Donnerstag, 24. Mai 2018

Vorschau Juni

Am Montag, dem 18. Juni 2018 gibt es das letzte Konzert vor der Sommerpause (Beginn: 20 Uhr). Dann gibt es ein Wiedersehen mit dem Alan-Tomlinson-Trio, das vor länger Zeit bereits in Magdeburg zu Gast war und mich begeisterte.
Alan Tomlinson – Posaune
Christoph Winckel – Bass
Willi Kellers – Schlagzeug
Das Alan-Tomlinson-Trio,
bei Jazz in der Kammer in Magdeburg (2011)
Über das aktuelle Programm heißt es in der Ankündigung:
Die Rhythmusgruppe (Winckel, Kellers) erfüllt ihre Aufgabe seit 30 Jahren etwa so: sie springt nach vorne, in die Melodien, zu den Bläsern – und ein Posaunist wie Tomlinson springt dann einfach weiter: mit der Posaunen-Melodie über die Körper-Performance direkt ins Publikum hinein!– Im Fachjargon: Direkt-Musik!
Ich werde mich wieder überraschen lassen und freue mich auf den Abend.

Montag, 21. Mai 2018

Hübsch – Moll – Wierbos

Heute stand das Trio Hübsch-Moll-Wierbos auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung.
Carl Ludwig Hübsch – Tuba
Udo Moll – Trompete
Wolter Wierbos – Posaune

Das Konzert fiel auf den Pfingstmontag. Trotz des Feiertags kamen die Freunde der improvisierten Musik, um die Jazz-Klänge zu hören. Und die waren diesmal sehr frei improvisiert! Kaum waren die Musiker auf der Bühne, gab es ein Durcheinander an Tönen, das sich allmählich entwirrt, neu sortiert und ordnet, als Carl Ludwig Hübsch auf der Tuba einen marschierenden Rhythmus anstimmt und die Richtung vorgibt, in die sich Wolter Wierbos an der Posaune und Udo Moll an der Trompete einfügen. Bei den Zuhörern (jedenfalls bei mir, aber vielleicht – und das ist ein großer Vorteil dieser freien Zusammenstellung von Klängen –  hört ja jeder etwas anderes) weckte das Assoziation an Arbeiterlieder, wie sie früher die Schalmeienkapelle spielte.

Gegenüber den melodischen Teilen überwogen die improvisierten Abschnitte. Geräusche aus den drei Instrumenten überlagern sich, ein Quieken, Schnalzen, Tröten, Rauschen, dem allen wird auch noch Gesang überlagert. Bald fühle ich mich an den Karneval der Tiere erinnert, höre Löwe, Tiger, Hund und Frösche aus den Klängen heraus. Dann wieder ein plötzlicher Wechsel, ein langsamer Part, bei dem die Bläser, immer lauter werdend, Klänge Wagnerscher Wucht produzieren.

Udo Moll sagte über das Entstehen solcher Musik, "wir schmuggeln kleine Fragmente in die Stücke, die dann Ausgangspunkt sind für Improvisationen". Und dies nicht ohne den Spaß an ausgefallenen, scheinbar völlig abseitigen Melodien, zu denen sie auch die passenden Stories liefern. Etwa die von Ernst Mosch, einst König der volkstümlichen Weisen, der früher aber Jazzer war. "Und dann stellte er fest, dass man in der Volksmusik mehr verdienen kann", sagten die Musiker und stimmten selbst Alpenländische Klänge an ("Dompfaff"), die sie bald darauf in schiffssirenenlaute Töne umwandelten.

Montag, 23. April 2018

Vorschau Mai

Das Mai-Konzert von Jazz in der Kammer fällt auf den Pfingstmontag. Am 21. Mai werden um 20 Uhr
Matthias Muche – Posaune
Udo Moll – Trompete
Carl Ludwig Hübsch – Tuba
auf der Bühne des Forum Gestaltung stehen.

Über das Konzert heißt es in der Ankündigung:
Das Blechbläser-Trio Muche/Hübsch/Moll zelebriert die Kunst der rauschhaften Reanimierung ausgewählter Momente der Jazzgeschichte. Das Repertoire basiert zum größten Teil auf Kompositionen von Sun Ra, Charles Mingus, Ernst Mosch und Misha Mengelberg. Durch beherzten Zugriff und freigeistige Gestaltung wird die Musik von der Fettschicht des Normativen befreit und zurückgeführt auf das, was sie schon immer sein wollte: Schweiß, Atem, Erregung.

Alle drei Musiker sind solo in unterschiedlichen Ensembles in Bereichen der improvisierten und der neuen Musik unterwegs, zum Teil auch in Verbindung mit Elektronik. Deshalb dürfte das Jazz-Konzert am Pfingstmontag wieder ein sehr interessantes werden.

Der Trompeter Udo Moll war übrigens kürzlich bei den Freien Klängen, Warnfried Altmanns zweiter Konzertreihe in Magdeburg, als Teil des Vinograd Express zu erleben.

Sonntag, 22. April 2018

Nils Landgren Quartett

Das Abschlusskonzert der Magdeburger Jazztage kam vom Quartett des schwedischen Posaunisten Nils Landgren. Harmonischer Jazz aus Schweden, mit einer jungen Band aus Deutschland.
Nils Landgren – Posaune, Gesang
Eric Staiger – Piano
Lisa Wulff – Bass, Gesang
Silvan Strauß – Schlagzeug 


Das Abschlusskonzert der Magdeburger Jazztage war schon lange vorher bis auf den letzten Platz ausverkauft. Kein Wunder, hatten doch die Organiatoren mit Nils Landgren einen der bekanntesten gegenwärtigen Jazz-Musiker nach Magdeburg geholt. Mitgebracht hatte er eine ganz neue Besetzung seines Quartettes, drei junge Musiker, die ihn an Klavier, Bass und Schlagzeug perfekt begleiteteten und auch solistisch ihr Können zeigten, im wahrsten Wortsinn "beschwingt" spielten, mit viel Gefühl für die Musik, lebendig und ausdrucksstark.

Am Beginn seines Programms stand aber nicht Landgrens rote Posaune, seit Jahren sein Erkennungszeichen, sondern ein zartes, ganz ruhig gesungenes Liebeslied, von der Band leise begleitet. "You can reach me by the railway / You can reach me by trailway / You can reach me on an airplane You can reach me with your mind ... I don't care how you get here / Just Get here if you can" hieß es darin. (Du kannst mich auf so vielen Wegen erreichen, aber Hauptsache, Du kommst bald...).

Samstag, 21. April 2018

Vertigo Trombone Quartett

Im dritten Set des Sonnabendkonzertes der Magdeburger Jazztage spielte das Vertigo Trombone Quartett. Das Quartet, das ausschließlich aus Posaunen bestand, ohne eine Rhythmusgruppe (!), ist in dieser Besetzung schon eine Seltenheit – und passte damit bestens in das Thema des Abends („Die Posaune“) und zur Posaune als dem in diesem Jahr von Jazz in der Kammer speziell gefeatureden Instrument.
Nils Wogram – Posaune
Bernhard Bamert – Posaune
Andreas Tschopp – Posaune
Jan Schreiner – Bassposaune

Warnfried Altmann begrüßte die Musiker, von denen Nils Wogram bereits einige Mal in Magdeburg war und sagte, „ich freue mich unheimlich auf dieses Konzert“. Schließlich ist er selbst Bläser und kennt die Herausforderungen einer solchen Besetzung. Der Beginn des Konzertes erinnerte eher an Klassik als an Jazz, vielleicht an eine Alpensinfonie (die Instrumente sind ja davon nicht sehr fern). Später meinte man Einflüsse von Kurt Weill herauszuhören, der schließlich auch in vielen seiner Kompositionen diie Bläser sehr betont einsetzte. Insbesondere als das Quartett dann Marschrhythmen anstimmte, schien die Dreigroschenoper nicht weit weg zu sein.

Keine Regel ohne Ausnahme, und schrieb ich oben noch „ausschließlich Posaunen“, so erzeugte Nils Wogram auch mal mit dem Mund Didgeridoo-Klänge an oder griff zur Melodika und Jan Schreiner tauschte gelegentlich die Bassposaune gegen die Tuba. Dann klang die Musik des Quartetts auch mal nach Bigband, oder nach einem sehr wichtigen Teil einer solchen.

Basement Research

Die 25-Jahre-Jubiläumstour führte Gebhard Ullmann mit seiner Band Basement Research nach Magdeburg. Mit der bläserbetonten Band (auch wenn nur eine Posaune in der Band ist) passte er gut in den Posaunenabend der Magdeburger Jazztage. Die Posaune ist das in diesem Jahr von Jazz in der Kammer gefeaturede Instrument und stand im Mittelpunkt des Sonnabendkonzertes, bei dem Basement Research im zweiten Set spielte.
Steve Swell – Posaune
Gebhard Ullmann – Saxophon
Julian Argüelles – Tenorsaxophon
Pascal Niggenkemper – Bass
Gerald Cleaver – Schlagzeug

Kräftiger Drive von Gerald Cleavers Schlagzeug und vor allem die drei Bläser, aber auch ein deutlicher Bass vermengten sich von Anfang an zu äußerst kraftvolle Musik. Ein Wechsel von Bläsersätzen und Schlagzeug erinnerte zuweilen an Balkanklänge. Der Baß erwies sich als Meister der Halb und Vierteltöne und wenn die Bläser unisono einfache Melodien anstimmten, hörte ich auch schon gelegentlich Alpentöne heraus. Für mich eine sehr interessante Mischung.

Gebhard Ullmann sieht das Konzert auch in Vorbereitung der Aufnahme der neuen CD der Band, die in den nächsten Tagen geplant ist. So bestand der Hauptteil des Konzertes aus Stücken der CD, einer siebenteiligen Jazz-Suite. So konzentriert, wie die Musiker spielten, mit deutlich voneinander abgegrenzter Stimmführung, empfand ich es in einigen Teilen sogar ein wenig als Kammermusik im klassischem Sinn, nur eben deutlich im Jazz angesiedelt und den Musikern auch Freiheiten der Gestaltung lassend. Genauso erläuterte es später Gebhard Ullmann, der auch auf die mikrotonale Gestaltung hinwies. Dafür waren die Bläser, allen voran die Posaune bestens geeignet. Man darf also gespannt auf die neue CD sein (Veröffentlichung Anfang 2019).

Conny Bauer Solo

In diesem Jahr steht die Posaune im Mittelpunkt der Konzertreihe "Jazz in der Kammer". Deshalb galt der dritte Tag der Magdeburger Jazztage vorrangig der Posaune. Am Beginn der Konzerte stand Conny Bauer, der ein Solokonzert für Posaune gab.


Leise, wie um sich an den Raum, die Akustik und das Publikum heranzutasten, beginnt Conny Bauer zu spielen, mit verhaltenen Tönen, die er erst allmählich kräftiger werden lässt. Posaune solo ist sicher etwas ungewöhnliches, egal ob in der Klassik oder im Jazz. Und  kaum hat man überlegt, wie Conny Bauer wohl eine Stunde Konzert füllen wird, da tritt er mit den Fußspitzen auf Pedale und nimmt mit einer Loop-Station seine Töne auf, speichert sie und spielt sie in mehrfacher Überlagerung wieder ab, bläst neue Töne über die aus dem elektronischen Speicher. Conny Bauer erzeugt so ein ganzes Posaunenorchester, steht in einer Klangwolke, die er immer mehr erweitert. "Ich möchte die Zuhörer an die Hand nehmen und durch meine musikalische Landschaft führen", sagt er nach dem Konzert über seine Musik.

In den Tönen der Posaune, die Bauer auf eine sehr ruhige Art spielt, ohne große Verzerrungen, nur gelegentlich durch seine Stimme überlagert, klingt gelegentlich eine Erinnerung an Alphörner an – nur dass die Posaune eben um ein vielfaches wandelbarer ist als ihre "ein"-tönigen Brüder. Und noch etwas fällt auf: Conny Bauers Posaune ist nicht die von Jericchow, die Mauern zum Einsturz bringt, sondern eine friedvoll brummende, melodische.

Freitag, 20. April 2018

Volkov Trio

Im dritten und letzten Set des Clubabend der Jazztage war das Volkov Trio zu hören: Jazz-Avantgarde aus Russland.
Vladimir Volkov – Bass
Slava Kurashov – Gitarre
Denis Sladkevitch – Schlagzeug

Als die drei St. Petersburger Musiker zu spielen beginnen, wild, kräftig, da sitzt man als Zuhörer erst einmal staunend da. Und wohl auch ein wenig ratlos: was ist das, was es da zu hören gibt? Die Musiker spielen völlig konfus durcheinander, zugleich mit deutlich sichtbarem Vergnügen an ihrer Art zu musizieren. Kräftige Klänge von allen Instrumenten gibt es zu Beginn, ein Kontrastprogramm zu den bisherigen Teilen des Club-Abends, Jazz-Punk, Jazz-Avantgarde, auf eine interessante Weise verrückt.

Später wird Volkovs Bass melodischer, gibt es Folk-Elemente, kurze Melodiestücke werden angedeutet, Glockentöne werden gespielt. Slava Kurashov antwortet auf seiner Gitarre mit wilden und elektronisch verstärkten und verzerrten Klängen. Höre ich da tatsächlich eine – wenn, dann sehr schräge – Version von Nirvanas "Teen Spirit" heraus? Oder später Anklänge an die Europa-Hymne? Zu den Wirkung solcher völlig frei improvisierten Musik, völlig abseits gängiger Konventionen, gehört, dass sich bei den Hörern eigene Assoziationen bilden. Die Gedanken schweifen von den gehörten Tönen ab und suchen nach Bekanntem. Vielleicht hört dann deshalb schon der Nachbar etwas ganz anderes aus der Musik heraus.

Bei all der Wildheit ist immer wieder zu hören: die drei spielen nicht nur wild drauf los, sie sind Profis auf ihren Instrumenten. Schlagzeuger Denis Sladkevitch holt später eine nach Spielzeug aussehende Trommel hervor ("haben wir auf dem Flohmarkt gekauft", sagt Vladimir Volkov dazu), die sich Kennern aber als Schlitztrommel erweist, und spielt darauf nach Afrika klingenden Percussion-Melodien, dazu sind von Volkov ruhige Bass-Klänge zu hören. Diese ruhigen Stellen holen die Ohren der Zuhörer dann wieder auf den Boden zurück, geben ihnen Orientierung. Am Ende nochmal völlige Wildheit der Musik. Irgendwie großartig, aber schwer auf irgendetwas festzulegen.

Masha Bijlsma & Bones

Masha Bijlsma & Bones standen bei den Magdeburger Jazztagen im zweiten Set des Club-Abends auf der Bühne des Forum Gestaltung. Jazzgesang mit einer kräftigen Stimme!
Masha Bijlsma – Gesang
Bart van Lier – Posaune
Adrian Mears – Posaune
Martin Sasse – Piano
Martin Gjanokovski – Bass
Dries Bijlsma – Schlagzeug


Mascha Bijlsma war bereits einige Mal in Magdeburg bei Jazz in der Kammer zu Gast (etwas darüber ist auch hier im Blog nachzulesen). Das erste Mal muss es im Jahr 1995 gewesen sein, erinnerte sich Warnfried Altmann in seiner Begrüßung. Und fügte hinzu, "und ich hole sie immer wieder gern auf die Bühne". Diesmal mit den "Bones", was sich vom englischen Wort "trombone" für Posaune ableitet.

Zu Beginn des Konzertes singt Masha Bijlsma auf die Bühne und singt Blues. Sie singt nicht nur – sie hat auch den Blues, sie verkörpert das Gefühl mit voller Seele. Singt im Wechselgesang mit den Posaunen und das was Warnfried vorab ankündigte ist auch tatsächlich so: sie und die beiden Posaunisten harmonieren von der Stimmführung so miteinander, dass Masha Bijlsma zuweilen durchaus als drittes Instrument zählen könnte. Schon die wenigen Musiker bringen den Sound einer Big Band auf die Bühne, so kraftvoll klingt die Musik. Das wird dann so richtig dem Titel des Konzertabends ("Club-Abend") gerecht. Masha Bijlsma singt Lieder von Jazz-Größen wie Abbey Lincoln, von der sie unter anderem "Brother where are you" neu interpretiert und dazu anmerkt, wie aktuell das Lied angesichts der vielen Flüchtlinge ist.

Neben kräftigem Jazz-Gesang gibt es auch gefühlvolle Balladen, bei denen sie sich nur zurückhaltend von Bass und Klavier begleiten lässt. Was auch immer sie singt – die Freude an der Musik ist immer zu spüren und sie überträgt sich auch auf ihr Publikum.

Julie Sassoon Quartett

Das Julie Sassoon Quartett eröffnete heute im Forum Gestaltung den Club-Abend der Magdeburger Jazztage: kräftige und experimentelle Klavierklänge, bei denen Harmonie auf Kraft trifft.
Julie Sassoon – Piano
Lothar Ohlmeier – Bassklarinette
Meinrad Kneer – Bass
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug


Zu Beginn des Konzertes greift Julie Sassoon nicht in die Tasten, sondern direkt in die Saiten des Klaviers. Die experimentellen Klänge der die aus Manchester stammenden und jetzt in Berlin lebenden Pianistin werden von Schlagzeuger Rudi Fischerlehner aufgegriffen, der sein Blech zum Klingen und zum Klingeln bringt. Klänge für anspruchsvolle Ohren, die sich am Easy-Listening-Einerlei der Kultursender satt gehört haben und auf Neues warten. Das Quartett liefert Musik, die man nicht nicht einfach nur hören, sondern live erleben sollte. Wenn das Klavier vom immer kräftiger werdenden Schlagzeug übertönt wird, bis sich am Ende aus dem lauten, bunten Rauschen der Musik leise eine klare Melodie erhebt ("Clouds"), dann macht es Spaß vor der Bühne zu sitzen und zu lauschen. "Das waren dann aber auch die einzigen Wolken für heute", sagte Julie Sassoon angesichts des heißen Frühsommertages und der Hitze im Forum Gestaltung.

Donnerstag, 19. April 2018

Nomade Orquestra

Zur Eröffnung der 3. Magdeburger Jazz-Tage spielte das Nomade Orquestra. Zu kräftiger Musik gewordenes Brasilianisches Lebensgefühl!
Guilherme Nakata – Drums
Ruy Rascassi – Bass
Fabio Prior – Percussion
Luiz Eduardo Galvao – Guitar
Marcos Mauricio – Keyb
Beto Malfatti – Sax, Flute
Bio Bonato – Bar.Sax
Marco Stoppa – Trumpet
Andre Calixto – Sax, Flute
Victor Fao – Trombone

Die zehn brasilianischen Musiker entführten das Magdeburger Jazz-Publikum in eine Welt, die ein ganzes Stück abseits des herkömmlichen Jazz liegt – irgendwo zwischen Jazz, Funk, Fusion, Rock, Blues und Groove. Zwischen den Welten, "Entre Mundos", wie dann auch die aktuelle CD des Nomade Orquestra  heißt. Und dies mit südamerikanischen Gefühl für die Musik und vor allem mit einer ungeheuren Kraft.

Der erste Set begann ohne den Pianisten der Band (der wegen der Tücken der Einreise aus nicht-Schengen-Staaten in Madrid seinen Flug nach Deutschland nicht schaffte und erst zum zweiten Set eintraf) und war entsprechend sehr Bass-betont. Bass und Schlagzeug kamen mit großer Kraft zum Einsatz und ließen die Lautsprecherboxen bis zum Äußersten vibrieren. Am beeindruckendsten aber waren die Bläser der Band. Gleich zu Beginn spielten Posaune, Trompete und Saxophon eine Eröffnungsmelodie an, die in Variationen immer wieder im Konzert auftauchte. Eine einfache, aber äußerst kräftige Folge weniger Akkorde, die zum Erkennungszeichen des Nomade Orquestras wurden. Zu diesen schon sehr kräftigen Bläsern kamen gleich darauf Gitarre, Baß und Schlagzeug. Diese kräftigen Töne gingen in die Ohren, in den Bauch, erfassten den ganzen Körper. Musikgefühl pur!

Im Konzert trafen brasilianische Spielfreude auf Elektronik, akustische Trommelklänge und Percussion auf verzerrte Gitarre. Dabei entstand Musik, wie in der Hitze Südamerikas geschmolzen und in Deutschlands Kühle kondensiert. Egal ob Flötentöne und Gitarrenriffs, ob psychedelisch sanft oder bedrohlich laut, Töne aus dem Regenwald oder brodelnder Vulkan – wie auch immer, es war eine Freude, das zu erleben.

Eröffnung der Jazztage

Donnerstag Abend im Gesellschaftshaus Magdeburg: es ist wieder so weit – bereits zum dritten Mal wurden die Magdeburger Jazz-Tage eröffnet. Jedes Jahr im April laden sie zu vier Tagen aktueller Musik ein.

Warnfried Altmann  (links) und Norbert Pohlmann
eröffnen die Magdeburger Jazztage

Der große Saal im Magdeburger Gesellschaftshaus ist nahezu bis zum letzten Platz besetzt. Zeichen dafür, dass die Jazztage angekommen sind. Angekommen bei den Musikliebhabern und auch angekommen in Magdeburg. Und das "in einem Ort der Hochkultur", wie Norbert Pohlmann zur Eröffnung über das Gesellschaftshaus als Ort des Festival-Auftaktes sagt. "Aber da gehört der Jazz schließlich auch hin", fügt er hinzu.

Norbert Pohlmann ist Leiter des Forum Gestaltung, des zweiten Veranstaltungsortes der Jazztage. Er spricht über Magdeburg als "weltoffene Stadt" und meint das auch wörtlich so. Die Kultur, heute natürlich ganz besonders die Musik, sieht er dabei als Beispiel und in ihrer Rolle als Vermittler. "Wir haben hier Theater, haben Künstler und Musiker aus aller Welt", sagt er. Und fügt gleich ein weiteres Beispiel für die bis heute nachwirkende Kulturgeschichte an: einer der Musiker des brasilianischen Nomade Orquestra berichtete ihm, dass er in seiner Jugend an der Musikschule jede Menge Telemann spielen musste. "Er war dann ganz überrascht zu hören, dass Telemann aus Magdeburg stammt", sagte Pohlmann.

Warnfried Altmann dankte den Organisatoren des Festivals, den Sponsoren, die die vier Tage Musik möglich machten und den Konzertbesuchern. Und er wies auch auf weitere Unterstützer hin, auf Musiker aus Magdeburg und Umgebung, die Instrumente zur Verfügung stellten. Etwa Mohi Buschendorf, der seinen Bass auslieh oder Gören Eggert, der das Schlagzeug und die Congas mitbrachte.

Über das Festival sagt Warnfried Altmann, der das Programm dafür zusammenstellte, es ist "ein mutiges Festival". Mutig im Sinne davon, keinen doppelten Boden eingebaut zu haben. "Andere Jazz-Festivals haben immer auch etwas wie Dixiland oder Swing dabei, was für den Massengschmack taugt", sagte Altmann, "wir haben hier die Avantgarde, haben kräftige, freie Musik". Dass das Publikum dennoch kommt (oder sollte man besser 'genau deswegen kommt' sagen), ist ein gutes Zeichen. Ein Stückchen "doppelten Boden" gibt es aber dennoch: Am Sonntag steht Nils Landgren auf der Bühne. Das Konzert ist lange schon ausverkauft. Vorteil für Besitzer der Festival-Tickets: sie haben auch dieses Konzert sicher. Allen anderen bleibt nur, an der Abendkasse auf ein paar Restkarten zu hoffen.

Montag, 19. März 2018

Die Enttäuschung

Heute war bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung "Die Enttäuschung" zu hören.
Christof Thewes – Posaune
Axel Dörner – Trompete
Jan Roder – Bass
Rudi Mahall – Klarinette
Michael Griener – Schlagzeug

Die Enttäuschung – dieser doch recht merkwürdige Name der Jazzband provoziert ja geradezu ein Wortspiel. Dann soll es dieses also gleich am Beginn geben: wer erwartet haben sollte, enttäuscht zu werden, wurde von dieser Erwartung enttäuscht. Die fünf Musiker überraschten das Magdeburger Publikum mit einer sehr lebendigen Musik, die sie mit erkennbarem Spaß auf die Bühne brachten. Dazu trugen auch die lockeren Moderationen von Rudi Mahall bei, die gleichsam improvisiert wie die Musik erschienen und die das an keine Konventionen gebundene und doch in der Tradition des Jazz verwurzelte Erscheinungsbild der Musik unterstrichen. Vielleicht ist es sogar so, dass die Musik der Band am besten im Zusammenhang von Wort und Musik zu verstehen ist, in der Verbindung von Mahalls etwas seltsamen, hintergründigem Humor und einer Situationskomik, die sich auch auf das Publikum überträgt. Die Stücke sind oft so benannt, daß sich schon daraus kleine Geschichten ergeben. Etwa „Christian und Isolde“ („zum Wagner-Jahr“, wie Mahall sagt), „Jan an einem Stück“ oder „Lavaman“ (Hört Euch diese bei einem der nächsten Konzerte am besten selbst an ).

Am Beginn klang die Musik nach Dixiland, was auch an Rudi Mahalls Klarinette als tonangebendes Instrument lag. Daraus entwickelte sich dann ein Big-Band-Sound, als die drei Frontmänner der Band an Trompete, Posaune und Klarinette in einen gemeinsamen Bläsersatz einstimmten. Ganz anders dann der folgende Titel („Fälschlich“), der mit schrillen, disharmonischen Fanfarenklängen eingeleitet wird. Michael Griener legt am Schlagzeug schnelle Rhythmen vor, in die sich die anderen Musiker einordnen.

Auch Jan Roder am Baß bleibt nicht nur die Rolle der Hiuntergrundbegleitung vorbehalten. „Der spielt so kräftig, daß er keinen Verstärker braucht“ sagt Mahall und holt ihn für ein Stück auch mal nach vorn auf die Bühne, mitsamt Instrument. „Jetzt featuren wir mal unserer Bassisten – hören Sie mal nicht auf die Bläser, sondern auf den Baß“. Nicht ganz einfach, weil natürlich (und vielleicht auch Teil eines musikalischen Witzes?) die Bläserstimmen viel kräftiger sind.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Vorschau: Magdeburger Jazztage 2018

Von Donnerstag, dem 19. April bis Sonntag, dem 22. April gibt es die dritte Ausgabe der Magdeburger Jazztage.


Bereits zum dritten Mal finden die Magdeburger Jazztage "JETZT" statt. Das Festival präsentiert in acht Konzerten im Forum Gestaltung und im Gesellschaftshaus Magdeburg erstklassigen, internationalen, zeitgenössischen Jazz. Nach der Trompete im ersten und dem Piano im zweiten Jahr steht diesmal die Posaune im Mittelpunkt des Konzertgeschehens (in Übereinstimmung zum 2018er Schwerpunktinstrument von Jazz in der Kammer, der Posaune). Vier Tage voller Jazz unterschiedlichster Stilrichtungen, beginnend mit einem riesigen brasilianischen Ensemble, über Piano und Jazz-Gesang bis hin zu umfangreichen Blechbläser-Konzerten.

Karten sowie ein Festivalticket für alle Konzerte gibt es ab sofort im Forum Gestaltung Magdeburg (Brandenburger Straße 10, Tel: 0391 99 08 76 11, E-Mail: info@forum-gestaltung.de, www.forum-gestaltung.de).

Festival-Ticket: 75€ (Eintritt zu allen Veranstaltungen)
Einzeltickets:
Donnerstag 20€ / 15€ ermäßigt
Freitag 25€ / 20€ ermäßigt
Samstag 25€ / 20€ ermäßigt

Sonntag 35€ / 30€ ermäßigt

Magdeburger Jazztage – JETZT 2018  

Donnerstag 19.04.
Eröffnungskonzert im Gesellschaftshaus

20.00 Nomade Orchestra (Brazil)          
Guilherme Nakata – Drums
Ruy Rascassi – Bass
Fabio Prior – Percussion
Luiz Eduardo Galvao – Guitar
Marcos Mauricio – Keyb
Beto Malfatti – Sax, Flute
Bio Bonato – Bar.Sax
Marco Stoppa – Trumpet
Andre Calixto – Sax, Flute
Victor Fao – Trombone
Danilo Oliviera – VJ 

Freitag 20.04.
Clubabend im Forum Gestaltung

19.00 Julie Sassoon Quartett (UK, NL, A
Julie Sassoon – Piano
Lothar Ohlmeier – Bassklarinette
Meinrad Kneer – Bass
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug

20.30    Masha Bijlsma & Bones    (NL)
Masha Bijlsma – Gesang
Bart van Lier – Posaune
Adrian Mears – Posaune
Martin Sasse – Piano
Martin Gjanokovski – Bass
Dries Bijlsma – Schlagzeug

22.00 Volkov Trio     (RUS)
Vladimir Volkov – Bass
Slava Kurashov – Gitarre
Denis Sladkevitch – Schlagzeug

Samstag, 21.04.
„Die Posaune“ – im Gesellschaftshaus

19.00 Conny Bauer – Soloposaune

20.30 „Basement Research“ 25 Jahre-Jubiläum (UK, Dtl., USA)   
Steve Swell – Posaune
Gebhard Ullmann – Saxophon
Julian Argüelles – Tenorsaxophon
Pascal Niggenkemper – Bass
Gerald Cleaver – Schlagzeug

22.00 „Vertigo Trombone Quartet“
Nils Wogram – Posaune
Bernhard Bamert – Posaune
Andreas Tschopp – Posaune
Jan Schreiner – Bassposaune

Sonntag, 22.04.
Abschlusskonzert im Gesellschaftshaus

20.00 Nils Landgren Quartett (Schweden)
Nils Landgren – Posaune, Gesang
Eric Staiger – Piano
Lisa Wulff – Bass
Silvan Strauß – Schlagzeug

Vorschau März

Am Montag, dem 11. März wird um 20 Uhr Die Enttäuschung bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung zu hören sein.

Christof Thewes – Posaune
Axel Dörner – Trompete
Jan Roder – Bass
Rudi Mahall – Klarinette
Michael Griener – Schlagzeug

Die Enttäuschung (Foto: Klaus Rohwer)


Die Fünf Berliner Musiker lassen sich seit mehr als 20 Jahren von der Jazzgeschichte inspirieren und schaffen mit Posaune, Trompete, Klarinette, Bass und Schlagzeug doch ihr ganz eigenes Werk.

Beim Band-Namen jedoch muß man dann vielleicht doch eine Erklärung liefern, was dahinter steckt. Im Interview mit der Jazzthetik erklärte Rudi Mahall, Klarinettist und Mitbegründer der Enttäuschung, "das Konzept dieser Band gerade die Konzeptlosigkeit. Wenn ständig nur das Unerwartete passiert, dann werden sozusagen alle Erwartungen „enttäuscht“. Enttäuschung im Sinne von: das Ende aller Täuschungen". Trompeter Axel Dörner ergänzt: "Der Name wird immer besser. Enttäuschungen führen in der Regel zu einer Veränderung und somit zu einem neuen Verständnis einer Situation. Es ist also das Gegenteil einer nicht veränderbaren, verfestigten Weltsicht".

Auf der Bandwebseite sind ein paar Ausschnitte aus ihrer aktuellen CD Lavaman verlinkt. Und die versprechen einen Abend mit einem ebenso fantasievollen wie verrückten Musikmix. Lassen Sie sich überraschen!

Montag, 19. Februar 2018

Fun Horns

Heute standen die Fun Horns auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung.
Volker Schlott – Sopransaxophon, Altsaxophon, Flöte
Jörg Huke – Posaune
Nikolaus Neuser – Trompete, Flügelhorn
Falk Breitkreuz – Tenorsaxophon, Bassklarinette, Flöte

Konzertveranstalter Warnfried Altmann freute sich über ein volles Haus und stellte fest: "wenn alte DDR-Jazzer kommen, dann ist der Saal voll". Die Fun Horns, die sich 1986 zusammenfanden und auch in Magdeburg vor vielen Jahren schon einmal bei Jazz in der Kammer spielten, nahmen diese Bemerkung auf und machten im Laufe des Programms immer mal wieder witzige Anmerkungen zu lange zurückreichenden Musikstücken. Ansonsten spielte die Geschichte der Band eher keine Rolle. Bis auf das unverkennbar große Publikumsinteresse.

Die vier Blechbläser beginnen ihr Konzert beinahe unhörbar leise. Nur ein leises Atemgeräusch ist aus dem Blech zu hören, bis dann Nikolaus Neuser auf der Trompete und Volker Schlott auf dem Saxophon unisono eine sehr leise, zarte Melodie zu spielen beginnen. Eine Melodie, die sich, allmählich lauter werdend, zu einer Begrüßungsfanfare entwickelt. Ein Stück mit beinahe klassischer Anmutung. Erst später stimmen Falk Breitkreuz mit der Baßklarinette und Jörg Huke an der Posaune ein, es entwickelt sich ein instrumentaler Wechselgesang. Gleich zu Beginn war auch wieder zu merken: das kleine, aber feine Magdeburger Jazz-Publikum lauscht äußerst aufmerksam. Auch – oder ganz besonders – an den leisen Stellen. 

Montag, 12. Februar 2018

Vorschau Februar

Im Februar-Konzert von Jazz in der Kammer stehen am 19. Februar um 20 Uhr die Fun Horns auf der Bühne des Forum Gestaltung.
Jörg Huke – Posaune
Nikolaus Neuser – Trompete, Flügelhorn
Falk Breitkreuz – Tenorsaxophon, Bassklarinette, Flöte
Volker Schlott – Sopransaxophon, Altsaxophon, Flöte

Die Fun Horns habe ich schon oft im Radio gehört und war immer begeistert von ihrer fröhlichen, lebendigen Musik: Jazz vom Feinsten von einer altgedienten und immer noch aktuellen Bläser-Band. Live erlebt habe ich sie aber noch nie und freue mich deshalb um so mehr auf das Konzert.



Montag, 22. Januar 2018

Vorschau 2018 + Jahreskarte

Das Konzertprogramm für 2018 ist nun komplett – also zückt Eure Kalender, Terminplaner, Handys oder was auch immer  und tragt Euch die Termine ein.

Der musikalische Schwerpunkt der Konzertreihe liegt in diesem Jahr bei der Posaune. Und da vereinen sich einige großartige Musiker in den Konzerten von Jazz in der Kammer. Einige Musiker und Bands, wie die Fun Horns, kenne ich bisher nur aus dem Radio und wollte sie schon immer mal selbst erleben, andere habe ich schon so oder oder in anderen Formationen live gehört. Eine der Bands, die mit dem merkwürdigen Namen Schnaftl Ufftschik, sogar beim Weltmusik-Festival TFF in Rudolstadt  – was mal wieder auf eine große Bandbreite der Musik des 2018er Jazz-in-der-Kammer-Jahrgangs hindeutet. Ich jedenfalls bin schon neugierig auf die Musik in diesen völlig verschiedenartigen Ensembles.

Hinzuzufügen ist, dass es auch in diesem Jahr wieder die rabattierte Jahreskarte gibt. Ihr Preis beträgt 100 € (ermäßigt 65 €). Auch wenn das erste Konzert der Reihe nun schon vorbei ist – wer nachrechnet, merkt, daß sich die Jahreskarte gegenüber dem Kauf der Einzelkarten á 15 € (ermäßigt 10 €) für die verbleibenden acht Konzerte des Jahresprogramms auch jetzt noch lohnt. Erhältlich sind die Jahreskarten (ebenso wie die Einzelkarten) im Forum Gestaltung (Mo-Fr /14-18 Uhr) und an der Abendkasse.

Jahresprogramm 2018

15.01.18, 20.00
„Absolutely sweet Mary“
Matthias Müller – Posaune
Steffen Faul – Trompete
Alexander Beierbach – Saxophon
Max Andrzejewski – Schlagzeug        

19.02.18, 20.00
„Fun Horns“
Jörg Huke – Posaune
Nikolaus Neuser – Trompete, Flügelhorn
Falk Breitkreuz – Tenorsaxophon
Bassklarinette, Flöte
Volker Schlott – Sopransaxophon, Altsaxophon, Flöte

19.03.18, 20.00 „Die Enttäuschung“
Christof Thewes – Posaune
Axel Dörner – Trompete
Rudi Mahall – Klarinette
Jan Roder – Bass
Michael Griener – Schlagzeug

Magdeburger Jazztage vom 19. – 22.04.18
Dafür gibt es noch eine separate Programmvorschau. Aber soviel sei schon verraten: unter anderem wird bei den Jazztagen Nils Landgren an seiner roten Posaune zu erleben sein.

21.05.18, Pfingstmontag, 20.00
Matthias Muche – Posaune
Udo Moll – Trompete
Carl Ludwig Hübsch – Tuba

18.06.18, 20.00
Alan Tomlinson – Posaune
Christoph Winckel – Bass
Willi Kellers - Schlagzeug

17.09.18, 20.00
„Vorwärts – Rückwärts“
Gerhard Gschlössl – Posaune
Johannes Fink – Cello
Maike Hilbig – Bass

15.10.18, 20.00
Schnaftl Ufftschik „God Brass You“
Johannes Siedel – Posaune
Stefan Gocht – Bassposaune, Sousaphon,
Reinhard Gundelwein – Klarinette
Lutz Wolf – Trompete
Boris Bell – Schlagzeug

19.11.18, 20.00
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon 

17.12.18, 20.00 „Insomnia Brass Band“
Anke Lucks – Posaune
Almut Schlichting – Baritonsaxophon
Hampus Melin – Schlagzeug

Dienstag, 16. Januar 2018

Gedenkkonzert

Am Jahrestag der Zerstörung der Stadt Magdeburg am 16. Januar 1945 fand heute unter dem Titel "Ein wahres Elend, der verdammte Krieg" ein Gedenkkonzert im Forum Gestaltung statt.
Warnfried Altmann – Saxophon
Hermann Naehring – Schlagwerk
Mohamad Issa – Text
Norbert Pohlmann – Text

Das Foyer des Forum Gestaltung ist in düsteres Licht getaucht, in eine Mischung aus Flammengelb und Feuerrot. Im offenen Raum nebenan werden Holzschnitte von Georg Kaiser auf eine Leinwand projiziert, auch im Druck liegen sie aus, in einer in den 60er Jahren erschienenen Druckfassung. Mit kräftigen, breiten Schnitten karikiert Kaiser in seiner Serie "Die Gasgesellschaft" die Größen des Nazireiches in einer sehr deftigen Weise. Hitler, Himmler, Göring, Göbbels, Keitel und einige mehr werden der Lächerlichkeit preisgegeben und zugleich die Insignien ihres Größenwahns offenbart. "Kunst, die damals auf den Tod gefährlich war und doch zum Lachen, zum Aus-Lachen anregend", wie Norbert Pohlmann in seinen Worten vor dem Beginn des Konzertes sagte. "Angesichts einer braunen Versumpfung sollen uns die Blätter daran erinnern, daß die Deutungshoheit über die Ereignisse des Krieges nicht den falschen, nicht den Rechten überlassen werden darf".

Um dem Erinnern auch filmisch eine Basis zu geben, stellte Pohlmann schon vor etwa zehn Jahren eine Collage aus alten Kriegsfilmen zusammen. Ausschnitte aus Wochenschauen sind darin ebenso enthalten wie Filme aus Aufklärungsflügen oder Kriegsberichte der Alliierten. Eingeblendete Textpassagen aus Göbbels' Tagebuch offenbaren die Totale-Kriegs-Rhetorik, die die Welt an den Rand des Untergangs trieb.

Während im Hintergrund bereits der Beginn des Films lief, in dem gerade die Rüstungsmaschinerie anlief,  und Hermann Naehring auf der riesig großen Taiko-Trommel zwar leise, aber dennoch bedrohlich zu trommeln begann, las der Syrer Mohamad Issa Gedichte. Gedichte über den Krieg und über seine Heimat, die im Anschluß von Norbert Pohlmann ins deutsche übersetzt wurden. "Ein Irrsinn ist über die Menschen gekommen", heißt es darin, und bedrückend ist, wie konstant dieser Irrsinn doch bleibt.

Montag, 15. Januar 2018

Absolute Sweet Marie

Bei Jazz in der Kammer stand im ersten Konzert des Jahres 2018 Alexander Beierbachs Projekt "Absolute sweet Marie" auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung.
Steffen Faul – Trompete
Matthias Müller – Posaune
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Max Andrzejewski – Schlagzeug

Als die vier Musiker auf der Bühne stehen, klingt ihr erstes Stück, Bob Dylans „Most likely your way“, anfangs wie Marschmusik – so kräftig begleiten die drei Bläser ihren Schlagzeuger Max Andrzejewski , der den Rhythmus vorgibt. In Verbindung mit den unisono gespielten Bläsern könnte die Musik ebenso auch von Hanns Eisler stammen. So eng zusammen liegen also Bob Dylan – dessen Musik die Grundlage des gesamten Konzertes wie auch der aktuellen CD bildete –, Jazz und Neue Musik.

Gleich nach den ersten beiden Titeln weist Alexander Beierbach nochmals darauf hin, dass sie „keine Bob-Dylan-Cover-Band sind“. Das Magdeburger Jazz-Publikum weiß das natürlich und spätestens nach den ersten Takten ist es ohnehin klar. „Wir hatten es aber tatsächlich mal, daß wir falsch angekündigt wurden und dann war das Publikum doch etwas verwirrt“, sagte Beierbach später. Dylans stellt für die vier Musiker nur den Ideengeber dar, sagen sie. In der Musik selbst findet sich dann in den meisten Titeln nur kleine Anklänge, kurze Zitate. So auch beim „Rainy Day Woman“: von Dylans Blues ist nur wenig zu erahnen ist, dafür aber ist ist das Stück äußerst kraftvoll und lebendig, wenn die drei Bläser furios durcheinander spielen, blasen und tröten und der Schlagzeuger sie zu übertönen versucht. Am Ende aber verständigen sich alle auf die selben Töne und dann erklingt – für ein paar Takte – Dylans so typischer Blues.

Mittwoch, 10. Januar 2018

Vorschau Januar

Im Jahresprogramm 2018 von Jazz in der Kammer wird die Posaune im Mittelpunkt der Konzerte stehen oder zumindest beteiligt sein. So auch im Januar-Konzert, bei dem Alexander Beierbachs Projekt "Absolute sweet Marie" am Montag dem 15. Januar um 20 Uhr auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung steht.
Steffen Faul – Trompete
Matthias Müller – Posaune
Alexander Beierbach – Tenorsaxophon
Max Andrzejewski – Schlagzeug

Vier Instrumentalisten, verwurzelt in Jazz und improvisierter Musik, verarbeiten auf ihre Weise das umfangreiche Werk Dylans. Schon der Name der Band ist einem Lied von Dylan entlehnt, aus dessen Album Blonde on Blonde. In der Besetzung drei Bläser plus Schlagzeug entsteht dabei ein Spektrum an Klangfarben und Grooves: feingliedrige, kammermusikalische Momente werden von dichten Kollektivimprovisationen abgelöst, Brass-Band-Klänge stehen einem Geflecht aus polyphonen Überlagerungen gegenüber.
Absolute Sweet Marie ist auf jeden Fall auch: absoulte powerfull music. Ich freue mich schon auf diese Musik, bei der sich die Band mit Dylan-Songs auseinandersetzt und sie in kräftigem, bläsergeprägtem Sound auf die Jazz-Bühne bringt.

Noch zwei weitere Termine stehen im Januar an, die zwar nicht direkt mit Jazz in der Kammer, wohl aber mit dem Forum Gestaltung und mit Warnfried Altmann zu tun haben.

Am Dienstag, dem 16. Januar, wird wie in jedem Jahr der Zerstörung Magdeburgs gedacht. In diesem Jahr wieder mit einem Konzert im Forum Gestaltung. Um 20 Uhr wird unter dem Titel "ein wahres Elend, dieser verdammte Krieg" Warnfried Altmanns kräftiges, schreiendes und klagendes Saxophon von Hermann Naehring am Schlagwerk begleitet, der dieses wieder mit seiner vollen Dynamik zwischen riesiger Taiko-Trommel und leisen Glocken zum Klingen bringen wird. Dazu Texte des Syrers Mohammed Issa.
Darf man bei einem solchen Anlaß "ich freue mich darauf" sagen? Das muß jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall bin ich gespannt darauf, was in diesem Jahr auf die Bühne kommt und werde es mir nicht entgehen lassen.


Am Freitag, dem 19. Januar um 19:30 Uhr wird im Forum Gestaltung mit Stephan Borrmann ein Gitarrist auf der Bühne stehen, den Warnfried Altmann vor acht Jahren schon einmal nach Magdeburg holte, damals im Duo ("Hands on strings"). Jetzt kommt er solo mit seinen akustischen Gitarren nach Magdeburg ins Forum Gestaltung. Ein Konzert für die Freunde des virtuosen Gitarrenspiels: auf seiner Webseite stephanbormann.de gibt es ein paar Soundschnipsel, die neugierig auf mehr machen.