Freitag, 21. Dezember 2018

Vorschau Januar: Quartett 3εll

Am 21. Januar 2019 ist Boris Bell mit seinem Quartett 3εll bei Jazz in der Kammer zu hören.
Boris Bell – Schlagzeug
Nikolaus Neuser – Trompete
Silke Eberhard – Altsaxophon
Antonis Anissegos – Piano
 

Warnfried Altmann, der in der Magdeburger Jazz-Reihe im Jahr 2019 das Schlagzeug featured, hatte Boris Bell beim Konzert von Schnaftl Ufftschik kennengelernt und sofort gewusst, "den musst Du nochmal nach Magdeburg holen". Diesmal also mit seinem eigenen Quartett. Hört man auf der Webseite in die Tonbeispiele des Quartetts rein, dann ist dort eine Band zu erleben, die deutlich von den Bläsern betont wird, aber eben auch kräftige Rythmusakzente mit Percussion und fetten Drums hat.

Über sich selbst schreiben die Musiker:
3εll kommt mit rhythmisch intensiven Stücken des Weges, die in loop-betonte kollektive Improvisationen münden. Auf der Suche nach den obsessiven Momenten, der Balance aus Rausch und Erzählung. Und mit der anarchischen Lust, die Dinge gegen den Strich zu bürsten.
Und die Jazzzeitung schrieb über die CD "Obesssions":
Was für ein Wiederhören! Zugegeben: Ich hatte den Namen fast schon vergessen, nun „leuchtet“ er umso mehr. Boris Bell war der Drummer der einstigen deutschen Geheimtipp-Band Frigg, die mit ihren CDs auf 99Records und den Konzerten zwischen 1995 und 2000 zwar die gesamte deutsche Szene in Verzückung spielte, leider es aber doch nicht ganz schaffte, New York zu erobern! Auch an die raffinierten Duette mit dem Pianisten Benoît Delbecq (»Anschläge«) vor fast zwanzig Jahren kann ich mich erinnern. Und nun, nach so langer Pause, diese umwerfend schöne, überraschende, abenteuerliche, vielseitige Musik!
Silke Eberhard (as, bcl), Nikolaus Neuser (tp), Antonis Anissegos (p, wurlitzer) und eben Boris Bell schaffen ein klingendes, vierzehnteiliges Meisterwerk zeitgenössischer Musik. Es ist eine Musik der Bewegung – aus Motiven entwickeln sich Melodieketten, die wieder verglühen, verschwinden und in neue Motive einsickern. Es ist eine Musik der Begegnung. Rockige Riffs treffen auf jazzige melodische Ideen. Es ist eine Musik der Kontraste. Irrlichternde, silbrig wirkende Soli werden gestoppt von einem einzigen Ton oder münden in rhythmisch stark akzentuierte, straffe Melodieketten. Jeder der vier Instrumentalisten brilliert mit Ideen und Spieltechnik, und die Stücke von Boris Bell (ja, er ist auch der Komponist dieser Musik, nicht »nur« der Schlagzeuger!) schaffen dafür den idealen Rahmen. Empfehlung!
Also eine deutliche Empfehlung, am dritten Montag im Januar inss Forum Gestaltung zu kommen!

Montag, 17. Dezember 2018

Insomnia Brass Band

Heute war bei Jazz in der Kammer die „Insomnia Brass Band“ zu hören. Die Minimalbesetzung einer Brassband brachte eine Mischung aus Big-Band-Sound und Jazz auf die Bühne
Anke Lucks – Posaune
Almut Schlichting – Baritonsaxophon
Christian Marien – Schlagzeug

Kräftige Trommelwirbel von Christian Marien – dann setzen Posaune und Saxophon ein. Langsam und zurückhaltend erst, bald kräftiger werdend. Wie aus den Tiefen des Untergrunds heraus kommen die Bässe aus Almut Schlichtings Baritonssaxophon, das sie mit vollem Einsatz und rhythmusbetont bläst; etwas höher, aber immer noch tief genug kommen Anke Lucks' Posaunenklänge hinzu. Ungewöhnlich die Rolle des Schlagzeugs: Christian Marien lässt sich in seinen Rhythmen von dem leiten, was die beiden Bläserinnen machen, schaut von einer zur anderen, übernimmt von ihnen Rhythmus und Tempo und setzt das dann in seinem Schlagzeug um. "Ich bin anders als in größeren Bands nicht in eine Rhythmusgruppe eingebunden und habe damit so etwas wie die Carte Blanche", sagte er später dazu. "Ich kann mich zurücknehmen oder auch mein eigenes Ding machen". Zum eigenen Klang des Schlagzeugers gehörte aber auch, kräftig mit dem Bläsersound mitzugehen oder dem Schlagzeug einen beinahe schon melodiösen Klang zu geben.

Dabei entsteht ein jazziger Big-Band-Sound, soweit das "Big" bei drei Musikern nicht ein wenig übertrieben zu sein scheint. Von der Kraft der Musik her jedenfalls spielte es keine Rolle, wie viele Musiker da nun auf der Bühne stehen. Was vor allem zählte, war dieses selbstverständliche miteinander spielen, improvisieren, neues probieren. Es machte Freude, der Band dabei zuzuhören.

Dienstag, 20. November 2018

Vorschau Dezember: Insomnia Brass Band

Am 17. Dezember ist bei Jazz in der Kammer die „Insomnia Brass Band“ zu hören. Beginn ist wie immer um 20 Uhr.
Anke Lucks – Posaune
Almut Schlichting – Baritonsaxophon
Christian Marien – Schlagzeug 

Auf der Webseite der Band gibt es Videos einiger Stücke zum vorher-schon-mal-reinhören. Die Kombination der beiden Bläser mit einem Schlagzeuger dürfte wohl das Minimum einer Brass Band darstellen. Die drei Musiker zaubern daraus frische, lebendige Musik mit großem Volumen, beeindruckenden Bässen und kräftigen Rhythmen. Ich freue mich drauf!

Aus der Bandwebseite:
Posaune, Baritonsaxophon, Schlagzeug – in dieser ungewöhnlichen Instrumentierung spielen drei Berliner MusikerInnen mit der Idee einer Miniatur-Brass-Band. Durch die tiefen Instrumente entsteht ein voluminöser Klang, durch die kleine Besetzung Klarheit und Offenheit.

Im Frühjahr 2017 erhielt die Band ein Arbeitsstipendium des Berliner Senats. In der intensiven Probenarbeit haben die MusikerInnen einen gemeinsamen Sound und neue Arrangements für das von Lucks und Schlichting komponierte Repertoire entwickelt. Die Stücke der Insomnia Brass Band sind formal einfach und benutzen collagenhafte Versatzstücken verschiedener jazzverwandter Genres. Improvisatorische Überraschungen und Risikofreudigkeit sind dabei für das Spielkonzept der Band essentiell.

Die Inspiration zu den Kompositionen für die Insomnia Brass Band gewinnt Almut Schlichting aus Basslinien und Grooves von Bands wie The Meters und Red Hot Chili Peppers. Anke Lucks formt ihre Stücke parallel zu Texten in der literarischen Tradition des „stream of consciousness“, die durch ihren Rhythmus den Melodieverlauf beeinflussen. Die beiden Musikerinnen kombinieren dabei die Erfahrungen, die sie in den groovenden Bläsersections von Bands wie Le Sorelle Blu, Rotfront und ?Shmaltz! gesammelt haben, mit der offenen Spielhaltung ihres Jazz-Backgrounds.

Seit Oktober 2018 spielt Christian Marien bei der Insomnia Brass Band Schlagzeug. Sonst von Berlin aus in der internationalen Szene der frei improvisierten Musik zuhause, läßt er bei der Insomnia Brass Band seine Wurzeln im Punk und Rock durchscheinen.

Montag, 19. November 2018

Gratkowski und Tramontana: Instant Songs

Heute war die Bühne von Jazz in der Kammer minimalistisch besetzt, mit nur zwei Bläsern. Die aber hatten es in sich: ein Konzert voller musikalischer Experimente, eine überaus interessante Hör-Erfahrung!
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon 

Sowohl Posaune als auch Saxophon meint man oft in ihrer vollen Lautstärke zu kennen. Zu meiner Überraschung begann das Konzert aber nicht mit wilden und kräftigen Tönen, sondern ganz sacht, mit kleinen Melodiefetzen, einem leisen Auf und Ab von Tönen aus Frank Gratkowskis Saxophon, die Sebi Tramontana zurückspielte, in gegenseitig allmählich steigender Dynamik. Später dann drönende Klänge aus Gratkowskis Bassklarinette, die eine Art Marschrhythmus bilden, zu dem Tramontanas Posaune zu hören ist, diesmal als Melodiestimme.

An vielen Stellen sind Posaune und Saxophon Percussionsinstrumente, da läßt Sebi Tramontane die Posaune im tiefen Baß schnarren, von ins Mundstück gesprochenen Silben unterbrochen, da schnalzt, zischt und wispert Frank Gratkowski auf seinem Saxophon. Als beide Musiker auch noch ihre Stimmen einsetzen und die instrumentalen Klänge mit gesungenen Worten begleiten, fangen die Grenzen an zu verschmelzen – was ist noch Instrument, was ist Stimme, und überhaupt, was ist Saxophon, was Posaune?

Donnerstag, 18. Oktober 2018

Vorschau November

Am Montag, dem 19. November um 20 Uhr gibt es zwei Blasinstrumente bei Jazz in der Kammer:
Sebi Tramontana – Posaune
Frank Gratkowski – Saxophon  


Der italienische Avantgarde-Jazz-Posaunist Sebi Tramontana trifft auf den deutschen Saxophonisten Frank Gratkowski. Beide waren bereits in unterschiedlichen Besetzung zu Gast bei Jazz in der Kammer. Ich bin gespannt auf das zusammentreffen in dieser sehr minimalistischen Kombination. Auf Gratkowskis Webseite kann man schon mal in die Musik der beiden reinhören.

Montag, 15. Oktober 2018

Schnaftl Ufftschik

Heute war die Berliner Worldmusic-Brass-Band Schnaftl Ufftschik bei Jazz in der Kammer zu hören.  Klangewaltige Blechklänge mischten sich mit Balkan-, Klezmer- und Big-Band-Sound.
Johannes Siedel – Posaune
Stefan Gocht – Bassposaune, Sousaphon
Reinhard Gundelwein – Klarinette
Lutz Wolf – Trompete
Boris Bell – Schlagzeug


Die Band mit dem ungewöhnlichen Namen (der sich später aber beim Klang der Instrumente aber ohne dass eine Nachfrage nötig ist selbst erklärt) kommt in einer Verballhornung von 20er-Jahre-Mode auf die Bühne. Von Komik geprägt ist auch der Auftritt der Band, die sich mit ihren Instrumenten mit der Selbstverständlichkeit einer Marching Band auf der Bühne bewegt, immer wieder die Positionen (und auch die Instrumente) wechselt und durch Bewegung und musikalischen Witz eine mächtige Bühnenpräsenz erzeugt. Durch die Blechblasinstrumente, von der kleinen Trompete bis zum großen Sousaphon, gibt es Anfang an mächtig was auf die Ohren.