Montag, 16. Januar 2012

Christian-Hassenstein-Trio

Das »Christian Hassenstein Trio« mit
Christian Hassenstein (git), D
Sven Schuster (b), NL
Bill Elgart (dr), USA

Christian Hassenstein und Sven Schuster kennen sich bereits aus ihrer Studienzeit und treten seit vielen Jahren in unterschiedlichen Projekten immer wieder auch gemeinsam auf. In ihrer aktuellen Tour ist der Schlagzeuger Bill Elgart aus Boston dabei. Mit Christian Hassenstein stand ein Gitarrist auf der Bühne, der nicht nur seine elektrische Gitarre auspackte, sondern auch eine (in dieser Konzertreihe viel seltener zu hörende) akustische Gitarre dabei hatte. Diese im Klang sehr unterschiedlichen Instrumente setzte er den gegensätzlichen Stilrichtungen des Programmes entsprechend ein.
In dieser Ausgabe von Jazz in der Kammer war viel klassischer Jazz zu hören, daneben aber auch Eigenkompositionen von Hammerstein und Schuster, viele aus dem Bereich der Latin Music. Kräftig gespielte Jazz-Standards wechselten mit leiseren Stücken. Sven Schusters Bass harmonierte dazu hervorragend. Hinzu kam das kräftige und fordernde Schlagzeug des Bostoner Bill Elgart, der seit einigen Jahren in Würzburg Schlagzeugimprovisation lehrt. Das Magdeburger Publikum blieb anfangs etwas zurückhaltend, auch was den Zwischenapplaus nach Soloeinlagen betraf. Das schien Elgart mit seinem Zwischenruf  "is the sound ok? is the bass ok?" ausdrücken zu wollen. Allerdings – wer das Stammpublikum von Jazz in der Kammer kennt, weiß, daß es gewohnt ist konzentriert zuzuhören und daß so aus dem Hineinversetzen in die Töne auch eine nur scheinbare Zurückhaltung resultieren kann. Und so war der Applaus zwischen den Stücken um so kräftiger. Nach der Pause waren die Zuhörer dann deutlich aufgetauter. Das Konzert klang mit einer langen Zugabe aus, bei der sich die Musiker noch einmal die Melodien gegenseitig zuspielten und improvisierten.

Sonntag, 8. Januar 2012

Vorschau Januar

Am 16. Januar steht bei Jazz in der Kammer ein internationales Jazz-Trio (D/USA/NL) auf der Bühne:

»Christian Hassenstein Trio« mit
Christian Hassenstein (Gitarre)
Sven Schuster (Bass)
Bill Elgart (Schlagzeug)

Christian Hassenstein und Sven Schuster, die schon seit vielen Jahren gemeinsam auftreten, haben sich für die aktuelle Tour den Schlagzeuger Bill Elgart hinzugeholt. In ihrer Musik bewegen sie sich zwischen Jazz und Weltmusik, zwischen Latin und Swing, wechseln sie zwischen Standards und eigenen Kompositionen und lassen dabei auch den Soloinstrumenten genügend Platz.

Es gilt an dieser Stelle auf einen weiteren Januar-Termin hinzuweisen, der sich in diesem Jahr teilweise mit Jazz in der Kammer überschneidet. Am 16. Januar 1945 wurde Magdeburg bei einem Bombenangriff zum großen Teil zerstört. In mehreren Veranstaltungen und Konzerten wird alljährlich daran erinnert. So auch im Forum Gestaltung, wo Warnfried Altmann um 20 Uhr gemeinsam mit dem Percussionisten Hermann Naehring bei einem Gedenkkonzert zu hören sein wird. Unter dem Titel "Ein wahres Elend, der verdammte Krieg" improvisieren beide Musiker zu einer Filmcollage aus Bildern von Rüstung, Krieg und Tod. Ein eindrucksvolles, berührendes und auch bedrückendes Musikerlebnis, das mit dem Klang der Magdeburger Kirchenglocken endet, die um 20:39 Uhr, dem Zeitpunkt der ersten Angriffswelle, in der gesamten Stadt geläutet werden.

Warnfried Altmann ist im Januar auch noch im Magdeburger Roncalli-Haus zu hören, wo er am 22.01. in der Reihe 19Doppelpunkt gemeinsam mit Thomas Wagner (Git., Gesang, Perc.) auftritt.

Montag, 19. Dezember 2011

Jörg Schippa – UnbedingT

Jörg Schippas »UnbedingT« mit
Jörg Schippa (akustische Gitarre)
Jürgen Kupke (Klarinette),
Florian Bergmann (Bassklarinette),
Christian Marien (Schlagzeug)


Die Band um Jörg Schippa ist beheimatet in Berlin, genauer: in Neukölln. Einem Stadtteil voller Gegensätze, die Schippa auch in seiner Musik ausdrückt. So beginnt das Konzert mit funkigem Großstadtsound, wild und lebendig gespielt. Durch Schippas Moderation bekommen die Stücke vorstellbaren Hintergrund, werden Klangbilder sichtbar. So beispielsweise der Zirkus in der Großstadt, der quirliges Treiben in die Musik bringt. Überhaupt merkt man den Musikern den Spaß bei der Musik an, oft schwingt eine Portion Komik mit – ohne daß dies dem musikalischen Können Abbruch tut. UnbedingT nimmt uns mit auf eine musikalische Reise durch die Welt (oder doch nur durch Berlin, wo sich die Welt in einem Konglomerat versammelt?). So meint man orientalische Klänge herauszuhören, in die sich dann der Bordun von Bergmanns Baßklarinette mischt, begleitet von wildem Trommelwirbel. Ganz das Gegenteil davon sind ruhigere Stücke wie die Sarabande, in die jahrhundertealte musikalische Elemente eingeflossen sind. Hörenswert war auch das Wechselspiel der Klarinetten von Kupke und Bergmann.
Auf die Frage, wie es denn zum Namen "UnbedingT" kam, erklärte Jörg Schippa mit einem Lächeln das Wortspiel aus unbedingt diese Musik spielen zu wollen und ohne Bedingungen an die Musik heranzugehen. Ja, beides war an diesem Abend zu spüren.

Samstag, 10. Dezember 2011

Vorschau: Dezember und Januar

Auf das Dezemberkonzert hatte Warnfried Altmann bereits hingewiesen, und inzwischen flatterte auch schon der Januarspielplan des Theaters auf meinen Schreibtisch. Deshalb an dieser Stelle zwei Hinweise:

Am 19. Dezember 2011 um 21.00 Uhr:
»Jörg Schippas UnbedingT« mit
Jörg Schippa (akustische Gitarre)
Jürgen Kupke (Klarinette),
Florian Bergmann (Bassklarinette),
Christian Marien (Schlagzeug),


Schaut man sich an, was die Musiker produzieren und hört man vielleicht auch schon mal in die Soundschnipsel auf der Projektseite von UnbedingT rein, dann bekommt man eine Vorstellung von dem, was uns beim nächsten mal erwartet: eigenwillige, aber durchaus anhörenswerte Jazz-Musik. Klänge, die vom Rhythmus her klassischem Jazz entsprechen, dabei aber immer wieder Improvisationen und Klangexperimente der einzelnen Instrumente erlauben. Mit Sounds, die irgendwo zwischen amerikanischer Slide-Guitar und Klezmer bzw. Orient wandern.

Am 16. Januar 2012 um 21 Uhr:
»Trio G« (D/USA/NL) mit
Christian Hassenstein (Gitarre)
Bill Elgart (Schlagzeug)
Sven Schuster (Bass)

Montag, 21. November 2011

Gilbert Paeffgen Trio

Gilbert Paeffgen — Schlagzeug, Appenzeller Hackbrett
Oliver Kuster — Piano, Harmonium
Urban Lienert — Elektrischer und akustischer Bass


Wie erwartet bot der Abend ungewohnte Klänge. Dafür sorgten bereits die beiden für den Jazz ungewöhnlichen und untypischen Instrumente Harmonium und Hackbrett.
Ein Harmonium kannte ich bisher nur aus kleinen Dorfkirchen (und – diese kleine Abschweifung in völlig andere musikalische Gefilde sei mir gestattet – wer wissen will, wie interessant und vielfältig diese in der allgemeinen Aufmerksamkeit weitgehend untergegangenen Instrumente klingen, der möge mal in ein Konzert des Harmonisten Matthias Müller gehen). Diese Instrumente sind dann meist relativ große Musiktruhen, beinahe so groß wie ein Klavier, mit Pedalen zum Winderzeugen.
Oliver Kusters Harmonium ist dagegen ein viel kleineres, nicht einmal koffergroßes Instrument. Der Blasebalg für die notwendige Luft wird mit einer Hand betätigt, die andere spielt. Ein leises Instrument, das Kuster in Wechselspiel mit dem Klavier einsetzt.
Gilbert Paeffgens Hackbrett dagegen ist ein stimmgewaltiges, mal sanft, mal metallisch scharf gespieltes Saiteninstrument, der hiesigen Zither ähnlich, jedoch mit Hämmern angeschlagen. Also eigentlich ein Verwandter des Klaviers. Und genauer gesagt, es ist ein Appenzeller Hackbrett; ich nehme an, auf diese Unterscheidung legen die Schweizer sehr viel wert. Dabei ist Paeffgen gar kein echter Schweizer, sondern ein vor Jahren zugereister Kölner. Legt man aber seine Musik zugrunde, dann mag man heraushören, daß er musikalisch in der Schweiz angekommen ist. Ohne dies hier genauer definieren zu können, klang oft etwas mit, was man auch in anderen Gebirgsregionen findet.
Überhaupt waren es die schwer einzuordnenden Zwischentöne der Musik, die dieses Konzert zu einem musikalischen Erlebnis machten. Wenn sich etwa etwa Urban Lienerts gestrichener Baß mit dem gleichfalls mit dem Bogen gestrichenen Hackbrett mischte, dazu dann noch der durch Papiereinlagen veränderte Klang des Pianos, dann ergab sich ich so etwas wie eine Mischung aus Obertongesang und Maultrommel. Beinahe schon das, was man Weltmusik nennt, nur eben jazziger.
In die ruhigen Passagen von Klavier und Baß mischte sich immer wieder das Schlagzeug ein, laut einen neuen Rhythmus vorschlagend. Fast schon merkwürdig, daß diese lauten, auch körperlich warnehmbaren Schlagzeugeinsätze nicht störten, sondern wie natürlich dazugehörten. Einige der Musiktitel meinte man auch in der Musik wiederzuerkennen, beispielsweise, den "Wind", der wie eine laue Sommerbrise begann und sich dann in ein percussives Experimentieren steigerte. 
Der Abend klang mit einer Zugabe aus, bei dem noch einmal das Hackbrett, von Bass und Klavier begleitet, im Vordergrund stand. Ein interessanter Abend ging zu Ende, der noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Montag, 14. November 2011

Vorschau: Gilbert Paeffgen Trio

Die Ankündigung des nächsten Konzertes läßt wieder auf Interessantes schließen, auf bisher ungehörte Klänge. Denn sowohl das Harmonium als auch das Hackbrett sind Instrumente, die im Jazz selten eine Rolle spielen. Dabei könnte das normalerweise mit Kirchenchorälen assoziierte Harmonium als kleine Schwester der Orgel noch am ehesten in die Jazz-Tradition passen. Das Hackbrett scheint aus dem musikalicshen Rahmen zu fallen - jedoch sollte man nicht vergessen, daß es schon immer ein Instrument der Volksmusik gewesen ist und als solches oft von Musikern gespielt wurde, die ohne Noten auskamen. Damit lag anscheinend in der Luft, darauf auch frei zu improvisieren. Ich bin mal wieder neugierig. Wer aber schon vorher mal reinhören möchte, kann dies auf der Webseite des Gilbert Paeffgen Trio tun.

Gilbert Paeffgen — Schlagzeug, Appenzeller Hackbrett
Oli Kuster — Piano, Harmonium
Urban Lienert — Elektrischer und akustischer Bass