Freitag, 21. Juni 2019

Vorschau September

Im Juli und August macht Jazz in der Kammer Sommerpause. Danach geht es am Montag dem 16. September um 20 Uhr weiter. Dann steht Max Andrzejewskis HÜTTE auf dem Programm.
Tobias Hoffmann – Gitarre
Andreas Lang – Bass
Max Andrzejewski – Schlagzeug
Johannes Schleiermacher – Saxofon

Auf der Bandwebseite gibt es ein Video der Band: diesmal kommen wieder der Freunde des klassischen Jazz auf ihre Kosten!

Aus der Ankündigung:
Mit Spielfreude und trotziger Verschrobenheit pflegt diese Truppe aus starken Individuen einen leidenschaftlichen musikalischen Wahnwitz von höchster Güte. Avantgardistischer Swing, sanghafte Melodien und expressive Freiheit… die HÜTTE brennt.

„Kaum eine andere junge Jazzband hat in den letzten Jahren in Deutschland so viel Aufsehen erregt wie Max Andrzejewski’s HÜTTE”, sagt der begeisterte Musikjournalist Wolf Kampmann. HÜTTE hat 2013 den „Neuen Deutschen Jazzpreis“ gewonnen, drei Alben veröffentlicht – teilweise durch Vokalensemble verstärkt – und in den letzten Jahren internationale Touren gespielt, so z.B. beim Südtirol Jazzfestival (IT), Enjoy Jazz Festival Heidelberg, Umbria Jazz (IT), April Jazz National Concert Hall Dublin (IR), J.O.E. Festival Essen, Just Music Festival Wiesbaden, Jazz Units Berlin, Jazztage Regensburg, NueJazz Festival Nürnberg, KLAENG Festival Köln uvm.

Montag, 17. Juni 2019

Sonore Wandbehänge

Der Titel Sonore Wandbehänge stand über dem letzten Konzert vor der Sommerpause. Eine interessante musikalische Auseinandersetzung von Jazz-Musikern mit der Musik von Eric Satie!
Otto Hirte – Sax, Flöte, Klarinette
Leon Albert – Gitarre
Marius Moritz – Piano
Sebastian Braun – Bass
Halym Kim – Schlagzeug

Die "Sonoren Wandbehänge" im Bandnamen entnahm der Berliner Pianist Marius Moritz dem Titel einer von Eric Satie geplanten (aber dann doch nicht veröffentlichten) Sammlung von Musikstücken. Satie ist am bekanntesten für seine kurzen Klavierstücke, wie zum Beispiel die Gymnopedien. "Wir haben aber absichtlich die unbekannteren Stücke von Satie herausgesucht", sagte Marius Moritz. Zu den so entstandenen Adaptionen für das jazz-Quintett trug dann jeder der Musiker (die sich während des Studiums an der Dresdener Musikhochschule kennenlernten) etwas bei. "Jeder brachte da 'seine' Satie-Stücke mit, die Arrangements entstanden dann in gemeinsamer Arbeit".

Im ersten Stück des Abends, der Meditation, lassen die ersten Klänge eher auf Kammermusik schließen denn auf Jazz. Marius Moritz spielt leise Tonfolgen auf dem Klavier, zu denen bald Sebastian Brauns gestrichener Bass kommt und Otto Hirte in sein Saxophon haucht, beinahe nur Windgeräusche erzeugt. Als dann alle fünf Musiker bald drauf lso spielen, kommen nun auch die jazzigen, improvisierten und schrägen Töne. Wildes Saxophon, kräftige Schlagzeugrhythmen. Und als am Ende alle anderen verstummen, bleiben noch Marius Moritz' leise, konzentriert gespielte Klaviertöne. "Für uns sind Saties Kompositionen eine hervorragende Basis, die einem Stück Identität schafft, ohne sich beim Spielen zurückhalten zu müssen", sagte der Pianist, der zum Hintergrund des gemeinsamen Projektes sagte, "wir haben die CD im Jahr 2016 zum 150. Geburtstag von Eric Satie (1866 bis 1925) aufgenommen".

Freitag, 24. Mai 2019

Vorschau Juni

Beim letzten Konzert vor der Sommerpause gibt es eine interessante Auseinandersetzung von Jazz-Musikern mit der Musik von Eric Satie. Sonore Wandbehänge heißt die Band des Dresdner Pianisten Marius Moritz.
Otto Hirte – Sax, Flöte, Klarinette
Halym Kim – Schlagzeug
Marius Moritz – Piano
Leon Albert – Gitarre
Sebastian Braun – Bass

Mystische Tänze antiker Kulturen, klingende Architektur und skurrile Geschichten zwischen den Zeilen finden sich in der Musik von Erik Satie (1866-1925). Der eigenwillige französische Komponist war es auch, der der Band Sonore Wandbehänge ihren Namen gab: die musikalischen Teppiche entstammen einer Sammlung von Titeln für Stücke, die letztlich nie komponiert wurden.
Die fünf Musiker instrumentieren Saties Klavierkompositionen für ihre Besetzung und schaffen innerhalb dieser Stücke Improvisationsräume, um sie im Empfinden eines Musikers des 21. Jahrhunderts zu interpretieren.
Dafür wurde das Quintett aus Dresden und Berlin im Januar 2014 beim Ensemblewettbewerb der HfM Dresden mit dem eco-Preis der BASF für die beste Interpretation zeitgenössischer Musik ausgezeichnet. Seitdem spielen Sonore Wandbehänge zahlreiche Konzerte in ganz Deutschland, wie zum Beispiel auch beim 24. Jazznachwuchsfestival 2015 in Leipzig oder dem Satie-Festival 2016 in Hamburg.

Auf der Webseite der Band findet man Ausschnitte aus der CD der Band "Jenen gewidmet, die uns nicht mögen". Eine zwar wilde, aber auch sehr interessante Musik, die mal frei improvisierend daherkommt, aber auch Saties Musik in ihrer sehr ruhigen klassischen Form zitiert. Die Musiker schreiben dazu:
Nach über 3 Jahren gemeinsamer Probe­ und Forscharbeit, vielen tollen Konzerten an unterschiedlichsten Orten und einer Menge Input von außen, haben wir im März 2015 unser erstes Album im Waldhausstudio Birkholz aufgenommen. Neben unseren schon lange gespielten und sehr freien Interpretationen von „Ogive III“, „Meditation“ oder „Idylle“, haben wir für das Album vor allem viele Story-Kompositionen aus den 1910’er Jahren adaptiert. In Stücken wie „Le Porteur Des Grosses Pierres“ oder „Celle Qui Parle Trop“ bewegen wir uns zwischen haargenauem Satie­Text und ausbrechenden und freien Improvisationsfeldern hin und her, während sich schlicht arrangierte Miniaturen wie „La Pêche“ (aus „Sports Et Divertissements“) oder „Sur Un Casque“ (aus „Descriptions Automatiques“) dazwischen einfügen. 
Das Konzert vor der Sommerpause verspricht also wieder interessant zu werden!

Montag, 20. Mai 2019

Leo-Betzl-Trio

Heute gab es bei "Jazz in der Kammer" ungewohnte Technoklänge zu hören: vom Leo-Betzl-Trio rein akustisch erzeugt.
Sebastian Wolfgruber – Schlagzeug
Leo Betzl – Piano,
Maximilian Hirning – Bass

Diesmal war nicht nur das klassische Jazz-Publikum in das Forum Gestaltung Magdeburg gekommen, auch eine große Zahl junger Leute war im Saal zu sehen. "Ein Konzert, das aus dem Rahmen fällt", sagte dann auch Warnfried Altmann in seiner Anmoderation. "Wir sind eigentlich ein Klaviertrio, spielen aber Techno", erläuterte Leo Betzl, "da muss man sich einiges einfallen lassen".

Was gleich auffällt: die riesige Bassbox vor der Bühne. Aus der kommt dann auch ein tiefer dröhnender Rhythmus, dunkel grummelnde Borduntöne. Die drei Musiker produzieren auf ihren rein akustischen Instrumenten (zwar verstärkt, aber ohne elektronische Effektgeräte) den aus den modernen Tanzsälen bekannten Technosound. Soundmuster in steten Wiederholungen, geprägt durch das obligate Schlagzeug, helle Klaviertöne obendrüber, diffus hört man ab und an dunkel den Bass brummen. Fertig ist die Dancehall-Musik. Diesmal war nur ein Teil des Saales bestuhlt. In der anderen Häfte standen Konzertbesucher, bewegten sich zur Musik, tanzten. Die Musik der Band kam an.

Montag, 22. April 2019

Vorschau Mai: Leo-Betzl-Trio

Am 20. Mai um 20 Uhr steht das Leo-Betzl-Trio auf der Jazz-Bühne im Forum Gestaltung.
Sebastian Wolfgruber – Schlagzeug
Leo Betzl – Piano,
Maximilian Hirning – Bass


Aus der Ankündigung:
Explosive künstlerische Energie und solistische Experimentierfreude gepaart mit tanzbaren Beats – das Leo Betzl Trio interpretiert in seinem jüngsten Programm Way up in the Blue (ENJA Records) seine bereits bekannten Qualitäten als virtuoses und perfekt eingespieltes Jazz-Klaviertrio neu.
Gespielt wird rein akustisch erzeugter Techno von lyrisch über minimal bis industriell; die Bandbreite ihres Sounds reicht dabei von zarten Improvisationen bis zu drückenden Beats, stets dramatische Bögen spannend und nie verlegen um eine überraschende Wendung.

Die interaktive Empathie und dynamische Performance der drei Musiker ist nicht nur faszinierend zu beobachten, sondern auch ansteckend: Die augenzwinkernd für jedes Experiment offene Band verwandelt ihre Spielstätten regelmäßig in Dancefloors.
Hört man in Musikbeispiele der Band rein, dann werden uns beim nächsten Jazzabend kräftige Klänge erwarten, metallisch, laut, mit schnell gespielten Rhythmen. Musik die von Dancefloors her bekannt vorkommt, die in diesem Fall aber nicht vom Computer kommt, sondern live auf akustischen Instrumenten gespielt wird. Ich bin gespannt darauf.

 

Sonntag, 14. April 2019

Baby Sommers Quartetto Trionfale

Ein Schlagzeug-Feuerwerk zum Abschluss der Jazztage: Günter "Baby" Sommer gehörte unbedingt in den Schlagzeug-Schwerpunkt des diesjährigen Programms. Ein großartiges Finale!
Günter „Baby“ Sommer – Schlagzeug/Perkussion
Michel Godard – Tuba, Serpent
Gianluigi Trovesi – Klarinette
Antonio Borghini – Bass
Anatoly Vapirov – Saxophon

Mit einem Urschrei und äußerst heftigen Schlägen auf seine Trommeln beginnt Günther "Baby" Sommer sein Konzert. Die Bläser stimmen ebenso kräftig ein, unisono in ihre Instrumente blasend. Interessant, mit welcher Dynamik Michel Godard die Tuba spielt, dieses riesige Instrument. Immer wieder wiederholen die drei die Melodie dieser Eröffnungsfanfare.

Michel Godard hat nicht nur seine blaue Tuba mitgebracht, sondern auch sein Serpent. Dieses aus dem Ende des 16. Jahrhundert stammende Instrument mit seiner (wie Serpentinen) gebogenen Form, wegen des Mundstücks übrigens ein Blechblasinstrument, wird normalerweise in der Alten Musik eingesetzt. Godard dürfte wohl der einzige Jazzmusiker sein, der den Serpent spielt. (Zufällig war ich vor zwei Jahren in Colmar im Elsaß im Museum Unterlinden, als Godard gerade einem Fernsehteam den dort im Museum ausgestellten Serpent erklärte. Später lief dieser Film auf Arte.) Überraschend warm klingt das Instrument, tiefe Töne fluten den Saal.

Anatoly Vapirov arrangierte ein armenisches Stück für Sommers Quartett. Dass dieses aus der Volksmusik stammt tritt vor den kräftigen Jazzklängen bald in den Hintergrund, bleibt aber immer noch erkennbar.

Als Baby Sommer gemeinsam mit Michel Godard (jetzt wieder an der Tuba)  im Duo spielt, steigern sich beide gegenseitig in Tempo und Kraft. Am Ende klingt die Tuba bei Godard ähnlich wie ein Didgeridoo. Dann macht Baby Sommer eine Pause, sagt den anderen Musikern "jetzt dürft ihr mal allein – was jetzt passiert, passiert jetzt. Eine Welturaufführung". Da erklingen dann melodische Bläsersätze, die auch ohne Schlagzeug kraftvoll sind. Später wiederholt sich das Zusammenspiel von Sommer und  Godard, diesmal um Antonio Borghini am Bass erweitert. 

PENG PENG PENG

Lyrik und Jazz, Lesung und Schlagzeug in der Matinee der Jazztage. Ein interessanter und unterhaltsamer Sonntagvormittag, eine Freude, Sprache und Musik zusammen zu hören!
Nora Gomringer – Lesung,
Philipp Scholz – Schlagzeug

Norbert Pohlmann sagte in seiner Anmoderation "Lyrik und Jazz gehören zusammen, die Art die Welt zu sehen, sie zu interpretieren, verbindet beides". Und tatsächlich gab es bereits früher schon sehr bemerkenswerte Verbindungen, ja sogar Symbiosen der beiden Genres. Mir fallen da etwa "Jazz Lyrik Prosa" in der DDR der 1960er Jahre oder die Lesungen von (Prosa)Texten von Charles Bukowski. Diese Verbindung von Lyrik und Jazz bewog auch Carsten Geerth, Geschäftsführer des Gesellschaftshauses, Nora Gomringer zu den  Jazztagen einzuladen: "ich habe eine Sendung im Deutschlandfunk über Nora Gomringer gehört und war fasziniert, wie musikalisch ihre Vortragsweise ist".

Die Besucher der Lesung bekamen davon gleich zu Beginn einen Eindruck, als Nora Gomringer sie in ihrem "Ursprungsalphabet" in ein Meer von Assoziationen mitnahm, in die Geschichte der menschlichen Dichtkunst von der Antike an bis in die Neuzeit, von Ariadne bis Rilke. Nora Gomringer spricht, rezitiert, setzt ihre Stimme mit lautmalerischen Tönen ein. Ihre inhaltlichen Betonungen werden von Philipp Scholz mit percussiven Klängen am Schlagzeug unterstützt, oftmals sind es nur leise Trommelwirbel oder leicht angeschlagene Becken, die den Rhythmus von Gomringers Sprache aber wunderbar unterstützen. So auch in ihrem Trauergedicht für eine Freundin "Das Herz", mit Trommelschlägen im Takt des in der Brust schlagenden schlagenden Herzen.

Samstag, 13. April 2019

KLARO!

Von Saxophon und Vibraphon geprägt war der dritte Teil des "Schlagwerk"-Abends, irgendwo zwischen Fusion und Swing. 
Karolina Strassmayer – Altsaxophon
David Friedman – Vibraphon
Haggai Cohen-Milo – Bass
Drori Mondlak – Schlagzeug

Karolina Strassmayer beginnt einfache, klare Melodien auf ihrem Saxophon zu spielen, begleitet von David Friedmans Vibraphon, Drori Mondlak bleibt an seinem Schlagzeug anfangs zurückhaltend, fügt nur sparsame Schläge auf seine Bleche hinzu. Nach kräftigen Solos tritt Strassmayer immer wieder einen Schritt zurück und lässt ihre Band allein freien Raum zum eigenen Spiel, wird später kräftiger. Haggai Cohen-Milos gezupfter Bass kommt dann im Solo sehr schön zur Geltung, lange lässt er seine tiefen Töne ausklingen, während er auf den höher gestimmten Saiten melodisch spielt. Schön, den Bass mal so ausdrücklich zu hören.

David Friedman spielt virtuos sein Vibraphon, die vier Schlegel fliegen über die matt glänzenden Metallplatten. Als dann das Saxophon hinzukommt, entwickeln sich Fusionklänge. Unterstützt wird die Band durch ihren sehr exakt spielenden  Schlagzeuger. Drori Mondlak sitzt hinter seinem Drumset und gibt die Rhythmen vor, mal laut und stark, dann wieder, in den leisen Stücken der Band, nur leicht angedeutet.  

Lechner und Couturier

Der zweite Teil des Jazzabends gehörte einer sehr leisen Form der Musik, bei der man erst einmal überlegen muss, ob man sie noch dem Jazz zuordnen kann. Ja, kann man, weil man beim Hören merkt, dass auch das wie klassisch inspiriert klingende Programm viele improvisierte Elemente enthält. 
Anja Lechner – Violoncello
Francois Couturier – Piano


Anja Lechner kam auf den Vorschlag (und auf den unbedingten Wunsch) Warnfried Altmanns ins Programm. "Ich habe mich gefreut, dass das sich dann wirklich so ergeben hat", sagte er, "und auf den Einwand 'aber da ist ja gar kein Schlagzeug dabei' würde ich entgegnen, 'auch in jede Linsensuppe gehört eine Prise Zucker'". Was er damit meinte wurde bei den ersten Klängen des Cellos klar, die sich leise, wie hingehaucht, über die Töne des Klaviers legten. Man meint in einem klassischen Konzert zu sitzen (was dann auch zur häufigen Bestimmung des Gartensaals des Gesellschaftshauses passen würde). Leise und betörend sanft zupft sie Tonfolgen auf den Saiten, die auch gut von Johann Sebastian Bach stammen könnten.

Nach einem weiteren sehr leisen Part (ich hatte da Bilder wie zu Filmmusik vor meinen Augen, irgendwas wie ein Flug über schneebedeckte Berge) steigerten beide die Dynamik ihres Spiels, werden die Klänge kräftiger und tänzerisch schwungvoll. Dann wieder legt Anja Lechner dissonant gestrichene Glissandi über einen im Vordergrund stehenden Klavierpart.

Ab der zweiten Hälfte wird die Musik der beiden jazziger, wenn auch auf eine sehr ruhige Art dieses Begriffes. Aus winzigen Veränderungen der gespielten Klavierakkorde heraus entwickeln sich Veränderungen in den von Anja Lechners Cello durchgeführten Wiederholungen. Musik wie eine freie Improvisation über eine Bach-Melodie entsteht.

Christian Lillinger: PUNKT.VRT.PLASTIK

Kräftige Rhythmen, Klavier und Bass standen am Beginn des mit "Das Schlagwerk" überschriebenen dritten Abends der Magdeburger Jazztage.  
Christian Lillinger – Schlagzeug
Kaja Draksler – Piano,
Petter Eldh – Bass 

Warnfried Altmann wies auf die Vielfalt der Möglichkeiten hin, als er für den "Schlagwerk"-Abend ein kontrastreiches Programm ankündigte. An dessen Beginn stand Christian Lillingers Trio. "Christian Lillinger kenne ich schon lange", sagte Altmann (Anm.: auch hier im Blog gibt es etwas über frühere Konzerte zu lesen), "und als feststand, dass wir das Schlagzeug in den Mittelpunkt der Jazztage stellen, habe ich ihn angerufen und ihm gesagt, du kannst Dir aussuchen mit wem du kommst, aber du musst dabei sein".

Wie schon bei früheren Auftritten ist eine sehr akzentuierte Spieltechnik typisch für Christian Lillinger. Konzentriert sitzt er am Schlagzeug, nach leichten Schlägen auf die Trommeln holt er weit aus und schlägt betont auf sein Blech. Mal spielt er nur aus dem Handgelenk heraus, mal mit vollem Körpereinsatz. Für Lillinger ist sein Instrumentarium nicht einfach nur Schlagzeug, sein Drumset wird zur Percussion-Maschine, wenn er das Blech seiner Becken mit Metallstangen streicht oder mit den Trommelstöcken auf dem Fell der Trommeln herumkratzt. Nicht nur die lauten, auch die leisen Töne sind ihm wichtig. Trommeln ebenso wie das Quietschen von Blech auf Blech. Experimentelle Klänge können aus ganz einfachen Möglichkeiten entstehen, etwa wenn Lillinger das Klavier mit Tönen der Saiten eines Eierschneiders begleitet, metallisch und hoch klingend.

Zu Lillingers Rhythmen spielt Kaja Draksler komplizierte Tonmuster auf dem großen Konzertflügel. Teils sind es nur stete Wiederholungen, die die Pianistin im Gleichklang mit dem Schlagzeuger spielt, mit der Gleichmäßigkeit eines Uhrwerks, einzelne Töne, die Hände links und rechts zu den tiefsten und höchsten Tasten ausgestreckt. Dann wieder breite Akkordfolgen, fließende Töne.

Petter Eldh schiebt tief dröhnende Rhythmen hinzu, tiefe Borduntöne scheinen zwischen den Pausen des Schlagzeugs durch. Plötzlich Stille, in die hinein Kaja Draksler pedalunterstützt lange nachhallend langsame Akkorde klingen lässt, schneller wird, damit einen Rhythmus vorgibt, dem nun Lillinger folgt.

Jollis wilde Welt der Worte

Freude an Musik und Worten, an Spiel und Bewegung brachte die Jorinde Jelen Band mit nach Magdeburg. Auch wenn nicht ausdrücklich "Jazz für Kinder" unter dem Programmtitel stand, das Konzert passte hervorragend in die Jazztage.
Jorinde Jelen – voc
Volker Dahms – sax, fl
Bastian Ruppert – g
Steffen Greisiger – keys
Christian Sievert – kb
Eva Klesse – dr

Der Schinkelsaal im Gesellschaftshaus, sonst Ort klassischer Konzerte, ist beinahe leer geräumt, nur noch ganz hinten bleiben zwei Stuhlreihen für Eltern und Großeltern. Der Fußboden ist nun voller bunter Sitzkissen, auf denen die Kinder schon warten. "Es ist 15 Uhr – seid Ihr alle schon bereit? Sind die Ohren gespitzt, die Augen klar, die Ohren offen, der Mund bereit?" fragt Jorinde Jelen und singt "Dann kann die Show beginnen", lässt die Kinder mit Händen, Augen und Mund mitmachen. In ihren Liedern singt sie von Dingen, die die Kinder kennen, von Tieren und Blumen, singt über Musik und Gesten, lässt die Kinder den ganzen Körper einsetzen, und die Kinder singen, hüpfen, tanzen, winken, haben ihren Spaß daran.

Freitag, 12. April 2019

Kugel, McPhee, Edwards, Swell

Mächtige Bläserklänge, begleitet von Bass und einem starken Schlagzeug, standen am Ende des Clubabends der Magdeburger Jazztage.
Klaus Kugel – Drums
Joe McPhee – Saxophon, Trompete
Steve Swell – Posaune
John Edwards – Bass

In seiner Anmoderation wies Warnfried Altmann darauf hin, dass „Klaus Kugel einer der Schlagzeuger ist, die gern engagiert werden, wenn amerikanische Solisten nach Deutschland kommen, weil er so kraftvoll spielt“. Und er machte auf den Untertitel der Magdeburger Jazztage hin. „Jetzt! Das ist aktuelle, das ist zeitgenössische Musik“. Über Joe McPhee sagte er, „es ist selten, dass jemand in dieser Weise die beiden so unterschiedlichen Instrumente Tompete und Saxophon spielt“. Auch bei diesem Konzert des Clubabends gab es wieder eine spontane Erweiterung des ursprünglich angekündigten Trios. Zu Klaus Kugel, Joe McPhee und John Edwards kam nun Steve Swell mit seiner Posaune hinzu.

Es war beinahe unfassbar, mit welcher Gewalt und Lautstärke Joe McPhee mit seiner Trompete und Steve Swell mit seiner Posaune die Töne ins Publikum blasen. Töne, in denen sich eine ungeheure Kraft entlädt. Klaus Kugel setzt ein wahres Feuerwerk an Trommelklängen hinzu. Das Gehör der Konzertbesucher wird frei geblasen von allem zuvor gehörten. Erst danach ist Zeit auch für leisere Klänge: Joe McPhee und Steve Swell halten sich zurück, Klaus Kugel zaubert Geräusche auf mit dem Bogen gestrichenen Gongs oder lässt Glocken klingen.

Mateen, Kugel, de Joode

Der zweite Teil des Clubabends der Magdeburger Jazztage gehörte einem der Großen des afroamerikanischem Jazz. So jedenfalls kündigte Warnfried Altmann den New Yorker Saxophonisten Sabir Mateen an. "Wir haben hier jemanden, auf den in der Jazzszene gehört wird", sagte Altmann über Mateen. Anstelle von Warren Smith (der aus gesundheitlichen Gründen nicht den langen Flug nach Europa antreten durfte) saß Klaus Kugel am Schlagzeug, zusätzlich kam Wilbert de Joode am Baß hinzu, also der Bassist des vorangegangenen und der Schlagzeuger des folgenden Konzertes (ursprünglich waren Mateen/Smith als Duo angekündigt). Diese Besetzungsänderung wurde erst kurz vor dem Konzert zwischen den Musikern vereinbart – etwas, was so spontan nur auf einem Festival möglich ist.
Sabir Mateen – Sax
Klaus Kugel – Drums, Percussion
Wilbert de Joode – Bass

Die drei Musiker beginnen unvermittelt mit voller Kraft. Allen voran die klaren Töne auf Sabir Mateens Saxophon, zu denen Klaus Kugel kräftige Rhythmen beiträgt, bei denen er außer den großen und kleinen Trommeln eine Vielzahl an Gongs und Glocken klingen lässt. Diese percussiven Stellen sind es dann auch, die dem Zuhörer zwischendurch einige Augenblicke der Ruhe in einem insgesamt kräftigen Konzert geben. Wilbert de Joode zupft den Bass mit voller Dynamik, zieht an den Saiten, streicht ihn, klopft darauf und hebt sich mit diesem kräftigen Spiel aus dem Hintergrund der Musik heraus.

Sabir Mateen, der recht schwerfällig auf die Bühne kam, ist als er zu seinem Instrument greift, an musikalischer Kraft aber nicht zu bremsen. Als Kugel und de Joode mit ihren ausklingenden Instrumenten eine kurze Pause andeuten, schaut er nur kurz zu ihnen rüber, als wollte er ihnen "doch jetzt noch nicht" sagen – und spielt weiter, den ganzen Set an einem Stück. Mateen lässt das Saxophon in hohen Tönen melodisch klingen, trötet tiefe Töne hinzu, in immer wilder werdendem Spiel.

Jan Klares 2000

Der Clubabend der Magdeburger Jazztage im Forum Gestaltung begann mit Jan Klares neuem Projekt "2000" und sehr kräftig gespielter Musik.
Michael Vatcher – Drums
Jan Klare – Saxophon
Steve Swell – Posaune
Bart Maris – Trompete
Elisabeth Coudoux – Cello
Wilbert de Joode – Bass 

Jan Klare war in Magdeburg bei Jazz in der Kammer bereits früher mit seinem Projekt "1000" zu hören. Damals im Quartett, nun um Elisabeth Coudoux und Steve Swell zum Sextett vergrößert, was die klanglichen Möglichkeiten erweitert. Zu Beginn ist (in Clown for breakfest) nur der Bass zu hören, ab und an von einem scheinbar zufällig eingestreuten Schlagzeug unterbrochen. Dann aber setzten bald die Bläser mit einem kräftigen Gleichklang ein, mit wuchtigen Klängen, vielleicht wie im Orchestervorspiel einer Wagner-Oper und einem unwahrscheinlich stark gespieltem Schlagzeug. Ein experimentierfreudiger Bart Maris an der  Trompete wechselt sich ab mit einem anfangs eher sinfonisch klassisch klingenden, später kräftig improvisierendem Cello. Auch wenn die Band sehr kräftig spielt, bleibt sie an vielen Stellen melodisch, vielleicht auf ihre eigene Art von melodisch. Voller Intensität spielen sich Bart Maris von der linken Seite der Bühne her und Steve Sweell und Jan Klare von der rechten Seite der Bühne her gegenseitig Tonfolgen oder kleine Melodien zu, variieren sie, ein interessantes Zusammenspiel, bei dem die Tonquellen auf der Bühne sich gleichsam hin und her bewegen.

Donnerstag, 11. April 2019

Ivo Papasov and his Wedding Band

Mit Ivo Papasov und seiner bulgarischen Hochzeitsband stand Weltmusik am Beginn der 4. Magdeburger Jazztage. Kräftige und lebendige Musik, in der sich bulgarische Folklore mit europäischem Jazz mischte. 
Salif Ali  – Drums
Ivo Papasov – Clarinet
Maria Karafizieva – Vocals
Nenko Catchev – Kaval (Flute)
Ateshghan Yuseinov – El.guitar
Nesho Neshev – Accordion
Vasil Mitev – Keyboards, Gadulka (Violin)

Wenn Warnfried Altmann in der Anmoderation noch sagte, "manch einer wird vielleicht 'das ist doch gar kein Jazz' sagen", dann spielte er ganz bestimmt auf den musikalischen Hintergrund der Band an, die ebenso auch, wie schon im Namen "Wedding Band" ausgedrück, zu Hochzeiten und anderen Feiern zum Tanz spielt. Wer die Band dann hörte, wurde schnell eines besseren belehrt, denn so frisch und lebendig die Band auftrat, so kräftig sie Melodien interpretierte und mit schnellen Rhythmen spielte, passte sie wunderbar in ein Festival der improvisierten Musik.

Das Konzert begann noch mit langsamen, beinahe melancholischen Balkan-Klängen, die Nesho Neshev auf dem Akkordeon anstimmte und die Ivo Papasov auf der Klarinette immer lauter werdend wiederholte. Dann aber setzte das Schlagzeug ein, und das voller Kraft! Salif Ali trommelte los wie ein wildes Tier! Kräftige Tanzrhythmen kamen aus seinen Trommeln, Stimmung wie sie auch gepasst hätte, um Gäste auf einer Dorfhochzeit zu wilden Tänzen anzuregen. An dieser Stelle konnte man sich fragen, ob es wirklich nötig war, überhaupt Stühle in den Saal zu stellen – denn sonst hätte der ganze Saal getanzt.

Zwischen den vielen Instrumentals sang Maria Karafizieva mit kräftiger Stimme bulgarische Lieder. Bulgarische Volksweisen, einige davon aber so kräftig interpretiert, dass sie auch Rockmusik sein könnten. Im Publikum war auch die bulgarische Community vertreten, die die Texte selbstverständlich kannten und mitsangen. Später sagten mir einige: "Ivo Papasov und seine Band kennen wir schon seit so vielen Jahren, der war schon in unserer Jugend bekannt".

Eröffnung der Jazztage

Heute wurden im Magdeburger Gesellschaftshaus die vierten Magdeburger Jazztage eröffnet. Die Besucher dieses kleinen Jazzfestivals können sich von Donnerstag bis Sonntag auf zehn Konzerte freuen. Darunter gibt es diesmal erstmalig auch ein Konzert für Kinder und eine von Schlagzeug und Percussion begleitete Lesung.

Warnfried Altmann (links) und Norbert Pohlmann
eröffneten die Magdeburger Jazztage.

Norbert Pohlmann blickte in einer kurzen Ansprache zur Eröffnung der Jazztage auf die Zeit der Vorbereitung zurück und brachte auch die internationale Politik ins Spiel: "Wir haben uns zum Beispiel gefragt, laden wir auch englische Musiker ein. Vielleicht ist in Zeiten dyfunktionaler Regierungen die Kultur wichtiger denn je". (Anm. d. Red.: selbstverständlich ist auch ein Engländer vertreten. Und wie passend zum Thema Brexit kam grad heute in der Jazzsendung des Deutschlandfunks ein Beitrag über die "Brexit Big Band" des Engländers Matthew Herbert)
Wie um den poltischen Anspruch von Musik zu unterstreichen, zitierte er auch den Jazz-Musiker Coco Schumann, der, nachdem er Nazizeit, KZ und Holocaust überlebte, sagte "Wer den Swing in sich hat, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren."

Norbert Pohlmann wies auf einen weiteren Aspekt der Jazztage wies hin: "Manche haben uns gefragt, 'warum macht Ihr die Karten so billig?' (die Festivalkarte für 10 Konzerte kostet nur 80 Euro)" und erklärte "es ist uns wichtig, die Kultur für jeden zu ermöglichen." Und das auch im Gesellschaftshaus, das wie Pohlmann sagte "ein Haus der Hochkultur ist". Für ihn ist es "wunderbar, das mit dem Jazz zu verbinden".

Warnfried Altmann freute sich auf die zehn wunderbaren Veranstaltungen. "Vielleicht wird manch einer vielleicht über einige Konzerte, so wie das heute, 'das ist ja gar kein Jazz sagen' – so vielfältig ist die Musik und all das ist eben vor allem eine wunderbare, improvisierte Musik". Dazu gehören der Klubabend im Forum Gestaltung am Freitag mit kräftigem Jazz ebenso wie das unter dem Titel "Das Schlagwerk" stehende Konzert am Sonnabend im Gesellschaftshaus (mit jeweils drei Konzerten) und das Abschlusskonzert mit dem Schlagzeug-Großmeister Günter "Baby" Sommer und seinem Quartetto Trionfale.

Montag, 18. März 2019

Hanschel und Shotham

Heute standen zwei Gewinner renommierter Musikpreise auf der Bühne: Roger Hanschel (WDR-Jazzpreis) und Ramesh Shotham (WDR-Weltmusikpreis). Der Konzertabend bot einen Mix aus saxophongeprägtem zeitgenössischen Jazz und indischen Klängen.
Ramesh Shotham – Perkussion
Roger Hanschel – Saxophon

Roger Hanschel begann das Konzert mit warmen, kräftigen Saxophonklängen, einzelnen, ineinander übergehenden Tönen, abseits gewohnter Tonskalen, indischen Klängen ähnelnd. Aus den anfangs leisen Tönen werden bald schreiend laute, schrille. Die Wiederholungen seiner Tonfolgen klingen wie die Strophen eines Liedes. Ramesh Shotham begleitet das Saxophon zunächst mit nur zurückhaltend am Schlagzeug. Extrembiose nennt Hanschel seinen ersten Titel, und beschreibt damit eine „extreme Form zwischenmenschlicher Beziehungen“.

Später nimmt Hanschel einzelne Passagen mit einer Loop Station auf, legt neue Stimmen darüber. Shotham greift zur Kanjira, einer kleinen, und wie er sagt, „ursprünglich mit Echsenhaut bespannten“, dem Tambourin ähnlichen Trommel.

Ein Percussion-Solo widmete Shotham dem indischen Gott Ganesha. Zu (elektronisch eingespielten) Klängen der Tampura, einer indischen Langhalslaute, spielt er die Tempeltrommel Tavel. Sanfte, meditative Klänge sind zu hören, die durch die mit einem Schlegel und mit den Fingern erzeugten Rhythmen Struktur erhalten.

Freitag, 22. Februar 2019

Vorschau Magdeburger Jazztage

Vor dem Beginn  des Februar-Konzertes kamen Norbert Pohlmann und Warnfried Altmann auf die Bühne, um die Magdeburger Jazztage anzukündigen.


Im Jahresprogramm waren die Jazztage bereits angekündigt, nun endlich sind auch die Konzerte fest vereinbart. Vom 11. bis zum 14. April gibt es von Donnerstag bis Sonntag vier Tage voll improvisierter Musik, mit Jazz vom Feinsten. Dabei war es auch in diesem Jahr wieder eine schwierige Aufgabe, die Finanzierung hinzubekommen, Geldgeber zur Unterstützung der Konzerte zu finden. "Wir haben alle unsere Hosentaschen umgedreht", sagte Norbert Pohlmann, "und die Finanzierung in letzter Minute hinbekommen".

Warnfried Altmann freute sich sehr darüber, dass dieses Projekt auch in diesem Jahr Wirklichkeit werden kann. Nicht selbstverständlich heutzutage! Nun aber ist alles fertig. "Ich freue mich über die vier Tage im Gesellschaftshaus und im Forum Gestaltung", sagte Altmann und wies auch auf die Unterstützung von Carsten Geerth vom Gesellschaftshaus hin, das ebenfalls Mitveranstalter ist. "Dort findet dann auch das Eröffnungskonzert statt, mit einer begeisternden bulgarischen Band".  Der Freitag gehört dann dem Clubabend im Forum Gestaltung. "Da hören wir dann drei Konzerte hintereinander, alles mit sehr kräftiger Musik. Sonnabend und Sonntag geht es dann wieder im Gesellschaftshaus weiter".

Neu ist diesmal ein Konzert speziell für Kinder, am Sonnabend vormittag, und eine Lesung mit Musikbegleitung, zur Matinee-Zeit am Sonntag vormittag.

Der Sonnabend-Abend steht unter dem Titel "Das Schlagwerk" und präsentiert drei Konzerte unterschiedlichster Musiker. Auch das Abschlusskonzert am Sonntag Abend kommt von einem Schlagzeug-Großmeister: Günter "Baby" Sommer und dem "Quartetto Trionfale". In einer Besetzung, auf die ich mich schon sehr freue.

Auch 2019 gibt es wieder eine limitierte Anzahl von Festival-Tickets. Für nur 80 Euro ist damit der Eintritt in alle Konzerte der Magdeburger Jazztage möglich. Die Karten gibt es im Vorverkauf im Forum Gestaltung.

Das komplette Programm:

Donnerstag, 11.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg
ab 20.00 Uhr  Der Eröffnungsabend

Ivo Papasov and his Wedding Band (Bulgarien)
Salif Ali  – Drums
Ivo Papasov – Clarinet
Maria Karafizieva – Vocals
Matyo Dobrev – Kaval (Flute)
Ateshghan Yuseinov – El.guitar
Nesho Neshev – Accordion
Vasil Mitev – Keyboards, Gadulka (Violin)

Eintritt: 20 € / ermäßigt 15 €

Freitag, 12.04.2019 im Forum Gestaltung
ab 19.00 Uhr  Der Klubabend

Jan Klares 2000 (USA, D, B, NL)
Michael Vatcher – Drums
Jan Klare – Saxophon
Steve Swell – Posaune
Bart Maris – Trompete
Elisabeth Coudoux – Cello
Wilbert de Joode – Bass

Smith & Mateen (USA)
Warren Smith – Drums, Percussion
Sabir Mateen – Sax

Kugel, Mc Phee, Edwards (D, USA, UK)
Klaus Kugel – Drums
Joe Mc Phee – Sax, Trompete
John Edwards – Bass

Eintritt: 30 € / ermäßigt 25 €, für alle 3 Konzerte des Abends

Samstag, 13.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg

15.00 Uhr Das Familienkonzert

Jollis wilde Welt der Worte
Jorinde Jelen Band

Eintritt: 11 € / Kinder bis 14 Jahre 5 € / ermäßigt 8,50 €

ab 19.00 Uhr Das Schlagwerk

PUNKT.VRT.PLASTIK (D, SLO, S)
Christian Lillinger – Schlagzeug
Kaja Draksler – Piano,
Petter Eldh – Bass

Lechner/Couturier (D, F)
Anja Lechner – Violoncello
Francois Couturier – Piano

Karolina Strassmayer & Drori Mondlak – KLARO! (USA, A, D)
Drori Mondlak – Schlagzeug
Karolina Strassmayer – Altsaxophon
David Friedman – Vibraphon
Thomas Stabenow – Bass

Eintritt: 30 € / ermäßigt 25 €, für alle 3 Konzerte des Abends

Sonntag, 14.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg
11.00 Uhr  Die Matinee

Lyrik & Jazz: „PENG PENG PENG“
Nora Gomringer – Lesung,
Philipp Scholz – Schlagzeug

Eintritt: 15 € / ermäßigt 12 €

20.00 Uhr im Gesellschaftshaus Magdeburg
Das Abschlusskonzert

Baby Sommers Quartetto Trionfale, special guest Anatoly Vapirov (D, F, I, BG)

Günter „Baby“ Sommer – Schlagzeug/Perkussion
Michel Godard – Tuba, Serpent
Gianluigi Trovesi – Klarinette
Antonio Borghini – Bass
Anatoly Vapirov – Saxophon

Eintritt: 20 € / ermäßigt 15 €

Vorschau März: Tabla und Sax

Beim nächsten Termin von Jazz in der Kammer, am Montag, dem 18. März im 20.00 Uhr erwartet uns eine wunderbare Kombination von Saxophon und indisch geprägter Percussion.
Ramesh Shotham – Perkussion
Roger Hanschel – Saxophon

Im Video gibt es einen längeren Mitschnitt eines Konzertes der beiden Musiker beim WDR-Jazzfest. Hört rein, lasst Euch neugierig  machen und kommt zum Live-Konzert nach Magdeburg. Denn auch hier ist live natürlich viel besser als alle Youtube-Videos.

Roger Hanschel und Ramesh Shotham sind beide Preisträger des WDR Jazzpreises 2018.
In der Kategorie „Improvisation“ gewann Hanschel als Solo-Saxophonist. Laut Jury ist er „der Traum eines virtuosen Stilisten, einer der sein Ding macht, dieses Ding stetig fortentwickelt, perfektioniert und einmal angekommen, direkt wieder um die nächste Ecke verschwindet, um sich eine weitere musikalische Welt zu erschließen“.
Der Perkussionisten Shotham wurde in der Kategorie „Musikkulturen“ vom WDR ausgezeichnet. Der Autodidakt schafft es mit seinem ungewöhnlichen Stil Kulturen zu verbinden. Seine Karriere begann als Schlagzeuger in einer Rockband und wurde u. a. von den Beatles und den Rolling Stones beeinflusst. Einen Kontrast dazu bildet das Studium der indischen Tempelmusik und Schlaginstrumente.

ROGER HANSCHEL,
ist ein deutscher Saxophonist und Komponist, der vor allem im Bereich des Creative Jazz arbeitet.
Hanschel studierte erst Saxophon an der Musikhochschule in Köln. Dort gründete er 1983 die Gruppe NANA (Hans Lüdemann-p, Rainer Linke-b, Klaus Mages-dr) aus der die Gruppe BLAU FRONTAL entstand. Seit dieser Zeit ist neben dem Saxophon das Komponieren ein Schwerpunkt seiner Arbeit. 1986 studierte er an der „school for fine arts“ in Banff/Canada bei Dave Liebman, Dave Holland, Richie Beirach u.a.
Seit 1987 ist Roger Hanschel Mitglied in der ausgezeichneten KÖLNER SAXOPHON MAFIA (Steffen Schorn, Joachim Ullrich, Wollie Kaiser).
Nach etlichen Projekten und Kooperationen arbeitet er seit 2010 mit größeren Ensembles zusammen und ist Lehrbeauftragter für Saxophon an der Musikhochschule in Köln.

RAMESH SHOTHAM,
ist ein indischer Perkussionist und Schlagzeuger des World- und Fusionjazz.
Nach einem Zoologiestudium wurde er Schlagzeuger der indischen Rockband Human Bondage. Mitte der 1970er Jahre studierte er in Madras die Tavil, eine in Südindien und Sri Lanka verbreitete Tempelmusik-Trommel und später am Karnataka College of Percussion unter Leitung des Meisters T. A. S. Mani die klassischen Schlaginstrumente Ghatam, Mridangam, Kanjira und Morsing. Ende der 70er Jahre lernte Shotham die deutschen Ethno-Pioniere Embryo kennen und arbeitete mit Louis Banks. 1980 kam er mit der Indo-Jazz-Fusion-Band Jazz Yatra Septet für eine Tournee nach Europa.
Mitte der 80er Jahre lehrte er in Deutschland Seit 1995 ist er Mitglied von Sigi Schwabs Percussion Project und dem Duo Mandala mit Sigi Schwab. Er arbeitete mit dem Bundesjazzorchester und gründete weitere Formationen. Seit mehr als 20 Jahren lebt Ramesh Shotham in Köln.

Montag, 18. Februar 2019

Paradox Dreambox

In seinem Projekt Paradox Dreambox brachte der Schlagzeuger Peter Gall Jazz auf die Bühne, der oft kräftigen und wild daherkam, aber auch viele harmonische Momente hatte.  
Peter Gall – Schlagzeug
Wanja Slavin – Altsaxophon
Reinier Baas – Gitarre
Rainer Böhm – Piano
Felix Henkelhausen – Bass

Eine Mischung aus leicht gespielten Gitarrenriffs und langsamen Klavierakkorden bestimmt den Beginn des Konzertes, diese werden bald vom Saxophon überlagert, das Wanka Slavin ausdrucksvoll spielt, sich immer weiter in seine Klänge hinein steigernd, bis der Raum diffus von den Bläserklängen gefüllt ist. Als Slavin sein Spiel plötzlich abbricht, hört man ebenso plötzlich wieder die anderen Instrumente mit großer Klarheit heraus, die kräftigen Akkorde am Klavier, den gezupften Bass und das Schlagzeug.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Vorschau Februar

Am Montag, dem 18.02.19 ist um 20.00 Uhr  „Paradox Dreambox“ bei Jazz in der Kammer zu hören.
Peter Gall – Schlagzeug
Wanja Slavin – Altsaxophon
Reinier Baas – Gitarre
Rainer Böhm – Piano
Matthias Pichler – Bass
Im Video-Trailer bekommt man eine Kostprobe auf Musik, die von schnell gespielter Fingerpicking-Gitarre ebenso wie vom Klavier und von warmen Bläserklängen geprägt ist. Da sollten auch die Jazz-Fans auf ihre Kosten kommen, denen die experimentellen Freejazz-Klänge zu experimentell und wild sind.



Montag, 21. Januar 2019

Quartett 3εll

Boris Bell verknüpft in seinem Quartett 3εll hochkomplexe Musik mit Improvisation.
Boris Bell – Schlagzeug
Nikolaus Neuser – Trompete
Silke Eberhard – Altsaxophon
Antonis Anissegos – Piano

Das Quartett um Boris Bell (das „3εll“ wird übrigens ganz einfach wie der Name des Schlagzeugers ausgesprochen) spielte eine hochkomplexe Musik, weit entfernt von jedem easy-listening-Jazz. Musik, Töne, Klänge, in die man sich erst einmal einhören muss. In den ersten zehn Minuten gibt es nichts eingängiges, das sofort beim ersten Hören vertraut klingt, weder vom Rhythmus noch von den Melodien her. Das Ohr muss sich neu orientieren, die Zusammenhänge erkennen. „Vergesst was ihr kennt“, scheinen die Musiker zu signalisieren. Bell gibt an seinem Schlagzeug einen Rhythmus vor, Silke Eberhard und Nikolaus Neuser setzen einzelne Bläsertöne dazu und Antonis Anissegos sparsame Akkorde, zu denen er auch mal in den Flügel greift und mit der Hand die Saiten zupft. Erst nach diesem extremen Beginn werden die Strukturen im Zusammenspiel von Klavier, Schlagzeug und Bläsern deutlicher, gewinnt das Zusammenspiel an drive.

Mittwoch, 16. Januar 2019

Konzert zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs

Heute war der Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945. Eine der Gedenkveranstaltungen war die im Forum Gestaltung, bei der Warnfried Altmann und Hermann Naehring unter dem Titel "Ein wahres Elend, der verdammte Krieg" eine von Norbert Pohlmann zusammengestellte Filmcollage begleiteten. Der syrische Autor Mohamad Issa trug Verse über den Krieg vor, den er in Syrien erlebte.


Schon vor Beginn des Konzertes waren Antikriegslieder zu hören, etwa das von Hannes Wader gesungene "Wo sind all die Blumen hin". Denen, die am Jahrestag der Zerstörung Magdeburgs in das Forum Gestaltung kamen, war die Antwort wohl klar. Auch was die Gäste erwarten durften, war bekannt. Norbert Pohlmanns stumme Collage alter Schwarzweißfilme aus der Zeit vor dem Krieg und aus dem Krieg wurde bereits viele Male von Musikern begleitet, mal von Altmann und Naehring, mal vom Neuen Magdeburger Kammerchor. Jeder hat da seine eigene Interpretation, bei Altmann und Naehring ist sie, da frei improvisiert, auch jedes mal ein wenig anders. Nur eines steht für Pohlmann immer im Vordergrund: "die Deutung der Vorgänge dürfen wir nicht den Rechten überlassen".

Donnerstag, 3. Januar 2019

Vorschau Januar: Gedenkkonzert und Jazz in der Kammer

An dieser Stelle möchte ich auf zwei Januar-Termine hinweisen.

Am Mittwoch, dem 16. Januar um 20 Uhr erinnert das Forum Gestaltung mit einem Gedenkkonzert an die Zerstörung Magdeburgs am 16. Januar 1945.

Warnfried Altmann – Saxophon
Hermann Naehring – Schlagwerk
Mohamad Issa – Rezitation in syrischer Sprache
Norbert Pohlmann – Übertragung ins Deutsche
Zur Musik von Altmann und Naehring laufen auf der Leinwand originale Filmdokumente und dokumentarische Texte. Am Ende des Konzertes läuten alle Glocken der Stadt. Mehr dazu können Sie im Blogeintrag vom Januar 2018 lesen.

Am Montag, dem 21. Januar um 20 Uhr ist wieder der reguläre Termin von Jazz in der Kammer. Dann mit dem Quartett Bell.

 
Boris Bell – Schlagzeug
Nikolaus Neuser – Trompete
Silke Eberhard – Altsaxophon
Antonis Anissegos – Piano
Die Band um den Schlagzeuger Boris Bell kombiniert deutlich von Bläsern betonte Musik und  kräftige Rythmusakzente mit Percussion und fetten Drums. Die ausführliche Konzertempfehlung können Sie im Blogeintrag aus dem Dezember 2018 lesen.