Vor Beginn des Konzertes gab es nach alter Tradition die Ansage des nächsten Konzertes (Urs Leimgruber Saxofon, Roger Turner Percussion und Fine Kwiatkowski Tanz) – und die höchst erfreuliche Mitteilung, daß es in dieser Saison wieder wie gewohnt zehn Konzerte geben werde.
Mit Hans Lüdemann holte sich Warnfried Altmann einen Partner auf die Bühne, der bereits mehrere Male in anderer Besetzung bei Jazz in der Kammer auftrat (mit Reiner Winterschladen oder dem Trio Ivoire) und mit dem er schon seit langem auch selbst einmal spielen wollte. Die beiden legten ein perfekt klingendes Programm hin, als würden sie schon seit ewigen Zeiten gemeinsam auftreten.
Das Programm begann mit einem Kontrast zwischen Lüdemanns ruhigen Klavierpassagen und Altmanns schreienden Tönen des Sopransaxophons. Anschließend konnte man Altmann auch von einer melodischen Seite hören, mit einem ganz anders, ruhig und beinahe zart klingendem Saxophon.
Anschließend nahm Altmann die M'bira, ein afrikanisches Daumenklavier zum Einsatz. Dieses besteht aus einer Holzkiste als Resonanzboden mit darauf angebrachten Metallstäben. Wie Altmann später berichtete, hatte er dieses einfache Instrument von afrikanischen Musikern gekauft, bevor diese nach einem gemeinsamen Projekt wieder nach Hause aufbrachen. Zu den metallischen Klängen der M'bira paßte Lüdemanns Klavierspiel, als er in den Korpus des Klaviers griff und die Seiten mit der Hand dämpfte, bis auch das Klavier nur noch metallische Töne von sich gab oder auch nur noch der harte hölzerne Anschlag der Tasten hörbar war, was das Klavier zum Percussions-Instrument machte (und einem klassischen Klavierliebhaber wohl Sorgenfalten auf die Stirn getrieben hätte).
Interessant war auch Altmanns Spiel auf dem Tenorsaxophon, das sich in freier Improvisation in einen bis zur Erschöpfung vorgetragenen Kampf mit dem Instrument steigerte und bei dem man am Schluß nicht mal sagen konnte, wer eigentlich gewonnen hatte – Warnfried Altmann oder das Saxophon. In Altmanns Solo fiel Lüdemann ein und leitete zu einer gemeinsamen Improvisation über. Auf eine schwer zu beschreibende Art war das Klavier zugleich ruhige Hintergrundbegleitung und dennoch unüberhörbar vorhanden und deutlich. Beide Musiker ließen sich genug Raum, um in ihren musikalischen Ideen hörbar zu bleiben.
Nach der Pause begann Lüdemann mit einem Bach-Stück, in das Altmann einstimmte und das beide in einer sehr ruhigen Art variierten. Später folgten dann auch wieder kräftigere Töne, bevor der Abend mit ruhigen Pianoklängen ausklang.
Montag, 19. September 2011
Hans Lüdemann und Warnfried Altmann
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Warnfried Altmann
Montag, 1. August 2011
Auf ein Neues!
Im gedruckten September-Programm des Magdeburger Theaters und nun auch auf der Theater-Webseite kann man lesen, daß Jazz in der Kammer nun endlich wieder fortgesetzt wird. Nach der normalen Sommer- und der zweimonatigen Zwangspause beginnt die Reihe am 19. 9. 2011 um 21.00 Uhr ihr 21. Jahr mit dem gemeinsamen Auftritt des Pianisten Hans Lüdemann und des Organisators der Reihe und Saxophonisten Warnfried Altmann.
Bei der Gelegenheit muß auch mal wieder darauf hingewiesen werden, daß es Warnfried Altmann trotz des immer knappen Budgets gelingt, neben Neuentdeckungen auch bekannte Jazz-Musiker der Republik oder aus dem Ausland in die Magdeburger Provinz zu holen. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, läuft beispielsweise im Radio die Sendung Jazz Live im Deutschlandfunk, heute eine Sendung über das Trio Lemke-Nendza-Hillmann & den Geiger Zoltan Lantos, die in der selben Besetzung am 16. Februar 2009 bei Jazz in der Kammer auftraten. Solches Wiederhören, mit dem Gedanken im Kopf "die habe ich doch schon mal in Magdeburg gehört" macht Spaß.
Bei der Gelegenheit muß auch mal wieder darauf hingewiesen werden, daß es Warnfried Altmann trotz des immer knappen Budgets gelingt, neben Neuentdeckungen auch bekannte Jazz-Musiker der Republik oder aus dem Ausland in die Magdeburger Provinz zu holen. Gerade als ich diese Zeilen schreibe, läuft beispielsweise im Radio die Sendung Jazz Live im Deutschlandfunk, heute eine Sendung über das Trio Lemke-Nendza-Hillmann & den Geiger Zoltan Lantos, die in der selben Besetzung am 16. Februar 2009 bei Jazz in der Kammer auftraten. Solches Wiederhören, mit dem Gedanken im Kopf "die habe ich doch schon mal in Magdeburg gehört" macht Spaß.
Montag, 16. Mai 2011
Tonstörung!
Statt des heutigen Jazz-Termins gibt es bekannterweise eine Lücke im Kalender. In meiner Ausgabe des Theaterspielplans steht zwar handschriftlich "Jazz in der Kammer" im dafür freigebliebenen Feld – was aber nichts daran ändert, daß der Mai- und auch der Junitermin ausfallen. Stattdessen habe ich mir jetzt die Zeit genommen, wieder ein paar der alten Fotos zu sichten. Nun sind die Fotos des Jahrgangs 2009 im Blog nachgetragen. Gelegenheit für eine Rückbesinnung.
Montag, 18. April 2011
Heavy Rotation
Heavy Rotation spielte eine faszinierende Mischung, eine Welt der Kontraste. Kräftige, laute und expressive Klänge wechselten mit ruhigen melodischen. In freier Improvisation erzeugten die Instrumente Klangwelten, die dann wie auf geheimes Kommando zu einer gemeinsamen Melodie fanden. Es war interessant zu hören, wie sich die Musiker Töne zuspielten, auf die die anderen dann eingingen. So erinnerte es stark an minimal music, als Segschneider und Hanschel über längere Strecken die Töne in Taktwiederholungen nur minimal veränderten. Daneben bekam jeder der vier Musiker auch Raum, sich als Solist zu präsentieren – auch dabei erwiesen sich die vier Musiker als musikalisch ebenbürtig.
Roger Hanschel (sax), Markus Segschneider (git), Dietmar Fuhr (b), Bodek Janke (dr, perc).
Roger Hanschel (sax), Markus Segschneider (git), Dietmar Fuhr (b), Bodek Janke (dr, perc).
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Keine Absage
Als Warnfried Altmann auf die Bühne steigt, um die Band des heutigen Abends anzusagen, sind ihm die Freude und Erleichterung anzusehen. Auch wenn er zunächst die schlechte Nachricht überbringt: "der Mai- und der Juni-Termin müssen entfallen", folgt doch gleich darauf die gute: daß "in der kommenden Saison Jazz in der Kammer wie gewohnt mit zehn Konzerten fortgesetzt" werden kann. Er dankte den an dieser Entscheidung beteiligten, wozu er sowohl die Theaterleitung als auch die Stadt Magdeburg zählt, und verwies darauf, daß es ohne die Unterstützung der Gäste und Jazz-Fans vielleicht anders ausgegangen wäre.
Roger Hanschel, der Jazz in der Kammer aus früheren Konzerten in mehreren Formationen kennt, ebenso aber auch den Vergleich zwischen unterschiedlichsten Aufführungsorten herstellen kann, bezeichnete Jazz in der Kammer als eine der ambitioniertesten Jazz-Reihen in Deutschland. Magdeburg kann darauf stolz sein.
Nach der Konzertpause trat Altmann nochmals ans Mikrofon und kommentierte Hanschels Musik: "Diese Musik ist wie eine Siegesfeier. Nur ist das ein merkwürdiger Sieg – einer, bei dem es keine Besiegten gibt. Es haben alle gewonnen: das Theater, das Schauspielhaus, die Stadt, die Musiker, und selbstverständlich ihr, das Publikum". (es bleibt zu hoffen, daß von dieser Aussage nicht nur der erste Satz zitiert wird).
Das Foyer des Schauspielhauses war übrigens bis zum letzten Platz gefüllt, einige Stühle mußten noch herangeholt werden, später gekommene hörten stehend zu. Es wäre wünschenswert, solche Besucherzahlen auch bei den kommenden Konzerten zu haben. Deshalb, liebe Magdeburger Jazz-Gemeinde, gebt die Empfehlung weiter, und dann sehen wir uns spätestens am 19. September, wenn es wieder heißt: "Willkommen bei Jazz in der Kammer".
Roger Hanschel, der Jazz in der Kammer aus früheren Konzerten in mehreren Formationen kennt, ebenso aber auch den Vergleich zwischen unterschiedlichsten Aufführungsorten herstellen kann, bezeichnete Jazz in der Kammer als eine der ambitioniertesten Jazz-Reihen in Deutschland. Magdeburg kann darauf stolz sein.
Nach der Konzertpause trat Altmann nochmals ans Mikrofon und kommentierte Hanschels Musik: "Diese Musik ist wie eine Siegesfeier. Nur ist das ein merkwürdiger Sieg – einer, bei dem es keine Besiegten gibt. Es haben alle gewonnen: das Theater, das Schauspielhaus, die Stadt, die Musiker, und selbstverständlich ihr, das Publikum". (es bleibt zu hoffen, daß von dieser Aussage nicht nur der erste Satz zitiert wird).
Das Foyer des Schauspielhauses war übrigens bis zum letzten Platz gefüllt, einige Stühle mußten noch herangeholt werden, später gekommene hörten stehend zu. Es wäre wünschenswert, solche Besucherzahlen auch bei den kommenden Konzerten zu haben. Deshalb, liebe Magdeburger Jazz-Gemeinde, gebt die Empfehlung weiter, und dann sehen wir uns spätestens am 19. September, wenn es wieder heißt: "Willkommen bei Jazz in der Kammer".
Sonntag, 17. April 2011
Jazz "außer der Reihe"
Hier ein Bericht "außer der Reihe", genauer: aus einer anderen Reihe – der neu im Roncallihaus Magdeburg stattfindenden Reihe "Sonntag_19:" (sprich: "Sonntag 19 Doppelpunkt"). Jeden dritten Sonntag im Monat um 19 Uhr. Heute ein Lesekonzert mit Ludwig Schumann als Sprecher, Hermann Naehring (perc) und Warnfried Altmann (sax).
Eine Reihe, die neben der Musik auch auf Texte setzt. Dafür war heute Ludwig Schumann eine sehr gute Wahl, der in einer sehr interessanten Weise den eigentlichen Anlaß des Programmes, den Palmsonntag, mit aktueller Politik verknüpfte, aber auch Texte hatte, bei denen man als Zuhörer die Gedanken assoziativ schweifen lassen konnte. Die Texte gab es in Begleitung von Naehrings Percussion und Altmanns Saxophon. Eine gelungene Kombination, wie bereits aus anderen Lesekonzerten der drei bekannt.
Auch die Musik der nächsten Veranstaltungen kann sich hören lassen. Wer in das Programm schaut, wird darin auch einige bereits aus "Jazz in der Kammer" bekannte Künstler finden, wie Wilfried Staufenbiel oder Hans Lüdemann. Deshalb hier eine herzliche Empfehlung für etwas Jazz "außer der Reihe".
Eigentlich würde ich an dieser Stelle auf das Programm auf der Webseite des Roncallihauses www.roncalli-haus.de verweisen. Nur findet man die Reihe in der dortigen Monatsübersicht nicht erwähnt, sondern muß erst das pdf mit dem Jahresprogramm herunterladen. Und darin stehen dann ärgerlicherweise nur die Titel der Veranstaltungen, nicht aber die beteiligten Künstler. Deshalb lade ich hier besser mal den eingescannten Programmflyer hoch:
Eine Reihe, die neben der Musik auch auf Texte setzt. Dafür war heute Ludwig Schumann eine sehr gute Wahl, der in einer sehr interessanten Weise den eigentlichen Anlaß des Programmes, den Palmsonntag, mit aktueller Politik verknüpfte, aber auch Texte hatte, bei denen man als Zuhörer die Gedanken assoziativ schweifen lassen konnte. Die Texte gab es in Begleitung von Naehrings Percussion und Altmanns Saxophon. Eine gelungene Kombination, wie bereits aus anderen Lesekonzerten der drei bekannt.
Auch die Musik der nächsten Veranstaltungen kann sich hören lassen. Wer in das Programm schaut, wird darin auch einige bereits aus "Jazz in der Kammer" bekannte Künstler finden, wie Wilfried Staufenbiel oder Hans Lüdemann. Deshalb hier eine herzliche Empfehlung für etwas Jazz "außer der Reihe".
Eigentlich würde ich an dieser Stelle auf das Programm auf der Webseite des Roncallihauses www.roncalli-haus.de verweisen. Nur findet man die Reihe in der dortigen Monatsübersicht nicht erwähnt, sondern muß erst das pdf mit dem Jahresprogramm herunterladen. Und darin stehen dann ärgerlicherweise nur die Titel der Veranstaltungen, nicht aber die beteiligten Künstler. Deshalb lade ich hier besser mal den eingescannten Programmflyer hoch:
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