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Montag, 19. Februar 2024

Theo Jörgensmann Quartett

Mit dem Theo Jörgensmann Quartett war eine Band zu erleben, die bereits seit den 90er Jahren gemeinsam auf den Jazz-Bühnen steht. Im bis auf den letzten Platz (es wurden sogar noch Stühle herangeholt) vollen Saal im Magdeburger Forum Gestaltung.

Theo Jörgensmann – Klarinette
Christopher Dell – Vibraphon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

"Auf der Bühne erleben wir vier Individualisten, die sich gegenseitig nichts mehr beweisen müssen", so stellte Warnfried Altmann das Quartett des Klarinettisten Theo Jörgensmann vor. Will meinen: alles langjährige Jazzer, die mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit ihre Musik ausleben. Tatsächlich legen die vier von Beginn an ein sehr hohes Tempo vor, spielen über lange Strecken hinweg kräftig, mit nur kurzen Ruhepunkten. Und sie spielen jeden der beiden Sets in einem Zug durch. Wow! 

Montag, 19. Dezember 2022

Mars Williams: An Ayler X-Mas

Heute, kurz vor Weihnachten, wurde es auch auf der Magdeburger Jazzbühne weihnachtlich. Was nicht in jedem Jahr der Fall ist, denn nicht immer ergibt sich diese jahreszeitliche Übereinstimmung. Dass es keine kitschigen Weihnachts-Dudel-Klänge wurden, sondern eher bei Freunden des Free Jazz weihnachtliche Gefühle aufkamen, dafür sorgten die kräftigen Klänge der Musiker, die Mars Williams mit nach Magdeburg brachte.

Mars Williams – Arrangements, Percussion, Toy Instruments
Matthias Schubert – Saxophon
Thomas Berghammer –  Trompete
Knox Chandler – Gitarre
Christian Svendsen – Bass
Klaus Kugel –Schlagzeug

Wenige Minuten vor Beginn des Konzertes sah man Konzert-Organisator Warnfried Altmann mit einem Gitarrenverstärker durch die Gänge des Forum Gestaltung eilen. Der Verstärker von Knox Chandler funktionierte nicht, Ersatz musste her. "Ich kenne ja einige Gitarristen", sagte Altmann, "aber die muss man erst mal ans Telefon bekommen und dann müssen sie auch noch zu Hause sein". Letztlich erreichte er gerade noch rechtzeitig Jörg Rattai, fuhr quer durch Magdeburg und das Konzert konnte pünktlich beginnen. "Das Konzert sollte bereits früher stattfinden, es wurde wegen Corona zweimal verschoben, jetzt beim dritten Mal können wir es endlich hören", kündigte Warnfried Altmann die Musiker an. "Ihnen werden die Ohren ordentlich durchgepustet, ich glaube wir werden heute alle glücklich nach Hause gehen."

Dass Warnfried Altmann nicht zuviel versprochen hatte, merkte man gleich zu Beginn. Dass "Vom Himmel hoch" hinter den Improvisationen stand, war zwischen Speed Marsch und punkig-krawalligen Klängen nur zu erahnen. Aber das machte zugleich Spaß: zwischen all den kräftigen Klängen und schrägen Tönen die Strukturen und Weihnachtsmelodien (schließlich ist es ein X-Mas-Programm) herauszuhören. Das war keine bloßen Jazz-Versionen von bekannten Weihnachtsliedern, das waren echte Neuerfindungen, für die die traditionellen Melodien nur Inspiration und Stichwortgeber waren. Das Kontrastprogramm zum Fest!

Bandleader Mars Williams konnte wegen einer Verletzung nicht selbst Saxophon spielen und beschränkte sich auf Percussion und divers Spielzeuginstrumente, deren Töne immer wieder in die Musik gemischt wurden. Für das Saxophon hatte Matthias Schubert engagiert. Die kräftigen Bläsertöne von Matthias Schubert und von Thomas Berghammer an der Trompete fanden ihren Widerhall in der extremst verzerrten Gitarren von Knox Chandler, dazu der kräftige Bass von Christian Svendsen und Schlagzeug und Percussion von Klaus Kugel, der bereits einigemal in Magdeburg zu hören war.

Montag, 21. November 2022

Cansu Tanrikulu und Gille – Ramond – Kugel

Virtuoser Sprechgesang trifft auf Jazztrio: 

Ayşe Cansu Tanrikulu – Gesang
Sebastian Gille – Saxophon
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

Das Konzert beginnt mit Gesang solo. Mit wenigen Tönen, die klingen, als seien sie Volksliedern in  Cansu Tanrikulus türkischer Heimat entlehnt. Nach dem Konzert sagte sie, "ich kann mich tatsächlich in meiner Muttersprache am gefühlvollsten ausdrücken". Erst etwas später und zunächst sehr verhalten reagieren die drei Instrumentalisten. Etwas Bass hier, etwas metallisch klingendes Schlagzeug dort, dazu erst leise, dann kräftiger das Saxophon von Sebastian Gille, das er im Klang der Stimme anpasst, wenn auch in anderer Tonlage. Zwischen Saxophon und der Sängerin baut sich eine musikalische Symbiose auf, wenn Tonfolgen hin und her gehen, jeweils verwandelt zurückgespielt werden.

Freitag, 12. April 2019

Kugel, McPhee, Edwards, Swell

Mächtige Bläserklänge, begleitet von Bass und einem starken Schlagzeug, standen am Ende des Clubabends der Magdeburger Jazztage.
Klaus Kugel – Drums
Joe McPhee – Saxophon, Trompete
Steve Swell – Posaune
John Edwards – Bass

In seiner Anmoderation wies Warnfried Altmann darauf hin, dass „Klaus Kugel einer der Schlagzeuger ist, die gern engagiert werden, wenn amerikanische Solisten nach Deutschland kommen, weil er so kraftvoll spielt“. Und er machte auf den Untertitel der Magdeburger Jazztage hin. „Jetzt! Das ist aktuelle, das ist zeitgenössische Musik“. Über Joe McPhee sagte er, „es ist selten, dass jemand in dieser Weise die beiden so unterschiedlichen Instrumente Tompete und Saxophon spielt“. Auch bei diesem Konzert des Clubabends gab es wieder eine spontane Erweiterung des ursprünglich angekündigten Trios. Zu Klaus Kugel, Joe McPhee und John Edwards kam nun Steve Swell mit seiner Posaune hinzu.

Es war beinahe unfassbar, mit welcher Gewalt und Lautstärke Joe McPhee mit seiner Trompete und Steve Swell mit seiner Posaune die Töne ins Publikum blasen. Töne, in denen sich eine ungeheure Kraft entlädt. Klaus Kugel setzt ein wahres Feuerwerk an Trommelklängen hinzu. Das Gehör der Konzertbesucher wird frei geblasen von allem zuvor gehörten. Erst danach ist Zeit auch für leisere Klänge: Joe McPhee und Steve Swell halten sich zurück, Klaus Kugel zaubert Geräusche auf mit dem Bogen gestrichenen Gongs oder lässt Glocken klingen.

Mateen, Kugel, de Joode

Der zweite Teil des Clubabends der Magdeburger Jazztage gehörte einem der Großen des afroamerikanischem Jazz. So jedenfalls kündigte Warnfried Altmann den New Yorker Saxophonisten Sabir Mateen an. "Wir haben hier jemanden, auf den in der Jazzszene gehört wird", sagte Altmann über Mateen. Anstelle von Warren Smith (der aus gesundheitlichen Gründen nicht den langen Flug nach Europa antreten durfte) saß Klaus Kugel am Schlagzeug, zusätzlich kam Wilbert de Joode am Baß hinzu, also der Bassist des vorangegangenen und der Schlagzeuger des folgenden Konzertes (ursprünglich waren Mateen/Smith als Duo angekündigt). Diese Besetzungsänderung wurde erst kurz vor dem Konzert zwischen den Musikern vereinbart – etwas, was so spontan nur auf einem Festival möglich ist.
Sabir Mateen – Sax
Klaus Kugel – Drums, Percussion
Wilbert de Joode – Bass

Die drei Musiker beginnen unvermittelt mit voller Kraft. Allen voran die klaren Töne auf Sabir Mateens Saxophon, zu denen Klaus Kugel kräftige Rhythmen beiträgt, bei denen er außer den großen und kleinen Trommeln eine Vielzahl an Gongs und Glocken klingen lässt. Diese percussiven Stellen sind es dann auch, die dem Zuhörer zwischendurch einige Augenblicke der Ruhe in einem insgesamt kräftigen Konzert geben. Wilbert de Joode zupft den Bass mit voller Dynamik, zieht an den Saiten, streicht ihn, klopft darauf und hebt sich mit diesem kräftigen Spiel aus dem Hintergrund der Musik heraus.

Sabir Mateen, der recht schwerfällig auf die Bühne kam, ist als er zu seinem Instrument greift, an musikalischer Kraft aber nicht zu bremsen. Als Kugel und de Joode mit ihren ausklingenden Instrumenten eine kurze Pause andeuten, schaut er nur kurz zu ihnen rüber, als wollte er ihnen "doch jetzt noch nicht" sagen – und spielt weiter, den ganzen Set an einem Stück. Mateen lässt das Saxophon in hohen Tönen melodisch klingen, trötet tiefe Töne hinzu, in immer wilder werdendem Spiel.

Montag, 16. März 2015

Damasiewicz, Ramond und Kugel

Heute waren im Schauspielhaus Magdeburg zu Gast:
Piotr Damasiewicz – Trompete
Christian Ramond – Bass
Klaus Kugel – Schlagzeug

Der Schlagzeuger Klaus Kugel und der Bassist Christian Ramond spielen bereits seit 30 Jahren in unterschiedlichen Formationen gemeinsam. Ganz neu in dem Trio war dagegen der polnische Trompeter Piotr Damasiewicz – er war erst wenige Tage zuvor für den ursprünglich vorgesehenen Sergey Pron aus Rußland eingesprungen (der wohl zu spät dran gedacht hatte, ein Visum zu beantragen, so Warnfried Altmanns Anekdote dazu). Damasiewicz verstand sich auf Anhieb mit seinen beiden Kollegen, so als hätten sie schon immer so auf der Bühne gestanden. Kein Wunder, hat doch auch er bereits mehrere eigene Bands und Projekte, in denen er sich zwischen Free Jazz und Sinfonik bewegt, zum Teil auch elektronischer und experimenteller Art. In Magdeburg war das Konzert allerdings ein rein akustisches, sieht man von etwas Verstärkung für den Bass ab. Keine Elektronik formte oder sampelte Töne, alles war handgemacht.

Die ersten Minuten des Abends begannen noch sehr leise, selbst die Trompete nur flüsternd. Während Kugel auf seinem großen Instrumentarium, seinen Glöckchen, Becken, Schellen zarte Percussion-Töne anstimmte, in die Ramonds dissonannte Basstöne gleichsam einzudringen schienen, hielt sich Damasiewicz Trompete zunächst sehr im Hintergrund. Es war wie ein Spiel, wie ein erstes Herantasten an neue Instrumente. Vielleicht, als versuchten Kinder herauszufinden, was anzufangen mit den vielen auf der Bühne stehenden Dingen. Dabei aber jeder für sich hochkonzentriert und sein Instrument beherrschend, immer mehr Klänge oder Melodie-Fragmente beisteuernd. Allmählich kam das Trio in Fahrt, wurden die Töne lauter und füllten das gesamte Foyer des Schauspielhauses. Als Konzertbesucher konnte man sich dabei wie ein Beobachter eines Experimentes fühlen, dessen Funktion und Ablauf es zu ergründen galt, nicht auf den ersten Blick durchschaubar und vielleicht gerade deshalb interessant. Mal dominierten wilde Trompetentöne, dann wieder war es ein brummender Bass-Bordun, der die Schwingungen in den Raum schickte. Kugel saß mal wie ein Wirbelwind an den Drums, mal wie ein Magier an den Percussions. Der (ohne Pause durchgespielte!) erste Set endete mit so etwas wie einer Hommage an Rimski-Korsakov mit seinem Hummelflug, auf die sich Ramond und Damasiewicz schießlich als gemeinsame Melodie einigten und die sie bis zum Verklingen auch des allerletzten Nachhalls ausklingen ließen, das wie immer aufmerksame Magdeburger Publikum bis in diese Stille hinein mitnehmend.

Sind in der von den dreien improvisierten Musik solche Entwicklungen eigentlich vorher abgestimmt, wollte ich in der Pause von Klaus Kugel wissen. Er sieht die Musik solcher Abende eher als "im Moment komponiert an", als etwas, das man sich zwar auch als Noten aufgeschrieben vorstellen könnte: "Dann wäre manches davon wie Neue Musik", das er aber lieber frei spielt. "Wir wollen ja nicht etwas zuvor komponiertes spielen", sagte er, auch wenn er die Musik selbst vom Grunde her schon als "orchestral gedacht" versteht, unter Wirkung musikalischer Naturgesetze und im Vertrauen darauf, daß das Tun des anderen einen Sinn hat. Und die eben noch von mir zu erkennen geglaubte Melodie, gab es sie dann wirklich? Egal, für mich war sie es und vielleicht spielt das auch schon gar keine Rolle mehr.

Den zweiten Set des Abends spielten die drei ebenso an einem Stück durch, wurden aber erst nach einer Zugabe von der Bühne gelassen.


Montag, 20. Dezember 2010

Stefan Heidtmann Project

Stefan Heidtmann Projekt
Stefan Heidtmann – piano, Gerd Dudek – tenorsaxophon, Reiner Winterschladen – trumpet, Dieter Manderscheid – bass, Klaus Kugel – drums


Aus Warnfried Altmanns Ankündigung:
"Eine All-Star-Band, die 2004 schon einmal in der gleichen Besetzung in Magdeburg und für mich unvergesslich schön war. Jeder der 5 Musiker ist ein Gigant und Individualist. Die Ideen und Kompositionen kommen vom Kölner Pianisten Stefan Heidtmann."