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Montag, 18. März 2024

The Clarinet Trio

Beim März-Konzert von Jazz in der Kammer war das Clarinet Trio zu hören. Nur drei Klarinettisten. Drei gleiche Instrumente, sonst nichts. Klarinette pur. Passend zum Jahresthema "ungewöhnliche Instrumentenkombintionen".

Jürgen Kupke – Klarinette
Michael Thieke – Alt-Klarinette, Klarinette
Gebhard Ullmann – Bass-Klarinette
Gebhard Ullmann, Jürgen Kupke und Michael
Thieke (von links) vor der Bühne im Forum Gestaltung,

Am Beginn ist nur das dunkle Dröhnen von Gebhard Ullmanns Bassklarinette zu hören, einem Didgeridoo ähnelnd. Diese ruhigen Töne gehen bald auf in den Melodiebögen, die seine beiden Klarinettenkollegen Jürgen Kupke und Michael Thieke in schneller Folge hinzuspielen. Interessante Klangstrukturen ergeben sich, wenn dann auch noch jeder der drei in einem anderen Taktmaß spielt und die Melodien aufeinander zu und wieder voneinander weg laufen lassen. 

Das Zusammenspiel der drei Klarinettisten, die alle schon mal in anderen Projekten in Magdeburg zu hören waren, ist teils harmonisch bis hin zu einem unisono-Klang, teils von intensiver gegenseitiger Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten des Instruments geprägt. Dabei bewegen sich die Musiker, wechseln untereinander die Position. Das ist auch "ein Spiel mit dem Klang des Raumes", wie Gebhard Ullmann sagt und damit auch die Position der Musiker nicht auf, sondern vor der Bühne meint: "So kommen die Töne viel unmittelbarer an als von dort oben".

Montag, 19. Februar 2024

Theo Jörgensmann Quartett

Mit dem Theo Jörgensmann Quartett war eine Band zu erleben, die bereits seit den 90er Jahren gemeinsam auf den Jazz-Bühnen steht. Im bis auf den letzten Platz (es wurden sogar noch Stühle herangeholt) vollen Saal im Magdeburger Forum Gestaltung.

Theo Jörgensmann – Klarinette
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

"Auf der Bühne erleben wir vier Individualisten, die sich gegenseitig nichts mehr beweisen müssen", so stellte Warnfried Altmann das Quartett des Klarinettisten Theo Jörgensmann vor. Will meinen: alles langjährige Jazzer, die mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit ihre Musik ausleben. Tatsächlich legen die vier von Beginn an ein sehr hohes Tempo vor, spielen über lange Strecken hinweg kräftig, mit nur kurzen Ruhepunkten. Und sie spielen jeden der beiden Sets in einem Zug durch. Wow! 

Donnerstag, 25. Januar 2024

Julie Sassoon und Lothar Ohlmeier: Inside Colours

Am 25. Januar 2024 kamen Julia Sassoon und Lothar Ohlmeier zum Record Release Konzert ihrer Duo-CD "Inside Colours" nach Magdeburg ins Forum Gestaltung.

Julie Sassoon – Klavier
Lothar Ohlmeier – Klarinette. 

Ruhige, ganz zarte Klänge stehen am Beginn des Konzertes, zarte Klänge, einzelne Akkorde mit verbindenden Tönen. Erst als Julie Sassoons Spiel kräftiger wird, setzt auch Lothar Ohlmeier ein, setzt ebenso kräftige Kontrapunkte, mit langanhaltenden Tönen seines Saxophons. Die Ausrichtung der Musik wandelt sich, Julie Sassons Finger hämmern auf die Tasten, werden zur Begleitung. "Sanftheit und Kraft" könnte ebenso als Titel über dem Konzert stehen.

Montag, 18. Dezember 2023

Floridis – Kneer – Dimitriadis

Das Dezemberkonzert von "Jazz in der Kammer" war alles andere als weihnachtlich-besinnlich. Und das war auch gut so, denn das griechisch-deutsche Freejazz-Trio pustete die Ohren durch und machte sie frei von seichten Klängen.

Floros Floridis – Klarinette, Bassklarinette
Meinrad Kneer – Kontrabass
Yorgos Dimitriadis – Schlagzeug, Perkussion

Warnfried Altmann erklärte die Vorgeschichte des Konzertes, des letzten in der diesjährigen "Kontrabass-Reihe": "Ich hatte Meinrad Kneer angerufen und ihn gefragt, wen er empfehlen kann, und so kam er mit seinem aktuellen, ganz neuen Trio".

Zu Beginn des Konzertes kam Meinrad Kneer aber erst mal solo auf die Bühne. "Mal sehen wie lange es wird – Ihr könnt auch zwischenrufen", sagte er. (Und wenn jetzt jemandem Patrik Süßkinds Monolog "Der Kontrabass" in den Sinn kommt – nein, ich habe ihn nicht gefragt, wie oft er schon darauf angesprochen wurde). Nein, es rief niemand dazwischen. Ganz im Gegenteil, das Magdeburger Jazzpublikum lauschte aufmerksam. Es wurde eine lange, interessante Improvisation, mit Klängen von den tiefsten Bass-Saiten bis hin zu höchsten Obertönen. Musik mit einer inneren Dramaturgie, die Meinrad Kneer in einer ruhigen, überlegten Weise spielt,wie um eine Geschichte zu erzählen und ich selbst hätte mir sein Solo auch gut als Begleitung zu einem Trickfilm vorstellen können.

Als dann Floros Florides und Yorgos Dimitriades hinzukommen, wird von allen dreien frei und frisch drauflos improvisiert. Dabei wechselt Floros Florides immer mal zwischen Klarinette und der langen Bassklarinette, spielt kurze Tonfolgen, intensiv und kraftvoll, die von Meinrad Kneer am Bass ergänzt und von Yorgos Dimitriades am Schlagzeug kommentiert werden. Ein gemeinsames Spiel von Tönen und Klängen der drei Musiker, die bei aller Wildheit der Klänge doch genau aufeinander hören. 

Montag, 19. Juni 2023

Christian Marien Quartett

Das Christian Marien Quartett stand beim letzten Konzert von Jazz in der Kammer vor der Sommerpause auf der Jazz-Bühne im von der Sonne aufgeheizten Forum Gestaltung:

Christian Marien (Schlagzeug)
Tobias Delius (Tenorsaxophon, Klarinette)
Jasper Stadhouders (Gitarre)
Antonio Borghini (Kontrabass)

Christian Marien beginnt furios, mit Klängen, die von Anfang an voll auf die Ohren gehen: kräftiges Schlagzeug wird von kurzen aber kräftigen Tonfolgen des Saxophons beantwortet. Schon bald finden die vier Musiker sich zu einem gemeinsamen Sound zusammen, bei dem sie immer noch einzeln heraushörbar bleiben. Später wird die Musik leiser, reduziert sich auf Rhythmen, Tobias Delius spielt seine Klarinette mit singendem Ton, mit schon fast orientalisch klingenden Melodien. 

Samstag, 26. November 2022

Offbeat: Schultze – Puntin

Akustische und elektronische Klangeffekte und ein phantasievolles Spiel mit Sounds standen im Mittelpunkt des heutigen Konzertes im Rahmen der Offbeat-Reihe im Gesellschaftshaus Magdeburg.  

Stefan Schultze – Klavier, Fender Rhodes Piano
Claudio Puntin – Electronics, Klarinette, Zischophon
Stefan Schultze (links) und Claudio Puntin
an ihrem riesigen Set von überwiegend rein
akustischen Instrumenten aller Art

Leise, voller Konzentration erzeugte Klänge bestimmten den Beginn des Konzertes. Zarte Klaviertöne, Gongs wie aus orientalischen Tempeln, Regenrauschen. Bei manchen dieser Klänge überlegt man, ob diese elektronischen oder akustischen Ursprung haben. Wer Stefan Schultze kennt weiß, dass er vieles auf seinem präpariertem Klavier zaubert und Claudio Puntin hat ebenfalls einiges an Equipment aufgebaut.

Montag, 15. November 2021

Timo Vollbrecht "Fly Magic"

Heute war Timo Vollbrecht mit seinem Projekt "Fly Magic" im Forum Gestaltung zu hören. Ein hochkonzentriertes Spiel von vier bestens aufeinander eingestimmten Musikern. Für mich eine Entdeckung.

Timo Vollbrecht (sax)
Keisuke Matsuno (g)
Elias Stemeseder (p, synths)
Dayeon Seok (perc)

Die Musik der Band beginnt mit sanften Tönen aus Timo Vollbrechts Saxophon und leisen Gitarrenriffs von Keisuke Matsuno. Ab und zu sind dazu einzelne Töne zu hören, also ob jemand eine Melodie pfeift. Klangeffekte aus Emil Stemeseders Synthesizer, der auf dem Flügel steht. Später, bei einem langen Pianosolo, zeigt er, dass er nicht nur die Elektronik, sondern auch die Tasten des Flügels beherrscht. Dayeon Seok spielt im Auftaktstück ihren Schlagzeugpart wie in Zeitlupe gedehnt. Mir kommt es vor wie das, was ein Rock-Schlagzeuger als kräftiges Solo spielt, nur dass sie mit Ihren Stöcken in der selben Abfolge nacheinander ihre Drums und Becken schlägt, aber eben nicht leichthin und in hohem Tempo, sondern voller Konzentration hier und da und dort hinlangt. 

Nach diesem zurückhaltenden Beginn findet die Band in einem Fusionsound zusammen, bei dem das Saxophon im Vordergrund steht. Insgesamt ist die Musik so was von ausgewogen, dass eigentlich egal ist, wo die Klänge grad herkommen. Und, um Missverständnissen vorzubeugen: nein, mit „ausgewogen“ meine ich nicht „beliebig“. Die Musik ist immer wieder faszinierend, auch wenn etwa völlig verrückte spacige Effekte hinzukommen, man das Raumschiff gleich abheben zu hören meint. Oder wenn sie ins rockige wechselt, bei „givers an takers“. „So heißt unsere Lieblingsbar in New York, in der nur Rockmusik läuft“, erklärt Timo Vollbrecht den Titel. 

Montag, 15. Juni 2020

Gunter Hampel European-New York Quartet

Gesang trifft auf Saxophon, Vibraphon und Elektronik: Heute stand Gunter Hampel mit seinem European-New York Quartet auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung Magdeburg:
Gunter Hampel – bcl, vib, fl
Johannes Schleiermacher – ts, music easel
Cavana Lee-Hampel – voc
Bernd Oezsevim – perc

Das Konzert von Gunter Hampel und seiner Band ist eines der ersten nach der Corona-bedingten Zwangspause, die Künstler wie Kultureinrichtungen hart traf. Nach vier Monaten Konzertpause ist dieses Zusammentreffen von Musikern und Publikum wie ein kleiner Neuanfang. Vor Konzertbeginn, als alle noch im Innenhof des Forum Gestaltung stehen, gibt es viele Gespräche über Kunst und Kultur, über die Auswirkungen für die Künstler. Auch das Ambiente vor der Jazzbühne ist ungewohnt. Statt dicht gedrängt sitzen die Gäste nun auf anderthalb Meter Abstand, Paare dürfen auch enger, es ist nicht so kuschlig wie sonst und für die Frischluftzufuhr sorgen weit offene Türen, durch die hindurch an leisen Stellen die Rufe der Mauersegler die Musik begleiten. 

Als das Konzert beginnt, sind diese Umstände aber sofort vergessen. Die Musiker beginnen erst leise zu spielen, tasten sich an die Möglichkeiten der ungewohnten Konzertatmosphäre, an ihr Publikum heran. Die Musik kommt von der Bühne anfangs zweigeteilt, links Cavana Lee-Hampels Gesang, mit ihr harmonierend Johannes Schleiermachers Saxophon, auf dem er anfangs nur einzelne kurze Töne rhythmisch wiederholt, kurze Tonfolgen spielt, von rechts mischen sich glockenhelle Töne des Vibraphons. So richtig geht gleich darauf die Post ab, als Gunter Hampel die sphärischen Vibraphonklänge unterbricht und zu seiner Bassklarinette greift. Ab da kommt die Band zu einem runden Gesamtklang, wird es jazzig improvisierend und laut auf der Bühne, Bernd Oezsevim legt kräftige Rhythmen drunter – die Band spielt sich in eine wunderbare, in eine wilde musikalische Übereinstimmung hinein. Ja, genau das hat mir so lange gefehlt!

Samstag, 5. Oktober 2019

Die Hochstapler – The Flop, the Turn and the River

"Die Hochstapler" spielten im wahrsten Sinne des Wortes mit der Musik, als sie im Magdeburger Forum Gestaltung ihr Improvisations-Stück The Flop, the Turn and the River aufführten.
Félicie Bazelaire – Cello
Pierre Borel – Saxophon
Antonio Borghini – Kontrabass
Patricia Bosshard – Geige
Emilio Gordoa – Vibraphon
Louis Laurain – Trompete
Hannes Lingens – Schlagzeug
Michael Thieke – Klarinette

Als die acht Musiker am Beginn des Abends jeder für sich kurze Melodien anspielen, Rhythmen klopfen, Klangvariationen und Tonfolgen probieren, nehmen sie die Zuhörer zugleich mit in die Entstehungsgeschichte ihrer Musik. Scheinbar zufällig angeordnet, sortieren sich diese kurzen Ton-Schnipsel allmählich neu, aus anfangs einzelnen Melodien ergibt sich allmählich ein faszinierender Zusammenklang.

Diese Ouvertüre, bei der die Musiker im Halbrund auf der Bühne stehen oder sitzen, ist nur von kurzer Dauer. In einer Kurzweiligkeit, die darauf angelegt ist, immer neue Ideen zu sammeln, wechseln die Musiker die Melodie – oder ihre Position oder ihre Spielpartner. Man hat gerade begonnen, sich einzuhören, schon gibt es etwas Neues. Dabei wird nicht nur mit Klängen und Spielweisen experimentiert, sondern auch mit dem Raum, indem die Musiker nahezu jede Position auf der sechs mal sechs Meter großen Bühne einnehmen, ständig unterwegs sind. Und reicht ihnen das nicht, dann geht es mit den Instrumenten zwischen die Reihen der Zuhörer, auf diese Weise die Bühne erweiternd. So muss sich nicht nur das Ohr des Zuhörers neu orientieren – auch der Blick versucht den Tönen zu folgen, die mal von hier, mal von dort her klingen. Es immer wieder verblüffend, was woher tönt. Sphärische Klänge aus dem mit dem Geigenbogen angestrichenen Vibraphon etwa, oder rhythmisches Klopfen vom Cello her.

Montag, 17. Juni 2019

Sonore Wandbehänge

Der Titel Sonore Wandbehänge stand über dem letzten Konzert vor der Sommerpause. Eine interessante musikalische Auseinandersetzung von Jazz-Musikern mit der Musik von Eric Satie!
Otto Hirte – Sax, Flöte, Klarinette
Leon Albert – Gitarre
Marius Moritz – Piano
Sebastian Braun – Bass
Halym Kim – Schlagzeug

Die "Sonoren Wandbehänge" im Bandnamen entnahm der Berliner Pianist Marius Moritz dem Titel einer von Eric Satie geplanten (aber dann doch nicht veröffentlichten) Sammlung von Musikstücken. Satie ist am bekanntesten für seine kurzen Klavierstücke, wie zum Beispiel die Gymnopedien. "Wir haben aber absichtlich die unbekannteren Stücke von Satie herausgesucht", sagte Marius Moritz. Zu den so entstandenen Adaptionen für das jazz-Quintett trug dann jeder der Musiker (die sich während des Studiums an der Dresdener Musikhochschule kennenlernten) etwas bei. "Jeder brachte da 'seine' Satie-Stücke mit, die Arrangements entstanden dann in gemeinsamer Arbeit".

Im ersten Stück des Abends, der Meditation, lassen die ersten Klänge eher auf Kammermusik schließen denn auf Jazz. Marius Moritz spielt leise Tonfolgen auf dem Klavier, zu denen bald Sebastian Brauns gestrichener Bass kommt und Otto Hirte in sein Saxophon haucht, beinahe nur Windgeräusche erzeugt. Als dann alle fünf Musiker bald drauf lso spielen, kommen nun auch die jazzigen, improvisierten und schrägen Töne. Wildes Saxophon, kräftige Schlagzeugrhythmen. Und als am Ende alle anderen verstummen, bleiben noch Marius Moritz' leise, konzentriert gespielte Klaviertöne. "Für uns sind Saties Kompositionen eine hervorragende Basis, die einem Stück Identität schafft, ohne sich beim Spielen zurückhalten zu müssen", sagte der Pianist, der zum Hintergrund des gemeinsamen Projektes sagte, "wir haben die CD im Jahr 2016 zum 150. Geburtstag von Eric Satie (1866 bis 1925) aufgenommen".

Sonntag, 14. April 2019

Baby Sommers Quartetto Trionfale

Ein Schlagzeug-Feuerwerk zum Abschluss der Jazztage: Günter "Baby" Sommer gehörte unbedingt in den Schlagzeug-Schwerpunkt des diesjährigen Programms. Ein großartiges Finale!
Günter „Baby“ Sommer – Schlagzeug/Perkussion
Michel Godard – Tuba, Serpent
Gianluigi Trovesi – Klarinette
Antonio Borghini – Bass
Anatoly Vapirov – Saxophon

Mit einem Urschrei und äußerst heftigen Schlägen auf seine Trommeln beginnt Günther "Baby" Sommer sein Konzert. Die Bläser stimmen ebenso kräftig ein, unisono in ihre Instrumente blasend. Interessant, mit welcher Dynamik Michel Godard die Tuba spielt, dieses riesige Instrument. Immer wieder wiederholen die drei die Melodie dieser Eröffnungsfanfare.

Michel Godard hat nicht nur seine blaue Tuba mitgebracht, sondern auch sein Serpent. Dieses aus dem Ende des 16. Jahrhundert stammende Instrument mit seiner (wie Serpentinen) gebogenen Form, wegen des Mundstücks übrigens ein Blechblasinstrument, wird normalerweise in der Alten Musik eingesetzt. Godard dürfte wohl der einzige Jazzmusiker sein, der den Serpent spielt. (Zufällig war ich vor zwei Jahren in Colmar im Elsaß im Museum Unterlinden, als Godard gerade einem Fernsehteam den dort im Museum ausgestellten Serpent erklärte. Später lief dieser Film auf Arte.) Überraschend warm klingt das Instrument, tiefe Töne fluten den Saal.

Anatoly Vapirov arrangierte ein armenisches Stück für Sommers Quartett. Dass dieses aus der Volksmusik stammt tritt vor den kräftigen Jazzklängen bald in den Hintergrund, bleibt aber immer noch erkennbar.

Als Baby Sommer gemeinsam mit Michel Godard (jetzt wieder an der Tuba)  im Duo spielt, steigern sich beide gegenseitig in Tempo und Kraft. Am Ende klingt die Tuba bei Godard ähnlich wie ein Didgeridoo. Dann macht Baby Sommer eine Pause, sagt den anderen Musikern "jetzt dürft ihr mal allein – was jetzt passiert, passiert jetzt. Eine Welturaufführung". Da erklingen dann melodische Bläsersätze, die auch ohne Schlagzeug kraftvoll sind. Später wiederholt sich das Zusammenspiel von Sommer und  Godard, diesmal um Antonio Borghini am Bass erweitert. 

Montag, 19. November 2018

Gratkowski und Tramontana: Instant Songs

Heute war die Bühne von Jazz in der Kammer minimalistisch besetzt, mit nur zwei Bläsern. Die aber hatten es in sich: ein Konzert voller musikalischer Experimente, eine überaus interessante Hör-Erfahrung!
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon 

Sowohl Posaune als auch Saxophon meint man oft in ihrer vollen Lautstärke zu kennen. Zu meiner Überraschung begann das Konzert aber nicht mit wilden und kräftigen Tönen, sondern ganz sacht, mit kleinen Melodiefetzen, einem leisen Auf und Ab von Tönen aus Frank Gratkowskis Saxophon, die Sebi Tramontana zurückspielte, in gegenseitig allmählich steigender Dynamik. Später dann drönende Klänge aus Gratkowskis Bassklarinette, die eine Art Marschrhythmus bilden, zu dem Tramontanas Posaune zu hören ist, diesmal als Melodiestimme.

An vielen Stellen sind Posaune und Saxophon Percussionsinstrumente, da läßt Sebi Tramontane die Posaune im tiefen Baß schnarren, von ins Mundstück gesprochenen Silben unterbrochen, da schnalzt, zischt und wispert Frank Gratkowski auf seinem Saxophon. Als beide Musiker auch noch ihre Stimmen einsetzen und die instrumentalen Klänge mit gesungenen Worten begleiten, fangen die Grenzen an zu verschmelzen – was ist noch Instrument, was ist Stimme, und überhaupt, was ist Saxophon, was Posaune?

Montag, 15. Oktober 2018

Schnaftl Ufftschik

Heute war die Berliner Worldmusic-Brass-Band Schnaftl Ufftschik bei Jazz in der Kammer zu hören.  Klangewaltige Blechklänge mischten sich mit Balkan-, Klezmer- und Big-Band-Sound.
Johannes Siedel – Posaune
Stefan Gocht – Bassposaune, Sousaphon
Reinhard Gundelwein – Klarinette
Lutz Wolf – Trompete
Boris Bell – Schlagzeug


Die Band mit dem ungewöhnlichen Namen (der sich später aber beim Klang der Instrumente aber ohne dass eine Nachfrage nötig ist selbst erklärt) kommt in einer Verballhornung von 20er-Jahre-Mode auf die Bühne. Von Komik geprägt ist auch der Auftritt der Band, die sich mit ihren Instrumenten mit der Selbstverständlichkeit einer Marching Band auf der Bühne bewegt, immer wieder die Positionen (und auch die Instrumente) wechselt und durch Bewegung und musikalischen Witz eine mächtige Bühnenpräsenz erzeugt. Durch die Blechblasinstrumente, von der kleinen Trompete bis zum großen Sousaphon, gibt es Anfang an mächtig was auf die Ohren.

Montag, 19. März 2018

Die Enttäuschung

Heute war bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung "Die Enttäuschung" zu hören.
Christof Thewes – Posaune
Axel Dörner – Trompete
Jan Roder – Bass
Rudi Mahall – Klarinette
Michael Griener – Schlagzeug

Die Enttäuschung – dieser doch recht merkwürdige Name der Jazzband provoziert ja geradezu ein Wortspiel. Dann soll es dieses also gleich am Beginn geben: wer erwartet haben sollte, enttäuscht zu werden, wurde von dieser Erwartung enttäuscht. Die fünf Musiker überraschten das Magdeburger Publikum mit einer sehr lebendigen Musik, die sie mit erkennbarem Spaß auf die Bühne brachten. Dazu trugen auch die lockeren Moderationen von Rudi Mahall bei, die gleichsam improvisiert wie die Musik erschienen und die das an keine Konventionen gebundene und doch in der Tradition des Jazz verwurzelte Erscheinungsbild der Musik unterstrichen. Vielleicht ist es sogar so, dass die Musik der Band am besten im Zusammenhang von Wort und Musik zu verstehen ist, in der Verbindung von Mahalls etwas seltsamen, hintergründigem Humor und einer Situationskomik, die sich auch auf das Publikum überträgt. Die Stücke sind oft so benannt, daß sich schon daraus kleine Geschichten ergeben. Etwa „Christian und Isolde“ („zum Wagner-Jahr“, wie Mahall sagt), „Jan an einem Stück“ oder „Lavaman“ (Hört Euch diese bei einem der nächsten Konzerte am besten selbst an ).

Am Beginn klang die Musik nach Dixiland, was auch an Rudi Mahalls Klarinette als tonangebendes Instrument lag. Daraus entwickelte sich dann ein Big-Band-Sound, als die drei Frontmänner der Band an Trompete, Posaune und Klarinette in einen gemeinsamen Bläsersatz einstimmten. Ganz anders dann der folgende Titel („Fälschlich“), der mit schrillen, disharmonischen Fanfarenklängen eingeleitet wird. Michael Griener legt am Schlagzeug schnelle Rhythmen vor, in die sich die anderen Musiker einordnen.

Auch Jan Roder am Baß bleibt nicht nur die Rolle der Hiuntergrundbegleitung vorbehalten. „Der spielt so kräftig, daß er keinen Verstärker braucht“ sagt Mahall und holt ihn für ein Stück auch mal nach vorn auf die Bühne, mitsamt Instrument. „Jetzt featuren wir mal unserer Bassisten – hören Sie mal nicht auf die Bläser, sondern auf den Baß“. Nicht ganz einfach, weil natürlich (und vielleicht auch Teil eines musikalischen Witzes?) die Bläserstimmen viel kräftiger sind.

Montag, 19. Februar 2018

Fun Horns

Heute standen die Fun Horns auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung.
Volker Schlott – Sopransaxophon, Altsaxophon, Flöte
Jörg Huke – Posaune
Nikolaus Neuser – Trompete, Flügelhorn
Falk Breitkreuz – Tenorsaxophon, Bassklarinette, Flöte

Konzertveranstalter Warnfried Altmann freute sich über ein volles Haus und stellte fest: "wenn alte DDR-Jazzer kommen, dann ist der Saal voll". Die Fun Horns, die sich 1986 zusammenfanden und auch in Magdeburg vor vielen Jahren schon einmal bei Jazz in der Kammer spielten, nahmen diese Bemerkung auf und machten im Laufe des Programms immer mal wieder witzige Anmerkungen zu lange zurückreichenden Musikstücken. Ansonsten spielte die Geschichte der Band eher keine Rolle. Bis auf das unverkennbar große Publikumsinteresse.

Die vier Blechbläser beginnen ihr Konzert beinahe unhörbar leise. Nur ein leises Atemgeräusch ist aus dem Blech zu hören, bis dann Nikolaus Neuser auf der Trompete und Volker Schlott auf dem Saxophon unisono eine sehr leise, zarte Melodie zu spielen beginnen. Eine Melodie, die sich, allmählich lauter werdend, zu einer Begrüßungsfanfare entwickelt. Ein Stück mit beinahe klassischer Anmutung. Erst später stimmen Falk Breitkreuz mit der Baßklarinette und Jörg Huke an der Posaune ein, es entwickelt sich ein instrumentaler Wechselgesang. Gleich zu Beginn war auch wieder zu merken: das kleine, aber feine Magdeburger Jazz-Publikum lauscht äußerst aufmerksam. Auch – oder ganz besonders – an den leisen Stellen. 

Montag, 20. Juni 2016

Field

Heute stand Uli Kempendorffs Quartett „Field“ auf der Jazzbühne des Magdeburger Schauspielhauses, mit
Uli Kempendorff – Saxophon, Klarinette
Ronny Graupe – Gitarre
Jonas Westergaard – Bass
Oliver Steidle – Schlagzeug

Die Musik von Uli Kempendorffs Projekt "Field" ist voller Experimente, voller musikalischer Spannung. Das wurde gleich zu Beginn des Konzerts, im Stück "Drehtür" deutlich, als die vier Musiker der Band in wilden Klängen gegeneinander spielen, jeder sich um Dominanz bemühend, und erst am Schluß – als das Ohr sich gerade an die Klangvielfalt gewöhnt hat – zueinander finden, sich auf eine gemeinsame, fast schon harmonische Melodie einigen. Wenn Warnfried Altmann bei der Vorstellung der Band auch von durchkomponierten Stücken sprach, so scheint die Improvisation Teil der Komposition zu sein, so lebendig, impulsiv und aus dem Augenblick heraus entstanden klang die Musik.

Montag, 17. Februar 2014

Ek Safar - One Journey

Im Februar spielte Ek Safar bei Jazz im Schauspielhaus:
Soumitra Paul – TablaHeiner
Nicolas Schulze – Piano
Heiner Stilz – Klarinette


Ek Safar heißt auf indisch "auf der Reise", und so heißt auch ihr aktuelles Projekt und ihre erste CD: One Journey.

Das Konzert beginnt so meditativ ruhig, wie es auch die meiste Zeit über sein wird. Leise Pianotöne perlen aus den Händen von Nicolas Schulze, ganz sacht wird daraus eine Melodie, von Heiner Stilz' auf der Klarinette übernommen und einen leisen Widerhall bildend. Soumitra Paul begleitet die Melodie mit leisem Rhythmus auf den Tablas. Seine leisen Töne sind anfangs nicht viel mehr als das Ticken einer Taschenuhr (ja, ich weiß: ein inzwischen altertümlicher Vergleich). Auch als die Musik allmählich dynamischer wird und aus dem Hintergrundrhythmus eine eigene, im Vordergrund stehende Melodie wird – sie bleibt eine mystisch-meditative Klanglandschaft, in die man sich fallen lassen und träumen kann.

Einige der Stücke sind von indischen Ragas inspiriert. Schulze erläutert dazu, daß die Melodien der Ragas normalerweise unverändert bleiben müssen. Die Musiker sehen die überlieferten Melodien als Inspiration. "Wir nehmen dann eben erst ein Teil Raga, dann etwas von uns und dann wieder etwas Raga", sagte Schulze.

Die Musik von Ek Safar ist eine der leisen Töne, der  ruhigen und langen Melodien. Da bieten sich zwei eigentlich gegensätzliche Möglichkeiten des Hörens an: entweder in Trance versinken und und sich den hypnotisch-fremdartigen Klängen hingeben und träumen, oder aber voller Konzentration auf die leisen Nuancen in den Melodien hören und diese bewußt warnehmen. Entscheidet man sich für letzteres, dann liegt der Reiz der Musik unter anderem im Wechsel der Melodieführung zwischen den drei Instrumenten, die die Musiker gleichberechtigt in die Musik einbringen. Die Konzentration auf die leisen Töne verändert die Aufmerksamkeitsschwelle des Hörers, und so reicht bereits ein Wechsel zwischen leisen indischen Klängen auf Tabla und Klarinette zum eher modernen Klavier-Solo, um ein Spannungsmoment zu erzeugen. Interessant auch an mehreren Stellen, wie die eigene Wahrnehmung allmählich und beinahe unmerklich zwischen Klavier und Klarinette wechselt. Da scheint die Musik zu einem Vexierbild zu werden, bei dem man mal das eine, mal das andere Instrument heraushört, während dann wiederum das andere scheinbar im Hintergrund versteckt bleibt.

Für unsere europäischen Ohren sind die Tablas eigenartige Instrumente. Kleine, nur mit den Händen  gespielte Trommeln, die je nach Ort und Art des Anschlags eine Vielzahl unterschiedlicher Töne hervorbringen. Wenn Paul die Tablas als Soloinstrument spielt, dann glaubt man gar nicht, daß diese Klangvielfalt von nur einem Musiker erzeugt wird. Mal ein nur leises Klopfen, mal lautes Trommeln, in unterschiedlichsten Klangfarben.
Im Zusammenspiel mit Klavier und Klarinette ging es allerdings nicht ohne elektrische Verstärkung – diese richtig auf die relativ leisen Tablas richtig abzustimmen, war für die Techniker eine Herausforderung. Dem Konzert ging ein langer Soundcheck für die Tablas voraus.
Zzudem erfordern die Tablas auch während des Spiels ein gelegentliches Nachstimmen. Das erledigte Paul aber scheinbar nebenbei und mit ruhiger Selbstverständlichkeit. Wenn er mit dem Stimmhammer gegen die Holzstücke schlug, um die Spannung des Trommelfells zu verändern und zur Prüfung der Stimmung eine leise Melodie spielte, in die Schulze oder Stilz ein paar Töne einfließen lassen, dann wurde durch das rhythmische Wechselspiel das bereits das Stimmen zum Teil der Musik (frei nach einer IKEA-Werbung: Stimmst du noch oder spielst du schon?).

Das Magdeburger Jazz-Publikum war begeistert und ließ die drei Musiker nicht ohne Zugabe von der Bühne. In "Mumbai Mail" nahmen sie die Zuhörer mit in die bunte Lebendigkeit der Millionenstadt Mumbai. Paul gibt eine rasanten Rhythmus vor und berichtet damit vom Leben in der indischen Großstadt, während europäische Jazzrhythmen auf dem Piano vom Zielort des  Briefes künden. Auf diese Art vereinigen sich in der Musik von Ek Safar die unterschiedlichen musikalischen Welten.

Montag, 18. Februar 2013

Basement Research

Gebhard Ullmann, Pascal Niggenkemper,
Julian Argüelles, Steve Swell, Gerald Cleaver (v.l.n.r.)
Basment Research, mit
Gebhard Ullmann – Saxophon, Bassklarinette
Steve Swell – Posaune
Julian Argüelles – Bariton- und Sopransaxophon
Pascal Niggenkemper – Bass
Gerald Cleaver – Schlagzeug

Gebhard Ulmann gründete Basement Research vor zwanzig Jahren, als er nach New York ging, um in der dortigen Jazz-Szene zu spielen, und begann damit das, was er als seine musikalische Achse Berlin  – New York bezeichnet. Seitdem ist er ein Pendler, vielleicht besser ein Vermittler, zwischen diesen musikalischen Welten.  Die aktuelle Jubiläumstour führt Basement Research quer durch Deutschland und weiter, bis hinunter nach Italien.

Das Konzert beginnt mit allmählich steigender Intensität, so als wollen sich die Musiker erst einmal warmspielen. Ullmann spielt improvisierte Basslinien, Cleaver an den Drums und Niggenkemper am Bass begleiten ihn, bevor dann Argüelles am Baritonsaxophon und später Swell auf der Posaune hinzukommen. Der zunächst spielerische Eindruck steigert sich zu einem Ausprobieren unterschiedlicher Melodien, bei denen mal das Saxophon, mal Swells Posaune führen. Damit ist auch die grundlegende Richtung des Abends klar: es kommt eine wilde und lebensfrohe Musik auf die Bühne, die keine Zeit zum Ausruhen läßt, die Unruhe der großen Metropolen in sich trägt.

Dabei zeigen die fünf Musiker zwischendurch immer wieder, daß sie auch die melodischen Töne beherrschen. Wenn beispielsweise Swell Melodien anstimmt, die man eher im Balkan vermutet hätte und die Band dies dann kurze Zeit später in Südstaatensound wandelt. Die Wandelbarkeit der Musik scheint auch Ziel der Musiker zu sein. Die wenigen ruhigen Töne gehen mal in Dissonanzen über, mal in groovige Klänge, mit immer wieder neuen interessanten Wendungen.

Zwischendurch erläutert Ullmann einige seiner Musikstücke, denen er Namen gab wie Kreuzberg Park East, in dem er musikalisch erklingen läßt, was man dort hört, Stimmen – hier natürlich Musik – beinahe aller Erdteile als wildes Durcheinander. Oder Gulf of Berlin, als Remineszenz an die Berliner Strandbars. Nicht immer ist das genau an der Musik festzumachen, es zählen dabei eher die Assoziationen, die dem Hörer bei der Musik vor die Augen kommen. Das kann dann auch viel weiter entferntere Kreise ziehen als es die Strandbars sind, etwa zur Berliner Tanzsaalkultur der 20er Jahre oder zu den Sirenen der Ozeandampfer (wenn etwa das an den den Golf erinnern soll...). Dabei ist auch etwas Witz dabei, wie bei seiner Geschichte zu Wo bitteschön geht's zu den Hacke'schen Höfen – der genau einen (oder wenigsten einer ähnlichen) Frage, die Touristen in Berlin Mitte stellen. Ein Problem von Programmmusik ist immer, daß man zumindest eine ungefähre Vorstellung von dem haben muß, was die Musik beschreibt. Wer Berlin aber etwas kennt, konnte das Gewimmel der Touristen heraushören oder das Quitschen der Straßenbahnen am Hackeschen Markt. Das Stück führte in ein beinahe kakophonisches Durcheinander – ganz so schlimm ist Berlin aber selbst dort nicht :-).

Interessant wurde es auch an den Stellen, an denen die Musiker als Solisten zeigen, daß sie Meister auf ihren Instrumenten sind. Das sind dann auch die Momente, in denen sich das Ohr von der Vielfalt der Klänge ausruhen kann. Etwa wenn Ullmann  seine Bassklarinette mit Zirkularatmung, ohne Pause und einem Didgeridoo ähnlich spielt und damit Anklänge an Australien liefert, um daraus denn einen Blues der Südstaaten werden zu lassen, wenn Argüelles auf dem tiefen Baritonsaxophon Musik spielt, die aus einer Bach-Fuge zu stammen scheint, Swell der Posaune den gesamten Umfang an Tönen und Dynamik entlockt oder Niggenkemper seinen Baß in experimenteller Weise bearbeitet.

Das Konzert klang mit einer ruhigen Zugabe aus , bei der nochmals die tiefen Töne der Blasinstrumente betont wurden, die bereits im Bandnamen "Basement Research" angedeutet werden. Als Titel hätte darüber vielleicht so etwas wie "Alpensymphonie" stehen können – die ruhigen Baßtöne erinnerten jedenfalls an den Klang von Alphörnern als großer alter Verwandter von Baßklarinette und Baritonsaxophon (man verzeihe mir diesen instrumentenkundlich völlig unhaltbaren Vergleich).


Montag, 16. April 2012

East Drive featuring Nicolas Simion

Bodek Janke — Schlagzeug, Percussion
Vitaliy Zolotov — Gitarre
Philipp Bardenberg — Bass
Nicolas Simion — Saxophon, Klarinette


Bei East Drive mag man zunächst osteuropäischen Jazz vermuten. Schließlich haben die Musiker allesamt osteuropäische Wurzeln: der Bandleader, Drummer und Percussionist stammt aus einer polnisch-russischen Familie, der Gitarrist stammt aus der Ukraine, der Bassist kommt aus Deutschland und Serbien und dazu ein Saxophonist und Klarinettist aus Rumänien. Dabei begann das Konzert mit durchaus anderen Klängen, mit langen gedehnten Tönen von Baß und Gitarre, in die sich zurückhaltend Bodek Jankes Schlagzeug mischte. Und so stellte Bodek Janke in seiner Anmoderation das Konzert auch unter das musikalische Motto "east meets west". Im Verlauf des Programms trafen westlicher, aber sehr melodischer Jazz und osteuropäische Melodien aufeinander. Beispielsweise, als Janke mit Flötentönen eine alte Hirtenmelodie andeutete. Anschließend ging es aber durchaus laut und rockig weiter, auch als Nicolas Simion hinzukam und mit Klarinette und Saxophon einstimmte.
Dennoch brachten auch die osteuropäischen Melodien immer wieder interessante Klänge in das Programm. So beispielsweise im von Jankes russischer Tante komponierten колыбельная – Wiegenlied. Darin wurde das Kind vom kräftigem Schlagzeug aufgeweckt, dann aber von den sanften Klarinettenklängen wieder in den Schlaf gewiegt. Ein interessantes Stück war auch "Bulgar", bei dem Simions Hirtenmelodien auf auf Jankes Beatbox-Töne trafen. So hielt sich East Drive weit entfernt von in Jazz umgewandelter Folklore, sondern fand immer wieder neue musikalische Ideen, mischte moderne urbane Klänge hinein.
Janke am immer präsenten Schlagzeug gab seinen Mitmusikern genügend Raum für ihre Melodien. Immer wieder waren dann auch Bardenberg und Zolotov zu hören, deren Saiteninstrumenten gut miteinander harmonierten, denen sie lange schwebende, beinahe schon psychedelische Töne entlockten – bis dann das Schlagzeug allzulange Träumereien verhinderte. Und natürlich kamen schließlich doch noch die Balkanklänge zu ihrem Recht, beim von Simion auf dem Tenorsax gespielten "Mladka Mitrovica", oder in "Seelenverwandschaft", einer bulgarischen Hochzeitsmelodie. Mitunter entwickelten sich die Melodien erst im Laufe der Stücke aus anfänglichen lauten Klängen, oder umgekehrt werden eingängige Melodien zwischendurch zu Rockstücken verwandelt, wie es beispielsweise Zolotovs Gitarrensolo mit einem Tango macht.
Mit der Zugabe spielte East Drive dann aber nochmal gekonnt mit dem Klischee einer osteuropäischen Jazzband. Bodek Janke verabschiedete sich auf russisch vom Magdeburger Publikum und dankte für den schönen Abend. Vermutlich konnte wenigstens ein Teil der Publikums diese Sätze mit aus der Schulzeit übriggebliebenen Sprachkenntnissen auch verstehen. Was dann folgte, war eine wilde Mischung von Tanzmusik, stimmungsvoll, mitreißend. Der Abend hätte noch lange so weitergehen können.

Jankes Worte, "kommt wieder her, wenn es hier Musik gibt – Livemusik ist etwas schönes" könnte auch als Motto über der gesamten Jazzreihe stehen. Sehen wir es als Einladung zum nächsten Jazz in der Kammer.