Sonntag, 24. September 2023

Vorschau Oktober

Im Oktober gibt es bei Jazz in der Kammer mit dem Gilbert-Paeffgen-Trio neues aus der Schweizer Jazzszene. 

Claude Meier | Bass
Fabian M. Müller | Piano
Gilbert Paeffgen | Drums/Hackbrett


Das Schweizer Trio entführt von impressionistischem Klangzauber zu minimalistischer Repetitionshypnotik

CLAUDE MEIER ist in der Szene ein gefragter und viel beschäftigter Elektro- und Kontrabassist. Viele Musiker, auch international, ob Jazz-, Rock- oder Country, zeigen mit dem Daumen nach oben, wenn sie seinen Namen hören. Er komponiert und arrangiert, schreibt Musik für zahlreiche Formationen und Bands. Claude Meier bringt seine Bässe, egal ob die Saiten dick wie Drahtseile sind oder dünn wie Spaghetti, zum Schwingen und zum Jubilieren.

FABIAN M. MÜLLER „Ob Solo, im Duo, im Trio oder im Ensemble, Fabian M. Muellers ausdrucksstarkes und klares Klavierspiel hat sich in den letzten Jahren zu einer unverwechselbaren Stimme in der Schweizer Jazzszene entwickelt. Sein vielseitiger Zugang zum Jazz zeigt seine Offenheit und Neugierde an klanglichen Entdeckungen, die er bewusst und kontinuierlich in unterschiedlichsten Formationen sucht. Seine Kompositionen sind originär, frisch und bieten ihm und seinen Mitmusikern viel Raum für intime Improvisationsmusik.“ (Medienmitteilung IBK-Jazzpreis)

‍Für GILBERT PAEFFGEN ist Musik zu machen eine niemals endende Meditation und Übung zur kreativen Selbstentwicklung. Damit öffnet er Türen von seinem Inneren zur Außenwelt und umgekehrt.

Montag, 18. September 2023

The Circle 5.0

Heute ging es nach der Sommerpause ("aber was heißt schon Sommerpause", sagte Warnfried Altmann, "hier im Forum Gestaltung war auch im Sommer immer was los") gleich kräftig zur Sache, mit zwei Schlagzeugern, zwei Saxophonen und einem Bass:

Reza Askari – Kontrabass
Hans Peter Hiby – Saxophon
John Dikeman – Saxophon
Shōji Hano – Schlagwerk 
Willi Kellers – Drum

Für diese ungewöhnliche Besetzung begann das Konzert überraschend leise. Die Musiker hatten zu Beginn den Bass in den Vordergrund gestellt, Bass solo, und so sanft habe ich einen Bass schon lange nicht spielen gehört. Reza Askari lässte seinen Bogen leicht auf die Saiten prallen, erzeugt leise gestrichene Töne, teils auch im Obertonbereich der Saiten, Glissandi, medidative Klänge. 

Samstag, 16. September 2023

Vorschau September: The Circle 5.0

Am Montag, dem 18. September endet endlich die Sommerpause bei Jazz in der Kammer. Dann stehen fünf Musiker in einer sehr ungewöhnlichen Besetzung auf der Bühne, mit zwei Schlagzeugern und zwei Saxophonisten. Beginn ist 20 Uhr.

Reza Askari – Kontrabass (Iran/BRD)
Hans Peter Hiby – Saxophon (BRD)
John Dikeman – Saxophon (USA)
Shōji Hano – Schlagwerk (Japan)
Willi Kellers – Drums (BRD)

In der Ankündigung heißt es: 

Zwei Saxophonisten, zwei Schlagzeuger, in der Mitte ein Bass. Wenn das kein Tornado ist! Hans Peter Hiby und John Dikeman sind die beiden Bläser, und jeder, der sie schon mal gehört hat, weiß, dass sie keine Kompromisse machen. Willi Kellers und Shoji Hano, beides absolute Veteranen des Free Jazz, sind dann wieder absolute Meister der Überraschung. Im Auge des Sturms steht Reza Askari, der Mann, der wie ein Shakespeare’scher Prospero das Ganze zusammenhält. Auf dem Moers Festival 2022 sind sie zum ersten Mal zusammen aufgetreten, das Publikum war ungeheuer euphorisiert. Hier krachen Kulturen, Generationen und Spielhaltungen aufeinander – wie in einem elektrischen Tornado eben.

Ich selbst kenne von den fünf Musikern bisher nur Willi Kellers und bin schon gespannt auf dieses sicher wieder wunderbare Konzert.  


Montag, 19. Juni 2023

Christian Marien Quartett

Das Christian Marien Quartett stand beim letzten Konzert von Jazz in der Kammer vor der Sommerpause auf der Jazz-Bühne im von der Sonne aufgeheizten Forum Gestaltung:

Christian Marien (Schlagzeug)
Tobias Delius (Tenorsaxophon, Klarinette)
Jasper Stadhouders (Gitarre)
Antonio Borghini (Kontrabass)

Christian Marien beginnt furios, mit Klängen, die von Anfang an voll auf die Ohren gehen: kräftiges Schlagzeug wird von kurzen aber kräftigen Tonfolgen des Saxophons beantwortet. Schon bald finden die vier Musiker sich zu einem gemeinsamen Sound zusammen, bei dem sie immer noch einzeln heraushörbar bleiben. Später wird die Musik leiser, reduziert sich auf Rhythmen, Tobias Delius spielt seine Klarinette mit singendem Ton, mit schon fast orientalisch klingenden Melodien. 

Dienstag, 23. Mai 2023

Vorschau Juni: Christian Marien Quartett

Vor der Sommerpause gibt es noch einmal Jazz in der Kammer: Am 19. Juni um 20 Uhr steht das Christian Marien Quartett auf der Bühne im Forum Gestaltung, diesmal: featuring Antonio Borghini. 

Tobias Delius (Tenorsaxophon, Klarinette, Komposition)
Antonio Borghini (Kontrabass)
Jasper Stadhouders (Gitarre)
Christian Marien (Schlagzeug)
Christian Marien Quartett (Foto: Chris Heenan)

Aus der Ankündigung: 

Musik hat die Kraft, im Kleinen zu finden, wonach wir auch im Großen suchen: frei zu sein, den Moment so zu nehmen wie er ist und zu wissen, nur gemeinsam kommen wir an diesen ersehnten anderen Ort.
    Frei nach Ornette Coleman: Beauty is a rare thing.
Im neu gegründeten Christian Marien Quartett stehen mit Tobias Delius, Jasper Stadhouders und Antonio Borghini beseelte Meister ihres Faches auf der Bühne, die genau in diesem Geiste spielen. Es ist das erste Ensemble, das der Berliner Schlagzeuger unter eigenem Namen an den Start bringt. Es wird natürlich improvisiert, und auch Christian Mariens Kompositionen sind vor allem dazu da, immer wieder neu erfunden zu werden.

Montag, 15. Mai 2023

The Instincts

Heute gab es unerwartet rockige Jazz-Klänge von "The Instincts".

Georgi Sareski – Gitarre
Antti Virtaranta – Bass
Boris Bell – Schlagzeug, Klavier

In der Ankündigung des Konzert hieß es: "Was passiert, wenn ein Mazedonier, ein Finne und ein Deutscher einfach ihren Instinkten folgen? Es entsteht eine außergewöhnliche Musiker-Formation, ein musikalisches Abenteuer mit Groove-Improvisationen, Jazz-Traditionen und außergewöhnlichen Stileinflüssen in einer kollektiven Interaktion." Das sollte sich im heutigen Konzert live noch viel mehr bestätigen. 

Vor dem eigentlichen Programm gab es für Warnfried Altmann, der Jazz in der Kammer nun schon 33 Jahre lang veranstaltet, ein improvisiertes Happy Birthday. Mit verzerrter Gitarre eher angedeutet als ausgespielt, genau passend für den Improvisateur Altmann. "Das war unser kleines Präsent für Warnfried Altmann", sagte Boris Bell, "jetzt spielen wir wieder ernsthaft". Was am Stil nichts änderte. Verzerrte E-Gitarre, kräftiger akustischer Bass vor den Rhythmen von Bells Schlagzeug. Die drei spielten eine sehr rockige und bluesige Version von Jazz. "Eine Spur von Pop war aber auch dabei", sagte Boris Bell, der sehr vielfältig musikalisch unterwegs ist (unter anderem war er 2018 mit der Berliner Weltmusik-/Balkan-/Klezmer-Brassband Schnaftl Ufftschik in Magdeburg), nach dem Konzert. Dabei hatte das Konzert neben den vielen rockigen auch ganz leise Momente. Wenn etwa Bell seine große Tomtom mit den Händen spielt, Sareski die E-Gitarre nur sparsam einsetzt und Virtaranta den Bass leise streicht, dann hat das etwas meditativ-beschwörendes. Auch wenn sich Bell an den Konzertflügel setzt und dort leise spielt, von den anderen nur ebenso leise kommentiert.

Mitunter meint man, Zitate bekannter Melodien zu erkennen (zu kurz um sie zu erkennen, und überhaupt, "nein, alles von uns" sagte Bell dazu), dann wieder ein wildes Creszendo, von dem die Ohren klingen, gefolgt von einem einem beinahe unhörbar leisen Duett aus Gitarre und Schlagzeug. 

Sareskis Gitarre fällt auf der Bühne durch ihre geringe Größe auf, kaum größer als eine Ukulele. "Die habe ich speziell für mich bei Brennus Guitars in Serbien anfertigen lasse", sagt Sareski und erklärt "die Gitarre ist zwar insgesamt kleiner als andere, aber Saiten sind ganz genauso lang wie normale Gitarren".

Das Trio The Instincts setzt sich international zusammen. Der Gitarrist Georgi Sareski kommt aus Mazedonien, der Bassist  Antti Virtaranta aus Finnland und der Schlagzeuger Boris Bell aus Deutschland. "Seit 2018 spielen wir als Band zusammen", sagt Bell, "aber es ist immer ein recht großer Aufwand, zusammenzukommen". Bei diesem Hinweis merkt man mal wieder, wie groß Europa ist – und wie wichtig und zugleich inspirierend es ist, Musiker aus völlig unterschiedlichen Gegenden und mit musikalischen Hintergründen zusammenzuholen. Das ist musikalische Völkerverständigung as its best. de.

Ihr erstes Album heißt nicht ohne Grund „Music Unseen“. THE INSTINCTS ist ein Trio wie kein anderes, und so spielen sie möglicherweise eine der aufregendsten Musiken der Zeit. Bizarr in dieser Weltlage – oder gerade deshalb.