Dienstag, 30. September 2014

Warnfried Altmann bei »Johansen«

Kürzlich war der Organisator und musikalische Leiter von »Jazz in der Kammer« bzw. »Jazz. Entdeckungen im Schauspielhaus« zu Gast bei Lars Johansen im Offenen Kanal Magdeburg. Der Mitschnitt des dreiviertelstündigenen Interviews, in dem er Auskunft über sein Leben und seine Arbeit als Musiker, Saxophonist und Komponist gibt, kann bei Youtube angesehen werden:

Dienstag, 24. Juni 2014

Vorschau 2014/15

Jetzt ist hier erst mal Sommerpause – und damit grad die richtige Zeit, schon mal einen Blick auf die kommende Spielzeit zu werfen. Dann wird Jazz! Entdeckungen im Schauspielhaus erstmals ein "Instrument des Jahres" haben, das als verbindendes Element in allen Konzerten eine Rolle spielen wird: die Trompete. Ob nun als Soloinstrument im Vordergrund oder als Begleitung anderer, es gibt viele Möglichkeiten, die Trompete einzusetzen und ebenso gibt es auch sehr unterschiedliche Ausführungen dieses Instrumentes. Deshalb ist in den Konzerten eine interessante Mischung ganz unterschiedlicher Musik zu hören.

20.10.14 The Tigers of Love
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Andreas Lang – Bass
Uli Jenneßen – Schlagzeug

17.11.14 Carniaux,  Maurer, Maneri and Ban (USA, D, Rumänien)
Ryan Carniaux – Trompete
Albrecht Maurer – Violine
Mat Maneri – Viola
Lucian Ban – Piano

15.12.14 Roberto and Sholar (Cuba, USA)
Daniel Allen Roberto – Trompete
Kelvin Sholar – Piano
Keyboards, N.N. - Bass
N.N. - Schlagzeug

19.01.15 FlyWe2TheMoon (Bulgarien)
Roko Zahariev – Trompete
Percussion, George Donchev – Bass
Todor Stoyanov – Keyboards
Alexander Daniel – Schlagzeug

16.02.15 The outer string trio (Schweiz)
Werner Hasler – Trompete, Electronics
Vincent Courtois – Violoncello
Julian Sartorius – Schlagzeug

16.03.15 Pron, Dell, Ramond and Kugel (RUS, D)
Sergey Pron – Trompete
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

20.04.15 Arthurs, Hülsmann, Muellbauer and Köbberling (UK, D)
Tom Arthurs – Trompete
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug

18.05.15 Blume
Magnus Schriefl – Trompete, Komposition
Wanja Slavin – Altsaxophon
Bernhard Meyer – Bass
Peter Gall – Schlagzeug

15.06.15 played 1000 (Belgien, D, NL, USA)
Bart Maris – Trompete
Jan Klare – Saxophone
Wilbert de Joode – Bass
Michael Vatcher – Schlagzeug

Montag, 16. Juni 2014

Hanschel Fügemann Mussawisade

Heute war nicht nur der Jazz-in-der-Kammer-Termin, sondern auch das erste Spiel der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien bei der Fi-Fa-Fußball-Weltmeisterschaft. So zweifelte Warnfried Altmann noch kurz vor Beginn des Konzertes, ob sich überhaupt ein paar Konzertbesucher zusammenfinden würden. Diese Sorge war jedoch unbegründet, das Konzert war trotz Fußball gut besucht. Und die Konzertbesucher konnten einen interessanten Jazz-Abend als musikalische Alternative zum Fußball genießen. Auf der Bühne im Magdeburger Schauspielhaus standen:

Roger Hanschel – Saxophon
Elisabeth Fügemann – Violoncello
Afra Mussawisade – Percussion


Roger Hanschel stellte in Magdeburg seine allerneueste CD vor (die es noch gar nicht als CD gibt – die Aufnahmen laufen gerade, und auch im Magdeburger Schauspielhaus wurde mitgeschnitten). Hanschels sehr anspruchsvolle Kompositionen beginnen mit einem Charlie Mariano gewidmeten Stück, zunächst sehr sacht, mit beinahe unhörbar leisen Tönen auf dem Cello und dem Saxophon, die – wären da nicht die allmählich einsetzenden Dissonanzen – beinahe an eine Waldsinfonie deutscher Romantiker denken lassen. Mal meint man auch Reverenzen an Rimsiki-Korsakows Hummelflug zu hören, mal Debussy. Doch bald entwickeln sich aus den anfänglich ruhigen Tönen komplizierte Klangstrukturen, in denen man als Zuhörer schon meint, den musikalischen Faden zu verlieren, bis sich wenig später das musikalische Chaos auflöst wie ein Nebelvorhang in der Morgensonne. Hervor tritt eine klare Melodie, von Mussawisades Rhythmen orientalisch geprägt. Eine komplizierte Musik, bei der vor allem das Können der Cellistin gefordert ist. 

Später nimmt Hanschel in seinem ansonsten akustischen Konzert die elektronische Loopstation zu Hilfe, um sein Saxophon zu verdoppeln, seine Töne den zuvor live eingespielten zu überlagern. Zarte Schwebungen entstehen so, die er in seinem langen Saxophon-Solo einer minimalistischen Musik gleich in langen Folgen wiederholt. Wenn er eben noch  laut und kräftig spielte, so klingt das Saxophon nun beinahe unhörbar leise. Vor der Pause wurde es dann nochmal laut und kräftig, als sein eben noch ruhiges Stück (mit dem passenden Titel "Beruhigung II") übergangslos in das nächste übergeht. "Personal Dharma" nennt es Hanschel und versteht es der buddhistischen Bedeutung des Wortes gemäß als Beschreibung seiner Lebensauffassung, seiner Musik. Eine Musik, die er mit seinem Saxophon bestimmt, von Cello und Percusssion dabei unterstützt.

Im zweiten Set des Abends erklangen bereits etwas ältere Stücke Hanschels. So die seinen Söhnen gewidmeten Kompositionen "Leander" und "Levin". Hier kam Elisabeth Fügemanns Können am Cello zum vollen Ausdruck, wenn sie es nicht nur auf herkömmliche Weise spielte, sondern auch den Obertonumfang des Instrumentes nutzte, sich auf experimentelle Klänge einließ. Ebenso begeistert sie auch in dem Stück "Extrembiose", dessen Titel sich vielleicht als extremste Symbiose zweier Instrumente interpretieren lassen kann. Fügemann streicht nicht nur die Saiten, sie erzeugt Stakkatotöne mit dem darauf geschlagenen Bogen, interagiert mit Hanschels langen Saxophonsätzen und Mussawisades Rhythmen.

Das Konzert war keine leichte Kost vor der Sommerpause, sondern eine intensive Musikerfahrung mit drei großartigen Musikern.



Donnerstag, 12. Juni 2014

Vorschau Juni

Der nächste Montags-Jazz-Termin – zugleich der letzte vor der Sommerpause – ist schon wieder nahe herangerückt: Am Montag dem 16.06.14 um 20 Uhr spielen Hanschel, Reijseger, Mussawisade im Schauspielhaus:

mit 
Roger Hanschel – Saxophon
Ernst Reijseger – Violoncello
Afra Mussawisade – Percussion

Roger Hanschel war  bereits vor drei Jahren zu Gast bei Jazz in der Kammer und begeisterte mit seinem Projekt Heavy Rotation. Am Montag steht in Magdeburg eine Uraufführung auf dem Programm: für sein aktuelles Projekt mit dem niederländischen Cellisten Ernst Reijseger und dem iranischen Percussionisten Afra Mussawisade beginnen zurzeit die Studioaufnahmen, die Musik der kommenden CD wird in Magdeburg das erste mal zu hören sein.

Momentan kann ich gar nicht genau sagen, was uns erwarten wird – zu unterschiedlich sind die Musiker und zu knapp die Infos, die man findet. Auf jeden Fall klingt die Zusammenstellung der Instrumente sehr interessant und macht mich neugierig darauf, was Hanschel diesmal mitbringt. Hanschel ist unter anderem durch die Kölner Saxophon-Mafia bekannt, die sich durch alle Arten des Jazz und der zeitgenössischen Musik hindurchimprovisiert, Reijseger hat unter anderem die Musik zu einigen Filme von Werner Herzog komponiert (Zuletzt: Die Höhle der vergessenen Träume) und Mussawisade spielte in Iran traditionelle Percussioninstrumente, bevor er 1983 nach Deutschland kam, die unterschiedlichsten Kulturen kennenlernte und seine Musik inzwischen als multikulturell europäisch bezeichnet.

Update 13.06.:
Statt Ernst Reijseger wird Elisabeth Fügemann das Violoncello spielen.

Montag, 19. Mai 2014

Kathrin Lemke: My Personal Heimat

Das Kathrin-Lemke-Quartett, mit
Kathrin Lemke – Saxophon
Niko Meinhold – Piano
Vitold Rek – Kontrabass
Michael Griener – Schlagzeug 


Mit ihrem Projekt „My Personal Heimat“ wendet sich die Berliner Saxophonistin Kathrin Lemke thematisch Liedern zu, wie sie wohl jeder in Deutschland aufgewachsene kennt und die sie als ihre "musikalische Heimat" bezeichnet. Musik, mit der sie aufgewachsen ist. Lieder zwischen deutschem Liedgut und Schlager – nicht alles davon muß man mögen, entziehen kann man sich dem aber nicht. Kathrin Lemke gelingt es dabei, sich mit dieser Musik auf eine faszinierende Art auseinanderzusetzen, die Melodien aufzunehmen, neu zu interpretieren, ins unerkennbare zu verfremden und dabei doch immer wieder Teile der Melodien durchblitzen zu lassen. Das alles mit einer unbändigen Spielfreude, daß es Spaß macht, selbst Schlager wie Tschingiskhan oder die Schlümpfe zu hören. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Quartet; allesamt gleichfalls geniale Musiker, die ihre Ideen mittragen und wild drauflos spielen. Da rast dann schon mal Tschingis Khans Reiterhorde durch's Theaterfoyer, angetrieben von Michael Griener am Schlagzeug und Niko Meinhold am Klavier, begleitet von Vitold Rek am Baß: "He Reiter - Ho Reiter - Immer weiter!".
Dabei müssen es nicht immer Schlager gewesen sein, die Kathrin Lemke musikalisch prägten. Gleich das nächste Stück, Mendelsson-Bartholdys "Abschied vom Wald" kam ganz romantisch daher, wurde dann aber gleichfalls musikalisch gebrochen und in Klänge weit abseits aller Romanik überführt – oh Täler weit, oh Höhen war nur noch zu erahnen. Bei "kein schöner Land in dieser Zeit" spielen die Musiker mit Rhytmusverschiebungen, die aus dem sehr bekannten Volkslied ein musikalisches Puzzle werden lassen.
Das Stück, daß mir am intensivsten in Erinnerung blieb und noch lange nachklang, war die Interpretation von Ernst Buschs Lied von der "Schlacht von Jarama". Kathrin Lemke sagte dazu "man braucht keinen Text, um es zu verstehen", und in der Tat war die sich steigernde Intensität der Schlacht inklusive Kanonendonner musikalisch erkennbar (besser noch als im Original, das man sich auf Youtube anhören kann).
Dann aber wurde es auch wieder lustiger, etwa wenn der Soundtrack von Käptn Future erklang und Hollywood-Athmosphäre verbreitete oder bei Vater Abrahams Schlümpfen. Natürlich hätte es dann im Songtext heißen müssen "der Saxophon-Schlumpf fängt an". Ebenso bei "Ich wünsch' mir eine Miezekatze für mein Wochenendhaus", gesungen von Wum. (Was viele wohl nicht mehr wissen: Loriot stand damit Ende 1972 neun Wochen lang an der Spitze der deutschen Hitparade).
Der Bänkelgesang "Bolle reiste einst zu Pfingsten" wurde dann nochmal zum irrwitzigen Durcheinander, bei dem die Musiker des Quartetts alle Register zogen. Kathrin Lemke ließ sie über lange Strecken wild drauf los improvisieren, und wenn sie in ihrer Anmoderation über das Stück sagte, daß "Bolles Sonntagsausflug im Chaos endet", so war das sehr schön auch in der Musik hörbar. Ich habe mich "dennoch ganz köstlich amüsiert".
Am Ende des Abends stand als Zugabe "Abendstille überall", von den vier Musikern als Kanon gespielt und in seiner ruhigen Art ein Kontrast zur vorher lauten und wilden Musik. Eine ungewohnte und sicher nicht einfache Interpretation, vom Quartet perfekt mehrstimmig umgesetzt. Das Magdeburger Publikum war vom Konzert begeistert und hätte gern noch mehr gewollt. Für mich war dieses ruhige Stück jedoch ein so passender Abschluss des Konzertes, daß danach nichts mehr hätte kommen können.

Sonntag, 11. Mai 2014

Vorschau Mai

In einer Woche, am Montag, dem 19.05.14 um 20.00 Uhr, ist das Kathrin-Lemke-Quartett mit dem Projekt „My Personal Heimat“ zu Gast bei Jazz im Schauspielhaus.

Kathrin Lemke – Saxophon
Niko Meinhold – Piano,Keybords
Vitold Rek – Kontrabass
Michael Griener – Schlagzeug 

Lieder zwischen deutschem Liedgut und Schlager gehören zum musikalischen Hintergrund eines jeden in Deutschland aufgewachsenen. Lieder, die man einfach von klein auf kennt und denen man sich je nach persönlicher Einschätzung nicht entziehen kann oder mag. Je nach Herkunft kann der Inhalt dieses Liedgutes variieren und eine individuelle musikalische Heimat charakterisieren, denn ebenso wie in eine Landschaft und Kultur wird man auch in eine musikalische Landschaft hinein geboren. Kathrin Lemke offenbart in ihrem Programm ihre persönliche musikalische Heimat.

Die Hörproben auf der Webseite des Quartetts zeigen eine interessante musikalische Annäherung an diese Melodien, die in Kathrin Lemkes Kompositionen durchscheinen. Die Musik ist viel mehr als eine einfache Adaption auf die Instrumente ihres Quartetts und macht neugierig darauf, sie live (und mehr davon) zu hören.