Die zweiten Magdeburger Jazztage gingen heute zu Ende. Norbert
Pohlmann vom Forum Gestaltung und Warnfried Altmann, musikalischer
Leiter des Festivals, hatten das Programm unter den Titel „Jetzt“
gestellt und damit auf die Aktualität der Musik verwiesen. Norbert
Pohlmann betonte dabei, wie wichtig die Musik auch ist, Menschen
miteinander zu verbinden. „Vor einem Jahr war die Welt noch anders,
heute ist es noch normal, morgen vielleicht schon außergewöhnlich, wenn
Musiker aus Deutschland, England, den USA und Japan und vielen anderen
Ländern einfach so zusammen auf der Bühne stehen“
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Warnfried Altmann (links) und Norbert Pohlmann
blicken auf vier Tage voller Jazz zurück. |
Jeder der vier Festivaltage hatte einen eigenen Schwerpunkt. Am
Donnerstag stand moderner osteuropäischer Jazz im Vordergrund, der
überraschend frisch und modern war und eher den Clubsound der Großstädte
verkörperte. Der Ungar Zoltan Lantos kombinierte seine Geige mit
Klängen von Keyboard und Synthesizer. FlyWeToTheMoon, die Band des
bulgarischen Trompeters Rokko Zahariev, spielte schnellen Balkan-Jazz.
Noch interessanter wurde es, als sich gegen Ende des Abends beide Bands
mischten, Trompete und Geige zusammen improvisierten.
Der zweite Abend war eher dem Freejazz zuzuordnen. Drei Bands in
überwiegend klassischer Besetzung (Piano, Bass, Saxophon, Schlagzeug)
zeigten, was man – sogar unverstärkt spielend – an Kraft und Dynamik aus
den Instrumenten rausholen kann. Das war ein Abend voller Freude am
improvisieren. Am ungewöhnlichsten war das Trio der drei Engländer
Veryan Westen, Trevor Watts und Peter Knight: drei alte Herren, die mit
Piano, Saxophon und Violine mit unbändiger Spielfreude die schrägsten
Töne zu Musik völlig abseits gewohnter Melodien kombinierten.
Ein Höhepunkt des Festivals war ganz sicher der Klavierabend am
Sonnabend, der von der großartigen Aki Takase eröffnet wurde. Die
zierliche Japanerin spielte ungeachtet ihres Alters von knapp 70 Jahren
mit einer unbändigen Kraft, experimentierte, ersetzte mit ihren Stiefeln
stampfend das Schlagzeug. Und hatte auch einen Titel ihrer 1986 in der
DDR bei Amiga erschienen LP im Programm. Die Französin Julie Sassoon,
von Willi Kellers am Schlagzeug unterstützt, ließ das Klavier eher sanft
atmen, setzte auf die leisen und harmonischen Töne. Der aus Leipzig
stammende, jetzt auf Ibiza lebende Joachim Kühn prägte Anfang der 60er
Jahre die Jazz-Szene der DDR und trat damals auch im Magdeburger „Impro“
auf. Mit seinem Trio interpretierte er klassischen Jazz und Blues auf
eine sehr expressive Weise.
Das LeipJAZZig-Orchester unter Leitung des in Magdeburg
aufgewachsenen Stephan König lieferte am Sonntag ein grandioses Finale.
Die Leipziger Bigband interpretierte die Musik von Hanns Eisler neu und
setzte den Schwerpunkt auf dessen Orchesterwerke. Als Zugabe gab es
Eislers bekanntestes Werk: die DDR-Nationalhymne. „Die gehört auch zu
Eisler, aber wir wollten sie nicht einfach so nachspielen“, sagte König,
„und da erinnerte ich mich an Jimmi Hendrix’ geniale Verfremdung der
US-Hymne“. Und so intonierten verzerrte E-Gitarren die bekannte Melodie,
bevor die Band sie kraftvoll und mit vollem Einsatz aller Kräfte in den
musikalischen Kontext osteuropäischer Klänge stellte. Ein starkes Ende
des Festivals.
Warnfried Altmann erklärte zu seiner Musikauswahl, „in dem Programm
waren anders als oft üblich keine ‚Sicherheiten’ eingebaut, keine
Musik, die den Massengeschmack bedient“. Deshalb freute er sich um so
mehr darüber, dass es in Magdeburg ein Publikum gibt, dass sich auf
neues und interessantes einlässt. Auch die Weiterführung des Festivals
kündigte er bereits an: „Im Jahr 2018 wird es die dritten Magdeburger
Jazztage geben“.