Freitag, 22. April 2022

Olga Amelchenko Quartett

Im zweiten Konzert des Clubabends der Magdeburger Jazztage stand Olga Amelchenko auf der Bühne des Magdeburger Forum Gestaltung. Olga Amelchenko brachte mit ihrem Quartett Musiker aus Paris (wo sie gegenwärtig lebt) und den USA mit. Zu hören war frischer Jazz, melodisch und kräftig. 

Olga Amelchenko – Altsaxophon
Alexis Valet – Vibraphon
Étienne Renard – Bass
Jesus Vega – Schlagzeug

Den Beginn des Konzertes dominierte Olga Amelchenkos kräftig und klar gespieltes Saxophon, zu dem Vibraphon, Bass und Schlagzeug eine Begleitung lieferten. Wenig später überließ sie immer wieder Alexis Valet mit dem dem Vibraphon die Melodieführung. "Ich mag den Klang dieses Instrumentes so sehr", sagte sie später. Und das hört man auch im gut abgestimmten Zusammenspiel der beiden Instrumente. Wenn Olga Amelchenkos auf die metallischen Klänge antwortet, dann tut sie das mit genau akzentuierten Tönen. Es machte Freude die Musik der jungen Musiker zu erleben, die wunderbar aufeinander eingestimmt waren.

Philipp Gropper`s PHILM

Im Clubabend am zweiten Tag der Magdeburger Jazztage stand Philipp Gropper mit seinem Projekt PHILM auf der Bühne des Forum Gestaltung. Kräftige Klänge aus vollen Rohren!

Philipp Gropper – Tenorsaxophon
Philip Zoubek – Piano, Synthesizer
Robert Landfermann – Bass
Oliver Steidle – Schlagzeug 


Wow, welch ein heftiger Beginn! Das Konzert begann äußerst geräuschbetont und wild. Ein Tohuwabohu – und das meine ich nicht despektierlich – von Klängen, jenseits allen easy listenings, flutete den Raum, drang in die Ohren und machte sie zugleich frei für die kommende Konzertstunde. Nach einem ersten Oha! machte die Musik von Beginn an Freude. Ein progressives Chaos, aus dem hier und da immer wieder einzelne Stimmen der vier Instrumentalisten herausschauten. So etwas kräftiges habe ich lange nicht gehört. Bei aller Wildheit war zugleich die Virtuosität der Musiker erkennbar, vor allem als nach dem fulminanten Beginn auch einige melodischere Passagen folgten. 

Donnerstag, 21. April 2022

Shake Stew: "Heat"

Zum Auftaktkonzert der 5. Magdeburger Jazztage "Jetzt" stand die österreichische Band „Shake Stew“. In der Musik der Band trifft Fusion auf Afro Beat und Big-Band-Bläsersätze. Ein großartiger Beginn des Festivals im ausverkauften Gartensaal des Gesellschaftshauses.

Lukas Kranzelbinder – Kontrabass, E-Bass, Guembri, Leader
Fabian Rucker – Altsaxophon
Johannes Schleiermacher – Tenorsaxophon, Flöte
Mario Rom – Trompete
Tobias Hoffmann – E-Gitarrre
Niki Dolp – Schlagzeug, Perkussion
Christian Eberle Marquez – Schlagzeug, Perkussion

Was für eine wilde Klangvielfalt gleich von Beginn an! Die Band begann mit den ersten beiden Titeln des aktuellen Albums "Heat". Die zwei (!) Schlagzeuger der Band legen schnelle und mitreißende Rhythmen vor, die vom Sound der Bläser überlagert werden. Afrikanisch geprägte Rythmen, Big-Band-inspirierte Bläsersätze – all das mischt sich zu einem modern urban global big band sound. Eine Musik, zu der man schon nach den ersten Takten am liebsten aufstehen (das Konzert fand im bestuhlten Saal statt) und sich bewegen möchte (und das muss schon was heißen, wenn sogar ich als Tanzmuffel so etwas schreibe...). 

Als es später leiser wird, Lukas Kranzelbinder zur marokkanischen dreisaitigen Laute Gimbri greift, da klingt Afro-Pop durch, wie man ihn von Künstlern wie Fela Kuti kennt. Von Johannes Schleiermachers Querflöte kommen Vogelstimmen und vom vorher so kräftigen Schlageug hölzerne Klänge der Schlitztrommel und leise prasselnder Regen. Es ist wie ein Umschalten auf Weltmusik-Klänge. "Die nordafrikanische Musik hat meine Musik geprägt", sagte mir Kranzelbinder nach dem Konzert, "aber auch Musiker wie der Wiener Joe Zavinul". Kein Wunder, wenn einige der Bläsersätze nach Fusion Music klingen, wenn die Bläser beinahe unisono langegezogene Melodien spielen. Als die ersten beiden Stück nach langen Variationen und Improvisationen enden, sagt Kranzelbinder dem Publikum: "Auf der CD ist es kürzer. Aber man verliert sich als Musiker so leicht in diesen meditativen Klängen".

Eröffnung der Magdeburger Jazztage 2022

Heute wurden im Magdeburger Gesellschaftshaus die Magdeburger Jazztage eröffnet, die fünften immerhin schon. Hätte es nicht Corona gegeben, dann wären es bereits die siebten gewesen. Was zu dem Zusatz "endlich" auf dem Schriftzug des Plakates der Jazztage führte. Das Programm für 2020 stand bereits, dann kam die Absage aller Veranstaltungen wegen der Corona-Pandemie. Im Frühjahr 2021 ebenso. Im Herbst 2021 konnte es mit dem "Offbeat" zumindest einen kleinen Ersatz geben. 

Norbert Pohlmann

Überschattet werden  die Konzerte vom Krieg, den Russland gegen die Ukraine führt – mitten in Europa. "Man fragt sich manchmal. 'kann man in diesen Zeiten Kultur machen'", sagte Norbert Pohlmann vom Forum Gestaltung, "aber ich meine: man kann nicht nur, man muss! Ich bin überzeugt davon, dass Kultur eine Form der Kommunikation ist, mit der wir nach vorn treten müssen". 

Samstag, 2. April 2022

Programm der Magdeburger Jazztage 2022

Das Programm der Magdeburger Jazztage steht jetzt. Im Mittelpunkt steht – dem Jahresthema von Jazz in der Kammer 2021 entsprechend, als die Jazztage abgesagt werden mussten – das Saxophon. 


Der Vorverkauf hat begonnen und es gibt wie schon in den Vorjahren wieder ein Festivalticket für alle vier Konzertabende – in limitierter Anzahl, aber für einen lukrativen, stark rabattierten Preis von 85 Euro statt 105 Euro beim Einzelkauf der Karten.

Donnerstag 21.04., 20 Uhr
Eröffnungsabend im Gesellschaftshaus

„Shake Stew“ (Österreich)
Lukas Kranzelbinder – Kontrabass, E-Bass, Guembri, Leader
Fabian Rucker – Altsaxophon
Johannes Schleiermacher – Tenorsaxophon, Flöte
Mario Rom – Trompete
Oliver Potratz – Kontrabass, E-Bass
Niki Dolp – Schlagzeug, Perkussion
Christian Eberle – Schlagzeug, Perkussion       

Freitag 22.04. 20 Uhr
Clubabend im Forum Gestaltung

Philipp Gropper`s PHILM (D,A)
Philipp Gropper – Tenorsaxophon
Philip Zoubek – Piano, Synthesizer
Robert Landfermann – Bass
Oliver Steidle – Schlagzeug                    

Olga Amelchenko Quartett (RU, Ukraine, Fr, USA)
Olga Amelchenko – Altsaxophon
Alexis Valet – Gitarre
Étienne Renard – Bass
Jesus Vega – Schlagzeug                     

Samstag 23.04.  19 Uhr
„Das Saxophon“ im Gesellschaftshaus 

Roger Hanschel + String Thing Streichquartett
Roger Hanschel – Altsaxophon/Komposition
Nicola Kruse – Violine
Ingmar Meissner – Viola
Gunther Tiedemann – Cello
Jens Piezunka – Bass                        

Julia Hülsmann Quartett
Uli Kempendorff – Saxophon
Julia Hülsmann – Piano
Marc Muellbauer – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug               

European Improvisation Saxophone Quartet (I, Lt, D, UK)
Gianni Gebbia – Sopransaxophon
Vytautas Labutis – Altsaxophon
Warnfried Altmann – Tenorsaxophon       
Simon Rose – Baritonsaxophon                

Sonntag 24.04. 15 Uhr
Kinderprogramm im Gesellschaftshaus 

Hoppel Hoppel Rhythm Club
Jazz für Kinder ab 5
Peter Lehel – Saxophon
Peter Schindler – Piano
Mini Schulz – Kontrabass
Obi Jenne – Schlagzeug

Sonntag 24.04. 20 Uhr
Abschlusskonzert Gesellschaftshaus 

Christof Sänger Trio feat. Peter Weniger (D)
Peter Weniger – Saxophon
Christof Sänger – Piano 
Rudi Engel – Bass
Heinrich Köbberling – Schlagzeug


Montag, 21. März 2022

Pisarović und Dörner: Sevdah

Ich kann gar nicht genau sagen, was mich mehr beeindruckt hat – Vesna Pisarovic mit ihrer klaren kräftigen Stimme oder Axel Dörner mit seiner von Elektronik begleiteten Trompete.  Jedenfalls war das Konzert ein minimalistisches, mit einer auf das minimal mögliche reduzierten Begleitung des Gesangs durch nur ein Instrument. 

Vesna Pisarović – Gesang
Axel Dörner – Trompete, Elektronik

Das Konzert beginnt mit Windgeräuschen: Axel Dörner bläst mit etwas Abstand auf sein Trompetenmundstück, lässt nur die strömende Luft tönen. Fügt dann sirenenartige Glissandotöne hinzu, indem er das Rohr seiner Firebird-Trompete bewegt, dieser eigenartigen und seltenen Mischung aus Trompete (mit Ventilen) und Posaune (mit beweglichem Zug). Und als wäre das nicht genug an ungewohntem Instrumentarium, hat er seitlich noch ein Konstrukt aus elektronischen Dreh- und Schiebereglern aufgesteckt. Aus der Elektronik kommen gesampelte Maschinenklänge hinzu, oder Sounds, wie sie die Älteren unter den Zuhörern an Töne des Kurz- oder Mittelwellenempfängers noch kennen, wenn man abends am Radio den richtigen Sender suchte. 

Als Axel Dörner nochmals seine durchdringenden Töne erklingen lässt und Vesna Pisarović auf die Bühne kommt, beginnt ein interessantes Zwiegespräch zwischen Instrument und Stimme. Vesna Pisarović nimmt mit klarer hoher Stimme die Tonfolgen auf, wiederholt und variiert sie. Die Stimme als Instrument und ein Beispiel für das, was Saxophonist Warnfried Altmann bei seiner Anmoderation des Abends sagte "Wir Instrumentalisten versuchen, mit den Instrumenten zu singen. Aber das schönste Instrument ist wohl doch die menschliche Stimme, mit dem Körper als Resonanzraum." Ein harmonisches Miteinander wäre allein eher langweilig, bei den beiden Musikern unterstützt die Trompete mal den Gesang, mal bildet sie einen schreienden Gegensatz. Die so an vielen Stellen spürbare Aggressivität hat etwas faszinierendes – die Stellen mit Trompete und Stimme unisono im Gleichklang aber auch.