Dienstag, 20. November 2018

Vorschau Dezember: Insomnia Brass Band

Am 17. Dezember ist bei Jazz in der Kammer die „Insomnia Brass Band“ zu hören. Beginn ist wie immer um 20 Uhr.
Anke Lucks – Posaune
Almut Schlichting – Baritonsaxophon
Christian Marien – Schlagzeug 

Auf der Webseite der Band gibt es Videos einiger Stücke zum vorher-schon-mal-reinhören. Die Kombination der beiden Bläser mit einem Schlagzeuger dürfte wohl das Minimum einer Brass Band darstellen. Die drei Musiker zaubern daraus frische, lebendige Musik mit großem Volumen, beeindruckenden Bässen und kräftigen Rhythmen. Ich freue mich drauf!

Aus der Bandwebseite:
Posaune, Baritonsaxophon, Schlagzeug – in dieser ungewöhnlichen Instrumentierung spielen drei Berliner MusikerInnen mit der Idee einer Miniatur-Brass-Band. Durch die tiefen Instrumente entsteht ein voluminöser Klang, durch die kleine Besetzung Klarheit und Offenheit.

Im Frühjahr 2017 erhielt die Band ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. In der intensiven Probenarbeit haben die MusikerInnen einen gemeinsamen Sound und neue Arrangements für das von Lucks und Schlichting komponierte Repertoire entwickelt. Die Stücke der Insomnia Brass Band sind formal einfach und benutzen collagenhafte Versatzstücken verschiedener jazzverwandter Genres. Improvisatorische Überraschungen und Risikofreudigkeit sind dabei für das Spielkonzept der Band essentiell.

Die Inspiration zu den Kompositionen für die Insomnia Brass Band gewinnt Almut Schlichting aus Basslinien und Grooves von Bands wie The Meters und Red Hot Chili Peppers. Anke Lucks formt ihre Stücke parallel zu Texten in der literarischen Tradition des „stream of consciousness“, die durch ihren Rhythmus den Melodieverlauf beeinflussen. Die beiden Musikerinnen kombinieren dabei die Erfahrungen, die sie in den groovenden Bläsersections von Bands wie Le Sorelle Blu, Rotfront und ?Shmaltz! gesammelt haben, mit der offenen Spielhaltung ihres Jazz-Backgrounds.

Seit Oktober 2018 spielt Christian Marien bei der Insomnia Brass Band Schlagzeug. Sonst von Berlin aus in der internationalen Szene der frei improvisierten Musik zuhause, läßt er bei der Insomnia Brass Band seine Wurzeln im Punk und Rock durchscheinen.

Montag, 19. November 2018

Gratkowski und Tramontana: Instant Songs

Heute war die Bühne von Jazz in der Kammer minimalistisch besetzt, mit nur zwei Bläsern. Die aber hatten es in sich: ein Konzert voller musikalischer Experimente, eine überaus interessante Hör-Erfahrung!
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon 

Sowohl Posaune als auch Saxophon meint man oft in ihrer vollen Lautstärke zu kennen. Zu meiner Überraschung begann das Konzert aber nicht mit wilden und kräftigen Tönen, sondern ganz sacht, mit kleinen Melodiefetzen, einem leisen Auf und Ab von Tönen aus Frank Gratkowskis Saxophon, die Sebi Tramontana zurückspielte, in gegenseitig allmählich steigender Dynamik. Später dann drönende Klänge aus Gratkowskis Bassklarinette, die eine Art Marschrhythmus bilden, zu dem Tramontanas Posaune zu hören ist, diesmal als Melodiestimme.

An vielen Stellen sind Posaune und Saxophon Percussionsinstrumente, da läßt Sebi Tramontane die Posaune im tiefen Baß schnarren, von ins Mundstück gesprochenen Silben unterbrochen, da schnalzt, zischt und wispert Frank Gratkowski auf seinem Saxophon. Als beide Musiker auch noch ihre Stimmen einsetzen und die instrumentalen Klänge mit gesungenen Worten begleiten, fangen die Grenzen an zu verschmelzen – was ist noch Instrument, was ist Stimme, und überhaupt, was ist Saxophon, was Posaune?

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Vorschau November

Am Montag, dem 19. November um 20 Uhr gibt es zwei Blasinstrumente bei Jazz in der Kammer:
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon  


Der italienische Avantgarde-Jazz-Posaunist Sebi Tramontana trifft auf den deutschen Saxophonisten Frank Gratkowski. Beide waren bereits in unterschiedlichen Besetzung zu Gast bei Jazz in der Kammer. Ich bin gespannt auf das zusammentreffen in dieser sehr minimalistischen Kombination. Auf Gratkowskis Webseite kann man schon mal in die Musik der beiden reinhören.

Montag, 15. Oktober 2018

Schnaftl Ufftschik

Heute war die Berliner Worldmusic-Brass-Band Schnaftl Ufftschik bei Jazz in der Kammer zu hören.  Klangewaltige Blechklänge mischten sich mit Balkan-, Klezmer- und Big-Band-Sound.
Johannes Siedel – Posaune
Stefan Gocht – Bassposaune, Sousaphon
Reinhard Gundelwein – Klarinette
Lutz Wolf – Trompete
Boris Bell – Schlagzeug


Die Band mit dem ungewöhnlichen Namen (der sich später aber beim Klang der Instrumente aber ohne dass eine Nachfrage nötig ist selbst erklärt) kommt in einer Verballhornung von 20er-Jahre-Mode auf die Bühne. Von Komik geprägt ist auch der Auftritt der Band, die sich mit ihren Instrumenten mit der Selbstverständlichkeit einer Marching Band auf der Bühne bewegt, immer wieder die Positionen (und auch die Instrumente) wechselt und durch Bewegung und musikalischen Witz eine mächtige Bühnenpräsenz erzeugt. Durch die Blechblasinstrumente, von der kleinen Trompete bis zum großen Sousaphon, gibt es Anfang an mächtig was auf die Ohren.

Mittwoch, 19. September 2018

Vorschau Oktober: Schnaftl Ufftschik

Im Oktober freue ich mich bei Jazz in der Kammer auf die Berliner Band Schnaftl Ufftschik, die ich bereits beim Rudolstadt-Festival auf großer Bühne erleben konnte und die mich mit ihrer kräftigen Bläser-Musik, mit einer Mischung aus Worldmusic und Brassband begeisterte.
Montag 15. Oktober, 20 Uhr im Magdeburger Forum Gestaltung.
Johannes Siedel – Posaune
Stefan Gocht – Bassposaune, Sousaphon
Reinhard Gundelwein – Klarinette
Lutz Wolf – Trompete
Boris Bell – Schlagzeug

Nach Magdeburg kommen sie mit ihrem  Programm „God Brass You“ – einer wilden und fröhlichen Mischung von Brassband-Musik irgendwo zwischen Balkan und Dixieland mit einem Stückchen Berliner Großstadt-Feeling. Wer mag, kann sich schon eine Portion Neugier holen und auf der Webseite der Band in ein paar Beispiele reinhören. Das wird ein Konzertabend, der einfach Spaß machen wird. Und diesmal ist das Jazz-Konzert garantiert auch etwas für alle die, denen Freejazz zu wild ist. Deshalb sagt den Termin weiter und bringt Eure Freunde mit!

Montag, 17. September 2018

Vorwärts – Rückwärts

Heute ging es nach der Sommerpause weiter mit Jazz in der Kammer. Auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung war Maike Hilbigs Trio "vorwärts – rückwärts" zu erleben.
Maike Hilbig – Bass
Johannes Fink – Cello
Gerhard Gschlößl – Posaune

Schon die Besetzung ist ungewöhnlich: mit Baß und Cello gibt es zwei Streichinstrumente, dazu eine Posaune. Was kann man damit anfangen? Eine Menge, meinen die drei Musiker und bringen eine Mischung zwischen Jazz und freier Improvisation auf die Bühne. Dabei sind die Rollen nicht immer gleichbleibend. Mal ist es so, dass der Baß, der ohnehin zur Rhythmusgruppe gehört, und auch das Cello die Rhythmen liefern, die Posaune die Melodiestimme übernimmt. Dann wieder ist es Johannes Fink, der Melodien anstimmt, teils sogar mit klassischer Anmutung, oder auch Maike Hilbig am Baß.

Da gibt es Stücke, die streng durchkomponiert scheinen, mit sich in steter Folge wiederholenden, aber immer weiter leicht variierten dreistimmigen Tonfolgen, leise und ruhig, beinahe meditativ. Dann swingende Musik, die ich im Big-Band-Sound einordnen würde, wäre nicht der Begriff bei einer so kleinen Besetzung doch etwas fehl am Platze. Oder eher experimentelle Klänge, bei denen die drei Musiker die Eigenschaft ihrer Instrumente ausnutzen, nicht auf konkrete Töne festgelegt zu sein und mit auf den Saiten gleitenden Fingern oder mit gleichbleibend gezogenem Posaunenrohr kontinuierlich auf- und absteigende Tonfrequenzen erzeugen, als hätte man stufenlos durchstimmbare Tongeneratoren miteinander kombiniert.

Der Spaß an der Improvisation ist immer mit dabei. Und dass sich da im Jazz etwas erhalten hat, was es früher schon einmal gab, erläutert Johannes Fink dann am Beispiel der klassischen Musik: "Johann Sebastian Bach, der konnte noch improvisieren, nur hat das damals keiner aufgenommen", sagte er, "und heute werden selbst die Kadenzen am Ende der Stück vom Blatt gespielt". Die Organisten nimmt er davon aus, "die können das noch". Auch wenn es keines Beweises bedurfte – später waren von seinem Cello, als Maike Hilbig am Baß und Gerhard Gschlößl an der Posaune wild drauf los spielten, Anklänge von Bachs Cello-Suiten zu hören.