Navidad, das ja nun wirklich zu den totgedudeltsten Weihnachtsliedern gehört (noch dazu, da es in allen Radiosendern nur genau eine Version davon zu geben scheint), gibt es von Beginn an Überraschendes zu hören: auf Blech-Glocken trommelt Jens Biehl kubanische Rhythmen, klingt das Lied so fröhlich und neu, daß es eine Freude ist zuzuhören. Chapeau! Und an dieser Stelle: Sorry für die einleitend niedergeschriebenen Zweifel.
So geht es auch im Programm weiter, fast alle Lieder haben mit Weihnacht oder Winter zu tun. Etwa wenn in "Leise rieselt der Schnee" Spendel sein Klavier mit viel Nachhall, aber sonst leise und langsam spielt (in einer Art, die mich an Vince Guaraldi erinnert, von dem später im Konzert auch noch etwas zu hören sein wird), von Claudio Zangheri am Baß leise begleitet. Die lange harmonisch nachklingenden Akkorde durchziehen das Stück wie leises Schneegestöber. Vor allem in solchen leisen Stücken erweisen sich die Musiker der Band auch als sehr aufmerksam, wenn sie genau auf einander hören, sich Melodiefolgen oder Rhythmen zuspielen. Und das Publikum läßt sich auch auf die leisen Stellen des Konzertes ein, läßt die Töne bis zum letzten Verhallen nachklingen, bevor es applaudiert. Eine schöne Konzertatmosphäre.