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Montag, 21. April 2025

Fink 70's Revisited

Der Ankündigung nach konnten wir eine ebenso geniale wie verrückte Reminiszenz an die Funkmusic der 70er Jahre erwarten. Was am Abend des Ostermontags im Forum Gestaltung zu hören war, war tatsächlich noch viel mehr: Großartige Improvisationen quer durch die Jazz-Musik und darüber hinaus. Fink 70's Revisited, mit:

Silke Eberhard – Saxophon
Johannes Fink – Cello
Rudi Fischerlehner – Schlagzeug

Johannes Fink empfahl vor Beginn des Konzertes, die Musik seines Trios "wie einen Kinofilm durchlaufen zu lassen" – und tatsächlich eine passende Empfehlung für das Konzert, dessen zwei Sets ohne Unterbrechung durchgespielt wurden und das zugleich voller Abwechslung war und quer durch unterschiedlichste Musikstile ging. 

Montag, 17. März 2025

Duo Azadi

Heute war das Duo Azadi bei Jazz in der Kammer zu hören. Musik an der Grenze zwischen Jazz und Klassik.

Clara Haberkamp – Piano
Atena Eshtiaghi – Violoncello

Von Beginn an ist zu spüren, wie gut beide Musikerinnen aufeinander eingespielt sind, miteinander interagieren. Mal hat das Cello die Melodiestimme, das Klavier begleitet, mal ist es umgekehrt. Clara Haberkamp spielt das Klavier gefühlvoll, ist mit warmen Tönen zu hören, Atena Eshtiaghi spielt ihr Cello mal gestrichen, mal gezupft und oder mit auf die Saiten aufprallendem Bogen, mit interessanten und rein akustischen Klangeffekten. Die Musik der beiden ist mal kräftig improvisierter Jazz, mal klingt sie nach klassischem Konzert. 

Montag, 20. Januar 2025

Trio St. Tropez

Jazz in ungewöhnlicher Besetzung  – Cello und Geige hört man nicht oft im Jazz – und mit einem Bandnamen, der französische Leichtigkeit verspricht.

Almut Schlichting – Saxophon
Max Eisinger – Violine
Johannes Fink – Cello

Die drei Musiker beginnen ihr Magdeburger Konzert mit Kraft und voller Dissonanzen, die erst allmählich in Harmonie zueinander finden. Ich höre das sowohl Klassische Konzerttöne heraus als auch Hanns Eisler und Kurt Weil, wenig später dann beswingte Walzertöne eines Salonorchesters, gemischt mit musikalischem Witz. "Wir hatten uns als Trio ursprünglich mal zusammengefunden, weil ich angefragt wurde, die Musik für ein französisch geprägtes Programm eines Berliner Veranstalters zu schreiben, im Stil des Jazz der 50er/60er Jahre. Der Name für unser Trio lag dann nicht fern, schließlich war St. Tropez damals ein Sehnsuchtsort der Künstler."

Samstag, 23. April 2022

Roger Hanschel & String Thing Streichquartett

Den mit "Das Saxophon" überschriebenen Abend der Jazztage eröffneten Roger Hanschel und das String Thing Streichquartett. 

Roger Hanschel – Altsaxophon/Komposition
Nicola Kruse – Violine
Ingmar Meissner – Viola
Gunther Tiedemann – Cello
Jens Piezunka – Bass


Roger Hanschel wurde von Warnfried Altmann, dem Festival-Leiter der Jazztage, mit den Worten anmoderiert, "Roger Hanschel ist für mich einer der bedeutendsten Saxophonisten, heute könnt Ihr ihn auch als Komponist erleben." Und dies mit Stücken, die er für Saxophon und Streichensemble schrieb. Nicht für irgendein Streichensemble, sondern speziell für String Thing, "Die können nicht nur klassische spielen, die können auch grooven und improvisieren", sagte Hanschel nach dem Konzert. 

Die Musik klang zu Beginn nach irgendwo zwischen Jazz, Sinfonik und Tango, ich meinte Melodien von Chatschaturjan herauszuhören, und das alles mit einer angenehm ausgewogenen Verteilung der Stimmen zwischen Saxophon und Streicher. Vielleicht ist Kammerjazz eine passende Bezeichnung? Der Gedanke kam mir im Konzert durch die Assoziation mit Kammermusik. Jetzt, wo ich das schreibe, fällt mir auf, dass die Magdeburger Jazzreihe, in die die Jazztage eingebettet sind, passenderweise auch Jazz in der Kammer heißt. 

Samstag, 5. Oktober 2019

Die Hochstapler – The Flop, the Turn and the River

"Die Hochstapler" spielten im wahrsten Sinne des Wortes mit der Musik, als sie im Magdeburger Forum Gestaltung ihr Improvisations-Stück The Flop, the Turn and the River aufführten.
Félicie Bazelaire – Cello
Pierre Borel – Saxophon
Antonio Borghini – Kontrabass
Patricia Bosshard – Geige
Emilio Gordoa – Vibraphon
Louis Laurain – Trompete
Hannes Lingens – Schlagzeug
Michael Thieke – Klarinette

Als die acht Musiker am Beginn des Abends jeder für sich kurze Melodien anspielen, Rhythmen klopfen, Klangvariationen und Tonfolgen probieren, nehmen sie die Zuhörer zugleich mit in die Entstehungsgeschichte ihrer Musik. Scheinbar zufällig angeordnet, sortieren sich diese kurzen Ton-Schnipsel allmählich neu, aus anfangs einzelnen Melodien ergibt sich allmählich ein faszinierender Zusammenklang.

Diese Ouvertüre, bei der die Musiker im Halbrund auf der Bühne stehen oder sitzen, ist nur von kurzer Dauer. In einer Kurzweiligkeit, die darauf angelegt ist, immer neue Ideen zu sammeln, wechseln die Musiker die Melodie – oder ihre Position oder ihre Spielpartner. Man hat gerade begonnen, sich einzuhören, schon gibt es etwas Neues. Dabei wird nicht nur mit Klängen und Spielweisen experimentiert, sondern auch mit dem Raum, indem die Musiker nahezu jede Position auf der sechs mal sechs Meter großen Bühne einnehmen, ständig unterwegs sind. Und reicht ihnen das nicht, dann geht es mit den Instrumenten zwischen die Reihen der Zuhörer, auf diese Weise die Bühne erweiternd. So muss sich nicht nur das Ohr des Zuhörers neu orientieren – auch der Blick versucht den Tönen zu folgen, die mal von hier, mal von dort her klingen. Es immer wieder verblüffend, was woher tönt. Sphärische Klänge aus dem mit dem Geigenbogen angestrichenen Vibraphon etwa, oder rhythmisches Klopfen vom Cello her.

Samstag, 13. April 2019

Lechner und Couturier

Der zweite Teil des Jazzabends gehörte einer sehr leisen Form der Musik, bei der man erst einmal überlegen muss, ob man sie noch dem Jazz zuordnen kann. Ja, kann man, weil man beim Hören merkt, dass auch das wie klassisch inspiriert klingende Programm viele improvisierte Elemente enthält. 
Anja Lechner – Violoncello
Francois Couturier – Piano


Anja Lechner kam auf den Vorschlag (und auf den unbedingten Wunsch) Warnfried Altmanns ins Programm. "Ich habe mich gefreut, dass das sich dann wirklich so ergeben hat", sagte er, "und auf den Einwand 'aber da ist ja gar kein Schlagzeug dabei' würde ich entgegnen, 'auch in jede Linsensuppe gehört eine Prise Zucker'". Was er damit meinte wurde bei den ersten Klängen des Cellos klar, die sich leise, wie hingehaucht, über die Töne des Klaviers legten. Man meint in einem klassischen Konzert zu sitzen (was dann auch zur häufigen Bestimmung des Gartensaals des Gesellschaftshauses passen würde). Leise und betörend sanft zupft sie Tonfolgen auf den Saiten, die auch gut von Johann Sebastian Bach stammen könnten.

Nach einem weiteren sehr leisen Part (ich hatte da Bilder wie zu Filmmusik vor meinen Augen, irgendwas wie ein Flug über schneebedeckte Berge) steigerten beide die Dynamik ihres Spiels, werden die Klänge kräftiger und tänzerisch schwungvoll. Dann wieder legt Anja Lechner dissonant gestrichene Glissandi über einen im Vordergrund stehenden Klavierpart.

Ab der zweiten Hälfte wird die Musik der beiden jazziger, wenn auch auf eine sehr ruhige Art dieses Begriffes. Aus winzigen Veränderungen der gespielten Klavierakkorde heraus entwickeln sich Veränderungen in den von Anja Lechners Cello durchgeführten Wiederholungen. Musik wie eine freie Improvisation über eine Bach-Melodie entsteht.

Freitag, 12. April 2019

Jan Klares 2000

Der Clubabend der Magdeburger Jazztage im Forum Gestaltung begann mit Jan Klares neuem Projekt "2000" und sehr kräftig gespielter Musik.
Michael Vatcher – Drums
Jan Klare – Saxophon
Steve Swell – Posaune
Bart Maris – Trompete
Elisabeth Coudoux – Cello
Wilbert de Joode – Bass 

Jan Klare war in Magdeburg bei Jazz in der Kammer bereits früher mit seinem Projekt "1000" zu hören. Damals im Quartett, nun um Elisabeth Coudoux und Steve Swell zum Sextett vergrößert, was die klanglichen Möglichkeiten erweitert. Zu Beginn ist (in Clown for breakfest) nur der Bass zu hören, ab und an von einem scheinbar zufällig eingestreuten Schlagzeug unterbrochen. Dann aber setzten bald die Bläser mit einem kräftigen Gleichklang ein, mit wuchtigen Klängen, vielleicht wie im Orchestervorspiel einer Wagner-Oper und einem unwahrscheinlich stark gespieltem Schlagzeug. Ein experimentierfreudiger Bart Maris an der  Trompete wechselt sich ab mit einem anfangs eher sinfonisch klassisch klingenden, später kräftig improvisierendem Cello. Auch wenn die Band sehr kräftig spielt, bleibt sie an vielen Stellen melodisch, vielleicht auf ihre eigene Art von melodisch. Voller Intensität spielen sich Bart Maris von der linken Seite der Bühne her und Steve Sweell und Jan Klare von der rechten Seite der Bühne her gegenseitig Tonfolgen oder kleine Melodien zu, variieren sie, ein interessantes Zusammenspiel, bei dem die Tonquellen auf der Bühne sich gleichsam hin und her bewegen.

Montag, 17. September 2018

Vorwärts – Rückwärts

Heute ging es nach der Sommerpause weiter mit Jazz in der Kammer. Auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung war Maike Hilbigs Trio "vorwärts – rückwärts" zu erleben.
Maike Hilbig – Bass
Johannes Fink – Cello
Gerhard Gschlößl – Posaune

Schon die Besetzung ist ungewöhnlich: mit Baß und Cello gibt es zwei Streichinstrumente, dazu eine Posaune. Was kann man damit anfangen? Eine Menge, meinen die drei Musiker und bringen eine Mischung zwischen Jazz und freier Improvisation auf die Bühne. Dabei sind die Rollen nicht immer gleichbleibend. Mal ist es so, dass der Baß, der ohnehin zur Rhythmusgruppe gehört, und auch das Cello die Rhythmen liefern, die Posaune die Melodiestimme übernimmt. Dann wieder ist es Johannes Fink, der Melodien anstimmt, teils sogar mit klassischer Anmutung, oder auch Maike Hilbig am Baß.

Da gibt es Stücke, die streng durchkomponiert scheinen, mit sich in steter Folge wiederholenden, aber immer weiter leicht variierten dreistimmigen Tonfolgen, leise und ruhig, beinahe meditativ. Dann swingende Musik, die ich im Big-Band-Sound einordnen würde, wäre nicht der Begriff bei einer so kleinen Besetzung doch etwas fehl am Platze. Oder eher experimentelle Klänge, bei denen die drei Musiker die Eigenschaft ihrer Instrumente ausnutzen, nicht auf konkrete Töne festgelegt zu sein und mit auf den Saiten gleitenden Fingern oder mit gleichbleibend gezogenem Posaunenrohr kontinuierlich auf- und absteigende Tonfrequenzen erzeugen, als hätte man stufenlos durchstimmbare Tongeneratoren miteinander kombiniert.

Der Spaß an der Improvisation ist immer mit dabei. Und dass sich da im Jazz etwas erhalten hat, was es früher schon einmal gab, erläutert Johannes Fink dann am Beispiel der klassischen Musik: "Johann Sebastian Bach, der konnte noch improvisieren, nur hat das damals keiner aufgenommen", sagte er, "und heute werden selbst die Kadenzen am Ende der Stück vom Blatt gespielt". Die Organisten nimmt er davon aus, "die können das noch". Auch wenn es keines Beweises bedurfte – später waren von seinem Cello, als Maike Hilbig am Baß und Gerhard Gschlößl an der Posaune wild drauf los spielten, Anklänge von Bachs Cello-Suiten zu hören.

Montag, 17. Oktober 2016

Uwe-Kropinski-Trio

Heute stand das Kropinski-Trio auf der Bühne des Forum Gestaltung.
Uwe Kropinski – Gitarre
Susanne Paul – Cello
Vladimir Karparov – Saxophon

Uwe Kropinski wird von Warnfried Altmann als "einer der bedeutendsten Gitarristen Deutschlands, ja sogar Europas" vorgestellt. Und in der Tat ist Kropinski einer der großen Virtuosen auf diesem Instrument. In seinem Trio steht er zusammen mit dem Saxophonisten Vladimir Karparov und der Cellistin Susanne Paul auf der Bühne.Gemeinsam stellen sie ihre neue CD "Elf Elfen Blues" vor.

Das Titelstück der CD beginnt leise und dennoch unverkennbar als Blues, wenngleich auch als ein ungewohnt instrumentierter. In die ruhigen Töne von Gitarre und Cello hinein erklingt plötzlich und laut Vladimir Karpovs Saxophon. Erst mit wenigen Tönen, später mit Melodien, die beinahe orientalisch klingen. Ein Blues, bei dem die Elfen wohl einiges verzaubert haben.

Montag, 16. Februar 2015

The outer string trio

Am Montag, dem 16.02.15 war The outer string trio zu Gast im Magdeburger Schauspielhaus.
Werner Hasler (CH) – Trompete, Electronics
Vincent Courtois (F) – Violoncello
Julian Sartorius (CH) – Schlagzeug

Der Begriff der musikalischen Landschaften, den Werner Hasler zur Beschreibung seiner Musik benutzt, ist schon ganz zutreffend gewählt. Zu Beginn waren es nur Werner Haslers Trompete und Vincent Courtois' Cello, die erst leise klangen, allmählich kräftiger werdend und wenig später von Julian Sartorius rhythmisch begleitet. So wie in einem sich allmählich zur Umgebung öffnenden Landschaftspark stand man unmerklich schon in der Weite der Klanglandschaft. Eine Mischung aus Klängen und Rhythmen füllte den Raum, kaum etwas davon folgte vordergründig irgendwelchen Melodien. Es war Musik, die "einfach so" aus sich heraus in Fluß zu sein schien. Das alles jedoch in einer ganz sanften Weise, ruhig zwar, aber zugleich auf eine faszinierende Weise interessant.
Teilweise nahm Hasler seine Trompete ganz heraus und stand dann an seinem Computer, mit dem er das verarbeitete, was Courtois und Sartorius spielten. Das war Musik wie ein Soundtrack zu Metropolis, mit Hasler als Bediener der Musik-Maschine. Ein Experimentieren mit Tönen und Klängen, das einfach Freude machte. Durchaus auch anspruchsvoll ob des in gespannter Neugier konzentrierten Hörens.  
Courtois am Cello scheinbar immer neue Möglichkeiten findend, dem Instrument Töne zu entlocken (haben Sie schon mal erlebt, wie man ein Cello mit zwei Bögen gleichzeitig streicht), dabei hoch virtuos. In schnellen Glissandi die Saiten streichelnd, dann wieder kräftig gezupft. Töne jenseits gewohnter musikalischer Skalen wurden durch den spielerischen Umgang völlig vertraut und selbstverständlich. Sartorius stand dem Experimentieren nicht nach, wenn er nicht nur Rhytmen produzierte, sondern seinen Drums zuweilen auch an Streichinstrumente erinnernde Töne entlockte, mit angestrichenem und angeriebenem Trommelfell.
So gab es dann auch weite Strecken, die dem Dialog von Cello und Schlagzeug gehörten, und in die Hasler nur sparsam elektronische Klänge oder ganz leise Trompetentöne mischte.
Das Magdeburger Publikum zeigte sich als ein konzentriertes und aufmerksames, das auf die Klangexperimente einging. Selbst wenn nicht Töne der Instrumente, sondern einsetzende Stille den Raum füllte, als nach der eingespielten Stimme von John Cage The sound experience which i prefer to all others, is the experience of silence die Musiker ihr Spiel unterbrachen. Wenn normalerweise an solchen Stelle  Applaus vorprogrammiert ist, blieben die Zuhörer still und konzentrierten sich auf die dann noch bleibenden Geräusche im Raum. 
Das Trio spielt am liebsten in einem Set durch und Warnfried Altmann, der die drei Musiker schon am Vortag in seinem Heimatort Wangelin zu Gast hatte, sagte später "ich mußte die drei erst mal überreden, überhaupt eine Pause zu machen". Tatsächlich waren die Musiker so in ihrem musikalischen Fluß, in dem Einverständnis ihres Zusammenspiels versunken, daß sie noch lange hätten so weitermachen können. In meiner Erinnerung bleibt ein Konzert, bei dem man "einfach so" zuhörend alles Alltägliche vergessen konnte.


Montag, 16. Juni 2014

Hanschel Fügemann Mussawisade

Heute war nicht nur der Jazz-in-der-Kammer-Termin, sondern auch das erste Spiel der deutschen Fußballmannschaft in Brasilien bei der Fi-Fa-Fußball-Weltmeisterschaft. So zweifelte Warnfried Altmann noch kurz vor Beginn des Konzertes, ob sich überhaupt ein paar Konzertbesucher zusammenfinden würden. Diese Sorge war jedoch unbegründet, das Konzert war trotz Fußball gut besucht. Und die Konzertbesucher konnten einen interessanten Jazz-Abend als musikalische Alternative zum Fußball genießen. Auf der Bühne im Magdeburger Schauspielhaus standen:

Roger Hanschel – Saxophon
Elisabeth Fügemann – Violoncello
Afra Mussawisade – Percussion


Roger Hanschel stellte in Magdeburg seine allerneueste CD vor (die es noch gar nicht als CD gibt – die Aufnahmen laufen gerade, und auch im Magdeburger Schauspielhaus wurde mitgeschnitten). Hanschels sehr anspruchsvolle Kompositionen beginnen mit einem Charlie Mariano gewidmeten Stück, zunächst sehr sacht, mit beinahe unhörbar leisen Tönen auf dem Cello und dem Saxophon, die – wären da nicht die allmählich einsetzenden Dissonanzen – beinahe an eine Waldsinfonie deutscher Romantiker denken lassen. Mal meint man auch Reverenzen an Rimsiki-Korsakows Hummelflug zu hören, mal Debussy. Doch bald entwickeln sich aus den anfänglich ruhigen Tönen komplizierte Klangstrukturen, in denen man als Zuhörer schon meint, den musikalischen Faden zu verlieren, bis sich wenig später das musikalische Chaos auflöst wie ein Nebelvorhang in der Morgensonne. Hervor tritt eine klare Melodie, von Mussawisades Rhythmen orientalisch geprägt. Eine komplizierte Musik, bei der vor allem das Können der Cellistin gefordert ist. 

Später nimmt Hanschel in seinem ansonsten akustischen Konzert die elektronische Loopstation zu Hilfe, um sein Saxophon zu verdoppeln, seine Töne den zuvor live eingespielten zu überlagern. Zarte Schwebungen entstehen so, die er in seinem langen Saxophon-Solo einer minimalistischen Musik gleich in langen Folgen wiederholt. Wenn er eben noch  laut und kräftig spielte, so klingt das Saxophon nun beinahe unhörbar leise. Vor der Pause wurde es dann nochmal laut und kräftig, als sein eben noch ruhiges Stück (mit dem passenden Titel "Beruhigung II") übergangslos in das nächste übergeht. "Personal Dharma" nennt es Hanschel und versteht es der buddhistischen Bedeutung des Wortes gemäß als Beschreibung seiner Lebensauffassung, seiner Musik. Eine Musik, die er mit seinem Saxophon bestimmt, von Cello und Percusssion dabei unterstützt.

Im zweiten Set des Abends erklangen bereits etwas ältere Stücke Hanschels. So die seinen Söhnen gewidmeten Kompositionen "Leander" und "Levin". Hier kam Elisabeth Fügemanns Können am Cello zum vollen Ausdruck, wenn sie es nicht nur auf herkömmliche Weise spielte, sondern auch den Obertonumfang des Instrumentes nutzte, sich auf experimentelle Klänge einließ. Ebenso begeistert sie auch in dem Stück "Extrembiose", dessen Titel sich vielleicht als extremste Symbiose zweier Instrumente interpretieren lassen kann. Fügemann streicht nicht nur die Saiten, sie erzeugt Stakkatotöne mit dem darauf geschlagenen Bogen, interagiert mit Hanschels langen Saxophonsätzen und Mussawisades Rhythmen.

Das Konzert war keine leichte Kost vor der Sommerpause, sondern eine intensive Musikerfahrung mit drei großartigen Musikern.



Montag, 19. November 2012

Kaleidoscope String Quartett

Kaleidoscope String Quartett mit
Simon Heggendorn – Violine
Ronny Spiegel – Violine
David Schnee – Viola
Bruno Fischer – Violoncello
Simon Heggendorn, Ronny Spiegel,
David Schnee, Bruno Fischer (v.l.n.r.)

Das Kaleidoscope String Quartett spielt in einer für den Jazz wohl einmaligen Besetzung, in der eines klassischen Streichquartetts. Zwei Violinen, eine Viola, ein Cello. Eine Jazzband ohne Rhythmusinstrument, Percussion oder Schlagzeug – geht das denn, mag sich manch einer gefragt haben. Doch gleich nach den ersten Stücken war die Antwort klar: ja, das geht, und sogar bestens. Das Magdeburger Jazzpublikum war jedenfalls begeistert von der Mischung, und möglicherweise lag es auch an der Neugier auf diese interessante Besetzung, die das Foyer des Schauspielhauses so voll wie schon lange nicht werden ließ.

Dabei setzte die Band nicht auf pure Harmonie und den Wohlklang der klassischen Instrumente, sondern auf das Ausprobieren klanglicher Vielfalt. Sowohl in der Harmonik als auch der Dynamik der Stücke. So wie bei "Wishes", mit dem das Konzert begann. Ganz zart kristallisierte sich aus leisen, aber anfangs noch disharmonischen Tönen eine Melodie heraus, wurden Rhythmen eingeführt. Faszinierend zu erleben, wie konzentriert und doch scheinbar leicht die Musiker mit den Herausforderungen umgingen, die ihnen Bandleader Simon Heggendorn mit seinen Stücken gestellt hat. Diese sind ursprünglich durchkomponierte Sätze – durch den Verzicht auf Noten bekommt das Konzert aber eine angenehme Lebendigkeit, klingt die Musik vielfach wie improvisiert. Spielerisch leicht und fast wie von selbst fügen sich die Melodien zusammen. Die Musik einer Gattung zuzuordnen fällt schwer. Bei einigen Stücken hörte ich Ansätze osteuropäischer Musik heraus, sah bei anderen die Berglandschaften der Schweiz beschrieben oder vernahm Anleihen bei Sibelius. Wenn dann aber das Cello wie in "Groovy" einen gezupften Baßrhytmus zugrundelegte, in den die anderen Instrumente einfielen, hatte die Musik beinahe etwas rockiges. Ebenso wenn die Rhythmen in einer nach Beat-Boxing klingenden Art durch das Schlagen der Bögen auf die Seiten erzeugt wurden. Viele der Stücke hatten aber im Grunde etwas zutiefst meditatives, was den Wunsch weckte, die Augen zumachen und  einfach nur noch lauschen zu wollen.

Als Zugabe erklang das letzte Stück der aktuellen CD, "One Life", das nochmals ganz leise begann. Die Bögen der Streicher strichen die Korpusse der Instrumente, was wie ein langsames, tiefes Ein- und Ausatmen klang, mit man seinen eigenen Atem unwillkürlich synchronisierte. Erst ganz leise stimmten erst die Violine und dann die anderen Instrumente ein, um dann aus leisen Tönen allmählich ein kräftiges Finale zu entwickeln.

Was so scheinbar leicht dahingespielt herkam, beruht aber auf echtem musikalischem Können. Anders wären die komplizierten, teils vierstimmigen Melodien gar nicht so perfekt zu spielen. Den Musikern kommt dabei ihre Ausbildung an klassischen Instrumenten zu Gute.

Auch aus einer anderen Sicht war der Abend bemerkenswert: das Konzert kam ohne elektronische Hilfmittel, ohne Mikrofon und Verstärkung aus. Die Instrumente reichten aus, das Foyer der Kammerspiel zu erfüllen. So war es eine schöne Gelegenheit, die eigenen Ohren mal wieder auf unverfälschten Klang zu eichen, neu zu kalibrieren. Das funktioniert vor allem in der zweiten Konzerthälfte, als der Barkeeper die sonst deutlich vernehmbar rauschenden Kühlschränke abgeschaltet hatte. Das Magdeburger Publikum war (wie immer) sehr diszipliniert und aufmerksam und ließ die leisen Töne bis zum Ende ausklingen. Das war Hifi pur.


Montag, 19. April 2010

Andreas Willers: Montauk

Andreas Willers unorthodoxe Projekte (z.B. Hendrix-Bearbeitungen für vier E-Gitarren) lassen sich mit dem Titel Jazz längst nicht mehr ausreichend beschreiben. Willers schöpft ebenso aus Neuer Musik, Rock, freier Improvisation – seine fließende Kompositions- und Gitarrentechnik verschafft ihm die nötige Lockerheit, um blitzschnell zwischen den Stilgrenzen zu changieren und auch mit ironischen Brechungen virtuos zu jonglieren, ohne eine eigenständige musikalische Linie einzubüßen.
Dominique Pifarély (Violine), Andreas Willers (Gitarre), Alain Grange (Cello), Rudi Fischerlehner (Drums)

Montag, 19. Januar 2009

Warnfried Altmann & Wilfried Staufenbiel


Warnfried Altmann & Wilfried Staufenbiel – Konzert für Saxophon
und Violoncello & Gesang

Aus der Ankündigung:
Da stoßen zwei Musiker aufeinander, die sowohl über eine klassische
Ausbildung (Altmann für Saxophon, Staufenbiel für Violoncello und
Gesang) als auch über eine äußerst reichhaltige Erfahrung in der
Darbietung improvisierter Musik verfügen. Zwei Musiker mit Tradition
und Vision bieten ein Konzert in ungewöhnlicher Besetzung, mit forschen,
freien, aber auch sensiblen Dialogen.

In der Tat war dieses Konzert ein nicht nur hörens-, sondern auch sehenswertes. Zur musialischen Improvisation gesellte sich der sichtbare Spaß an der Musik und den Texten. Selbst das Publikum wurde einbezogen, als laut Nonsens-Gedichte verlesen wurden. Jazz der etwas anderen Art.