Samstag, 30. März 2013

Ronny Graupes Spoom (Schwarzweissfotos)

Vom Magdeburger Fotografen Thomas Hohlbein bekam ich auch vom Konzert von Ronny Graupes Spoom wieder einige Fotos. Er begleitet für ein Jahr Jazz in der Kammer fotografisch mit seinen "Klängen in Schwarzweiß". Mehr dazu auf seiner Webseite.


Montag, 18. März 2013

Ronny Graupes Spoom

Ronny Graupes Spoom, mit
Ronny Graupe – Gitarre
Jonas Westergaard – Bass
Christian Lillinger – Schlagzeug

Das Konzert begann mit etwas verhaltenen, scheinbar wie nebenbei dahingezupften Tönen auf Graupes Gitarre, die Musik wird aber bald von Lillingers dynamischem Drum-Sound förmlich vorwärts getrieben und dann geht es heftig los. Lillinger, den ich vor sieben Jahren¹ das erste mal bei Jazz in der Kammer sah (mit seiner Band "Hyperactive Kid" und auch damals bereits gemeinsam mit Ronny Graupe) erinnert mit seinen spontan einsetzenden Schlagzeugrhythmen, seinen plötzlichen Klangexperimenten, seinem lauten und kräftigen Spiel noch immer ein wenig an das sich am Schlagzeug austobende, etwas hyperaktive Kind aus dem Bandnamen. An der Präzision seines Spiels merkt man jedoch, daß dahinter mehr steckt als bloßes Experimentieren mit Klängen.
Dank elektronischer Verstärkung seiner Gitarre konnte es Graupe lautstärkemäßig gut mit Lillinger aufnehmen, spieltechnisch sind sich die beiden ohnehin ebenbürtig. Dennoch waren es gerade auch die wenigen ruhigeren Musikstücke, in denen die Musiker an den Saiteninstrumenten ihre Instrumente am besten zur Geltung brachten. So wie bei Hypnos (dem Gott des Schlafes gewidmet), wo auch Lillinger mal leise und behutsam spielen konnte. Für mich waren das die Musikstrecken, bei denen das Ohr auch mal ein wenig ausruhen, den Melodien folgen konnte.
Mitunter begaben sich Graupe und Lillinger auf musikalische Interaktionen, bei denen sie gegeneinander antraten und wie in "entangled" ineinander verwobene Quantenmechanik-Teichen umeinander kreisen ließen (um den Witz dabei zu verstehen muß man allerdings ein gewisses Faible für die Physik haben). Auch das Experimentieren mit den Tönen machte Spaß und ergab immer wieder interessante Nuancen. Dabei stand zwar immer wieder Lillinger im Mittelpunkt, wenn er etwa wie in "Canavera" Metall auf Metall quietschen und seine Gongs wie rückwärts wiedergegeben klingen ließ oder furios drauflos trommelte, aber auch Westergaard beteiligte sich mit seinem Baß daran, entlockte ihm Diskanttöne oder Schlagzeugklänge.
In ihrem Titel "Troll" spielen die Musiker mit einem Begriff, der in der Internetsprache die Bedeutung eines vorsätzlichen Provozierens hat. Beginnen Baß und Gitarre erst langsam und harmonisch, so mischt sich Lillinger mit Schlagzeug und Perussion  immer wieder "trollend" (störend) ein. Bis dann Graupe und Westergaard dagegenhalten, und wenn dann Graupe seine Gitarre bis kurz vor dem Reißen der Seiten malträtiert, dann scheint er ebenso zurück zu trollen.
Die letzten beiden Stücke, "Wind" und "Es war die Nachtigall" kontrastierten nochmal miteinander. Kam der Wind noch als Herbststurm daher (oder dem Wetter angemessen wohl eher als winterlicher Schneesturm), der Blätter vor sich hertreibt und die Dachziegel klappern läßt, so endet das Konzert dann mit vergleichsweise sanften Tönen.

Im  Konzert von Ronny Graupes Spoom war eine sehr schnelle, experimentelle zeitgenössische Musik zu hören, moderner Jazz – und nichts zum mal eben nebenbei hören. Viele der im Konzert gespielten Stücke sind auch auf der neuen LP des  Trios enthalten. Ja, Sie lesen richtig und Ronny Graupe wies im Konzert auch darauf hin: eine Langspielplatte. So nostalgisch es klingt, LPs gibt es auch heute noch und Graupe erklärt sich damit als Freund der analogen Technik. Wer es aber gern digital haben möchte (oder vielleicht seinen Plattenspieler gar nicht mehr neben der Stereoanlage stehen hat), der bekommt mit der Platte einen downloadlink zum herunterladen der Stücke als mp3.



¹den Recherchen nach muß es 2006 gewesen sein, aber das lag noch vor dem Beginn der Aufzeichnungen zu diesem Blog, daher nur als ungefähre Angabe...

Dienstag, 12. März 2013

Vorschau März

Am 18. März steht Ronny Graupes Spoom auf der Bühne des Magdeburger Schauspielhauses.
Ronny Graupe – Gitarre
Jonas Westergaard – Bass
Christian Lillinger – Schlagzeug

Die Besetzung des Trios mit einer Gitarre als Melodieinstrument ist relativ selten, zumindest bei Jazz in der Kammer (mir fiel das erst auf, als mich ein Freund, der selbst Gitarre spielt, darauf hinwies, daß er in den Jazzkonzerten relativ selten eine Gitarre findet). Ein Grund mehr, sich anzuhören, was die zwei Saiteninstrumente gemeinsam an Melodien zaubern.
Die Hörproben auf der Myspace-Seite von Ronny Graupes Spoom wechseln zwischen ruhigen Melodien und kräftigen Improvisationen. Westergaards akustischer Bass und Graupes Gitarre ergänzen sich harmonisch, das konzentriert gespielte Schlagzeug setzt ungewohnt zart ein, eher als Percussionelement. Wer Lillingers Schlagzeugspiel von früheren Auftritten her kennt (gemeinsam mit Westergaard war er z.B. im Dezember 2009 und im Juni 2008 zu Gast bei Jazz in der Kammer), weiß daß er auch lauter und schneller kann. Aber auch Graupe stand bereits früher mit Lillinger zusammen auf der Bühne, in Lillingers "Hyperactive Kid", so auch in Magdeburg, womit sich dann wieder ein weiterer Kreis schließt.

Ronny Graupe beschreibt seine Musik so:
Nachdem sich das Trio zunächst mit Jazzstandards beschäftigte, begann die Formation bald, mit Kompositionen von Ronny zu arbeiten. Im Unterschied zu den traditionellen Jazzstandards, verfolgen diese Kompositionen eher klassische Elemente.
Der musikalische Kontext beschränkt sich im Unterschied zum traditionellen Jazz nicht nur auf kurze musikalische Themen, auf denen dann die Improvisation folgt; vielmehr werden musikalische Ideen ver- und bearbeitet, sodass ein längerer kompositioneller Bogen erkennbar wird.
Die Improvisationen sind dem geschriebenen Text gleichwertig. Sie stellen eine Reflexion über den komponierten Teil dar. Die aktuelle Repertoire ist thematisch um das Thema Erde ("Es war die Nachtigall") und Raum ("Canaveral (and out of space)" ) angelegt.

Eine herzliche Einladung zu diesem Konzert.


Donnerstag, 28. Februar 2013

Basement Research (Fotonachtrag)

Vom Magdeburger Fotografen Thomas Hohlbein bekam ich einige Fotos vom Konzert von Basement Research. Er hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Magdeburger Musikszene fotografisch zu begleiten. Darunter für ein Jahr Jazz in der Kammer. Mehr dazu auf seiner Webseite.





Montag, 18. Februar 2013

Basement Research

Gebhard Ullmann, Pascal Niggenkemper,
Julian Argüelles, Steve Swell, Gerald Cleaver (v.l.n.r.)
Basment Research, mit
Gebhard Ullmann – Saxophon, Bassklarinette
Steve Swell – Posaune
Julian Argüelles – Bariton- und Sopransaxophon
Pascal Niggenkemper – Bass
Gerald Cleaver – Schlagzeug

Gebhard Ulmann gründete Basement Research vor zwanzig Jahren, als er nach New York ging, um in der dortigen Jazz-Szene zu spielen, und begann damit das, was er als seine musikalische Achse Berlin  – New York bezeichnet. Seitdem ist er ein Pendler, vielleicht besser ein Vermittler, zwischen diesen musikalischen Welten.  Die aktuelle Jubiläumstour führt Basement Research quer durch Deutschland und weiter, bis hinunter nach Italien.

Das Konzert beginnt mit allmählich steigender Intensität, so als wollen sich die Musiker erst einmal warmspielen. Ullmann spielt improvisierte Basslinien, Cleaver an den Drums und Niggenkemper am Bass begleiten ihn, bevor dann Argüelles am Baritonsaxophon und später Swell auf der Posaune hinzukommen. Der zunächst spielerische Eindruck steigert sich zu einem Ausprobieren unterschiedlicher Melodien, bei denen mal das Saxophon, mal Swells Posaune führen. Damit ist auch die grundlegende Richtung des Abends klar: es kommt eine wilde und lebensfrohe Musik auf die Bühne, die keine Zeit zum Ausruhen läßt, die Unruhe der großen Metropolen in sich trägt.

Dabei zeigen die fünf Musiker zwischendurch immer wieder, daß sie auch die melodischen Töne beherrschen. Wenn beispielsweise Swell Melodien anstimmt, die man eher im Balkan vermutet hätte und die Band dies dann kurze Zeit später in Südstaatensound wandelt. Die Wandelbarkeit der Musik scheint auch Ziel der Musiker zu sein. Die wenigen ruhigen Töne gehen mal in Dissonanzen über, mal in groovige Klänge, mit immer wieder neuen interessanten Wendungen.

Zwischendurch erläutert Ullmann einige seiner Musikstücke, denen er Namen gab wie Kreuzberg Park East, in dem er musikalisch erklingen läßt, was man dort hört, Stimmen – hier natürlich Musik – beinahe aller Erdteile als wildes Durcheinander. Oder Gulf of Berlin, als Remineszenz an die Berliner Strandbars. Nicht immer ist das genau an der Musik festzumachen, es zählen dabei eher die Assoziationen, die dem Hörer bei der Musik vor die Augen kommen. Das kann dann auch viel weiter entferntere Kreise ziehen als es die Strandbars sind, etwa zur Berliner Tanzsaalkultur der 20er Jahre oder zu den Sirenen der Ozeandampfer (wenn etwa das an den den Golf erinnern soll...). Dabei ist auch etwas Witz dabei, wie bei seiner Geschichte zu Wo bitteschön geht's zu den Hacke'schen Höfen – der genau einen (oder wenigsten einer ähnlichen) Frage, die Touristen in Berlin Mitte stellen. Ein Problem von Programmmusik ist immer, daß man zumindest eine ungefähre Vorstellung von dem haben muß, was die Musik beschreibt. Wer Berlin aber etwas kennt, konnte das Gewimmel der Touristen heraushören oder das Quitschen der Straßenbahnen am Hackeschen Markt. Das Stück führte in ein beinahe kakophonisches Durcheinander – ganz so schlimm ist Berlin aber selbst dort nicht :-).

Interessant wurde es auch an den Stellen, an denen die Musiker als Solisten zeigen, daß sie Meister auf ihren Instrumenten sind. Das sind dann auch die Momente, in denen sich das Ohr von der Vielfalt der Klänge ausruhen kann. Etwa wenn Ullmann  seine Bassklarinette mit Zirkularatmung, ohne Pause und einem Didgeridoo ähnlich spielt und damit Anklänge an Australien liefert, um daraus denn einen Blues der Südstaaten werden zu lassen, wenn Argüelles auf dem tiefen Baritonsaxophon Musik spielt, die aus einer Bach-Fuge zu stammen scheint, Swell der Posaune den gesamten Umfang an Tönen und Dynamik entlockt oder Niggenkemper seinen Baß in experimenteller Weise bearbeitet.

Das Konzert klang mit einer ruhigen Zugabe aus , bei der nochmals die tiefen Töne der Blasinstrumente betont wurden, die bereits im Bandnamen "Basement Research" angedeutet werden. Als Titel hätte darüber vielleicht so etwas wie "Alpensymphonie" stehen können – die ruhigen Baßtöne erinnerten jedenfalls an den Klang von Alphörnern als großer alter Verwandter von Baßklarinette und Baritonsaxophon (man verzeihe mir diesen instrumentenkundlich völlig unhaltbaren Vergleich).


Montag, 11. Februar 2013

Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt

Jugendjazzorchester Sachsen-Anhalt

Zu Beginn des Konzertes erinnerte der Leiter des Jugendjazzorchesters, Ansgar Striepens, an die Geschichtes des Orchesters. Gegründet wurde es vor 20 Jahren, in jedem Jahr treffen sich die Musiker zu Arbeitsphasen. Meist zwei mal im Jahr, manchmal war es auch nur eine, manchmal auch mehr als zwei, und so kam man auf die Zahl 42 - die Übungswoche Anfang Februar im Kloster Michaelstein (zu einer Zeit, in der andere in die Winterferien fahren) war die 42. Arbeitsphase. Im Jahr 2013, so sagte er, wird es im Land auch noch mehrere Jubiläumskonzerte geben, dann sicher auch noch eines in Magdeburg.

Das Konzert begann mit dem Stück "Number remixed", komponiert von Daniela Gerstmann, die selbst bereits als Saxophonistin im Jugendjazzorchester und in der Big Band des Konservatoriums spielte, heute aber prüfungsbedingt nicht anwesend sein konnte. Ein furioses Stück, bei dem man sich erst einmal auf die verschiedenen Rhythmen einlassen mußte, das dann aber sehr interessant  war, mit experimentellen Klängen, aber auch Einflüssen aus dem Fusion Jazz.

Dann schloss sich Ansgar Striepens Arrangement des Liebeslieds "Speak low" aus dem Musical One touch of Venus von Kurt Weill an, von Domenica Richter sehr gefühlvoll gesungen. Mit Gesang ging es auch weiter in zwei Händel-Adaptionen, aus dem Oratorium "the triumph of time and truth", daraus "the beauty smiling" gesungen von Lisa Zwinzscher und "Lovely beauty", gesungen von Sara Bodemann. Sehr schöne Gesangsstücke, denen ich aber im Big-Band-Sound die Herkunft aus so alter Zeit gar nicht anhörte - mir schien es auf den ersten Blick kaum nach Händel zu klingen. Im Nachhinein machte ich mir aber mal die Mühe, auf youtube nach "originalen" Aufnahmen von Händel zu suchen, und mußte mein vorschnelles Urteil zurücknehmen. Ein überraschend neuer Händel.

Interessant (nein, mehr als das, in meinem persönlichen Empfinden: hervorragend!) waren auch zwei Arrangemants zu 500 Jahre alten Luther-Texten, gesungen von Ruslan Wellner ("Sie ist mir lieb die werte Magd") und von Lisa Zwinzscher.

Sara Bodemann verband in "Blackbird" sehr gekonnt den Gesang des Beatles-Songs mit dem Big-Band-Sound. Besonders begeisterten dann die Auftritte aller Sängerinnen/Sänger, als Stücke der legendären Andrew-Sisters auf die Bühne kamen.

Aber auch die Instrumentalisten bekamen ihren Platz im Konzert eingeräumt, spielten einzelne Passagen solo, unterstützt vom Orchester. Ansgar Stripens sorgte wie immer für einen ausgewogenen Orchesterklang.

Am Ende des Programms wunderte ich mich, wie schnell die knapp drei Stunden vergangen waren. Sehr interessante, lebendige und schwungvolle Musik. Im Theatersaal waren noch einige Plätze leer geblieben - das Jugendjazzorchster und ebenso davor die Big Band des Konservatoriums hätten einen ausverkauftes Theater verdient gehabt. Magdeburger Jazz-Publikum, beim nächsten mal bitte etwas zahlreicher!

Musik  von Bing Crosby und den Andrew
Sisters, mit Lisa Zwinzscher, Domenica Richter,
Sara Bodemann und Ruslan Wellner (v.l.n.r.)

Leiter des Jazzorchesters: Ansgar Striepens

Ein Nachtrag: ich erhielt grad eine nette E-Mail mit einer kleinen, inzwischen im Text eingefügten Korrektur. Deshalb nachgefragt: falls jemand noch etwas anmerken oder korrigieren oder z.B. mir die noch fehlenden Namen unter den Fotos nennen möchte (denn alle Namen konnte ich mir beim Konzert nicht notieren), kann mir gern eine  E-Mail senden. Natürlich auch, wenn jemand sein Foto aus dieser Seite entfernen möchte.