Sonntag, 21. Februar 2016

Vorschau März

Am 21. März um 20 Uhr bei Jazz im Schauspielhaus:
Juozas Milasius (LIT) – Gitarre,
Sabir Mateen (USA) – Saxophon, Flöte
Juozas Milasius Sabir Mateen

Die beiden Musiker liefern sich ein experimentelles, frei improvisiertes und überaus heftiges Wechselspiel, bei dem sie alles aus ihren Instrumenten herausholen, was nur irgendwie geht. Sehr starke Musik in bester Free- und Experimentaljazz-Tradition – und nichts für schwache Nerven. 

Montag, 15. Februar 2016

Metal, Wood & Wire – extended

Heute war das Projekt »Metal, Wood & Wire – extended« (USA, I, D) zu Gast bei Jazz im Schauspielhaus:
Geoff Goodman – Gitarre
Ardhi Engl – Gitarre, div. Eigenbauinstrumente
Sebi Tramontana – Posaune
Bill Elgart – Schlagzeug

Das Projekt der vier Musiker lebt zu einem guten Teil von den Klangexperimenten des bayrisch-sumatranischen Gitarristen Ardhi Engl, der für seine selbst erfundenen Instrumente "Klangobjekte, Materialien, Utensilien und Fundstücke aus den Bereichen Ab-, Zu- und Einfall verfremdet und bespielt", wie es auf der Webseite von Metal, Wood & Wire heißt. Neben diesen experimentellen Klängen gab es aber auch handfest improviserten Jazz zu hören.

Die vier Musiker haben kaum auf der Bühne Platz genommen, da erobert auch schon ein Chaos von Tönen den Raum, erzeugt Ardhi Engl auf einer Art klingendem Kleiderständer (seinem „Stangl-Baß“, wie er ihn später nennen wird) und anderen selbst gebauten Instrumenten willkürliche Klänge. Gitarre, Posaune und Schlagzeug stehen dem nicht nach und spielen ebenso abseits von Melodien. Doch allmählich werden die Töne klarer, formen sich Strukturen aus dieser klanglichen Ursuppe. Aus Klängen werden Töne, entwickeln sich Melodien. Eine musikalische Evolution findet vor den Ohren der Konzertbesucher statt, eine Metamorphose vom Chaos zur Musik.

Das nächste Stück wird von der Elektronik beherrscht, bzw. den elektronisch verstärkten Tönen, die Engl einer Art Daumenklavier entlockt, konstruiert aus Zahnstochern, Laubsägeblättern, Schraubenfedern und ähnlichem Zubehör. Später bringt er ein Besenstiel-Cello oder eine Schlauchflöte zum klingen. Instrumente, aus dem zusammengebastelt, was ihm grad vor die Finger kommt. „Ich bin ein Verfechter des preiswerten Musizierens“, sagt Engl im Pausengespräch über sein Instrumentarium. Wenn er "Spaß daran hat, aus einfachen Dingen etwas herzustellen", dann hat er auf jeden Fall ein Händchen dafür, daraus auch etwas Klingendes zustande zu bringen. Später kommt sogar ein röhrenverstärkter Sinusgenerator (PM5100 von Philips) zum Einsatz, bei dem der Rezensent aus früherer Begeisterung für den Physikunterricht leuchtende Augen bekommt.

Montag, 8. Februar 2016

Big Band des Konservatoriums Magdeburg

Die Kon-Big-Band des Konservatoriums Georg Philipp Telemann Magdeburg stand im ersten Teil des Bigband-Konzerts auf der Bühne des Magdeburger Schauspielhauses, geleitet von Erhard "Mohi" Buschendorf. Der Bigband-Sound, verbunden mit Gesangsstücken und Soli für einzelne Bandmitglieder, ergab ein wunderbares Konzerterlebnis.  


Die Band begann mit "The Mellow Saxophon" und einem sehr kräftigem, basslastigen Saxophon-Sound. Dem folgte ein Lied von Björk, aus "Dancer in the Dark", gesungen von Jessica Piontek, die das Lied mit kräftiger und gefühlvoller Stimme interpretierte. Dazu Gitarrensoli und deutliche Akzente setzende Klavierakkorden. Es folgte "Switch in time" von Sammy Nestico, ein Pflichtstück des Bundeswettbewerbs der Bigbands, ein Feature der Band für den Posaunisten Oscar van Hout.

Bemerkenswert war auch das von Mohi Buschendorf anscheinend für ein generationenübergreifendes Publikum geschriebene Stück, in dem er Melodien aus "Raumschiff Enterprise" und dessen Parodie "Raumschiff Surprise" mixte und für seine Band arrangierte. Dazu gab es natürlich auch den Text des Raumschiffs ("Der Weltraum – unendliche Weiten... Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, ..."). Die einen fühlten sich an Sonntags 18 Uhr im ZDF erinnert, die anderen an großes Kino. Aber egal, wer welche Version im Sinn hatte – der Drive des Stücks und die Begeisterung der Band übertrugen sich auf das Publikum.

Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt

Heute stand das Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt auf der Bühne des Magdeburger Schauspielhauses. Die jungen Jazz- und Bigband-Musiker aus allen Teilen des Landes kamen in den Tagen zuvor zu einer halbjährlichen Arbeitsphase (inzwischen bereits der 48.) in der Musikakademie Kloster Michaelstein zusammen, übten gemeinsam unter Anleitung von Tutoren die einzelnen Instrumentengruppen, probten als gesamtes Orchester. Wie in jedem Jahr konnte sich das, was dabei entstand, sehen und natürlich vor allem hören lassen: Bigbandmusik vom Feinsten.


Das Konzert des Jugendjazzorchesters Sachsen-Anhalt im Magdeburger Schauspielhaus stand unter Leitung des langjährigen Bandleaders Ansgar Striepens, der das Orchester sicher führte und für einen ausgewogenen Klang sorgte, zugleich den einzelnen Musikern auch Platz für Soli einräumte.

Das Konzert war der zweite Teil eines gemeinsamen Konzertabends mit der Kon-Big-Band des Magdeburger Konservatoriums Georg Philipp Telemann. Einige Musiker der Magdeburger Bigband waren auch gleich noch im zweiten Teil zu hören. Ansgar Striepens begann das Konzert mit einem Lob für die Magdeburger Band. "Ich hatte Mohi 200 Euro gegeben, dass er vor uns nicht so gut spielt – das Geld hat er genommen, aber gehalten hat er sich nicht daran", sagte er scherzhaft und zugleich anerkennend.

Das Jugendjazzorchester begann "Oye Como Va", einem Klassiker von Tito Puente, gespielt mit vollem und sehr kräftigem Einsatz der Bläsergruppe, Musik im typischen Bigband-Stil, mit Soloeinlagen von Posaune, Bariton-Saxophon, Trompeten und Schlagzeug. Dem schloß sich ein einst für Ella Fitzgerald geschriebenes Stück an, "It’s only a paper moon", hier gesungen von Myriam Rosenkränzer mit viel Variabiltät in der Stimme und großem Tonumfang. Danach ein weiteres Gesangsstück, diesmal mit Jessica Piontek. Sie interpretiert "Freedom Dance" aus Peter Herbolzeimers und Diana Reeves Album "Colors of a Band" als melancholische Ballade, von den Bläsern zurückhaltend begleitet.
"No joy in Mudville" von Bill Holmann, über das Ansgar Striepens einleitend sagte "ein Stück daß sehr viel Spaß macht, auch wenn das dem Titel nicht zu entnehmen ist" (den man vielleicht mit "kein Spaß im Dreckskaff" übersetzen könnte), erwies sich als rhythmusbetontes und von der Stimmführung her anspruchsvolles Stück mit einem sehr überaschend endenden Posaunensolo als Abschluss.

Samstag, 23. Januar 2016

Vorschau Februar

Im Februar gibt es zwei Jazz-Termine im Schauspielhaus: 

Am Montag, dem 8. Februar um 19:30 Uhr ist das Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt zu Gast. Das Konzert der jungen Jazz- und Bigband-Musiker steht am Ende ihrer halbjährlichen Arbeitsphase (inzwischen bereits der 48.). Wir können uns auf Musik vor allem in Richtung Swing und Bigband freuen, auf instrumentals und songs, Jazzstandards und Eigenkompositionen des Bandleaders Ansgar Striepens.

Am Montag, dem 15. Februar um 20 Uhr ist dann der reguläre Termin von Jazz im Schauspielhaus, mit »Metal, Wood & Wire – extended« (USA, Italien, Dtl.).
Geoff Goodman – Gitarre, Loops, Banjo
Ardhi Engl – Gitarre, div. Eigenbauinstrumente
Sebi Tramontana – Posaune
Bill Elgart – Schlagzeug 

Metal, Wood & Wire ist ein ungewöhnliches Gitarren-Duo: der amerikanische Jazz-Gitarrist Geoff Goodman spielt gemeinsam mit dem bayrisch-sumatranischen Gitarristen Ardhi Engl, der neben klassischer Gitarre auch eigene Instrumente erfindet, baut, präpariert, verfremdet und bespielt "Klangobjekte, Materialien, Utensilien und Fundstücke aus den Bereichen Ab-, Zu- und Einfall", wie es auf der Webseite von Metal, Wood & Wire heißt.

In der "Extended"-Version kommen noch zwei Weltklassemusiker der Improvisation hinzu: Sebi Tramontanna (It.) and Bill Elgart (USA), die beide sowohl im Jazz als auch in neuer improvisierter Musik zu Hause sind. In diesem Experiment und Abenteuer, speziell für diese Formation neue Konzepte und Strukturen zu entwickeln, begegnen sich die tief-verwurzelte Jazztradition in Bill Elgart's kreativem Schlagzeugspiel und der elegante Ton von Sebi Tramontanas frei-inspirierter Posaune mit dem unverwechselbaren Klang-Vokabular von Metal, Wood & Wire.

Montag, 18. Januar 2016

Wood & Steel Trio

Heute war bei Jazz im Schauspielhaus das Wood & Steel Trio zu Gast, mit
Christian Kögel – Dobro SteelGuitar
Roland Neffe – Marimba/Vibraphon
Marc Muellbauer – Baß

Gleich im Titel des Bandprojekts wird benannnt, was auf der Bühne zu sehen und zu hören ist: da trifft – bei jeweils einander ähnlichen Instrumenten bzw. Instrumentenfamilien – im wahrsten Sinne des Wortes Holz auf Stahl. Marc Muellbauers akustischer Baß steht in Kontrast zu Christian Kögels Dobro Steel Guitar mit ihrem Stahl-Gehäuse und Roland Neffe spielt abwechselnd auf der Marimba mit ihren warm klingenden Holzplatten und auf dem Vibraphon mit den härteren Metallplatten. Dabei entstehen reizvolle Kontraste, wenn etwa zu Beginn des Konzertes Roland Neffe am Vibraphon zu spielen beginnt und dann Marc Muellbauers akustischer Baß einsetzt, während Christian Köglers Dobro den Rhytmus beiträgt. In die Borduntöne des Baß mischen sich helle metallisch perlende Läufe von Tönen.

Bei ihrem Konzert in Magdeburg stellte die Band hauptsächlich Titel ihrer aktuellen CD Secret Ingredient vor. An der Entstehung sind die drei Musiker gleichermaßen beteiligt. Von wem welche musikalischen Ideen stammten, verdeutlichen die Bandmitglieder auf einfache Weise: durch die persönliche Anmoderation der einzelnen Stücke. Über sein Stück "Mein Kiez" sagt Christian Kögler: "eigentlich bin ich Bayer, aber meine Wahlheimat ist Kreuzberg". Und so kommt die Musik so bunt daher, wie es dieser Berliner Stadtteil ist: mit Marimba und Vibrahon, mit orientalischen Klängen auf Gitarre und Baß, mit Tonexperimenten auf den Baßsaiten, kurz: als ein großer, bunter Basar. Von Kögler stammt auch The Waltz, bei dem er sich ein langes Gitarrensolo eingebaut hat, mit Anklängen an Hawaii, wenn er seine Gitarre mit dem Glasröhrchen als Slide guitar spielt. Marc Muellbauer nimmt die lässige Stimmung auf und Roland Neffe zaubert eine Begleitung dazu.
Neffes "Metamorphosen" spielen mit den unterschiedlichen Stimmungen von Vibraphon und Marimba. Eine anfänglich leichte Melodie auf dem Vibraphon geht über in eine dunkle Baßmelodie mit kräftigen Holztönen. Die Melodieführung wird von Instrument zu Instrument weitergegeben, verändert und im Mittelteil auch in hohem Dynamikumfang gespielt, bis sich am Ende beim Vibraphon, das die Musik leise ausklingen läßt, der Kreis schließt.
Während der Baß sonst oft als Begleitinstrument dient, sind beim Wood & Steel Trio die Rollen nicht so fest verteilt, übernimmt der Baß im nächsten Stück die Rolle des Melodieinstruments. Und als Marc Muellbauer zum Bogen greift und seinem Baß  Töne entlockt, die im Raum zu schweben scheinen, während die Marimba die Melodie leise und harmonisch unterstützt, möchte man die Augen schließen und träumen. 

Als Zugabe dann eine eigenwillige Interpretation von Griegs Nocturno Nr. 54. Roland Neffe gibt Griegs Melodie vor, die beiden anderen adaptieren diese auf ihre Instrumente, improvisieren, verändern die Melodie, dann kommt auch wieder die Slide Guitar zum Einsatz und so trifft dann Norwegen auf Hawaii.

Zur Entstehung der Band berichtet Marc Muellbauer: "Christian Kögler und Roland Neffe wirken auch in meinem größeren, neunköpfigen Projekt Kaleidoscope mit. Wir wollten parallel dazu auch noch eine kleine Besetzung auf die Beine stellen. Christian Kögler sollte eigentlich akustische Gitarren spielen, aber bereits seine Dobro bietet so viele Möglichkeiten, deshalb blieb es bei einer einzigen Gitarre". Und Roland Neffe ergänzt, mit Blick auf seine beiden Instrumente: "... und ich bin dann der, der den Transporter braucht". 

Was von den Instrumenten dann die "geheime Zutat" aus dem Titel der CD ist, die perlenden Töne von Marimba und Vibraphon, die Klangeffekte der Dobro mit ihrem Stahlkorpus oder der warm klingende Baß, darauf wollten sich die Musiker dann aber nicht festlegen – oder es vielleicht auch einfach nur nicht verraten. Letztlich mag das aber jeder beim Hören selbst entscheiden, und vielleicht ist es – der improvisierten Live-Musik sei dank – auch in jedem Konzert etwas anderes.