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Samstag, 13. April 2019

Christian Lillinger: PUNKT.VRT.PLASTIK

Kräftige Rhythmen, Klavier und Bass standen am Beginn des mit "Das Schlagwerk" überschriebenen dritten Abends der Magdeburger Jazztage.  
Christian Lillinger – Schlagzeug
Kaja Draksler – Piano,
Petter Eldh – Bass 

Warnfried Altmann wies auf die Vielfalt der Möglichkeiten hin, als er für den "Schlagwerk"-Abend ein kontrastreiches Programm ankündigte. An dessen Beginn stand Christian Lillingers Trio. "Christian Lillinger kenne ich schon lange", sagte Altmann (Anm.: auch hier im Blog gibt es etwas über frühere Konzerte zu lesen), "und als feststand, dass wir das Schlagzeug in den Mittelpunkt der Jazztage stellen, habe ich ihn angerufen und ihm gesagt, du kannst Dir aussuchen mit wem du kommst, aber du musst dabei sein".

Wie schon bei früheren Auftritten ist eine sehr akzentuierte Spieltechnik typisch für Christian Lillinger. Konzentriert sitzt er am Schlagzeug, nach leichten Schlägen auf die Trommeln holt er weit aus und schlägt betont auf sein Blech. Mal spielt er nur aus dem Handgelenk heraus, mal mit vollem Körpereinsatz. Für Lillinger ist sein Instrumentarium nicht einfach nur Schlagzeug, sein Drumset wird zur Percussion-Maschine, wenn er das Blech seiner Becken mit Metallstangen streicht oder mit den Trommelstöcken auf dem Fell der Trommeln herumkratzt. Nicht nur die lauten, auch die leisen Töne sind ihm wichtig. Trommeln ebenso wie das Quietschen von Blech auf Blech. Experimentelle Klänge können aus ganz einfachen Möglichkeiten entstehen, etwa wenn Lillinger das Klavier mit Tönen der Saiten eines Eierschneiders begleitet, metallisch und hoch klingend.

Zu Lillingers Rhythmen spielt Kaja Draksler komplizierte Tonmuster auf dem großen Konzertflügel. Teils sind es nur stete Wiederholungen, die die Pianistin im Gleichklang mit dem Schlagzeuger spielt, mit der Gleichmäßigkeit eines Uhrwerks, einzelne Töne, die Hände links und rechts zu den tiefsten und höchsten Tasten ausgestreckt. Dann wieder breite Akkordfolgen, fließende Töne.

Petter Eldh schiebt tief dröhnende Rhythmen hinzu, tiefe Borduntöne scheinen zwischen den Pausen des Schlagzeugs durch. Plötzlich Stille, in die hinein Kaja Draksler pedalunterstützt lange nachhallend langsame Akkorde klingen lässt, schneller wird, damit einen Rhythmus vorgibt, dem nun Lillinger folgt.

Montag, 18. März 2013

Ronny Graupes Spoom

Ronny Graupes Spoom, mit
Ronny Graupe – Gitarre
Jonas Westergaard – Bass
Christian Lillinger – Schlagzeug

Das Konzert begann mit etwas verhaltenen, scheinbar wie nebenbei dahingezupften Tönen auf Graupes Gitarre, die Musik wird aber bald von Lillingers dynamischem Drum-Sound förmlich vorwärts getrieben und dann geht es heftig los. Lillinger, den ich vor sieben Jahren¹ das erste mal bei Jazz in der Kammer sah (mit seiner Band "Hyperactive Kid" und auch damals bereits gemeinsam mit Ronny Graupe) erinnert mit seinen spontan einsetzenden Schlagzeugrhythmen, seinen plötzlichen Klangexperimenten, seinem lauten und kräftigen Spiel noch immer ein wenig an das sich am Schlagzeug austobende, etwas hyperaktive Kind aus dem Bandnamen. An der Präzision seines Spiels merkt man jedoch, daß dahinter mehr steckt als bloßes Experimentieren mit Klängen.
Dank elektronischer Verstärkung seiner Gitarre konnte es Graupe lautstärkemäßig gut mit Lillinger aufnehmen, spieltechnisch sind sich die beiden ohnehin ebenbürtig. Dennoch waren es gerade auch die wenigen ruhigeren Musikstücke, in denen die Musiker an den Saiteninstrumenten ihre Instrumente am besten zur Geltung brachten. So wie bei Hypnos (dem Gott des Schlafes gewidmet), wo auch Lillinger mal leise und behutsam spielen konnte. Für mich waren das die Musikstrecken, bei denen das Ohr auch mal ein wenig ausruhen, den Melodien folgen konnte.
Mitunter begaben sich Graupe und Lillinger auf musikalische Interaktionen, bei denen sie gegeneinander antraten und wie in "entangled" ineinander verwobene Quantenmechanik-Teichen umeinander kreisen ließen (um den Witz dabei zu verstehen muß man allerdings ein gewisses Faible für die Physik haben). Auch das Experimentieren mit den Tönen machte Spaß und ergab immer wieder interessante Nuancen. Dabei stand zwar immer wieder Lillinger im Mittelpunkt, wenn er etwa wie in "Canavera" Metall auf Metall quietschen und seine Gongs wie rückwärts wiedergegeben klingen ließ oder furios drauflos trommelte, aber auch Westergaard beteiligte sich mit seinem Baß daran, entlockte ihm Diskanttöne oder Schlagzeugklänge.
In ihrem Titel "Troll" spielen die Musiker mit einem Begriff, der in der Internetsprache die Bedeutung eines vorsätzlichen Provozierens hat. Beginnen Baß und Gitarre erst langsam und harmonisch, so mischt sich Lillinger mit Schlagzeug und Perussion  immer wieder "trollend" (störend) ein. Bis dann Graupe und Westergaard dagegenhalten, und wenn dann Graupe seine Gitarre bis kurz vor dem Reißen der Seiten malträtiert, dann scheint er ebenso zurück zu trollen.
Die letzten beiden Stücke, "Wind" und "Es war die Nachtigall" kontrastierten nochmal miteinander. Kam der Wind noch als Herbststurm daher (oder dem Wetter angemessen wohl eher als winterlicher Schneesturm), der Blätter vor sich hertreibt und die Dachziegel klappern läßt, so endet das Konzert dann mit vergleichsweise sanften Tönen.

Im  Konzert von Ronny Graupes Spoom war eine sehr schnelle, experimentelle zeitgenössische Musik zu hören, moderner Jazz – und nichts zum mal eben nebenbei hören. Viele der im Konzert gespielten Stücke sind auch auf der neuen LP des  Trios enthalten. Ja, Sie lesen richtig und Ronny Graupe wies im Konzert auch darauf hin: eine Langspielplatte. So nostalgisch es klingt, LPs gibt es auch heute noch und Graupe erklärt sich damit als Freund der analogen Technik. Wer es aber gern digital haben möchte (oder vielleicht seinen Plattenspieler gar nicht mehr neben der Stereoanlage stehen hat), der bekommt mit der Platte einen downloadlink zum herunterladen der Stücke als mp3.



¹den Recherchen nach muß es 2006 gewesen sein, aber das lag noch vor dem Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Blog, daher nur als ungefähre Angabe...

Montag, 21. Dezember 2009

Christian Lillingers »Grund«

 Aus der Konzert-Ankündigung:GRUND wurde 2008 von Christian Lillinger mit Musikern gegründet, die sich auf unterschiedlichste Weise einen internationalen Namen erspielt haben. Mal ist diese Musik und ihr Klangbild stark dem Jazz zuzuordnen und mal auch nur der Bewegung, in der alle Instrumente zu einem Ganzen verschmelzen und verwischen. Die Kompositionen sind komplex doch gleichzeitig lässt man wohlbedacht dem Musiker seine Freiheit.

Dem bleibt noch hinzuzufügen, daß man hier eine seltene Besetzung erleben konnte, mit zwei (akustischen) Bässen. Und daß Christian Lillinger wieder mal in gewohnt lebhafter Weise spielte. So wie bereits vor einiger Zeit mit »Hyperactive Kid«.