Vom 14. bis 18. April 2016 werden in Magdeburg erstmalig die Magdeburger Jazztage stattfinden. Dieses neu ins Leben gerufene Jazzfest soll der Bewerbung
Magdeburgs zur Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 einen weiteren
Baustein hinzufügen. Mit dem Gesellschaftshaus, dem Forum Gestaltung und dem Schauspielhaus wurden Veranstaltungsorte gefunden, in denen kulturell hochwertige Konzerte Tradition haben. Warnfried Altmann, Organisator und künstlerischer Leiter des Festivals, hat für die Magdeburger Jazztage hat eine Mischung unterschiedlicher
Richtungen des Jazz zusammengestellt, die sich zwischen Europa und
Amerika, zwischen modernem und traditionellem Jazz bewegen.
Die Konzerte im Einzelnen:
Donnerstag, 14.04.2016, 20 Uhr
Gesellschaftshaus
"Trumpet Night" – Eröffnungskonzert
funk | soul | groove
Freitag, 15.04.2016, 19 Uhr
Forum Gestaltung
Antoni-Donchev-Quartett
zeitgenössisch | osteuropäisch
Freitag, 15.04.2016, 22 Uhr
Forum Gestaltung
Ganelin-Trio und Reiner Winterschladen
international | kraftvoll | frei
Sonnabend, 16.04.2016, 10 Uhr
Thiem 20
Improvisations-Workshop
Sonnabend, 16.04.2016, 20 Uhr
Gesellschaftshaus
Roy Hargrove und Band
hardbop | New York Jazz
Sonntag, 17.04.2016, 12 Uhr
Gesellschaftshaus
Matinee-Konzert mit dem Hannes-Zerbe-Jazz-Orchester
modern Jazz | sinfonisch
Montag, 18.04.2016, 20 Uhr
Schauspielhaus
Ulf und Erik Wakenius
schwedisch | traditionell | Gitarrenjazz
Die Jazztage passen gut in die Mageburger Kulturlandschaft und stehen auch der Bewerbung um den Titel der Kulturhauptstadt gut zu Gesicht: denn auch wenn Magdeburg eher nicht als Jazz-Hauptstadt bekannt ist, so gibt es hier doch eine kleine und feine Jazz-Szene. Deren Veranstaltungen
kann man derzeit an wenigen Händen abzählen: da sind natürlich die von
"Jazz! im Schauspielhaus", die vor allem den zeitgenössischen Jazz
präsentieren und die von "Kunst Kultur Karstadt", die auf die großen
Namen setzen; daneben noch die eine oder andere Veranstaltung in den
Clubs der Stadt, die Gitarren-Nächte der AG Jazz oder das
Open-Air-New-Orleans-Jazz-Festival im Herrenkrugpark. Warnfried Altmann blickt in der Magdeburger Jazz-Szene noch ein Stück weiter zurück und sieht die Magdeburger Jazztage auch als Fortführung von früheren Jazz-Festivals im
Magdeburg der 1990er Jahre, etwa der Magdeburger Diagonale oder dem
Magdeburger Jazzsommer.
Ursprünglich sollten die Magdeburger Jazztage bereits im Herbst des vergangenen Jahres starten. Die Stadt Magdeburg hatte bereits ihre Unterstützung signalisiert. Jedoch gab es damals aber Schwierigkeiten mit der Bereitstellung eines finanziellen Zuschusses durch einen der Hauptsponsoren. Dies ist jetzt geklärt – nun können die Jazztage in Magdeburg ein Zeichen für Kultur abseits des Mainstreams setzen. Genau so etwas ist wichtig für das Selbstverständnis einer Kulturhauptstadt. In diesem Sinn seien den Magdeburger Jazztagen eine langfristige Unterstützung und viele Besucher gewünscht.
Montag, 11. Januar 2016
Donnerstag, 7. Januar 2016
Vorschau Januar
Am Montag, dem 18. Januar 2016 um 20 Uhr bei Jazz im Schauspielhaus:
Unter christiankoegel.net/media/music/ gibt es zwei Klangproben des Wood & Steel Trio zu hören, die einen interessanten Jazzabend versprechen.
Wood&Steel TrioIm August 2013 hoben Roland Neffe, Christian Kögel und Marc Mühlbauer das Wood & Steel Trio im Berliner Club Bb aus der Taufe. Mit Marimba- und Vibraphon, Dobro-Gitarre und Kontrabass interpretieren sie ein Repertoire von Vokalmusik aus dem 16ten Jahrhundert über Edvard Grieg bis Cole Porter und zeitgenössische Stücke.
Christian Kögel – Dobro SteelGuitar
Roland Neffe – Marimba/Vibraphon
Marc Muellbauer – Bass
Unter christiankoegel.net/media/music/ gibt es zwei Klangproben des Wood & Steel Trio zu hören, die einen interessanten Jazzabend versprechen.
Montag, 21. Dezember 2015
Hub Hildenbrand und Trio Rosenrot
Heute waren beim Jazz-Konzert im Schauspielhaus zu Gast:
Zu Beginn Hub Hildenbrands Solo-Konzert: Konzentriert und tief in seine Musik versunken sitzt er auf der Bühne, spielt orientalisch inspirierte Klänge mit exaktem Anschlag und zugleich auch einer selbstverständlichen Leichtigkeit. Seiner halbakustischen Gibson-Gitarre entlockt er Töne, die mal einem akustischen Wasserfall gleich perlen und fließen, mal laut und basslastig sind. Diese große Klangvielfalt ist es wohl, die ihn vor einigen Jahren das elektronisch verstärkte Instrument wählen ließ.
Im Titel des ersten Stücks, dem "Garden of sounds" steckt auch etwas von Hub Hildenbrands Programm: in seiner Musik will er Klänge unterschiedlicher Regionen verbinden, Musik die er überall auf der Welt hört und sammelt. "Es gibt nur eine Musik, nur einen Musik-Kosmos", sagte er später über den Hintergrund seiner musikalischen Ideen.
In seinem Konzert, das er auch als Streifzug quer durch seine bisherigen Bands und Projekte sieht, lädt Hildenbrand zu einer musikalischen Weltreise, durch eine Welt, deren Mittelpunkt sich irgendwo viel weiter südlich und östlich befinden muß, die aber ebenso auch die Musik des kalten Nordens umfasst. Bei aller Dynamik von Hildenbrands Gitarrenspiel blieb seine Musik immer harmonisch, so machte es Freude, mit geschlossenen Augen zu träumen und zu lauschen, in welche Weltgegend man mitgenommen wurde.
Das Trio Rosenrot, eines der Projekte von Hub Hildenbrand, brachte die Musik seiner CD "Lenz" auf die Bühne. Hildenbrand arrangierte darin alte deutsche Volkslieder neu und steht damit in einer Reihe ähnlicher Projekte, die die Volksmusik als lebendige Musik begreifen und sie nicht den Schlagersendern überlassen wollen. Sängerin Dana Hoffman sagte zu der Neuinterpretation, daß "die Volkslieder schon immer mündlich weitergegeben und in einer Art 'stiller Post' auch verändert" wurden.
Dana Hoffmann setzte mit ihrer einfühlsamen und ausdrucksstarken Stimme einen deutlichen Gegenpol zu den Instrumenten. Besonders beeindrucken dabei die dramatischen Stücke des Programms. Etwa das "Es geht ein dunkle Wolk herein", in dem die Sängerin laut und klagend vom Schmerz des Abschieds singt und von Hub Hildenbrands Gitarre und vor allem von Denis Stilkes Schlagzeug in sehr kräftigen Tönen begleitet wird, was eine außerordentlich düstere Stimmung ergibt. Andere Stücke wie das "Du, du liegst mir im Herzen" kamen deutlich weicher daher, bekamen allerdings durch die jazzige Instrumentierung einen beinahe ironischen Ton, der etwas von der Ambivalenz der Volksmusik aufnahm.
Dem "Ich hab die Nacht geträumet" stellte Dana Hoffmann Auszüge aus hundert Jahre alten Feldpostbriefen des ersten Weltkriegs voran, die dem Lied von Liebe und Tod etwas von mystischer Vorbestimmung gaben. "In vielen der Volkslieder steckt so viel existenzielles", sagt Dana Hoffmann dazu. Hub Hildenbrand ergänzt zu seiner Zusammenstellung der Titel "natürlich sollten es nicht nur die tragischen Lieder sein, deshalb gibt es im Programm ebenso die fröhlichen Töne. Das deutsche Volkslied ist nicht nur schwermütig".
Das Programm ging mit "Der Mond ist aufgegangen" zu Ende, nach den Worten der Sängerin einem der schönsten Volkslieder. Für mich war es eine Freude, die altbekannten Lieder in anderer, neuer Form zu hören.
Hub Hildenbrand – GitarreDie beiden Sets waren unterschiedlich besetzt, zu Beginn Hub Hildenbrand solo, nach der Pause dann das Trio Rosenrot – deutsche Volkslieder neu gehört, mit Hub Hildenbrand, Dana Hoffmann und Denis Stilke.
Dana Hoffmann – Gesang
Denis Stilke – Schlagzeug
Hub Hildenbrand |
Zu Beginn Hub Hildenbrands Solo-Konzert: Konzentriert und tief in seine Musik versunken sitzt er auf der Bühne, spielt orientalisch inspirierte Klänge mit exaktem Anschlag und zugleich auch einer selbstverständlichen Leichtigkeit. Seiner halbakustischen Gibson-Gitarre entlockt er Töne, die mal einem akustischen Wasserfall gleich perlen und fließen, mal laut und basslastig sind. Diese große Klangvielfalt ist es wohl, die ihn vor einigen Jahren das elektronisch verstärkte Instrument wählen ließ.
Im Titel des ersten Stücks, dem "Garden of sounds" steckt auch etwas von Hub Hildenbrands Programm: in seiner Musik will er Klänge unterschiedlicher Regionen verbinden, Musik die er überall auf der Welt hört und sammelt. "Es gibt nur eine Musik, nur einen Musik-Kosmos", sagte er später über den Hintergrund seiner musikalischen Ideen.
In seinem Konzert, das er auch als Streifzug quer durch seine bisherigen Bands und Projekte sieht, lädt Hildenbrand zu einer musikalischen Weltreise, durch eine Welt, deren Mittelpunkt sich irgendwo viel weiter südlich und östlich befinden muß, die aber ebenso auch die Musik des kalten Nordens umfasst. Bei aller Dynamik von Hildenbrands Gitarrenspiel blieb seine Musik immer harmonisch, so machte es Freude, mit geschlossenen Augen zu träumen und zu lauschen, in welche Weltgegend man mitgenommen wurde.
Das Trio Rosenrot, eines der Projekte von Hub Hildenbrand, brachte die Musik seiner CD "Lenz" auf die Bühne. Hildenbrand arrangierte darin alte deutsche Volkslieder neu und steht damit in einer Reihe ähnlicher Projekte, die die Volksmusik als lebendige Musik begreifen und sie nicht den Schlagersendern überlassen wollen. Sängerin Dana Hoffman sagte zu der Neuinterpretation, daß "die Volkslieder schon immer mündlich weitergegeben und in einer Art 'stiller Post' auch verändert" wurden.
Hub Hildenbrand, Dana Hoffmann, Denis Stilke |
Dana Hoffmann setzte mit ihrer einfühlsamen und ausdrucksstarken Stimme einen deutlichen Gegenpol zu den Instrumenten. Besonders beeindrucken dabei die dramatischen Stücke des Programms. Etwa das "Es geht ein dunkle Wolk herein", in dem die Sängerin laut und klagend vom Schmerz des Abschieds singt und von Hub Hildenbrands Gitarre und vor allem von Denis Stilkes Schlagzeug in sehr kräftigen Tönen begleitet wird, was eine außerordentlich düstere Stimmung ergibt. Andere Stücke wie das "Du, du liegst mir im Herzen" kamen deutlich weicher daher, bekamen allerdings durch die jazzige Instrumentierung einen beinahe ironischen Ton, der etwas von der Ambivalenz der Volksmusik aufnahm.
Dem "Ich hab die Nacht geträumet" stellte Dana Hoffmann Auszüge aus hundert Jahre alten Feldpostbriefen des ersten Weltkriegs voran, die dem Lied von Liebe und Tod etwas von mystischer Vorbestimmung gaben. "In vielen der Volkslieder steckt so viel existenzielles", sagt Dana Hoffmann dazu. Hub Hildenbrand ergänzt zu seiner Zusammenstellung der Titel "natürlich sollten es nicht nur die tragischen Lieder sein, deshalb gibt es im Programm ebenso die fröhlichen Töne. Das deutsche Volkslied ist nicht nur schwermütig".
Das Programm ging mit "Der Mond ist aufgegangen" zu Ende, nach den Worten der Sängerin einem der schönsten Volkslieder. Für mich war es eine Freude, die altbekannten Lieder in anderer, neuer Form zu hören.
Labels:
Dana Hoffmann,
Denis Stilke,
Gesang,
Gitarre,
Hub Hildenbrand,
Schlagzeug
Samstag, 19. Dezember 2015
Vorschau Dezember
Am kommenden Montag (21.12., 20 Uhr) ist es schon wieder so weit: Zeit für das nächste Jazz-Konzert im Schauspielhaus:
Im Anschluß kommen Dana Hoffmann (voc) und Denis Stilke (dr) hinzu. Zusammen haben Sie sich als "Trio Rosenrot" von alten deutschen Volkslieder begeistern lassen, die sie neu interpretiert haben. Und das auf eine sehr interessante, kräftige Art, wie das bei Soundcloud veröffentlichte Hörbeispiel des Trio Rosenrot zeigt.
Über sein Konzert mit dem Trio Rosenrot schreibt Hub Hildenbrand:
Hub Hildenbrand solo (1. Teil) undDie beiden Sets des Konzertes werden ganz unterschiedlichen Musikstilen gehören. In der ersten Hälfte des Abends steht der Berliner Gitarrist Hub Hildenbrand solo auf der Bühne. Uns erwarten klare und eindrückliche Klänge auf seiner Gibson Halbakkustik-Gitarre, die von indischer und orientalischer Musik geprägt sind.
Trio Rosenrot – deutsche Volkslieder neu gehört (2. Teil), mit
Hub Hildenbrand – Gitarre
Dana Hoffmann – Gesang
Denis Stilke – Schlagzeug
Im Anschluß kommen Dana Hoffmann (voc) und Denis Stilke (dr) hinzu. Zusammen haben Sie sich als "Trio Rosenrot" von alten deutschen Volkslieder begeistern lassen, die sie neu interpretiert haben. Und das auf eine sehr interessante, kräftige Art, wie das bei Soundcloud veröffentlichte Hörbeispiel des Trio Rosenrot zeigt.
Über sein Konzert mit dem Trio Rosenrot schreibt Hub Hildenbrand:
Lassen Sie sich von der Musik begeistern und kommen Sie zu einem Konzert, dass sowohl den Trubel der Weihnachtszeit als auch das allgegenwärtige Dudeln von weihnachtlichen Klängen vergessen lassen wird!Die Königskinder erwachen wieder zu neuem Leben.Kein schöner Land streift sich die braune Farbe ab.Nun will der Lenz uns grüßen!
Montag, 16. November 2015
Fjord-Trio
Heute war das deutsch-norwegische Fjord-Trio zu Gast bei Jazz! im Schauspielhaus.
Diesmal stand seit längerem wieder ein Jazz-Konzert mit Gesang auf dem Programm. Und was für eines! Die norwegische Sängerin Torun Eriksen mit ihrer bezaubernden, sanften und doch eindrücklichen Stimme wurde von der virtuosen Gitarristin Susan Weinert und dem Bassisten Martin Weinert begleitet.
Ein Konzert der überwiegend leisen Töne und zarten Klänge, beginnend mit dem leisen Klickern von Kieselsteinen am Strand und dem Rauschen des Windes – "on the beach" kam wie eine Erinnerung an warme Sommertage daher, wohltuend bei dem Schmuddelwetter draußen. Ein Lied von warmem Sand und Wind im Haar. Torun Eriksen singt dieses und andere Lieder der neuen CD zart hingehaucht, voller Gefühl. "Alles ist so, wie es sein sollte" heißt es, und besser kann man das Sommergefühl wohl kaum beschreiben und besingen.
Martin Weinert, der auch als Moderator durch das Programm führte, berichtet von der Entstehung der Musik, vom Zusammentreffen von Torun Eriksen und Susann Weinert beim Jazzfestival im norwegischen Christiansand. Beide dort als Leiterin von Kursen, für Gesang die eine, für Gitarre die andere. Zwei Musikerinnen, die sich trafen und auf Anhieb die Musik der anderen verstanden. "Wir spielen hier in Deutschland viel zu viele Noten", soll Susann Weinert über die aus Norwegen mitgebrachten Eindrücke gesagt haben, "dort gibt es viel mehr Ausdruck in der Stimme". Diese Erlebnisse führten zur CD der drei Musiker, für die Susan Weinert die meisten Stücke schrieb, Lieder wie speziell für Torun Eriksen geschaffen. So auch das Titelstück der CD "Fjord", das den Text vor dem inneren Auge lebendig werden läßt: Bilder einer stillen Landschaft stellen sich ein, Sonne die durch den Dunst scheint, ein Boot auf dem Wasser. Wenn Torun Eriksen sagt, beide Musikerinnen haben "the same type of energy, but diffent kind of music", dann haben sich die beiden auf ihrer gemeinsamen CD jede mit ihrer eigenen Art genau in ihrer musikalischen Mitte getroffen. Aus dieser Erinnerung an das erste Zusammentreffen wurde "Where all things start".
Zugleich ist es das Album auch ein Zeichen der (nicht nur musikalischen) Verbundenheit von Martin und Susan Weinert, die nicht nur musikalisch ein Paar sind und seit über 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. So waren auch Kompositionen von Martin Weinert zu hören, wie das an algerische Klänge erinnernde "Tanz der Schmetterlinge", beginnend mit einem mit dem Bogen nur angetupften Bass, dem damit Töne wie aus einer nordafrikanischen Laute entlockt wurden. Als dann Susann Weinerts Gitarre einsetzt, entwickelt sich ein sehr harmonisches Zusammenspiel von virtuoser Gitarre und in harmonischem Gleichklang folgendem Baß.
Zum Abschluss gab es ein Weihnachtslied von Torun Eriksen. In "Verden Omkring", der Interpretation eines Liedes von Trond Brænne und Geir Holmsen, singt sie von den Vögeln, die draußen vor dem Fenster Körner picken, von der Familie am gedeckten Weihnachtstisch und von denen, die gar nichts haben – und davon, daß alle vor allem eines wollen: Frieden.
Ein eindrucksvolles und gefühlvolles Konzert, über das eine begeisterte Besucherin sagte: "einfach zu schön...".
Susan Weinert – Gitarre
TorunEriksen – Gesang
Martin Weinert – Baß
Diesmal stand seit längerem wieder ein Jazz-Konzert mit Gesang auf dem Programm. Und was für eines! Die norwegische Sängerin Torun Eriksen mit ihrer bezaubernden, sanften und doch eindrücklichen Stimme wurde von der virtuosen Gitarristin Susan Weinert und dem Bassisten Martin Weinert begleitet.
Ein Konzert der überwiegend leisen Töne und zarten Klänge, beginnend mit dem leisen Klickern von Kieselsteinen am Strand und dem Rauschen des Windes – "on the beach" kam wie eine Erinnerung an warme Sommertage daher, wohltuend bei dem Schmuddelwetter draußen. Ein Lied von warmem Sand und Wind im Haar. Torun Eriksen singt dieses und andere Lieder der neuen CD zart hingehaucht, voller Gefühl. "Alles ist so, wie es sein sollte" heißt es, und besser kann man das Sommergefühl wohl kaum beschreiben und besingen.
Martin Weinert, der auch als Moderator durch das Programm führte, berichtet von der Entstehung der Musik, vom Zusammentreffen von Torun Eriksen und Susann Weinert beim Jazzfestival im norwegischen Christiansand. Beide dort als Leiterin von Kursen, für Gesang die eine, für Gitarre die andere. Zwei Musikerinnen, die sich trafen und auf Anhieb die Musik der anderen verstanden. "Wir spielen hier in Deutschland viel zu viele Noten", soll Susann Weinert über die aus Norwegen mitgebrachten Eindrücke gesagt haben, "dort gibt es viel mehr Ausdruck in der Stimme". Diese Erlebnisse führten zur CD der drei Musiker, für die Susan Weinert die meisten Stücke schrieb, Lieder wie speziell für Torun Eriksen geschaffen. So auch das Titelstück der CD "Fjord", das den Text vor dem inneren Auge lebendig werden läßt: Bilder einer stillen Landschaft stellen sich ein, Sonne die durch den Dunst scheint, ein Boot auf dem Wasser. Wenn Torun Eriksen sagt, beide Musikerinnen haben "the same type of energy, but diffent kind of music", dann haben sich die beiden auf ihrer gemeinsamen CD jede mit ihrer eigenen Art genau in ihrer musikalischen Mitte getroffen. Aus dieser Erinnerung an das erste Zusammentreffen wurde "Where all things start".
Zugleich ist es das Album auch ein Zeichen der (nicht nur musikalischen) Verbundenheit von Martin und Susan Weinert, die nicht nur musikalisch ein Paar sind und seit über 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen. So waren auch Kompositionen von Martin Weinert zu hören, wie das an algerische Klänge erinnernde "Tanz der Schmetterlinge", beginnend mit einem mit dem Bogen nur angetupften Bass, dem damit Töne wie aus einer nordafrikanischen Laute entlockt wurden. Als dann Susann Weinerts Gitarre einsetzt, entwickelt sich ein sehr harmonisches Zusammenspiel von virtuoser Gitarre und in harmonischem Gleichklang folgendem Baß.
Zum Abschluss gab es ein Weihnachtslied von Torun Eriksen. In "Verden Omkring", der Interpretation eines Liedes von Trond Brænne und Geir Holmsen, singt sie von den Vögeln, die draußen vor dem Fenster Körner picken, von der Familie am gedeckten Weihnachtstisch und von denen, die gar nichts haben – und davon, daß alle vor allem eines wollen: Frieden.
Ein eindrucksvolles und gefühlvolles Konzert, über das eine begeisterte Besucherin sagte: "einfach zu schön...".
Labels:
Bass,
Gesang,
Gitarre,
Martin Weinert,
Susan Weinert,
Torun Eriksen
Montag, 19. Oktober 2015
Dreieck – Vierseitig
Das heutige 250. Konzert nahm Warnfried Altmann zum Anlass, auch selbst einmal wieder auf der heimatlichen Bühne zu stehen. Zum Konzert hatte er mit Andreas Willers und Willi Kellers zwei Musiker mitgebracht, die in unterschiedlichen Projekten auch in Magdeburg bereits spielten und nun als Trio ihre Leidenschaft für die improvisierte Musik auf die Bühne bringen konnten.
Das Konzert beginnt mit zunächst leisen Klängen von Gitarre, Saxophon und Flöte, in Terzen und Quinten variiert, harmonisch anfangs, dann immer kräftiger werdend, zu einem Inferno an Tönen anwachsend, als sich die Musiker warm gespielt haben und dazu auch noch das Schlagzeug einsetzt. Warnfried Altmanns Saxophon einem Schiffshorn gleich den Magdeburger Nebel durchdringend, dazu wilde Kontrapunkte von Andreas Willers' elektrischer Gitarre und Willi Kellers erfindet dazu einen Rhythmus an seinen Drums. An den lautesten Stellen konnte man sich unter die läutenden Glocken einer Kirche versetzt fühle, solch ein Hinundher an Klängen kam von der Bühne ins Publikum, solch Dröhnen erfüllte den Raum, wild und doch geordnet.
Ähnlich kontrastreich ging es weiter, wenn die Musiker erst ruhige, indisch anmutende Klänge anstimmten, dann aber Altmann auf seinem Sopransaxophon die Kavalerie zum Angriff rief (für die hundert Pferde sorgte Kellers am Schlagzeug). Die teils harten metallischen Töne von E-Gitarre und E-Bass bildeten einen Kontrast vor allem zum warmen Ton des Saxophons. Einmal aber auch in merkwürdiger Übereinstimmung, als Saxophon und E-Bass zu einer unheilvoll auf- und abschwellenden Sirene wurden.
Nach der Pause zwischen den beiden Sets (die die Musiker ansonsten ohne Unterbrechung durchspielten) eröffnete Willers mit zwei Solostücken, bei denen er die Gitarre beinahe wie eine akustische klingen ließ. Danach aber wieder Improvisationen der Musiker, die dann jeder für sich ein Experimentator sind und doch immer wieder zu gemeinsamen Passagen zusammenfinden. Etwa wenn Altmann sein Saxophon quaken und fiepen läßt, Willers spacige Elektrotöne hinzufügt, Kellers alles mit einem wilden Rhythmus unterlegt und die Musik zum Klang einer Großstadt in der Rush-hour anschwillt. Plötzlich wieder Ruhe, von Gitarre und Schlagzeug kommen Töne als ließen Aboriginees ihre Schwirrhölzer kreisen, dazu Altmann als musikalischer Europäer im Urwald. Ein Durcheinander, wild und fröhlich.
In weiten Teilen ist die Band genau dort, was Warnfried Altmann als Grundlage der Magdeburger Jazzreihe beschrieb, der improvisierten Musik, dem Experiment, dem Ausprobieren was geht. Und so gibt es als Zugabe nochmal einen Rausch der Töne, nichts für zarte Ohren und doch (oder gerade deswegen!) eine große Lust dabei, beim Hören die Augen zu schließen und sich ganz in diesen Kosmos der Töne fallen zu lassen. Großartig!
Andreas Willers – Gitarre
Warnfried Altmann – Saxophon
Willi Kellers – Percussion
Andreas Willers, Warnfried Altmann, Willi Kellers |
Das Konzert beginnt mit zunächst leisen Klängen von Gitarre, Saxophon und Flöte, in Terzen und Quinten variiert, harmonisch anfangs, dann immer kräftiger werdend, zu einem Inferno an Tönen anwachsend, als sich die Musiker warm gespielt haben und dazu auch noch das Schlagzeug einsetzt. Warnfried Altmanns Saxophon einem Schiffshorn gleich den Magdeburger Nebel durchdringend, dazu wilde Kontrapunkte von Andreas Willers' elektrischer Gitarre und Willi Kellers erfindet dazu einen Rhythmus an seinen Drums. An den lautesten Stellen konnte man sich unter die läutenden Glocken einer Kirche versetzt fühle, solch ein Hinundher an Klängen kam von der Bühne ins Publikum, solch Dröhnen erfüllte den Raum, wild und doch geordnet.
Ähnlich kontrastreich ging es weiter, wenn die Musiker erst ruhige, indisch anmutende Klänge anstimmten, dann aber Altmann auf seinem Sopransaxophon die Kavalerie zum Angriff rief (für die hundert Pferde sorgte Kellers am Schlagzeug). Die teils harten metallischen Töne von E-Gitarre und E-Bass bildeten einen Kontrast vor allem zum warmen Ton des Saxophons. Einmal aber auch in merkwürdiger Übereinstimmung, als Saxophon und E-Bass zu einer unheilvoll auf- und abschwellenden Sirene wurden.
Nach der Pause zwischen den beiden Sets (die die Musiker ansonsten ohne Unterbrechung durchspielten) eröffnete Willers mit zwei Solostücken, bei denen er die Gitarre beinahe wie eine akustische klingen ließ. Danach aber wieder Improvisationen der Musiker, die dann jeder für sich ein Experimentator sind und doch immer wieder zu gemeinsamen Passagen zusammenfinden. Etwa wenn Altmann sein Saxophon quaken und fiepen läßt, Willers spacige Elektrotöne hinzufügt, Kellers alles mit einem wilden Rhythmus unterlegt und die Musik zum Klang einer Großstadt in der Rush-hour anschwillt. Plötzlich wieder Ruhe, von Gitarre und Schlagzeug kommen Töne als ließen Aboriginees ihre Schwirrhölzer kreisen, dazu Altmann als musikalischer Europäer im Urwald. Ein Durcheinander, wild und fröhlich.
In weiten Teilen ist die Band genau dort, was Warnfried Altmann als Grundlage der Magdeburger Jazzreihe beschrieb, der improvisierten Musik, dem Experiment, dem Ausprobieren was geht. Und so gibt es als Zugabe nochmal einen Rausch der Töne, nichts für zarte Ohren und doch (oder gerade deswegen!) eine große Lust dabei, beim Hören die Augen zu schließen und sich ganz in diesen Kosmos der Töne fallen zu lassen. Großartig!
Zwei Blasinstrumente |
Drei Arten, eine Gitarre zu spielen |
Labels:
Andreas Willers,
Gitarre,
Saxophon,
Schlagzeug,
Warnfried Altmann,
Willi Kellers
Abonnieren
Posts (Atom)