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Dienstag, 16. Dezember 2025

Experienced

"Experienced" war heute als Projekt von fünf Musiker:innen auf der Jazz-Bühne im Magdeburger Forum Gestaltung zu hören. Und wenn man den Projekttitel wörtlich übersetzt: fünf erfahrene, versierte Musikerinnen:

Amy Green – Stimme
Andreas Willers – E-Gitarre
Rieko Okuda – Keyboard
Jan Roder – E-Bass
Christian Marien – Schlagzeug


Dabei ist die Langform des Projektes vielmehr die Frage: "Have you ever been experienced?" – "Bist Du jemals erfahren gewesen?" – Eine Frage, die von Selbstreflexion zeugt, vom ständig dazulernen wollen. Aber genug der Vorrede. Nun zum heutigen Konzert:

Stand zu Beginn noch deutlich akzentuierter Sprechgesang, der vor allem von Gitarre und Bass konterkariert wurde, alles jedoch recht zurückhaltend, so änderte sich die Szenerie plötzlich auf einen Schlag, und dies im wörtlichen Sinn. Denn kaum meinte man sich eingehört zu haben, kaum dass sich auch Harmonien zwischen Stimme und Instrumenten bildeten, da schlug Christian Marien mit einer Kraft auf seine Trommeln, dass sich die Art der Musik um 180 Grad wandelte. Plötzlich war man vom Jazz- in ein Rockkonzert gewechselt. 

Montag, 21. Oktober 2019

Warnfried Altmann Trio

Heute war der Organisator von Jazz in der Kammer seit langem wieder selbst in seiner Magdeburger Jazzreihe zu hören. Nach Magdeburg brachte er sein Trio, das Warnfried Altmann Trio mit. Im musikalischen Gepäck hatten sie die "Wangelin Songs", mit Inspirationen aus Altmanns neuer Heimat in Wangelin bei Plau am See.
Warnfried Altmann – Saxofon
Andreas Willers – Gitarre, Bass
Willi Kellers – Schlagzeug, Percussion

Sonst begrüßt Warnfried Altmann Publikum und Gäste. Heute übernahm Norbert Pohlmann vom Forum Gestaltung diese Aufgabe. Sichtlich erfreut über den sehr gut gefüllten Saal (es wurden zum Schluss noch einige Stühle mehr reingeholt) sagte er "wenn ich mich hier so umschaue, sehe ich viele alte Bekannte". Auf das unausweichliche Gelächter angesichts des 'Alters' antwortete er, "gut, das 'alt' nehme ich zurück, aber es ist doch schön, sich über so lange Zeit zu kennen. Und die Freundschaften wachsen mit dem Alter mit". Schließlich gehört "Jazz in der Kammer" schon 30 Jahre lang zur Magdeburger Kultur. Die Jazzszene in Magdeburg ist überschaubar, man kennt sich dort gut. Seit drei Jahren ist das Forum Gestaltung neue Spielstätte der Jazz-Reihe, seit das Schauspielhaus die Reihe einstellen wollte.

Warnfried Altmann überlässt den Beginn des ersten Sets dem Schlagzeuger. Willi Kellers nimmt seine Steel Drum zur Hand (eine original aus der Karibik mitgebrachte, wie er später verrät), schlägt darauf melodisch-helltönende Klänge. Altmann bläst zunächst verhaltene Töne dazu, wenig später stehen aber sein Saxophon und Andreas Willers' Gitarre im Mittelpunkt.

Der erste und nach der Pause auch der zweite Set spielen die drei Musiker an einem Stück durch, nur die Instrumente wechseln gelegentlich. Auf seinem Sopran-Saxophon bläst Altmann orientalisch anmutende Töne in den Saal, Willers greift zum elektrischen Bass und liefert damit tiefe Borduntöne. Diese verzerrt er später so stark, dass man erst mal hinschauen muss, was er da grad spielt, denn die durch die Verstärkung entstehenden Klänge könnte man sonst beinahe selbst für die eines Saxophons halten. Kellers liefert dazu permanente Rhythmen auf seinen Trommeln, aber auch hin und wieder auf der Steeldrum oder Percussions.

Montag, 21. November 2016

Andreas-Willers-Septett

Heute stand das Andreas-Willers-Septett auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung.
Matthias Schubert – Saxophon
Tom Arthurs – Trompete
Benjamin Weidekamp – Saxophon, Klarinette, Bassklarinette
Jörg Huke – Posaune
Andreas Willers – Gitarre, Komposition
Meinrad Kneer – Bass
Christian Marien – Schlagzeug

Das Septett um Andreas Willers begann mit "Tell me", rhythmisch so abgestimmt – und von den sieben Musikern auf den Punkt genau gespielt –, daß alle Musiker scheinbar immer genau ein kleines bißchen versetzt zueinander sind, dabei aber immer weiter zueinander kommen, bis sich am Ende daraus eine gemeinsame und dann auch rhythmisch übereinstimmende Melodie ergibt. Eine bordunartige Grundstimmung mit Einsatz des Blechs aus vollen Rohren, von Christian Marien am Schlagzeug kraftvoll begleitet. Musikalisch sehr kompliziert komponiert und dennoch eine sehr lebendige Musik. Ein starker Beginn!

In dieser Weise geht es auch weiter – diesmal mit einem musikalischen Zwiegespräch zwischen Gitarre und Baß links und der Bläsergruppe rechts, die sich von einer zur anderen Seite der Bühne Melodiestücke zuspielen. Die Bläser dabei als große schnaufende Maschine und Andreas Willers Gitarre als Melodieinstrument ergeben einen Mix aus Expressivität und klaren Melodien. Intelligent und doch nicht verkopft. Experimentell, spielerisch, mit Spaß am Zuhören.

Montag, 19. Oktober 2015

Dreieck – Vierseitig

Das heutige 250. Konzert nahm Warnfried Altmann zum Anlass, auch selbst einmal wieder auf der heimatlichen Bühne zu stehen. Zum Konzert hatte er mit Andreas Willers und Willi Kellers zwei Musiker mitgebracht, die in unterschiedlichen Projekten auch in Magdeburg bereits spielten und nun als Trio ihre Leidenschaft für die improvisierte Musik auf die Bühne bringen konnten.
Andreas Willers – Gitarre
Warnfried Altmann – Saxophon
Willi Kellers – Percussion
Andreas Willers, Warnfried Altmann, Willi Kellers

Das Konzert beginnt mit zunächst leisen Klängen von Gitarre, Saxophon und Flöte, in Terzen und Quinten variiert, harmonisch anfangs, dann immer kräftiger werdend, zu einem Inferno an Tönen anwachsend, als sich die Musiker warm gespielt haben und dazu auch noch das Schlagzeug einsetzt. Warnfried Altmanns Saxophon einem Schiffshorn gleich den Magdeburger Nebel durchdringend, dazu wilde Kontrapunkte von Andreas Willers' elektrischer Gitarre und Willi Kellers erfindet dazu einen Rhythmus an seinen Drums. An den lautesten Stellen konnte man sich unter die läutenden Glocken einer Kirche versetzt fühle, solch ein Hinundher an Klängen kam von der Bühne ins Publikum, solch Dröhnen erfüllte den Raum, wild und doch geordnet.
Ähnlich kontrastreich ging es weiter, wenn die Musiker erst ruhige, indisch anmutende Klänge anstimmten, dann aber Altmann auf seinem Sopransaxophon die Kavalerie zum Angriff rief (für die hundert Pferde sorgte Kellers am Schlagzeug). Die teils harten metallischen Töne von E-Gitarre und E-Bass bildeten einen Kontrast vor allem zum warmen Ton des Saxophons. Einmal aber auch in merkwürdiger Übereinstimmung, als Saxophon und E-Bass zu einer unheilvoll auf- und abschwellenden Sirene wurden.

Nach der Pause zwischen den beiden Sets (die die Musiker ansonsten ohne Unterbrechung durchspielten) eröffnete Willers mit zwei Solostücken, bei denen er die Gitarre beinahe wie eine akustische klingen ließ. Danach aber wieder Improvisationen der Musiker, die dann jeder für sich ein Experimentator sind und doch immer wieder zu gemeinsamen Passagen zusammenfinden. Etwa wenn Altmann sein Saxophon quaken und fiepen läßt, Willers spacige Elektrotöne hinzufügt, Kellers alles mit einem wilden Rhythmus unterlegt und die Musik zum Klang einer Großstadt in der Rush-hour anschwillt. Plötzlich wieder Ruhe, von Gitarre und Schlagzeug kommen Töne als ließen Aboriginees ihre Schwirrhölzer kreisen, dazu Altmann als musikalischer Europäer im Urwald. Ein Durcheinander, wild und fröhlich.

In weiten Teilen ist die Band genau dort, was Warnfried Altmann als Grundlage der Magdeburger Jazzreihe beschrieb, der improvisierten Musik, dem Experiment, dem Ausprobieren was geht. Und so gibt es als Zugabe nochmal einen Rausch der Töne, nichts für zarte Ohren und doch (oder gerade deswegen!) eine große Lust dabei, beim Hören die Augen zu schließen und sich ganz in diesen Kosmos der Töne fallen zu lassen. Großartig!

Zwei Blasinstrumente
Drei Arten, eine Gitarre zu spielen



Montag, 19. April 2010

Andreas Willers: Montauk

Andreas Willers unorthodoxe Projekte (z.B. Hendrix-Bearbeitungen für vier E-Gitarren) lassen sich mit dem Titel Jazz längst nicht mehr ausreichend beschreiben. Willers schöpft ebenso aus Neuer Musik, Rock, freier Improvisation – seine fließende Kompositions- und Gitarrentechnik verschafft ihm die nötige Lockerheit, um blitzschnell zwischen den Stilgrenzen zu changieren und auch mit ironischen Brechungen virtuos zu jonglieren, ohne eine eigenständige musikalische Linie einzubüßen.
Dominique Pifarély (Violine), Andreas Willers (Gitarre), Alain Grange (Cello), Rudi Fischerlehner (Drums)