Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano
Wieder einmal war das Foyer des Schauspielhauses sehr gut gefüllt, mußten noch einige Stühle herangeholt werden. Warnfried Altman freute das sichtlich, konnte er doch in seiner Anmoderation sehr viele neue Gesichter zu den monatlichen zwei Stunden improvisierter Musik begrüßen und auch gleich zum nächsten Konzert einladen.
Instrument der Saison 2014/15 von Jazz! Entdeckungen im Schauspielhaus ist die Trompete. Bei diesem für gewöhnlich lauten Instrument ist man geneigt, sich wegen der Lautstärke besser gleich ein Stück weiter weg zu setzen. Nicht so bei Ryan Carniaux, der seine Trompeten sehr gut an die (wenn auch verstärkten) leiseren Instrumente anpaßte. Gerade meinte man noch, die Streicher stimmten ihre Instrumente, da entwickelte sich daraus bereits das erste Stück, mischten sich Albrecht Maurers und Mat Maneris zarte Streicherklänge in einen improvisierten Dialog von Lucian Ban am Piano und Ryan Carniaux an der Trompete.
Ein weiteres Stück, "Elysium Planitium", stammte von der CD "Mars" des Syntopia Quartetts, jetzt für die aktuelle Besetzung adaptiert. "Wir ließen uns damals von den Fotos des Mars-Rovers von der Oberfläche des roten Planeten inspirieren", sagte Maurer dazu. Da kommt der Mars (anders als zum Beispiel beim Planeten-Komponisten Gustav Holst) diesmal nicht als Kriegsgott daher – auf dem Planeten wird zu eher sanften Melodien getanzt.
Vor der Pause wurde es dann noch mal kräftiger, als Lucian Ban unter Pedaleinsatz Melodien ineinander überfließen läßt, unter viel Pedaleinsatz melodisch-harmonisch in die Tasten greift. Daraus entsteht der Sound vom Label ECM (wo das Album von Lucian Ban und Mat Maneri "Transsilvanian Concert" erschienen ist). Piano und Streicher begleiten und erweisen sich einmal mehr als Meister der leisen Töne.
Der zweite Set beginnt experimentell und dennoch leise, als die vier Musiker einen ruhigen, meditativen Klangteppich weben, als einen Hintergrund, aus dem dann und wann die Trompete hervortönte. "Aura" nannten sie das Stück, und erklärten den Begriff als "etwas, was jeder hat, aber niemand sieht". "Fantasm", das Titelstück der aktuellen CD, ist dann wiederum schon mehr Neue Musik als Jazz, etwas, in dem sich zwei benachbarte Welten mischen.
Die Musiker durften nicht ohne Zugabe nach Hause gehen. Es gab (zur gerade beendeten Rumänien-Tournee ebenso passend wie zur bald beginnenden Adventszeit) ein transsilvanisches Weihnachtslied. Wenn Maurer dazu sagte "Find your way, it's not the one", dann konnte das auch für den Inhalt des Weihnachtsliedes gelten (wo ja in der Weihnachtsgeschichte auch alle irgendwohin unterwegs sind). Damit ging ein großartiger Abend mit neuen musikalischen Welten zu Ende, die auf dem Weg nach Hause noch nachklangen.
Montag, 17. November 2014
Carniaux, Maurer, Maneri und Ban
Labels:
Albrecht Maurer,
Lucian Ban,
Mat Maneri,
Piano,
Ryan Carniaux,
Trompete,
Viola,
Violine
Donnerstag, 13. November 2014
Vorschau November
Am Montag, dem 17.November 2014 um 20 Uhr sind im Magdeburger Schauspielhaus zu Gast:
Carniaux, Maurer, Maneri and Ban (USA, D, Rumänien)
Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano
Die Zusammensetzung des Quartetts ist sehr ungewöhnlich, denn Streicher kommen im Jazz für gewöhnlich als Baß vor. Mit Violine und Viola stehen zwei normalerweise sehr zart klingende Instrumente einer lauten Trompete und einem kräftigen Klavier gegenüber. Der erste Gedanken beim Lesen der Besetzung: Kann das funktionieren? Hört man in die sehr sanft gespielten Beispiele von Ryan Carniauxs Trompete auf dessen Webseite rein, dann wird die Antwort wohl "ja" lauten. Albrecht Maurer wiederum war bereits vor fünf Jahren bei Jazz in der Kammer zu Gast, mit dem Kent Carter String Trio als reinem Streicher-Ensemble und gleichfalls mit Violine und Viola. Auch Lucian Bans Klavierbeispiele machen neugierig, schließlich erschien seine aktuelle CD (gemeinsam mit Mat Maneri) bei ECM und weist den für dieses Label typischen sphärischen Sound auf. Und so warte ich schon ebenso gespannt wie neugierig auf den kommenden Jazz-Abend.
Carniaux, Maurer, Maneri and Ban (USA, D, Rumänien)
Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano
Die Zusammensetzung des Quartetts ist sehr ungewöhnlich, denn Streicher kommen im Jazz für gewöhnlich als Baß vor. Mit Violine und Viola stehen zwei normalerweise sehr zart klingende Instrumente einer lauten Trompete und einem kräftigen Klavier gegenüber. Der erste Gedanken beim Lesen der Besetzung: Kann das funktionieren? Hört man in die sehr sanft gespielten Beispiele von Ryan Carniauxs Trompete auf dessen Webseite rein, dann wird die Antwort wohl "ja" lauten. Albrecht Maurer wiederum war bereits vor fünf Jahren bei Jazz in der Kammer zu Gast, mit dem Kent Carter String Trio als reinem Streicher-Ensemble und gleichfalls mit Violine und Viola. Auch Lucian Bans Klavierbeispiele machen neugierig, schließlich erschien seine aktuelle CD (gemeinsam mit Mat Maneri) bei ECM und weist den für dieses Label typischen sphärischen Sound auf. Und so warte ich schon ebenso gespannt wie neugierig auf den kommenden Jazz-Abend.
Montag, 20. Oktober 2014
The Tigers of Love
"The Tigers of Love":
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Steffen Faul – Trompete
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug
Gleich zu Beginn spielten die Tigers of Love wild drauf los, anfangs mochte man noch Anklänge an Old-time Jazz heraushören. Die Musik jedoch wurde zunehmende furioser, zu den Bläsern kam ein Klangrausch vom Schlagzeug. Dabei lebte die Musik von Abwechslungen – das zweiten Stück stand mit der gedämpften Trompete im Kontrast zum ersten. Statt laut und aggressiv klang sie leise und melancholisch und begleitete ein Duo von Baß und Schlagzeug. Gleich darauf spielten Trompete und Saxophon beinahe im Gleichklang, die nach oben offene Lautstärkeskala immer weiter erklimmend. Die Mischung von Solo und Ensemble war dabei aber gut abgestimmt, und so war es bei aller Lautstärke etwas, bei dem mir gelegentlich mit etwas Augenzwinkern die Bezeichnung "gepflegter Krach" auf der Zunge liegt. An solchen Stellen finde ich immer wieder interessant, wie sich aus zunächst nur laut erscheinenden Musikstrecken allmählich Muster abzeichnen.
Überhaupt teilten auch die Musiker ihren Spaß an der Musik mit ihren Zuhörern. Etwa wenn Alexander Beierbach den "Prokrastinations-Blues" mit den Worten ankündigt "der ist noch nicht fertig geworden, da müssen Steffen und ich uns noch etwas ausdenken – machen wir aber noch". Oder wenn ein Stück "waber" heißt und in der Tat die Töne einer dissonanten Mischung aus Saxophon und Trompete über die Bühne zu wabern schienen.
Die Musiker standen vollständig unverstärkt auf der Bühne des Schauspielhauses – in dem recht kleinen Raum bei den Bläsern und dem Schlagzeug normal, daß dabei aber auch der Baß hörbar blieb, zeigte den gekonnten Umgang der Musiker miteinander. Es lag aber auch am kräftigen Spiel von Andreas Lang, der sein Instrument zeitweise mit weit ausholenden Bewegungen geradezu malträtierte. Etwas was man unbedingt live erleben muß. Aber auch wie er nach einem lauten Bläser-Duo den Baß in seinem Solo ganz zart und mit klarer Melodie klingen läßt und die Kontraste der Musik die Sinne schärfen.
Als Zugabe wurde "You look like dehydrating" gespielt, mit einer Anekdote aus einer USA-Tournee, einer Geschichte aus der Wüste, bei der die Musiker den Satz "You look like dehydrating" zu hören bekamen, und die Zuhörer im Konzert dann die Fortsetzung des Satzes als Pointe und zugleich als Schluß des Stückes hörten: "Quick, take a beer". Und das hatten sich die vier Musiker dann auch wirklich verdient.
Eine Anmerkung zum Schluß, und weil ich mir die Musik der Band zuvor online angesehen hatte – vergeßt Youtube-Filme, schaut und hört Euch die Musik der Tigers of Love im Konzert an! (Letzteres sollte man sowieso immer machen, davon leben Musik und Musiker gleichermaßen...)
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Steffen Faul – Trompete
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug
Gleich zu Beginn spielten die Tigers of Love wild drauf los, anfangs mochte man noch Anklänge an Old-time Jazz heraushören. Die Musik jedoch wurde zunehmende furioser, zu den Bläsern kam ein Klangrausch vom Schlagzeug. Dabei lebte die Musik von Abwechslungen – das zweiten Stück stand mit der gedämpften Trompete im Kontrast zum ersten. Statt laut und aggressiv klang sie leise und melancholisch und begleitete ein Duo von Baß und Schlagzeug. Gleich darauf spielten Trompete und Saxophon beinahe im Gleichklang, die nach oben offene Lautstärkeskala immer weiter erklimmend. Die Mischung von Solo und Ensemble war dabei aber gut abgestimmt, und so war es bei aller Lautstärke etwas, bei dem mir gelegentlich mit etwas Augenzwinkern die Bezeichnung "gepflegter Krach" auf der Zunge liegt. An solchen Stellen finde ich immer wieder interessant, wie sich aus zunächst nur laut erscheinenden Musikstrecken allmählich Muster abzeichnen.
Überhaupt teilten auch die Musiker ihren Spaß an der Musik mit ihren Zuhörern. Etwa wenn Alexander Beierbach den "Prokrastinations-Blues" mit den Worten ankündigt "der ist noch nicht fertig geworden, da müssen Steffen und ich uns noch etwas ausdenken – machen wir aber noch". Oder wenn ein Stück "waber" heißt und in der Tat die Töne einer dissonanten Mischung aus Saxophon und Trompete über die Bühne zu wabern schienen.
Die Musiker standen vollständig unverstärkt auf der Bühne des Schauspielhauses – in dem recht kleinen Raum bei den Bläsern und dem Schlagzeug normal, daß dabei aber auch der Baß hörbar blieb, zeigte den gekonnten Umgang der Musiker miteinander. Es lag aber auch am kräftigen Spiel von Andreas Lang, der sein Instrument zeitweise mit weit ausholenden Bewegungen geradezu malträtierte. Etwas was man unbedingt live erleben muß. Aber auch wie er nach einem lauten Bläser-Duo den Baß in seinem Solo ganz zart und mit klarer Melodie klingen läßt und die Kontraste der Musik die Sinne schärfen.
Als Zugabe wurde "You look like dehydrating" gespielt, mit einer Anekdote aus einer USA-Tournee, einer Geschichte aus der Wüste, bei der die Musiker den Satz "You look like dehydrating" zu hören bekamen, und die Zuhörer im Konzert dann die Fortsetzung des Satzes als Pointe und zugleich als Schluß des Stückes hörten: "Quick, take a beer". Und das hatten sich die vier Musiker dann auch wirklich verdient.
Eine Anmerkung zum Schluß, und weil ich mir die Musik der Band zuvor online angesehen hatte – vergeßt Youtube-Filme, schaut und hört Euch die Musik der Tigers of Love im Konzert an! (Letzteres sollte man sowieso immer machen, davon leben Musik und Musiker gleichermaßen...)
Labels:
Alexander Beierbach,
Andreas Lang,
Bass,
Saxophon,
Schlagzeug,
Steffen Faul,
Trompete,
Uli Jenneßen
Jazz in der Kammer geht in das 25. Jahr
Warnfried Altmann stand zu Beginn des ersten Jazzabends der neuen Saison vor vollem Haus auf der Bühne im Foyer des Magdeburger Schauspielhauses und konnte neben der Ankündigung der Band und der Vorschau auf das nächste Konzert auch verkünden, daß Jazz im Schauspielhaus in die 25. Saison startet. Damit ist die 1990 als Jazz in der Kammer begonnene Jazzreihe die älteste in Magdeburg.
Mittwoch, 15. Oktober 2014
Vorschau Oktober
Am Montag, dem 20. Oktober 2014 startet die 1990 als "Jazz in der Kammer" gegründete Magdeburger Jazzreihe in in ihre 25. Saison. Dazu einen herzlichen Glückwunsch an Warnfried Altmann und an das Magdeburger Schauspielhaus!
Für die neue Konzertsaison hat Organisator Warnfried Altmann ein verbindendes Element über alle neun Konzerte gestellt. Es ist dies ein in allen Konzerten gemeinsames Instrument: die Trompete.
Den Auftakt machen die Musiker um Trompeter Steffen Fauls mit ihrem Projekt "The Tigers of Love".
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug
Auf der Bandwebseite sind einige Soundfiles anzuhören, die bereits einen Vorgeschmack auf den kommenden Konzertabend geben. Kräftige Bläserklänge geben den Ton an, den Bass und Schlagzeug nur noch begleiten können. Klangstrukturen, die Spaß am experimentieren zeigen – und wohl sehr weit von seichten Jazzkompositionen entfernt sind.
Für die neue Konzertsaison hat Organisator Warnfried Altmann ein verbindendes Element über alle neun Konzerte gestellt. Es ist dies ein in allen Konzerten gemeinsames Instrument: die Trompete.
Den Auftakt machen die Musiker um Trompeter Steffen Fauls mit ihrem Projekt "The Tigers of Love".
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug
Auf der Bandwebseite sind einige Soundfiles anzuhören, die bereits einen Vorgeschmack auf den kommenden Konzertabend geben. Kräftige Bläserklänge geben den Ton an, den Bass und Schlagzeug nur noch begleiten können. Klangstrukturen, die Spaß am experimentieren zeigen – und wohl sehr weit von seichten Jazzkompositionen entfernt sind.
Dienstag, 30. September 2014
Warnfried Altmann bei »Johansen«
Kürzlich war der Organisator und musikalische Leiter von »Jazz in der Kammer« bzw. »Jazz. Entdeckungen im Schauspielhaus« zu Gast bei Lars Johansen im Offenen Kanal Magdeburg. Der Mitschnitt des dreiviertelstündigenen Interviews, in dem er Auskunft über sein Leben und seine Arbeit als Musiker, Saxophonist und Komponist gibt, kann bei Youtube angesehen werden:
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