Montag, 20. November 2017

Charles-Gayle-Trio

Heute stand das Charles-Gayle-Trio auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung.
Charles Gayle – Piano, Saxophon
Ksawery Wojcinski – Bass
Aleksandar Škorić – Schlagzeug


Charles Gayle begann auf seinem Saxophon sofort mit aggressiv wilden Tönen, hinter denen anfangs selbst das Schlagzeug zurückstand. In den ersten Minuten jedenfalls – spätestens mit seinem Solo übernahm auch Schlagzeuger Aleksandar Škorić diesen kräftigen Drive. Er arbeitet an seinem Schlagzeug mit der Kraft eines eines Hauers aus dem Bergwerk, kämpft wie mit einem wilden Tier und entfesselt auf seinen Trommeln und Becken eine ungeheure Energie. Ebenso wie Charles Gayle, als dieser wieder hinzukommt. Ksawery Wojcinski am Bass bleibt bei all den kräftigen Tönen – auch wenn er ebenfalls kräftig in seine Saiten greift – eher im Hintergrund. Ein wenig scheint er der ruhende Pol zu sein. Im Solospiel erweist aber auch er sich als ebenbürtiger Spieler.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Vorschau November

Am Montag, dem 20. November, steht um 20 Uhr das Charles Gayl Trio auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung.
Charles Gayl – Piano, Saxophon
Ksawery Wojcinski – Bass
Max Andrzejewski – Schlagzeug

Hans-Jürgen Schaal schreibt über den amerikanischen Pianisten: „Da vergleicht sich einer mit einem Boxer, einem Stahlarbeiter, einem Abrisskommando. Da will einer atemlos um sich schlagen, im Fabriklärm flüssiges Feuer gießen, will Mauern niederreißen, Berge versetzen, Meere zerteilen, will das Himmelstor aufreißen mit seinem Saxophon. Da spielt einer an gegen die Kälte, den Hunger und die Heimatlosigkeit, gegen Leere, Versteinerung und den Verlust der Hoffnung. Spielt mit alttestamentarischer Wucht: kompromisslos, mitleidlos, radikal. Bläst schiere Energie.
Dieser Mann ist Charles Gayle, geboren 1939 in Buffalo, einer der letzter Propheten des Free Jazz. Zwanzig Jahre lang schlug er sich im Moloch New York als Straßenmusiker durch, ein Märtyrer am Saxophon, hungernd, frierend, obdachlos. Er schlief auf Parkbänken, stöberte im Abfall und schrie auf seinem Instrument gegen die Gleichgültigkeit an.”

Im Trio mit dem Polen Ksawery Wojcinski am Bass und dem serbischen Schlagzeuger Aleksandar Skoric hat sich eine stabile Chemie gebildet, die solch unerhörtes und von vielen Extremen geprägtes Spiel trägt.

Montag, 16. Oktober 2017

Maria-Baptist-Trio

Heute stand das Maria-Baptist-Trio auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung.
Maria Baptist – Klavier, Komposition
Fabian Timm – Bass
Mathias Ruppnig – Schlagzeug

An den Beginn des Konzertes setzt Maria Baptist mit Travel in possibilities perlende Klavierklänge, erzeugt sich wiederholende Muster aus wenigen Tönen, die sie erst solo spielt, ehe sie von Fabian Timm am Baß und Mathias Ruppnig am Schlagzeug begleitet wird, ihre Melodien und Rhythmen übernommen werden. Aber auch da beherrscht das Klavier in weiten Teilen die Musik, setzt Maria Baptist dem kräftigen Schlagzeug ebenso kräftig ihre Akkorde entgegen. So ergibt sich ein sehr kräftiger Klang, bei dem das Schlagzeug gerade laut genug ist, um deutlich Platz einzunehmen, das Klavier aber nicht übertönt wird. Klänge, in die man sich trotz ihrer Kraft hineinversenken mag. Auch bei den weiteren Stücken ist es an Maria Baptist, einen aus breiten Klaviertönen entstehenden Grundklang zu entwerfen, der aber, bevor er zu wohltönend wird, auch mal durch harte Stakkatotöne unterbrochen wird.

Samstag, 30. September 2017

Vorschau Oktober

Am Montag, dem 16. Oktober 2017 gibt es um 20 Uhr im Forum Gestaltung das nächste Konzert von Jazz in der Kammer. Dann mit dem Maria-Baptist-Trio.
Maria Baptist – piano, composition
Fabian Timm – bass
Mathias Ruppnig – drums


Ein Trio in klassischer Klaviertriobesetzung, mit einer Pianistin im Vordergrund, die klar betont und melodisch spielt, aber auch voller Kraft mit ihren Musiker-Kollegen in Dialog tritt. Das Video des Trios macht neugierig auf mehr – und wie immer gilt: ein live gehörtes Konzerterlebnis ist durch nichts zu ersetzen. Deshalb: eine herzliche Einladung zu Jazz in der Kammer. 

Donnerstag, 28. September 2017

Jugendmusikfest – Kon-Big-Band

Innerhalb des Jugendmusikfestes Sachsen-Anhalt gab es heute abend ein Doppelkonzert. Zum Auftakt stand die Kon-Big-Band des Magdeburger Georg-Philipp-Telemann-Konservatoriums auf der Bühne des Magdeburger Moritzhofes.


Die Band schaffte es von Anfang an, ihr Publikum mitzureißen, etwa wenn sie mit kräftigem Ausdruck die Töne aus den Trompeten, Saxophonen und Posaunen unisono ins Publikum blies, das schon auf den Rhythmus des Big-Band-Sounds wartete. Mit Floreando von Victor Lopez waren kubanische Klänge zu hören, voller Schwung, wie sie direkt von der karibischen Insel kommen könnten.

Die Band hatte zwei tolle Sängerinnen im Programm, die Lieder des Cristin-Claas-Trios interpretierten. Jessica Piontek begeisterte das Publikum mit ihrer ausdrucksstarken Stimme (Back in Time). Tammy Brückner sang Fall in meinen Arm als sehr gefühlvolle Ballade. Und auch beim letzten Stück des Abends, der Big-Band-Version des Kinderliedes Zwischen Berg und tiefem Tal übernahm sie den Gesangspart.

Jugendmusikfest – Jugendjazzorchester

Die zweite Hälfte des Doppelkonzertes auf der Bühne des Magdeburger Moritzhofes innerhalb des Jugendmusikfestes Sachsen-Anhalt gehörte dem Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt. Einige der Musiker der vorher aufgetretenen Kon-Big-Band konnten dabei gleich auf der Bühne bleiben, da sie Mitglied beider Orchester sind.


Vor dem Konzert begrüßte Claus Dietmar George, Geschäftsführer des Landesmusikrates Sachsen-Anhalt, die jungen Musiker. In seiner kurzen Rede wies er darauf hin, daß das Jugendjazzorchester in diesem Jahr das 500. Reformationsjubiläum mit mehreren Auftritten in Wittenberg unterstützt hatte und nahm gleich vorweg, daß davon auch etwas im Programm zu hören sein würde. Und mit sichtlichem Spaß erinnerte er an die Thesen eines anderen Reformators, als er hinzufügte "und ich freue mich schon auf das Jahr 2348, wenn das Kommunistische Manifest sein 500. Jubiläum hat". Er begrüßte auch Katrin Brechmann, die Direktorin des Landesmusikfestes, im Publikum. 


Das Orchester begann mit Bolivia von Cedar Walton äußerst kräftig und zeigte, wo es zu einem großen Teil des Abends hingehen sollte: zu einem modern gespielten Big-Band-Sound, der Spaß machte zu hören, und bei dem auch die Freude an der Musik zu spüren war.

Neben den instrumentalen Stücken gab es mehrere gesungene. Tammy Brückner sang sowohl gefühlvoll als auch kräftig das Nothing ever changes my love to you von Jack Seagal & Marvin Fisher. Später auch Songs wie How insensitive, dessen Titel im Gegensatz zur geradezu sensitiven, samtig warmen Stimme der Sängerin steht, oder For the time being, melancholisch und nur ganz sparsam von Bass und Piano begleitet, was eine magische Stimmung erzeugt. Marie Orlowski singt den Deedles Blues voller Leidenschaft, legt Liebe, Sehnsucht und Verzweiflung in die Textzeilen Come back baby. Später auch noch das Top hat, white tie and tails – Filmmusik von Irving Berlin, zu der bereits Fred Astaire tanzte. Über die neue Sängerin der Band sagte Ansgar Striepens, "ein wunderbares Talent, ich freue mich bei jeder neuen Arbeitsphase darüber, was für neue tolle Musiker hinzukommen".