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Montag, 21. Februar 2022

Maria Raducanu Trio

Ausdrucksstarker Gesang zwischen Jazz und Ethno, begleitet von zwei sensiblen Musikern an Bass und Schlagzeug, das war heute die Musik bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung. 

Maria Raducanu – Vocals
Jan Roder – Kontrabass
Michael Griener – Schlagzeug

Ein ungewöhnlicher Beginn: Jan Roder erzeugt auf seinem Bass einen mit dem Bogen gestrichenen Rhythmus aus gleichbleibenden tiefen Tönen, gleichmäßig wie eine Dampfmaschine, die zischenden Klänge der Becken verstärken diese Assoziation. Dazu die Stimme von Maria Raducanu, die rumänisch und damit in einer den meisten im Publikum unbekannten Sprache singt, melancholisch und voller Gefühl. Eine Musik, die deshalb vor allem über das Gefühl wirkt. Und die in einer sehr ruhigen, entschleunigenden Weise daherkommt, langsam und doch zugleich auch komplex und virtuos. Die Stimme steht dabei im Vordergrund, Jan Roder, der seinen Bass singend klingen lässt, und Michael Griener, der sein Schlagzeug überwiegend leise spielt, liefern dazu eine gut abgestimmte Umrahmung.

Später kommen auch englische Titel hinzu, Songs von Winter und Schnee, deutlich von osteuropäischer Folkmusic beeinflusst. Aber auch der englischssprachige Jazzgesang ist hörbar beeinflusst von osteuropäischer Stimmung. In ihrem Gesang zelebriert Maria Raducanu die Langsamkeit, lässt dem Ausdruck in ihrer Stimme weiten Raum, wenn sie lang gedehnt singt. 

Am Ende des ersten Sets ein Titel, bei dem mich besonders faszinierte, wie Jan Roder am Bass eine gezupfte Melodie anstimmt. Eine ganz einfache, die mir seltsam bekannt vorkommt, wie ein lange vergessenes Lied, ein Volkslied vielleicht oder ein Schlager. Stinge Lampa (Dreh das Licht ab) Das letzte Lied auf der aktuellen CD. Aus der einfachen Melodie wird ein Bossa-Rhythmus. 

Montag, 19. März 2018

Die Enttäuschung

Heute war bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung "Die Enttäuschung" zu hören.
Christof Thewes – Posaune
Axel Dörner – Trompete
Jan Roder – Bass
Rudi Mahall – Klarinette
Michael Griener – Schlagzeug

Die Enttäuschung – dieser doch recht merkwürdige Name der Jazzband provoziert ja geradezu ein Wortspiel. Dann soll es dieses also gleich am Beginn geben: wer erwartet haben sollte, enttäuscht zu werden, wurde von dieser Erwartung enttäuscht. Die fünf Musiker überraschten das Magdeburger Publikum mit einer sehr lebendigen Musik, die sie mit erkennbarem Spaß auf die Bühne brachten. Dazu trugen auch die lockeren Moderationen von Rudi Mahall bei, die gleichsam improvisiert wie die Musik erschienen und die das an keine Konventionen gebundene und doch in der Tradition des Jazz verwurzelte Erscheinungsbild der Musik unterstrichen. Vielleicht ist es sogar so, dass die Musik der Band am besten im Zusammenhang von Wort und Musik zu verstehen ist, in der Verbindung von Mahalls etwas seltsamen, hintergründigem Humor und einer Situationskomik, die sich auch auf das Publikum überträgt. Die Stücke sind oft so benannt, daß sich schon daraus kleine Geschichten ergeben. Etwa „Christian und Isolde“ („zum Wagner-Jahr“, wie Mahall sagt), „Jan an einem Stück“ oder „Lavaman“ (Hört Euch diese bei einem der nächsten Konzerte am besten selbst an ).

Am Beginn klang die Musik nach Dixiland, was auch an Rudi Mahalls Klarinette als tonangebendes Instrument lag. Daraus entwickelte sich dann ein Big-Band-Sound, als die drei Frontmänner der Band an Trompete, Posaune und Klarinette in einen gemeinsamen Bläsersatz einstimmten. Ganz anders dann der folgende Titel („Fälschlich“), der mit schrillen, disharmonischen Fanfarenklängen eingeleitet wird. Michael Griener legt am Schlagzeug schnelle Rhythmen vor, in die sich die anderen Musiker einordnen.

Auch Jan Roder am Baß bleibt nicht nur die Rolle der Hiuntergrundbegleitung vorbehalten. „Der spielt so kräftig, daß er keinen Verstärker braucht“ sagt Mahall und holt ihn für ein Stück auch mal nach vorn auf die Bühne, mitsamt Instrument. „Jetzt featuren wir mal unserer Bassisten – hören Sie mal nicht auf die Bläser, sondern auf den Baß“. Nicht ganz einfach, weil natürlich (und vielleicht auch Teil eines musikalischen Witzes?) die Bläserstimmen viel kräftiger sind.

Freitag, 21. April 2017

Uli-Gumpert-Quartett

Das zweite Konzert beim Klubabend der Magdeburger Jazztage kam vom Uli-Gumpert-Quartett.
Uli Gumpert – Piano
Henrik Walsdorff – Sax
Jan Roder – Bass
Michael Griener – Schlagzeug

Am Klubabend beginnt auch die zweite Band mit kräftigen Tönen und einer großen Spielfreude. Gleich zu Beginn bestimmt Henrik Walsdorff mit seinem Saxophon die Musik, gibt Tonfolgen vor, die Uli Gumpert am Piano wiederholt. Melodische Teile wechseln mit experimentellen, aus dem Saxophon kommen alle möglichen und noch viele weitere unmögliche Töne, Michael Griener ein Meister am Schlagzeug und dazu Uli Gumperts Klaviertöne, mal wie nebenbei gespielte und perlend leicht, mal hohes Stakkato, mal mit den Fäusten geschlagen.

Montag, 19. September 2016

Paul Brody: Sadawi

Beim ersten Konzert der 27. Spielzeit von Jazz in der Kammer stand Paul Brody mit seinem Projekt Sadawi auf der Bühne des Forum Gestaltung, mit einem Programm, dass sich zwischen Klezmer, Balkan-Klängen und Jazz bewegte. Das Konzert war eingebettet in die Tage der jüdischen Kultur und Geschichte im Forum Gestaltung.
Paul Brody – Trompete/Komposition
Christian Kögel – Guitarre
Christian David – Klarinette/Bassklarinette
Michael Griener – Schlagzeug

Das Konzert beginnt mit ruhigen Klarinettenklängen, in die später Paul Brodys Trompete einsetzt. Anschließend ein zartes musikalisches Zwiegespräch zwischen Christian Davids Baßklarinette und  Christian Kögels elektronischer Gitarre. Wo eben noch Klezmermelodien deutlich vernehmbar waren, gibt es nun Klänge wie aus sphärischen Welten, denen man ihren Ursprung kaum noch anhört. Als Paul Brody hinzukommt, wird die Musik kräftiger, bekommt drive, plötzlich hört man Musik, die in den Clubs der Großstädte entstanden sein könnte. New York oder Berlin, irgendwo, und Brodys Musik mäandert zwischen Großstadt und jüdischen Klezmermelodien. Mal klar erkennbar, wenn Brody mit David im Duo spielt und dieser jüdische Melodien anspielt, mal versteckter, wenn diese Melodien von der Band aufgegriffen und variiert werden.

Montag, 19. Mai 2014

Kathrin Lemke: My Personal Heimat

Das Kathrin-Lemke-Quartett, mit
Kathrin Lemke – Saxophon
Niko Meinhold – Piano
Vitold Rek – Kontrabass
Michael Griener – Schlagzeug 


Mit ihrem Projekt „My Personal Heimat“ wendet sich die Berliner Saxophonistin Kathrin Lemke thematisch Liedern zu, wie sie wohl jeder in Deutschland aufgewachsene kennt und die sie als ihre "musikalische Heimat" bezeichnet. Musik, mit der sie aufgewachsen ist. Lieder zwischen deutschem Liedgut und Schlager – nicht alles davon muß man mögen, entziehen kann man sich dem aber nicht. Kathrin Lemke gelingt es dabei, sich mit dieser Musik auf eine faszinierende Art auseinanderzusetzen, die Melodien aufzunehmen, neu zu interpretieren, ins unerkennbare zu verfremden und dabei doch immer wieder Teile der Melodien durchblitzen zu lassen. Das alles mit einer unbändigen Spielfreude, daß es Spaß macht, selbst Schlager wie Tschingiskhan oder die Schlümpfe zu hören. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Quartet; allesamt gleichfalls geniale Musiker, die ihre Ideen mittragen und wild drauflos spielen. Da rast dann schon mal Tschingis Khans Reiterhorde durch's Theaterfoyer, angetrieben von Michael Griener am Schlagzeug und Niko Meinhold am Klavier, begleitet von Vitold Rek am Baß: "He Reiter - Ho Reiter - Immer weiter!".
Dabei müssen es nicht immer Schlager gewesen sein, die Kathrin Lemke musikalisch prägten. Gleich das nächste Stück, Mendelsson-Bartholdys "Abschied vom Wald" kam ganz romantisch daher, wurde dann aber gleichfalls musikalisch gebrochen und in Klänge weit abseits aller Romanik überführt – oh Täler weit, oh Höhen war nur noch zu erahnen. Bei "kein schöner Land in dieser Zeit" spielen die Musiker mit Rhytmusverschiebungen, die aus dem sehr bekannten Volkslied ein musikalisches Puzzle werden lassen.
Das Stück, daß mir am intensivsten in Erinnerung blieb und noch lange nachklang, war die Interpretation von Ernst Buschs Lied von der "Schlacht von Jarama". Kathrin Lemke sagte dazu "man braucht keinen Text, um es zu verstehen", und in der Tat war die sich steigernde Intensität der Schlacht inklusive Kanonendonner musikalisch erkennbar (besser noch als im Original, das man sich auf Youtube anhören kann).
Dann aber wurde es auch wieder lustiger, etwa wenn der Soundtrack von Käptn Future erklang und Hollywood-Athmosphäre verbreitete oder bei Vater Abrahams Schlümpfen. Natürlich hätte es dann im Songtext heißen müssen "der Saxophon-Schlumpf fängt an". Ebenso bei "Ich wünsch' mir eine Miezekatze für mein Wochenendhaus", gesungen von Wum. (Was viele wohl nicht mehr wissen: Loriot stand damit Ende 1972 neun Wochen lang an der Spitze der deutschen Hitparade).
Der Bänkelgesang "Bolle reiste einst zu Pfingsten" wurde dann nochmal zum irrwitzigen Durcheinander, bei dem die Musiker des Quartetts alle Register zogen. Kathrin Lemke ließ sie über lange Strecken wild drauf los improvisieren, und wenn sie in ihrer Anmoderation über das Stück sagte, daß "Bolles Sonntagsausflug im Chaos endet", so war das sehr schön auch in der Musik hörbar. Ich habe mich "dennoch ganz köstlich amüsiert".
Am Ende des Abends stand als Zugabe "Abendstille überall", von den vier Musikern als Kanon gespielt und in seiner ruhigen Art ein Kontrast zur vorher lauten und wilden Musik. Eine ungewohnte und sicher nicht einfache Interpretation, vom Quartet perfekt mehrstimmig umgesetzt. Das Magdeburger Publikum war vom Konzert begeistert und hätte gern noch mehr gewollt. Für mich war dieses ruhige Stück jedoch ein so passender Abschluss des Konzertes, daß danach nichts mehr hätte kommen können.