Montag, 21. Oktober 2019

Warnfried Altmann Trio

Heute war der Organisator von Jazz in der Kammer seit langem wieder selbst in seiner Magdeburger Jazzreihe zu hören. Nach Magdeburg brachte er sein Trio, das Warnfried Altmann Trio mit. Im musikalischen Gepäck hatten sie die "Wangelin Songs", mit Inspirationen aus Altmanns neuer Heimat in Wangelin bei Plau am See.
Warnfried Altmann – Saxofon
Andreas Willers – Gitarre, Bass
Willi Kellers – Schlagzeug, Percussion

Sonst begrüßt Warnfried Altmann Publikum und Gäste. Heute übernahm Norbert Pohlmann vom Forum Gestaltung diese Aufgabe. Sichtlich erfreut über den sehr gut gefüllten Saal (es wurden zum Schluss noch einige Stühle mehr reingeholt) sagte er "wenn ich mich hier so umschaue, sehe ich viele alte Bekannte". Auf das unausweichliche Gelächter angesichts des 'Alters' antwortete er, "gut, das 'alt' nehme ich zurück, aber es ist doch schön, sich über so lange Zeit zu kennen. Und die Freundschaften wachsen mit dem Alter mit". Schließlich gehört "Jazz in der Kammer" schon 30 Jahre lang zur Magdeburger Kultur. Die Jazzszene in Magdeburg ist überschaubar, man kennt sich dort gut. Seit drei Jahren ist das Forum Gestaltung neue Spielstätte der Jazz-Reihe, seit das Schauspielhaus die Reihe einstellen wollte.

Warnfried Altmann überlässt den Beginn des ersten Sets dem Schlagzeuger. Willi Kellers nimmt seine Steel Drum zur Hand (eine original aus der Karibik mitgebrachte, wie er später verrät), schlägt darauf melodisch-helltönende Klänge. Altmann bläst zunächst verhaltene Töne dazu, wenig später stehen aber sein Saxophon und Andreas Willers' Gitarre im Mittelpunkt.

Der erste und nach der Pause auch der zweite Set spielen die drei Musiker an einem Stück durch, nur die Instrumente wechseln gelegentlich. Auf seinem Sopran-Saxophon bläst Altmann orientalisch anmutende Töne in den Saal, Willers greift zum elektrischen Bass und liefert damit tiefe Borduntöne. Diese verzerrt er später so stark, dass man erst mal hinschauen muss, was er da grad spielt, denn die durch die Verstärkung entstehenden Klänge könnte man sonst beinahe selbst für die eines Saxophons halten. Kellers liefert dazu permanente Rhythmen auf seinen Trommeln, aber auch hin und wieder auf der Steeldrum oder Percussions.

Willers reizt die Eigenschaften seiner Instrumente durch die elektronische Verstärkung und Verzerrung voll aus, mit immer wieder neuen Klangeffekten. Mal erzeugt er tiefe schnarrende Töne allein durch Rückkopplungseffekte, dann wieder sind von der Gitarre hohe spacige Klänge zu hören, zu denen Kellers afrikanische Trommelrhythmen spielt.

War es eben noch laut und wild, so gibt es kurz darauf nur noch leise Gitarrenriffs, dazu ebenso zurückhaltendes Geklapper auf den Becken. Zeit zur Entspannung. Mit ihrem großen Umfang an Dynamik geben die Musiker der Seele immer auch wieder Zeit, runter zu kommen, sich zu besinnen. Warnfried Altmann steht dann auch mal wie ein Schamane leise singend auf der Bühne. Singt später auch einen Text von Börries von Münchhausen, der es ihm mit seiner romantischen Stimmung von Abschied und Heimkehr angetan hat ("Der Text hat auch etwas mit meinem Unterwegssein zu tun", sagt er später, "aber nun bin ich angekommen, wo ich jetzt zu Hause bin").
Ich hab auf den Straßen verlaufen sieben Paar Schuh,
mein Stecken blieb immer derselbe, mein Herz dazu,
ich wanderte sieben Jahre durch Regen und Sonnenlicht,
und die Straßen wussten mein Glück und sagten es nicht.
(aus
Börries von Münchhausen: "Es liegt etwas auf den Straßen")
Singt leise, halb Gesang, halb Rezitation und nur leise von der E-Gitarre begleitet. Ehe es allzu besinnlich wird, greift er dann doch wieder zum Saxophon, bläst einen lauten Weckruf und eröffnet neue Dialoge und Trialoge zwischen den Musikern, mit immer wieder eigenwilligen Klangvarianten.

Schrille Flötentöne eröffnen den zweiten Set, der noch kräftiger weitergeht als es der erste war. Die Zugabe war dann wieder etwas ruhiger, Willi Kellers stand mit Steeldrum und Mundharmonika im Mittelpunkt, ehe dann am Ende rockige Maschinenklänge aus der Gitarre, Schlagzeug und Sax entstehen, die in einem gemeinsamen großen Ton ausklingen.

Die Musiker haben auch zuvor bereits in unterschiedlichen Besetzungen teilweise gemeinsam gespielt, einige Mal auch in Magdeburg. In Altmanns Trio lassen sie sich auf die entstehende Stimmung ein, schaffen daraus neues. Für den Gitarristen und Bassisten Andreas Willers sind "die tonalen Strukturen" wichtig, für Altmann "die innere Ruhe, als auch die Kraft und Inspiration, die in dem Abend stecken". "Es geht hier auch um Stimmungen, um Atmosphäre," ergänzt Willi Kellers, "die ich als Schlagzeuger beeinflussen kann, das ist sehr beruhigend für mich – ich habe sonst mein ganzes Leben so komplizierte Sachen gespielt".


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