Montag, 15. Juni 2020

Neuanfang nach Corona

Nach vier Monaten Pause gab es endlich wieder ein Konzert auf der Jazz-Bühne des Forum Gestaltung. Warnfried Altmann und Norberte Pohlmann begrüßten Gunter Hampel, der mit seinem European-New York Quartet nach Magdeburg kam. Wegen der Corona-Pandemie waren zuvor das März- und das Mai-Konzert ausgefallen, ebenso die Magdeburger Jazztage, die im April zum fünften Mal stattfinden sollten.

Warnfried Altmann und Norbert Pohlmann begrüßten das Publikum und man merkte ihnen die Erleichterung darüber an, dass nun – wenn auch mit Einschränkungen – wieder Konzerte möglich sind.

Warnfried Altmann  und Norbert Pohlmann
nach der Corona-bedingten Zwangspause.
"Das ist ein Abend, der einem ironischen Ernst abverlangt", sagte Norbert Pohlmann zu Beginn und erklärte "ich freue mich, dass überhaupt wieder etwas stattfinden darf, und muss zugleich Auflagen einhalten".  So war der Saal vor der Jazzbühne zwar ausverkauft, aber doch nicht mal halb voll. Mit dem vorgeschriebenen Abstand durften nur knapp über 30 Gäste das Konzert besuchen. Die aber wollten unbedingt rein, wollten ihren lange vermissten  Jazz hören. Nach dem Konzert war dann auch von vielen der Besucher nach dem Konzert zu hören, wie toll es war, endlich mal wieder Musik live auf der Bühne zu erleben.

Keine schlechte Nachricht ohne etwas Gutes: Norbert Pohlmann teilte mit, dass das zweite Halbjahr von Jazz in der Kammer gesichert ist. Unter anderem, weil einige der Kulturfördermittel für ausgefallene Veranstaltungen an die Stadt zurückgeflossen sind und unter anderem Jazz in der Kammer zugute kommen. Außerdem stehen die für die Jazztage 2020 zugesagten Mittel im Jahr 2021 den Jazztagen zur Verfügung.

Warnfried Altmann hörte man an, dass er verzweifelt über die vielen ausgefallenen Konzerte war. Vor allem die Jazztage: "Mir blutete das Herz", sagte er, "es war alles organisiert und unser Programm in den vier Tagen hätte sich messen lassen können im Vergleich mit Jazzstädten wie München oder Berlin". Zugleich war er aber auch "unglaublich glücklich, dass wir wieder echte Musiker auf der Bühne, echte Menschen im Publikum haben".

Nach diesem Rück- und Vorblick gab es dann ein Konzert des Jazz-Altmeisters Gunter Hampel, das voller Energie war, voller Improvisation und musikalischer Vielfalt. Gesang traf auf Saxophon, Elektronik auf Vibrafon.

Der Saal des Forum Gestaltung, ausverkauft –
und doch nicht mal halb voll.

Freitag, 5. Juni 2020

Vorschau Juni: Gunter Hampel European-New York Quartet

Man kann es gar nicht laut genug rufen: Endlich wieder Live-Musik, endlich wieder Jazz!

Mit der Lockerung der Corona-Pandemie-Vorschriften sind nun auch wieder kleinere Konzerte möglich. Auch Jazz in der Kammer kann es nun vor der Sommerpause wieder geben, nachdem die Jazz-in-der-Kammer-Konzerte im März und im Mai und vor allem auch die Magdeburger Jazztage abgesagt werden mussten. Um so mehr freue ich mich auf das Juni-Konzert.

Am Montag, dem 15. Juni um 20 Uhr wird Gunter Hampel mit seinem European-New York Quartet auf der Jazzbühne im Forum Gestaltung Magdeburg stehen.
Gunter Hampel – bcl, vib, fl
Johannes Schleiermacher – ts, music easel
Cavana Lee-Hampel – voc
Bernd Oezsevim – perc

Gunter Hampel hat internationale Jazzgeschichte geschrieben, damals in den 60ern und 70ern in den USA. Er gehört seitdem zum Urgestein der absoluten Weltklasse, wie Marion Brown, Jeanne Lee und Anthony Braxton, mit denen er u. a. spielte. Inzwischen ist Hampel 82jährig – und musikalisch immer noch voll dabei. Nach Magdeburg kommt er mit einer jungen Band und vor allem mit einer wunderbaren Jazz-Sängerin, seiner Tochter Cavana Lee-Hampel. Wir dürfen uns nach dem was man über Hampel und seine Band lesen konnte, auf unbändig kräftige wie auch harmonische Musik freuen, die vom Gesang komplettiert und abgerundet wird.

Der Berliner Tagesspiegel schrieb über einen Auftritt der Band:
Was Hampel und sein Ensemble leisten, ist immens. Es macht sich positiv bemerkbar, dass er schon mehr als 15 Jahre mit dem Saxofonisten Johannes Schleiermacher und Schlagzeuger Oezsevim auftritt. Ihre meist improvisierten Exkursionen, die den Sound des lange in Europa beheimateten Art Ensemble of Chicago und des kosmischen Jazz-Propheten Sun Ra beschwören, sind kommunikative Schöpfungen im Augenblick auf technisch höchstem Niveau.
Der heimliche Star des Abends aber ist Cavana Lee Hampel. Sie singt, zischt, atmet rhythmisch ins Mikrofon, lotet das komplette Register ihrer stimmlichen Möglichkeiten aus und treibt die Band so unablässig nach vorne. Vor ihr führt die vierköpfige Tanzgruppe ein improvisatorisches Katz- und Mausspiel auf und sorgt mit Capoeira-artigen Dialogen, zuerst in Slow Motion, dann immer schneller, für ekstatische Spannungsbögen. Sie schafft es, die turbulenten Klangwelten der Band nicht nur zu begleiten, sondern zu komplettieren.
Da bin ich nun gespannt und freue mich drauf.

Hinweise des Forum Gestaltung zur Veranstaltung und zu Corona bedingten Sicherheitsmaßnahmen:

Das Konzert findet unter Einhaltung der bekannten Hygiene-Vorschriften statt. Bitte verhalten auch Sie sich und anderen gegenüber verantwortungsvoll. Die Zuschauerzahl ist sehr begrenzt, um bei Wahrung der Abstandsregeln im Zuschauerraum während des Konzerts keinen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. Für Ein- und Auslass und weitere Gänge ist dessen Anlegen aber geboten.

Ticket-Kontakt:
Tel: 0391 99087611
info@forum-gestaltung.de

Wir bitten alle Gäste einen persönlichen Mund- und Nasenschutz mitzuführen. Im Einlassbereich kann es zu erhöhten Wartezeiten kommen!

Zu Ihrem Schutz müssen wir gemäß der Fünften SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung des Landes Sachsen-Anhalt vom 2. Mai 2020 Ihren Namen und Ihre Kontaktdaten erfassen. Zur Nachverfolgung von Infektionsketten werden diese dem Gesundheitsamt auf Anforderung mitgeteilt. Ihre Daten werden vor Ort erfasst und spätestens zwei Monate nach Ihrem Besuch von uns vernichtet. 

Dienstag, 3. März 2020

Programm der Magdeburger Jazztage

In diesem Jahr steht das Saxophon als Instrument im Mittelpunkt von Jazz in der Kammer. Deshalb sind auch die Magdeburger Jazztage sehr auf das Saxophon hin ausgerichtet. Es ist kein Konzert ganz ohne Saxophon dabei. So kann man die große Vielfalt der Saxophone erwarten.

Aktualisierung (23.03.): Auf Grund der Corona-Pandemie sind gegenwärtig alle Veranstaltungen untersagt. Es ist nicht absehbar, ob Mitte April schon wieder Veranstaltungen in der Größe der Jazztage stattfinden dürfen und ob die Musiker anreisen können. Deshalb wurden inzwischen alle Konzerte abgesagt. Das ist ein herber Verlust für den Jazz in Magdeburg und für das Magdeburger Kulturleben. 

Das komplette Programm:

Donnerstag, 16.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg
20:00 Uhr  Der Eröffnungsabend
Veranstaltung auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt 

Steve Coleman and Five Elements (USA, GB)
Steve Coleman – Altsaxophon
Kokayi – wordsmith
Jonathan Finlayson – Trompete
Anthony Tidd – E-Bass
Sean Rickman – Percussion

Freitag, 17. April 2020 im Forum Gestaltung
19.00 Uhr Der Klubabend
Veranstaltung auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt 

Anna-Lena Schnabel Quartett (D, GE)
Anna-Lena Schnabel – Altsaxophon, Flöte
Florian Weber – Piano
Giorgi Kiknadze – Bass
Björn Lücker – Percussion

Philipp Gropper’s PHILM (D, AT)
Philipp Gropper – Tenorsaxophon
Philip Zoubek – Piano
Robert Landfermann – Bass
Oliver Steidle – Percussion

Olga Amelchenko Quartet (RU, UA, D, USA)
Olga Amelchenko – Altsaxophon, Komposition
Igor Osypov – Gitarre
Tom Berkmann – Bass
Jesus Vega – Percussion

Samstag, 18. April 2020 im Gesellschaftshaus Magdeburg
19.00 Uhr Das Saxophon
Veranstaltung auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt 

Roger Hanschel + Auryn Streichquartett (D, GB)
Roger Hanschel – Altsaxophon, Komposition
Matthias Lingenfelder – Violine
Jens Oppermann – Violine
Stewart Eaton – Viola
Andreas Arndt – Cello

The New European Saxophone Quartet (BG, LT, IT, D)
Anatoly Vapirov – Tenorsaxophon, Sopransaxophon
Vytautas Labutis – Tenorsaxophon, Sopransaxophon
Gianni Gebbia – Altsaxophon, Sopransaxophon
Warnfried Altmann – Tenorsaxophon, Sopransaxophon

Bodurov Trio feat. Trygve Seim (NO, BG, D)
Trygve Seim – Tenorsaxophon, Sopransaxophon
Dimitar Bodurov – Piano
Mihail Ivanov – Bass
Jens Düppe – Percussion

Sonntag, 19. April 2020 im Gesellschaftshaus Magdeburg
15.00 Uhr Das Familienkonzert
Veranstaltung auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt 

Frau Gerburg verkauft den Jazz (D)
Herr Hering, die liebe Frau Gerburg & die Jazzband:
Gerburg Maria Müller – Moderation
Matthias Debus – Bass
Alexandra Lehmlern – Saxophon
Claus Kiesselbach – Vibraphon
Stefan Cerin – Percussion

20.00 Uhr Das Abschlusskonzert
Veranstaltung auf Grund der Corona-Pandemie abgesagt 

Ernie Watts Quartet (USA, D)
Ernie Watts – Tenorsaxophon
Christof Sänger – Piano
Rudi Engel – Bass
Heinrich Köbberling – Percussion

Mittwoch, 19. Februar 2020

Vorschau April: Magdeburger Jazztage

Bitte gleich im Kalender freihalten: vom 16. bis 19. April, in der Woche nach Ostern, finden die Magdeburger Jazztage statt. Nun bereits zum fünften Mal.

Vor Beginn des Februar-Konzertes kam Warnfried Altmann auf die Bühne, nicht nur um das nächste Konzert anzukündigen und die Musiker des Abends zu begrüßen. "Ich bin immer noch total euphorisch", sagte er dem Publkikum, "denn gerade heute haben wir die Zusage bekommen, dass wir die noch fehlende Förderung für die Magdeburger Jazztage bekommen".

Die Magdeburger Jazzszene ist zwar durchaus stabil, sogar die sehr anspruchsvollen Konzerte abseits des Mainstreams, wie man sie im Forum Gestaltung erleben kann, finden zunehmend auch neues Publikum. Aber ganz ohne Zuschuss geht es immer noch nicht und wird es wohl auch nicht gehen. Um so schöner, dass dieser Schritt geschafft ist. Für die Organisatoren ist es allerdings sehr schwer, bei so knapp eintreffenden Zusagen die Konzerte zu planen, schließlich sind auch die Termine der Musiker schon lange geplant. "Bis zum Termin der Jazztage sind nur noch 8 Wochen", sagte Warnfried Altmann, "Mir glühen jetzt noch die Ohren, weil ich natürlich gleich zum Telefon gegriffen habe und den Musiker zusagen musste".

Einige Namen nannte Altmann bereits, Musiker wie Steve Coleman and Five Elements, Ernie Watts Quartett, Philipp Gropper, Anatoly Vapirov, Roger Hanschel, Anna-Lena Schnabel. Mehr zum Programm und den Karten gibt es demnächst hier und auf der Webseite des Forum Gestaltung zu lesen. Aber erst mal gilt: Termin im Kalender eintragen.

Vorschau März: Fly Magic

Aktualisierung: 
(13.03.) Auf Grund der vorbeugenden Maßnahmen gegen das Corona-Virus muss das Konzert leider ausfallen.

Am Montag, dem 16. März 2020 um 20 Uhr ist Timo Vollbrecht mit seiner Band Fly Magic zu Gast bei Jazz in der Kammer.
Timo Vollbrecht –  sax
Keisuke Matsuno – git
Bernhard Meyer – eb
Sebastian Merk – perc

Auf seiner Webseite kann man in die Musik der Band reinhören: ein kräftiges, aber durchaus melodisches Saxophon trifft auf einen voluminösen Sound seiner Band. Klingt großartig und macht neugierig auf ein Live-Erlebnis.

Aus der Vorankündigung:
Timo Vollbrecht lebt seit Jahren in New York und Berlin und genießt die Vorzüge beider Metropolen. Sein Projekt „Fly Magic“ hat er in der US-Jazzmetropole gegründet; er verbindet darin Modern Jazz mit Indie-Rock, Minimal Music, Pop und klassischen Klängen.
Der erfrischend andersartige Sound mit immer wieder experimentellen Klang-Flächen dieses Kollektivs ist klangmalerisch, außerweltlich und vermittelt stets das Gefühl des Fliegens.

Montag, 17. Februar 2020

Fabian-Dudek-Quartett

Vier junge Jazzmusiker, die voller Dynamik kräftige Klänge auf die Magdeburger Jazzbühne brachten: das Fabian-Dudek-Quartett, mit
Fabian Dudek – sax, comp
Felix Hauptmann – p, synth
David Helm – b
Fabian Arends – perc

Von Beginn an war es ein Erlebnis, die vier jungen Jazzer aus Köln auf der Bühne zu erleben. Man hatte gar keine Zeit, sich lange einzuhören, so plötzlich ging es von Null auf Hundert. Ungewöhnlich: ein Bass-Solo gleich am Anfang des Konzertes: mit der Kraft einer großen Maschine bediente David Helm den Bass mit Fingern und Bogen, erst schrammten tiefe Töne ins Publikum, dann holte er aus den Saiten Obertöne heraus, entlockte diesem großen Instrument ungewöhnlich hohe Klänge. Welch eine Ouvertüre! Als sich dann Felix Hauptmann am Flügel und Fabian Arends am Schlagzeug in die Musik einmischten ergab sich für kurze Zeit der Klang eines vergleichsweise "normalen" Klaviertrios, bis dann Fabian Dudek sein Saxophon kräftig blies, die Tonleitern rauf und runter kleine Melodieteile aneinanderreihend.

Spätestens nach dem ersten Stück hatten sich die Ohren in die Klänge des Quartetts eingehört, wurde die kräftige Musik vertrauter. Dabei gab es zwischen all der Wildheit immer wieder ruhigere Phasen, Gelegenheit zum ausruhen, wenn etwa ein Klaviersolo mit klaren, nachhallenden Akkorden kam. Aber nicht lange, dann knallte das Schlagzeug wie ein Schuss dazwischen. Interessante klangliche Assoziationen ergaben sich, als Klavier und Saxophon im Duett spielten. Eine eigentümliche Klangwolke, in der man sich allen Dissonanzen zum Trotz wohlfühlen konnte.