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Montag, 19. September 2022

Phil Minton und Lu Hübsch

Heute ging es es nach der Sommerpause weiter mit Jazz in der Kammer, mit einem experimentierfreudigen und heftig improvisierenden Duo:

Phil Minton (Gesang)
Lu Hübsch (Tuba)

Dass da zwei tolle Improvisateure zusammenkommen, das merkt man schon zu Beginn. Lu Hübsch spielt seine Tuba, ein wahres Riesenteil, anfangs ohne Mundstück, erzeugt Töne jenseits aller Blasmusik, die mehr Geräusch und Percussion sind. Und er spielt das Instrument voller Kraft, man spürt Kraft und Intensität in jedem Ton. Dazu Phil Mintons Stimme, mit der er nicht etwa singt, sondern atmet, schnauft, zischt und pfeift, auch Ansätze von Jodeln oder leisen Sprechgesang kann man heraushören. Beides zusammen ist Phantasie pur.

Sonntag, 14. April 2019

Baby Sommers Quartetto Trionfale

Ein Schlagzeug-Feuerwerk zum Abschluss der Jazztage: Günter "Baby" Sommer gehörte unbedingt in den Schlagzeug-Schwerpunkt des diesjährigen Programms. Ein großartiges Finale!
Günter „Baby“ Sommer – Schlagzeug/Perkussion
Michel Godard – Tuba, Serpent
Gianluigi Trovesi – Klarinette
Antonio Borghini – Bass
Anatoly Vapirov – Saxophon

Mit einem Urschrei und äußerst heftigen Schlägen auf seine Trommeln beginnt Günther "Baby" Sommer sein Konzert. Die Bläser stimmen ebenso kräftig ein, unisono in ihre Instrumente blasend. Interessant, mit welcher Dynamik Michel Godard die Tuba spielt, dieses riesige Instrument. Immer wieder wiederholen die drei die Melodie dieser Eröffnungsfanfare.

Michel Godard hat nicht nur seine blaue Tuba mitgebracht, sondern auch sein Serpent. Dieses aus dem Ende des 16. Jahrhundert stammende Instrument mit seiner (wie Serpentinen) gebogenen Form, wegen des Mundstücks übrigens ein Blechblasinstrument, wird normalerweise in der Alten Musik eingesetzt. Godard dürfte wohl der einzige Jazzmusiker sein, der den Serpent spielt. (Zufällig war ich vor zwei Jahren in Colmar im Elsaß im Museum Unterlinden, als Godard gerade einem Fernsehteam den dort im Museum ausgestellten Serpent erklärte. Später lief dieser Film auf Arte.) Überraschend warm klingt das Instrument, tiefe Töne fluten den Saal.

Anatoly Vapirov arrangierte ein armenisches Stück für Sommers Quartett. Dass dieses aus der Volksmusik stammt tritt vor den kräftigen Jazzklängen bald in den Hintergrund, bleibt aber immer noch erkennbar.

Als Baby Sommer gemeinsam mit Michel Godard (jetzt wieder an der Tuba)  im Duo spielt, steigern sich beide gegenseitig in Tempo und Kraft. Am Ende klingt die Tuba bei Godard ähnlich wie ein Didgeridoo. Dann macht Baby Sommer eine Pause, sagt den anderen Musikern "jetzt dürft ihr mal allein – was jetzt passiert, passiert jetzt. Eine Welturaufführung". Da erklingen dann melodische Bläsersätze, die auch ohne Schlagzeug kraftvoll sind. Später wiederholt sich das Zusammenspiel von Sommer und  Godard, diesmal um Antonio Borghini am Bass erweitert. 

Montag, 21. Mai 2018

Hübsch – Moll – Wierbos

Heute stand das Trio Hübsch-Moll-Wierbos auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung.
Carl Ludwig Hübsch – Tuba
Udo Moll – Trompete
Wolter Wierbos – Posaune

Das Konzert fiel auf den Pfingstmontag. Trotz des Feiertags kamen die Freunde der improvisierten Musik, um die Jazz-Klänge zu hören. Und die waren diesmal sehr frei improvisiert! Kaum waren die Musiker auf der Bühne, gab es ein Durcheinander an Tönen, das sich allmählich entwirrt, neu sortiert und ordnet, als Carl Ludwig Hübsch auf der Tuba einen marschierenden Rhythmus anstimmt und die Richtung vorgibt, in die sich Wolter Wierbos an der Posaune und Udo Moll an der Trompete einfügen. Bei den Zuhörern (jedenfalls bei mir, aber vielleicht – und das ist ein großer Vorteil dieser freien Zusammenstellung von Klängen –  hört ja jeder etwas anderes) weckte das Assoziation an Arbeiterlieder, wie sie früher die Schalmeienkapelle spielte.

Gegenüber den melodischen Teilen überwogen die improvisierten Abschnitte. Geräusche aus den drei Instrumenten überlagern sich, ein Quieken, Schnalzen, Tröten, Rauschen, dem allen wird auch noch Gesang überlagert. Bald fühle ich mich an den Karneval der Tiere erinnert, höre Löwe, Tiger, Hund und Frösche aus den Klängen heraus. Dann wieder ein plötzlicher Wechsel, ein langsamer Part, bei dem die Bläser, immer lauter werdend, Klänge Wagnerscher Wucht produzieren.

Udo Moll sagte über das Entstehen solcher Musik, "wir schmuggeln kleine Fragmente in die Stücke, die dann Ausgangspunkt sind für Improvisationen". Und dies nicht ohne den Spaß an ausgefallenen, scheinbar völlig abseitigen Melodien, zu denen sie auch die passenden Stories liefern. Etwa die von Ernst Mosch, einst König der volkstümlichen Weisen, der früher aber Jazzer war. "Und dann stellte er fest, dass man in der Volksmusik mehr verdienen kann", sagten die Musiker und stimmten selbst Alpenländische Klänge an ("Dompfaff"), die sie bald darauf in schiffssirenenlaute Töne umwandelten.

Samstag, 21. April 2018

Vertigo Trombone Quartett

Im dritten Set des Sonnabendkonzertes der Magdeburger Jazztage spielte das Vertigo Trombone Quartett. Das Quartet, das ausschließlich aus Posaunen bestand, ohne eine Rhythmusgruppe (!), ist in dieser Besetzung schon eine Seltenheit – und passte damit bestens in das Thema des Abends („Die Posaune“) und zur Posaune als dem in diesem Jahr von Jazz in der Kammer speziell gefeatureden Instrument.
Nils Wogram – Posaune
Bernhard Bamert – Posaune
Andreas Tschopp – Posaune
Jan Schreiner – Bassposaune

Warnfried Altmann begrüßte die Musiker, von denen Nils Wogram bereits einige Mal in Magdeburg war und sagte, „ich freue mich unheimlich auf dieses Konzert“. Schließlich ist er selbst Bläser und kennt die Herausforderungen einer solchen Besetzung. Der Beginn des Konzertes erinnerte eher an Klassik als an Jazz, vielleicht an eine Alpensinfonie (die Instrumente sind ja davon nicht sehr fern). Später meinte man Einflüsse von Kurt Weill herauszuhören, der schließlich auch in vielen seiner Kompositionen diie Bläser sehr betont einsetzte. Insbesondere als das Quartett dann Marschrhythmen anstimmte, schien die Dreigroschenoper nicht weit weg zu sein.

Keine Regel ohne Ausnahme, und schrieb ich oben noch „ausschließlich Posaunen“, so erzeugte Nils Wogram auch mal mit dem Mund Didgeridoo-Klänge an oder griff zur Melodika und Jan Schreiner tauschte gelegentlich die Bassposaune gegen die Tuba. Dann klang die Musik des Quartetts auch mal nach Bigband, oder nach einem sehr wichtigen Teil einer solchen.

Basement Research

Die 25-Jahre-Jubiläumstour führte Gebhard Ullmann mit seiner Band Basement Research nach Magdeburg. Mit der bläserbetonten Band (auch wenn nur eine Posaune in der Band ist) passte er gut in den Posaunenabend der Magdeburger Jazztage. Die Posaune ist das in diesem Jahr von Jazz in der Kammer gefeaturede Instrument und stand im Mittelpunkt des Sonnabendkonzertes, bei dem Basement Research im zweiten Set spielte.
Steve Swell – Posaune
Gebhard Ullmann – Saxophon
Julian Argüelles – Tenorsaxophon
Pascal Niggenkemper – Bass
Gerald Cleaver – Schlagzeug

Kräftiger Drive von Gerald Cleavers Schlagzeug und vor allem die drei Bläser, aber auch ein deutlicher Bass vermengten sich von Anfang an zu äußerst kraftvolle Musik. Ein Wechsel von Bläsersätzen und Schlagzeug erinnerte zuweilen an Balkanklänge. Der Baß erwies sich als Meister der Halb und Vierteltöne und wenn die Bläser unisono einfache Melodien anstimmten, hörte ich auch schon gelegentlich Alpentöne heraus. Für mich eine sehr interessante Mischung.

Gebhard Ullmann sieht das Konzert auch in Vorbereitung der Aufnahme der neuen CD der Band, die in den nächsten Tagen geplant ist. So bestand der Hauptteil des Konzertes aus Stücken der CD, einer siebenteiligen Jazz-Suite. So konzentriert, wie die Musiker spielten, mit deutlich voneinander abgegrenzter Stimmführung, empfand ich es in einigen Teilen sogar ein wenig als Kammermusik im klassischem Sinn, nur eben deutlich im Jazz angesiedelt und den Musikern auch Freiheiten der Gestaltung lassend. Genauso erläuterte es später Gebhard Ullmann, der auch auf die mikrotonale Gestaltung hinwies. Dafür waren die Bläser, allen voran die Posaune bestens geeignet. Man darf also gespannt auf die neue CD sein (Veröffentlichung Anfang 2019).