Montag, 21. September 2026

Public Radio

Heute kam das Trio Schultze – Ehwald – Rainey mit seinem Projekt Public Radio nach Magdeburg zu Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung. Ihre Instrumente fügen sie in kräftigen Improvisationen harmonisch zusammen. 

Stefan Schultze – Piano
Peter Ehwald – Saxophon
Tom Rainey – Schlagzeug

Schon die Ankündigung von Warnfried Altmann, seit  über 30 Jahren  Organisator der Magdeburger Jazzreihe, machte neugierig: „Was die drei vorhin geprobt haben, da schlackern einem die Ohren“. Zu hören gab es eine große Bandbreite an Klängen und Musik, von leise und zart bis zu völlig wild.

Peter Ehwald gab auf seinem Saxophon ganz sachte Tonfolgen vor, Stefan Schultze übertrug diese leicht abgewandelt auf sein Piano, anfangs alles noch sehr sanft und ruhig, mit leisen Percussionklängen von Tom Rainey. Schon bald bekommt das Klavier eine eigenständige Rolle, mit langen, perlenden Passagen. Die Musik wird kräftiger, sehr dynamisch, aber – auf eine eigenartige, schwer zu beschreibende Weise – ohne dadurch zu laut zu werdem. 

Später kommt Stefan Schultzes Spezialdisziplin hinzu, das präparierte Klavier. Der Klang des großen Flügels ändert sich, wenn er Dinge auf die Saiten legt, sie dämpft oder an den Saiten befestigte Holzstäbe mit den Fingern reibt. Mal hört man dumpfes Blech, mal schnarrende Töne. Dazu dann Tom Raineys Trommeln und Pauken, die er in verschiedenen Tönen klingen lässt. Peter Ehwalds Saxophon ist dann die melodische Konstante.

All diese Klangeffekt sind aber nebensächlich, denn im Vordergrund steht ein gut abgestimmtes Zusammenspiel der drei Musiker, von Melodien, die an Jazz-Standards erinnern, kommen sie bis zu einem wilden Crescendo, dass dann wirklich mal laut ist: ein gleichmäßiges Tosen, das dann den Raum flutet. 

Am Ende bleibt noch eine Frage offen: Warum heißt das Projekt „Public Radio“? „Wir waren im Jahr 2023 mit meinem Large Ensemble im Kammermusiksaal des Deutschlandfunk zu Gast“, sagt Stefan Schultze, „Peter und Tom spielen da ja auch mit. Mit der Aufnahme waren wir einen Tag früher fertig als geplant und wir hatten den Saal noch einen Tag zur Verfügung. Da haben wir drei dann die Gelegenheit für ein neues Projekt genutzt.“ Dass dies nach dem öffentlichen Rundfunk benannt ist, ist dann selbsterklärend. 

Der Deutschlandfunk berichtet hier über die damalige Aufnahme seiner „Buchla Suite“ (Leider nicht mehr im Audioangebot verfügbar). Und wer dann meint, Moment mal, das kommt mir bekannt vor: In Magdeburg war Stefan Schultze damit schon ein Jahr früher zu hören, beim Sinuston Festival 2022, mit Synthesizer-Pionier Morton Subotnick als Gast im Publikum.


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