Montag, 20. Oktober 2014

The Tigers of Love

"The Tigers of Love":
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Steffen Faul – Trompete
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug


Gleich zu Beginn spielten die Tigers of Love wild drauf los, anfangs mochte man noch Anklänge an Old-time Jazz heraushören. Die Musik jedoch wurde zunehmende furioser, zu den Bläsern kam ein Klangrausch vom Schlagzeug. Dabei lebte die Musik von Abwechslungen – das zweiten Stück stand mit der gedämpften Trompete im Kontrast zum ersten. Statt laut und aggressiv klang sie leise und melancholisch und begleitete ein Duo von Baß und Schlagzeug. Gleich darauf spielten Trompete und Saxophon beinahe im Gleichklang, die nach oben offene Lautstärkeskala immer weiter erklimmend. Die Mischung von Solo und Ensemble war dabei aber gut abgestimmt, und so war es bei aller Lautstärke etwas, bei dem mir gelegentlich mit etwas Augenzwinkern die Bezeichnung "gepflegter Krach" auf der Zunge liegt. An solchen Stellen finde ich immer wieder interessant, wie sich aus zunächst nur laut erscheinenden Musikstrecken allmählich Muster abzeichnen.

Überhaupt teilten auch die Musiker ihren Spaß an der Musik mit ihren Zuhörern. Etwa wenn Alexander Beierbach den "Prokrastinations-Blues" mit den Worten ankündigt "der ist noch nicht fertig geworden, da müssen Steffen und ich uns noch etwas ausdenken – machen wir aber noch". Oder wenn ein Stück "waber" heißt und in der Tat die Töne einer dissonanten Mischung aus Saxophon und Trompete über die Bühne zu wabern schienen.

Die Musiker standen vollständig unverstärkt auf der Bühne des Schauspielhauses – in dem recht kleinen Raum bei den Bläsern und dem Schlagzeug normal, daß dabei aber auch der Baß hörbar blieb, zeigte den gekonnten Umgang der Musiker miteinander. Es lag aber auch am kräftigen Spiel von Andreas Lang, der sein Instrument zeitweise mit weit ausholenden Bewegungen geradezu malträtierte. Etwas was man unbedingt live erleben muß. Aber auch wie er nach einem lauten Bläser-Duo den Baß in seinem Solo ganz zart und mit klarer Melodie klingen läßt und die Kontraste der Musik die Sinne schärfen.

Als Zugabe wurde "You look like dehydrating" gespielt, mit einer Anekdote aus einer USA-Tournee, einer Geschichte aus der Wüste, bei der die Musiker den Satz "You look like dehydrating" zu hören bekamen, und die Zuhörer im Konzert dann die Fortsetzung des Satzes als Pointe und zugleich als Schluß des Stückes hörten: "Quick, take a beer". Und das hatten sich die vier Musiker dann auch wirklich verdient.

Eine Anmerkung zum Schluß, und weil ich mir die Musik der Band zuvor online angesehen hatte – vergeßt Youtube-Filme, schaut und hört Euch die Musik der Tigers of Love im Konzert an! (Letzteres sollte man sowieso immer machen, davon leben Musik und Musiker gleichermaßen...)


Jazz in der Kammer geht in das 25. Jahr

Warnfried Altmann stand zu Beginn des ersten Jazzabends der neuen Saison vor vollem Haus auf der Bühne im Foyer des Magdeburger Schauspielhauses und konnte neben der Ankündigung der Band und der Vorschau auf das nächste Konzert auch verkünden, daß Jazz im Schauspielhaus in die 25. Saison startet. Damit ist die 1990 als Jazz in der Kammer begonnene Jazzreihe die älteste in Magdeburg.


Mittwoch, 15. Oktober 2014

Vorschau Oktober

Am Montag, dem 20. Oktober 2014 startet die 1990 als "Jazz in der Kammer" gegründete Magdeburger Jazzreihe in in ihre 25. Saison. Dazu einen herzlichen Glückwunsch an Warnfried Altmann und an das Magdeburger Schauspielhaus!

Für die neue Konzertsaison hat Organisator Warnfried Altmann ein verbindendes Element über alle neun Konzerte gestellt. Es ist dies ein in allen Konzerten gemeinsames Instrument: die Trompete.

Den Auftakt machen die Musiker um Trompeter Steffen Fauls mit ihrem Projekt "The Tigers of Love".
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug


Auf der Bandwebseite sind einige Soundfiles anzuhören, die bereits einen Vorgeschmack auf den kommenden Konzertabend geben. Kräftige Bläserklänge geben den Ton an, den Bass und Schlagzeug nur noch begleiten können. Klangstrukturen, die Spaß am experimentieren zeigen – und wohl sehr weit von seichten Jazzkompositionen entfernt sind.

Dienstag, 30. September 2014

Warnfried Altmann bei »Johansen«

Kürzlich war der Organisator und musikalische Leiter von »Jazz in der Kammer« bzw. »Jazz. Entdeckungen im Schauspielhaus« zu Gast bei Lars Johansen im Offenen Kanal Magdeburg. Der Mitschnitt des dreiviertelstündigenen Interviews, in dem er Auskunft über sein Leben und seine Arbeit als Musiker, Saxophonist und Komponist gibt, kann bei Youtube angesehen werden:

Dienstag, 24. Juni 2014

Vorschau 2014/15

Jetzt ist hier erst mal Sommerpause – und damit grad die richtige Zeit, schon mal einen Blick auf die kommende Spielzeit zu werfen. Dann wird Jazz! Entdeckungen im Schauspielhaus erstmals ein "Instrument des Jahres" haben, das als verbindendes Element in allen Konzerten eine Rolle spielen wird: die Trompete. Ob nun als Soloinstrument im Vordergrund oder als Begleitung anderer, es gibt viele Möglichkeiten, die Trompete einzusetzen und ebenso gibt es auch sehr unterschiedliche Ausführungen dieses Instrumentes. Deshalb ist in den Konzerten eine interessante Mischung ganz unterschiedlicher Musik zu hören.

20.10.14 The Tigers of Love
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug

17.11.14 Carniaux,  Maurer, Maneri and Ban (USA, D, Rumänien)
Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano

15.12.14 Roberto and Sholar (Cuba, USA)
Daniel Allen Roberto – Trompete
Kelvin Sholar – Piano
Keyboards, N.N. - Bass
N.N. - Schlagzeug

19.01.15 FlyWe2TheMoon (Bulgarien)
Roko Zahariev – Trompete
Percussion, George Donchev – Bass
Todor Stoyanov – Keyboards
Alexander Daniel – Schlagzeug

16.02.15 The outer string trio (Schweiz)
Werner Hasler – Trompete, Electronics
Vincent Courtois – Violoncello
Julian Sartorius – Schlagzeug

16.03.15 Pron, Dell, Ramond and Kugel (RUS, D)
Sergey Pron – Trompete
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

20.04.15 Arthurs, Hülsmann, Muellbauer and Köbberling (UK, D)
Tom Arthurs – Trompete
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

18.05.15 Blume
Magnus Schriefl – Trompete, Komposition
Wanja Slavin – Altsaxophon
Bernhard Meyer – Bass
Peter Gall – Schlagzeug

15.06.15 played 1000 (Belgien, D, NL, USA)
Bart Maris – Trompete
Jan Klare – Saxophone
Wilbert de Joode – Bass
Michael Vatcher – Schlagzeug

Montag, 16. Juni 2014

Hanschel Fügemann Mussawisade

Heute war nicht nur der Jazz-in-der-Kammer-Termin, sondern auch das erste Spiel der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien bei der Fi-Fa-Fußball-Weltmeisterschaft. So zweifelte Warnfried Altmann noch kurz vor Beginn des Konzertes, ob sich überhaupt ein paar Konzertbesucher zusammenfinden würden. Diese Sorge war jedoch unbegründet, das Konzert war trotz Fußball gut besucht. Und die Konzertbesucher konnten einen interessanten Jazz-Abend als musikalische Alternative zum Fußball genießen. Auf der Bühne im Magdeburger Schauspielhaus standen:

Roger Hanschel – Saxophon
Elisabeth Fügemann – Violoncello
Afra Mussawisade – Percussion


Roger Hanschel stellte in Magdeburg seine allerneueste CD vor (die es noch gar nicht als CD gibt – die Aufnahmen laufen gerade, und auch im Magdeburger Schauspielhaus wurde mitgeschnitten). Hanschels sehr anspruchsvolle Kompositionen beginnen mit einem Charlie Mariano gewidmeten Stück, zunächst sehr sacht, mit beinahe unhörbar leisen Tönen auf dem Cello und dem Saxophon, die – wären da nicht die allmählich einsetzenden Dissonanzen – beinahe an eine Waldsinfonie deutscher Romantiker denken lassen. Mal meint man auch Reverenzen an Rimsiki-Korsakows Hummelflug zu hören, mal Debussy. Doch bald entwickeln sich aus den anfänglich ruhigen Tönen komplizierte Klangstrukturen, in denen man als Zuhörer schon meint, den musikalischen Faden zu verlieren, bis sich wenig später das musikalische Chaos auflöst wie ein Nebelvorhang in der Morgensonne. Hervor tritt eine klare Melodie, von Mussawisades Rhythmen orientalisch geprägt. Eine komplizierte Musik, bei der vor allem das Können der Cellistin gefordert ist. 

Später nimmt Hanschel in seinem ansonsten akustischen Konzert die elektronische Loopstation zu Hilfe, um sein Saxophon zu verdoppeln, seine Töne den zuvor live eingespielten zu überlagern. Zarte Schwebungen entstehen so, die er in seinem langen Saxophon-Solo einer minimalistischen Musik gleich in langen Folgen wiederholt. Wenn er eben noch  laut und kräftig spielte, so klingt das Saxophon nun beinahe unhörbar leise. Vor der Pause wurde es dann nochmal laut und kräftig, als sein eben noch ruhiges Stück (mit dem passenden Titel "Beruhigung II") übergangslos in das nächste übergeht. "Personal Dharma" nennt es Hanschel und versteht es der buddhistischen Bedeutung des Wortes gemäß als Beschreibung seiner Lebensauffassung, seiner Musik. Eine Musik, die er mit seinem Saxophon bestimmt, von Cello und Percusssion dabei unterstützt.

Im zweiten Set des Abends erklangen bereits etwas ältere Stücke Hanschels. So die seinen Söhnen gewidmeten Kompositionen "Leander" und "Levin". Hier kam Elisabeth Fügemanns Können am Cello zum vollen Ausdruck, wenn sie es nicht nur auf herkömmliche Weise spielte, sondern auch den Obertonumfang des Instrumentes nutzte, sich auf experimentelle Klänge einließ. Ebenso begeistert sie auch in dem Stück "Extrembiose", dessen Titel sich vielleicht als extremste Symbiose zweier Instrumente interpretieren lassen kann. Fügemann streicht nicht nur die Saiten, sie erzeugt Stakkatotöne mit dem darauf geschlagenen Bogen, interagiert mit Hanschels langen Saxophonsätzen und Mussawisades Rhythmen.

Das Konzert war keine leichte Kost vor der Sommerpause, sondern eine intensive Musikerfahrung mit drei großartigen Musikern.