Montag, 15. November 2021

Timo Vollbrecht "Fly Magic"

Heute war Timo Vollbrecht mit seinem Projekt "Fly Magic" im Forum Gestaltung zu hören. Ein hochkonzentriertes Spiel von vier bestens aufeinander eingestimmten Musikern. Für mich eine Entdeckung.

Timo Vollbrecht (sax)
Keisuke Matsuno (g)
Elias Stemeseder (p, synths)
Dayeon Seok (perc)

Die Musik der Band beginnt mit sanften Tönen aus Timo Vollbrechts Saxophon und leisen Gitarrenriffs von Keisuke Matsuno. Ab und zu sind dazu einzelne Töne zu hören, also ob jemand eine Melodie pfeift. Klangeffekte aus Emil Stemeseders Synthesizer, der auf dem Flügel steht. Später, bei einem langen Pianosolo, zeigt er, dass er nicht nur die Elektronik, sondern auch die Tasten des Flügels beherrscht. Dayeon Seok spielt im Auftaktstück ihren Schlagzeugpart wie in Zeitlupe gedehnt. Mir kommt es vor wie das, was ein Rock-Schlagzeuger als kräftiges Solo spielt, nur dass sie mit Ihren Stöcken in der selben Abfolge nacheinander ihre Drums und Becken schlägt, aber eben nicht leichthin und in hohem Tempo, sondern voller Konzentration hier und da und dort hinlangt. 

Nach diesem zurückhaltenden Beginn findet die Band in einem Fusionsound zusammen, bei dem das Saxophon im Vordergrund steht. Insgesamt ist die Musik so was von ausgewogen, dass eigentlich egal ist, wo die Klänge grad herkommen. Und, um Missverständnissen vorzubeugen: nein, mit „ausgewogen“ meine ich nicht „beliebig“. Die Musik ist immer wieder faszinierend, auch wenn etwa völlig verrückte spacige Effekte hinzukommen, man das Raumschiff gleich abheben zu hören meint. Oder wenn sie ins rockige wechselt, bei „givers an takers“. „So heißt unsere Lieblingsbar in New York, in der nur Rockmusik läuft“, erklärt Timo Vollbrecht den Titel. 

Samstag, 23. Oktober 2021

Vorschau November: Timo Vollbrecht "Fly Magic"

Am Montag dem 15. November um 20 Uhr wird Timo Vollbrecht mit seinem Projekt "Fly Magic" im Forum Gestaltung zu hören sein.

Timo Vollbrecht (sax)
Keisuke Matsuno (g)
Elias Stemeseder (p, synths)
Dayeon Seok (perc)

Hört man in das Video rein, so erwartet uns diesmal Musik, die eher in Richtung Jazz-Rock geht. Virtuos gespielt, mit einem Zauberer an den Gitarren, kräftigen Beats und swingendem Saxophon.

Aus der Ankündigung:

Im Gegensatz zu einer stereotypen Jazz-Besetzung betrachten sich die vier Musiker als ein formbares Kollektiv, das sich in die Gebiete des zeitgenössischen Jazz, der neuen Musik, des Post-Rocks sowie des instrumentalen Songwritings ausdehnt. Durch diese Einflüsse überschreiten sie die Grenzen des Musikgenres. Gemeinsam erforschen sie eine Vielzahl von Klangfarben durch Orchestrierung wie das Nebeneinander akustischer und elektrischer Instrumente, so kann die Romantik einer lyrischen Melodie durch einen destruktiven Soundeffekt der Gitarre unterbrochen (oder gefärbt) werden. Als Bandleader konzentriert sich Vollbrecht darauf, eine einzigartige kollektive Ästhetik zu schaffen, die den individuellen Ausdruck jedes einzelnen Improvisators in einen größeren Gemeinschaftsgeist einbettet.


Montag, 18. Oktober 2021

Pericopes +1

Pericopes +1: das Jazz-Trio aus Italien begeisterte mit seiner Mixtur aus Wildheit und Harmonie. Magdeburg war zweite Station der gerade begonnenen Tour zur Vorstellung ihrer neuen CD "Up".

Alessandro Sgobbio – Klavier
Emi Vernizzi – Saxophon
Ruben Bellavia – Schlagzeug

"Der Kultur-Hunger scheint ausgebrochen zu sein. Ich bin so glücklich, den Saal voll zu sehen", begrüßte Warnfried Altmann das Magdeburger Jazz-Publikum, und stellte die Band vor als "gelungenes Beispiel, wie man Elektronik und analoge Instrumente verbinden kann". 

Eine solche Verbindung gab es in der Tat, denn aus Alex Sgobbios Korg-Piano und Synthesizer strömen sphärische Klänge, über die Emi Vernizzis warm und klar sein Saxophon spielt. Ruben Bellavias Schlagzeug ist da noch zurückhaltend, und in der Kombination der drei Musiker flutet eine Woge von Klang den Saal. Erst recht als Sgobbio beginnt, das Piano mit vollem Körpereinsatz zu spielen, aufsteht, die Musik nicht nur spielt, sondern diese auch tanzt, sich wie ein Derwisch vor und zurück, auf und ab bewegt. Trotz der Dynamik, die sich auf die Musik überträgt, und trotz der Kraft und Lautstärke bleibt der Sound stets lässig. 

Montag, 20. September 2021

Maria Baptist und Jan von Klewitz

Mit ihrer neuen CD "Facing Duality" kamen Maria Baptist und Jan von Klewitz nach Magdeburg. Wollte man das Konzert mit wenigen Worten beschreiben, so würde es "Klavier und Saxophon in symbiotischer Harmonie" ganz gut treffen. 

Maria Baptist – Klavier, Komposition
Jan von Klewitz – Saxophon

Maria Baptist war bereits 2017 mit ihrem Trio bei Jazz in der Kammer. Schon damals begeisterte ihr kräftiges und akzentuiertes Klavierspiel. Dieser Eindruck sollte sich auch im heutigen Konzert wiederholen. Am Beginn des Konzertes stand das Titelstück der CD, Facing Duality. Mit warmen Tönen spielt Jan von Klewitz sein Altsaxophon, bläst kurze und klare Melodiefragmente, die Maria Baptist mit wenigen breiten Akkorden begleitet. Langsam erst, dann an Tempo zunehmend, wechseln sich beide immer wieder ab in der Melodieführung, fügen die Fragmente zu einem mehrsätzigen Stück zusammen.

Einige der Titel haben Balladencharakter, etwa "Stillness speaks". Hier gibt das Klavier das Thema vor, das Saxophon kommt später hinzu und aus dem Zusammenspiel entwickelt sich ein großer Klang, Musik voller Gefühl. Am Ende scheint es ein Herantasten an die im Titel stehende Stille zu sein.

Freitag, 25. Juni 2021

Vorschau September: The John Betsch Society

Am Montag dem 20. September 2021 geht es nach der Sommerpause weiter bei Jazz in der Kammer. Dann steht The John Betsch Society auf der Magdeburger Jazz-Bühne.

Hermann Martlreiter (ts)
Jobic le Masson (p)
Peter Giron (b)
John Betsch (perc)

Hört man in das untenstehende Video (und weitere aus derselben CD) rein, welches in der Jahresübersicht von Jazz in der Kammer verlinkt ist, dann entfaltet sich da eine kraftvolle und sehr fröhliche Musik, die von einem scheinbar unbändigen Saxophon dominiert wird. Und natürlich vom Rhythmus des amerikanischen Schlagzeugers. Musik die mit so vielen unterschiedlichen Facetten daherkommt, dass sie beinahe schon in die Kategorie "Weltmusik" fällt. Da die CD jedoch bereits von 1974 stammt, bin ich gespannt, welche Musik John Betsch jetzt mit nach Magdeburg bringt. 

Übrigens ist das Konzert das fünfte Jubiläum von Jazz in der Kammer am neuen Veranstaltungsort, dem Forum Gestaltung Magdeburg. Im Juni 2016 musste Jazz in der Kammer Abschied vom Schauspielhaus, den früheren Kammerspielen Magdeburg (die der Reihe einst den Namen gaben) nehmen und fand im September 2016 eine neue Heimat im Forum Gestaltung. Blickt man auf die vergangenen 5 Jahre zurück, dann war das eine schöne, eine interessante Zeit für den Jazz in Magdeburg. Jazz in der Kammer ist an seinem neuem zuhause schon lange angekommen. Und hat sein Publikum mitgenommen.




Montag, 21. Juni 2021

Phillip Dornbuschs "Projektor"

Heute war Tenor-Saxophonist Phillip Dornbusch mit seinem "Projektor" zu Gast im Forum Gestaltung. 
Phillip Dornbusch (sax, cl, perc)
Johanna Summer (p)
Johannes Mann (g)
Roger Kintopf (b)
Philip Dornbusch (perc)

An der Musik der Band um den Saxophonisten Phillip Dornbusch begeistert die Kraft, die von der Musik ausgeht ebenso wie an leiseren Stellen die Melodiosität: wilde Improvisiertheit geht mit innerer Struktur einher. Grad das richtige für mich, um mich nach einem stressigen Tag der Musik hinzugeben, mich davon auffangen zu lassen. 

Bestimmt werden die Klänge von Dornbuschs Saxophon, dessen Dynamik von den anderen Musikern aufgegriffen wird. Johannes Mann liefert mal heftige Gitarrenriffs, mal leise und konzentrierte einzelne Töne, die auf leise hingehauchte Windgeräusche des Sax reagieren. Interessant auch, wenn Roger Kintopf am Bass und Phillip Dornbusch unisono spielen, mit langsamen und tiefen Borduntönen eine Basis für die später hinzukommenden perlenden Klaviertöne von Johanna Summer liefern.