Posts mit dem Label Roger Hanschel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Roger Hanschel werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 23. April 2022

Roger Hanschel & String Thing Streichquartett

Den mit "Das Saxophon" überschriebenen Abend der Jazztage eröffneten Roger Hanschel und das String Thing Streichquartett

Roger Hanschel – Altsaxophon/Komposition
Nicola Kruse – Violine
Ingmar Meissner – Viola
Gunther Tiedemann – Cello
Jens Piezunka – Bass


Roger Hanschel wurde von Warnfried Altmann, dem Festival-Leiter der Jazztage, mit den Worten anmoderiert, "Roger Hanschel ist für mich einer der bedeutendsten Saxophonisten, heute könnt Ihr ihn auch als Komponist erleben." Und dies mit Stücken, die er für Saxophon und Streichensemble schrieb. Nicht für irgendein Streichensemble, sondern speziell für String Thing, "Die können nicht nur klassische spielen, die können auch grooven und improvisieren", sagte Hanschel nach dem Konzert. 

Die Musik klang zu Beginn nach irgendwo zwischen Jazz, Sinfonik und Tango, ich meinte Melodien von Chatschaturjan herauszuhören, und das alles mit einer angenehm ausgewogenen Verteilung der Stimmen zwischen Saxophon und Streicher. Vielleicht ist Kammerjazz eine passende Bezeichnung? Der Gedanke kam mir im Konzert durch die Assoziation mit Kammermusik. Jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass die Magdeburger Jazzreihe, in die die Jazztage eingebettet sind, passenderweise auch Jazz in der Kammer heißt. 

Montag, 18. März 2019

Hanschel und Shotham

Heute standen zwei Gewinner renommierter Musikpreise auf der Bühne: Roger Hanschel (WDR-Jazzpreis) und Ramesh Shotham (WDR-Weltmusikpreis). Der Konzertabend bot einen Mix aus saxophongeprägtem zeitgenössischen Jazz und indischen Klängen.
Ramesh Shotham – Perkussion
Roger Hanschel – Saxophon

Roger Hanschel begann das Konzert mit warmen, kräftigen Saxophonklängen, einzelnen, ineinander übergehenden Tönen, abseits gewohnter Tonskalen, indischen Klängen ähnelnd. Aus den anfangs leisen Tönen werden bald schreiend laute, schrille. Die Wiederholungen seiner Tonfolgen klingen wie die Strophen eines Liedes. Ramesh Shotham begleitet das Saxophon zunächst mit nur zurückhaltend am Schlagzeug. Extrembiose nennt Hanschel seinen ersten Titel, und beschreibt damit eine „extreme Form zwischenmenschlicher Beziehungen“.

Später nimmt Hanschel einzelne Passagen mit einer Loop Station auf, legt neue Stimmen darüber. Shotham greift zur Kanjira, einer kleinen, und wie er sagt, „ursprünglich mit Echsenhaut bespannten“, dem Tambourin ähnlichen Trommel.

Ein Percussion-Solo widmete Shotham dem indischen Gott Ganesha. Zu (elektronisch eingespielten) Klängen der Tampura, einer indischen Langhalslaute, spielt er die Tempeltrommel Tavel. Sanfte, meditative Klänge sind zu hören, die durch die mit einem Schlegel und mit den Fingern erzeugten Rhythmen Struktur erhalten.

Montag, 16. Juni 2014

Hanschel Fügemann Mussawisade

Heute war nicht nur der Jazz-in-der-Kammer-Termin, sondern auch das erste Spiel der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien bei der Fi-Fa-Fußball-Weltmeisterschaft. So zweifelte Warnfried Altmann noch kurz vor Beginn des Konzertes, ob sich überhaupt ein paar Konzertbesucher zusammenfinden würden. Diese Sorge war jedoch unbegründet, das Konzert war trotz Fußball gut besucht. Und die Konzertbesucher konnten einen interessanten Jazz-Abend als musikalische Alternative zum Fußball genießen. Auf der Bühne im Magdeburger Schauspielhaus standen:

Roger Hanschel – Saxophon
Elisabeth Fügemann – Violoncello
Afra Mussawisade – Percussion


Roger Hanschel stellte in Magdeburg seine allerneueste CD vor (die es noch gar nicht als CD gibt – die Aufnahmen laufen gerade, und auch im Magdeburger Schauspielhaus wurde mitgeschnitten). Hanschels sehr anspruchsvolle Kompositionen beginnen mit einem Charlie Mariano gewidmeten Stück, zunächst sehr sacht, mit beinahe unhörbar leisen Tönen auf dem Cello und dem Saxophon, die – wären da nicht die allmählich einsetzenden Dissonanzen – beinahe an eine Waldsinfonie deutscher Romantiker denken lassen. Mal meint man auch Reverenzen an Rimsiki-Korsakows Hummelflug zu hören, mal Debussy. Doch bald entwickeln sich aus den anfänglich ruhigen Tönen komplizierte Klangstrukturen, in denen man als Zuhörer schon meint, den musikalischen Faden zu verlieren, bis sich wenig später das musikalische Chaos auflöst wie ein Nebelvorhang in der Morgensonne. Hervor tritt eine klare Melodie, von Mussawisades Rhythmen orientalisch geprägt. Eine komplizierte Musik, bei der vor allem das Können der Cellistin gefordert ist. 

Später nimmt Hanschel in seinem ansonsten akustischen Konzert die elektronische Loopstation zu Hilfe, um sein Saxophon zu verdoppeln, seine Töne den zuvor live eingespielten zu überlagern. Zarte Schwebungen entstehen so, die er in seinem langen Saxophon-Solo einer minimalistischen Musik gleich in langen Folgen wiederholt. Wenn er eben noch  laut und kräftig spielte, so klingt das Saxophon nun beinahe unhörbar leise. Vor der Pause wurde es dann nochmal laut und kräftig, als sein eben noch ruhiges Stück (mit dem passenden Titel "Beruhigung II") übergangslos in das nächste übergeht. "Personal Dharma" nennt es Hanschel und versteht es der buddhistischen Bedeutung des Wortes gemäß als Beschreibung seiner Lebensauffassung, seiner Musik. Eine Musik, die er mit seinem Saxophon bestimmt, von Cello und Percusssion dabei unterstützt.

Im zweiten Set des Abends erklangen bereits etwas ältere Stücke Hanschels. So die seinen Söhnen gewidmeten Kompositionen "Leander" und "Levin". Hier kam Elisabeth Fügemanns Können am Cello zum vollen Ausdruck, wenn sie es nicht nur auf herkömmliche Weise spielte, sondern auch den Obertonumfang des Instrumentes nutzte, sich auf experimentelle Klänge einließ. Ebenso begeistert sie auch in dem Stück "Extrembiose", dessen Titel sich vielleicht als extremste Symbiose zweier Instrumente interpretieren lassen kann. Fügemann streicht nicht nur die Saiten, sie erzeugt Stakkatotöne mit dem darauf geschlagenen Bogen, interagiert mit Hanschels langen Saxophonsätzen und Mussawisades Rhythmen.

Das Konzert war keine leichte Kost vor der Sommerpause, sondern eine intensive Musikerfahrung mit drei großartigen Musikern.



Montag, 18. April 2011

Heavy Rotation

Heavy Rotation spielte eine faszinierende Mischung, eine Welt der Kontraste. Kräftige, laute und expressive Klänge wechselten mit ruhigen melodischen. In freier Improvisation erzeugten die Instrumente Klangwelten, die dann wie auf geheimes Kommando zu einer gemeinsamen Melodie fanden. Es war interessant zu hören, wie sich die Musiker Töne zuspielten, auf die die anderen dann eingingen. So erinnerte es stark an minimal music, als Segschneider und Hanschel über längere Strecken die Töne in Taktwiederholungen nur minimal veränderten. Daneben bekam jeder der vier Musiker auch Raum, sich als Solist zu präsentieren – auch dabei erwiesen sich die vier Musiker als musikalisch ebenbürtig.
Roger Hanschel (sax), Markus Segschneider (git), Dietmar Fuhr (b), Bodek Janke (dr, perc).