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Samstag, 22. April 2017

Aki Takase

Am Sonnabend gab es bei den Magdeburger Jazztagen den Klavierabend. Eröffnet wurde er von der japanischen Pianistin Aki Takase.


Wenn Warnfried Altmann in seiner Anmoderation sagt, "wer sie einmal gehört hat, vergißt sie nicht", dann möchte man hinzufügen, "wer sie einmal erlebt hat, auch nicht". Aki Takase, die zierliche Frau im schwarzen Kleid, betritt die Bühne, setzt sich ans Klavier und – so viel Kraft hätte man ihr gar nicht zugetraut – zeigt gleich zu Beginn, wo ihre Musik hingeht: sie spielt das Klavier auf eine so kräftige, temperamentvoll und klare Weise, dass es eine Freude hat. Die Finger fliegen nur so über die  Tasten, leicht und zugleich mit einem vollen, scharfen Anschlag. Wenn Aki Takase spielt, dann mit vollem Körpereinsatz. Dazu gehören nicht nur die Finger und Hände, die sie schon mal als Fäuste auf die Tasten niedersausen läßt. Auch die Füße, die auf dem Bühnenboden den Rhythmus treten, stampfen. Wenn sie so am Klavier sitzt, dann scheint sie die Physik zu überwinden. Geschwindigkeit und Kraft zugleich, bei ihr geht das. Wie macht man das mit fast siebzig Jahren, wie bereitet sie sich vor, will ich nach dem Konzert wissen.  "Körperlich muß man fit sein", sagt sie, "aber vor allem hier – und deutet auf ihren Kopf – muß es stimmen. Denn Musik kommt aus dem Kopf, nicht aus dem Körper".

Für eines ihrer Stücke läßt sich Aki Takase von der Erzählung eines japanischen Schriftstellers inspirieren. Kirschblüten sorgen für einen gefühlvollen, leisen Beginn. Dieser wird abgelöst von kräftigen, rhythmischen Dreierfolgen von Akkorden: Ein wahrer Sturmwind, der durch die Kirschbäume fegt, ihre Blüten mit sich nehmend. Dann, leiser werdend, klingt das Stück in einem leisen Frühlingswind aus. Bei Aki Takases Klavierspiel sitzt man da und staunt. Und hört. Und genießt.