Donnerstag, 11. April 2019

Eröffnung der Jazztage

Heute wurden im Magdeburger Gesellschaftshaus die vierten Magdeburger Jazztage eröffnet. Die Besucher dieses kleinen Jazzfestivals können sich von Donnerstag bis Sonntag auf zehn Konzerte freuen. Darunter gibt es diesmal erstmalig auch ein Konzert für Kinder und eine von Schlagzeug und Percussion begleitete Lesung.

Warnfried Altmann (links) und Norbert Pohlmann
eröffneten die Magdeburger Jazztage.

Norbert Pohlmann blickte in einer kurzen Ansprache zur Eröffnung der Jazztage auf die Zeit der Vorbereitung zurück und brachte auch die internationale Politik ins Spiel: "Wir haben uns zum Beispiel gefragt, laden wir auch englische Musiker ein. Vielleicht ist in Zeiten dyfunktionaler Regierungen die Kultur wichtiger denn je". (Anm. d. Red.: selbstverständlich ist auch ein Engländer vertreten. Und wie passend zum Thema Brexit kam grad heute in der Jazzsendung des Deutschlandfunks ein Beitrag über die "Brexit Big Band" des Engländers Matthew Herbert)
Wie um den poltischen Anspruch von Musik zu unterstreichen, zitierte er auch den Jazz-Musiker Coco Schumann, der, nachdem er Nazizeit, KZ und Holocaust überlebte, sagte "Wer den Swing in sich hat, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren."

Norbert Pohlmann wies auf einen weiteren Aspekt der Jazztage wies hin: "Manche haben uns gefragt, 'warum macht Ihr die Karten so billig?' (die Festivalkarte für 10 Konzerte kostet nur 80 Euro)" und erklärte "es ist uns wichtig, die Kultur für jeden zu ermöglichen." Und das auch im Gesellschaftshaus, das wie Pohlmann sagte "ein Haus der Hochkultur ist". Für ihn ist es "wunderbar, das mit dem Jazz zu verbinden".

Warnfried Altmann freute sich auf die zehn wunderbaren Veranstaltungen. "Vielleicht wird manch einer vielleicht über einige Konzerte, so wie das heute, 'das ist ja gar kein Jazz sagen' – so vielfältig ist die Musik und all das ist eben vor allem eine wunderbare, improvisierte Musik". Dazu gehören der Klubabend im Forum Gestaltung am Freitag mit kräftigem Jazz ebenso wie das unter dem Titel "Das Schlagwerk" stehende Konzert am Sonnabend im Gesellschaftshaus (mit jeweils drei Konzerten) und das Abschlusskonzert mit dem Schlagzeug-Großmeister Günter "Baby" Sommer und seinem Quartetto Trionfale.

Montag, 18. März 2019

Hanschel und Shotham

Heute standen zwei Gewinner renommierter Musikpreise auf der Bühne: Roger Hanschel (WDR-Jazzpreis) und Ramesh Shotham (WDR-Weltmusikpreis). Der Konzertabend bot einen Mix aus saxophongeprägtem zeitgenössischen Jazz und indischen Klängen.
Ramesh Shotham – Perkussion
Roger Hanschel – Saxophon

Roger Hanschel begann das Konzert mit warmen, kräftigen Saxophonklängen, einzelnen, ineinander übergehenden Tönen, abseits gewohnter Tonskalen, indischen Klängen ähnelnd. Aus den anfangs leisen Tönen werden bald schreiend laute, schrille. Die Wiederholungen seiner Tonfolgen klingen wie die Strophen eines Liedes. Ramesh Shotham begleitet das Saxophon zunächst mit nur zurückhaltend am Schlagzeug. Extrembiose nennt Hanschel seinen ersten Titel, und beschreibt damit eine „extreme Form zwischenmenschlicher Beziehungen“.

Später nimmt Hanschel einzelne Passagen mit einer Loop Station auf, legt neue Stimmen darüber. Shotham greift zur Kanjira, einer kleinen, und wie er sagt, „ursprünglich mit Echsenhaut bespannten“, dem Tambourin ähnlichen Trommel.

Ein Percussion-Solo widmete Shotham dem indischen Gott Ganesha. Zu (elektronisch eingespielten) Klängen der Tampura, einer indischen Langhalslaute, spielt er die Tempeltrommel Tavel. Sanfte, meditative Klänge sind zu hören, die durch die mit einem Schlegel und mit den Fingern erzeugten Rhythmen Struktur erhalten.

Freitag, 22. Februar 2019

Vorschau Magdeburger Jazztage

Vor dem Beginn  des Februar-Konzertes kamen Norbert Pohlmann und Warnfried Altmann auf die Bühne, um die Magdeburger Jazztage anzukündigen.


Im Jahresprogramm waren die Jazztage bereits angekündigt, nun endlich sind auch die Konzerte fest vereinbart. Vom 11. bis zum 14. April gibt es von Donnerstag bis Sonntag vier Tage voll improvisierter Musik, mit Jazz vom Feinsten. Dabei war es auch in diesem Jahr wieder eine schwierige Aufgabe, die Finanzierung hinzubekommen, Geldgeber zur Unterstützung der Konzerte zu finden. "Wir haben alle unsere Hosentaschen umgedreht", sagte Norbert Pohlmann, "und die Finanzierung in letzter Minute hinbekommen".

Warnfried Altmann freute sich sehr darüber, dass dieses Projekt auch in diesem Jahr Wirklichkeit werden kann. Nicht selbstverständlich heutzutage! Nun aber ist alles fertig. "Ich freue mich über die vier Tage im Gesellschaftshaus und im Forum Gestaltung", sagte Altmann und wies auch auf die Unterstützung von Carsten Geerth vom Gesellschaftshaus hin, das ebenfalls Mitveranstalter ist. "Dort findet dann auch das Eröffnungskonzert statt, mit einer begeisternden bulgarischen Band".  Der Freitag gehört dann dem Clubabend im Forum Gestaltung. "Da hören wir dann drei Konzerte hintereinander, alles mit sehr kräftiger Musik. Sonnabend und Sonntag geht es dann wieder im Gesellschaftshaus weiter".

Neu ist diesmal ein Konzert speziell für Kinder, am Sonnabend vormittag, und eine Lesung mit Musikbegleitung, zur Matinee-Zeit am Sonntag vormittag.

Der Sonnabend-Abend steht unter dem Titel "Das Schlagwerk" und präsentiert drei Konzerte unterschiedlichster Musiker. Auch das Abschlusskonzert am Sonntag Abend kommt von einem Schlagzeug-Großmeister: Günter "Baby" Sommer und dem "Quartetto Trionfale". In einer Besetzung, auf die ich mich schon sehr freue.

Auch 2019 gibt es wieder eine limitierte Anzahl von Festival-Tickets. Für nur 80 Euro ist damit der Eintritt in alle Konzerte der Magdeburger Jazztage möglich. Die Karten gibt es im Vorverkauf im Forum Gestaltung.

Das komplette Programm:

Donnerstag, 11.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg
ab 20.00 Uhr  Der Eröffnungsabend

Ivo Papasov and his Wedding Band (Bulgarien)
Salif Ali  – Drums
Ivo Papasov – Clarinet
Maria Karafizieva – Vocals
Matyo Dobrev – Kaval (Flute)
Ateshghan Yuseinov – El.guitar
Nesho Neshev – Accordion
Vasil Mitev – Keyboards, Gadulka (Violin)

Eintritt: 20 € / ermäßigt 15 €

Freitag, 12.04.2019 im Forum Gestaltung
ab 19.00 Uhr  Der Klubabend

Jan Klares 2000 (USA, D, B, NL)
Michael Vatcher – Drums
Jan Klare – Saxophon
Steve Swell – Posaune
Bart Maris – Trompete
Elisabeth Coudoux – Cello
Wilbert de Joode – Bass

Smith & Mateen (USA)
Warren Smith – Drums, Percussion
Sabir Mateen – Sax

Kugel, Mc Phee, Edwards (D, USA, UK)
Klaus Kugel – Drums
Joe Mc Phee – Sax, Trompete
John Edwards – Bass

Eintritt: 30 € / ermäßigt 25 €, für alle 3 Konzerte des Abends

Samstag, 13.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg

15.00 Uhr Das Familienkonzert

Jollis wilde Welt der Worte
Jorinde Jelen Band

Eintritt: 11 € / Kinder bis 14 Jahre 5 € / ermäßigt 8,50 €

ab 19.00 Uhr Das Schlagwerk

PUNKT.VRT.PLASTIK (D, SLO, S)
Christian Lillinger – Schlagzeug
Kaja Draksler – Piano,
Petter Eldh – Bass

Lechner/Couturier (D, F)
Anja Lechner – Violoncello
Francois Couturier – Piano

Karolina Strassmayer & Drori Mondlak – KLARO! (USA, A, D)
Drori Mondlak – Schlagzeug
Karolina Strassmayer – Altsaxophon
David Friedman – Vibraphon
Thomas Stabenow – Bass

Eintritt: 30 € / ermäßigt 25 €, für alle 3 Konzerte des Abends

Sonntag, 14.04.2019 im Gesellschaftshaus Magdeburg
11.00 Uhr  Die Matinee

Lyrik & Jazz: „PENG PENG PENG“
Nora Gomringer – Lesung,
Philipp Scholz – Schlagzeug

Eintritt: 15 € / ermäßigt 12 €

20.00 Uhr im Gesellschaftshaus Magdeburg
Das Abschlusskonzert

Baby Sommers Quartetto Trionfale, special guest Anatoly Vapirov (D, F, I, BG)

Günter „Baby“ Sommer – Schlagzeug/Perkussion
Michel Godard – Tuba, Serpent
Gianluigi Trovesi – Klarinette
Antonio Borghini – Bass
Anatoly Vapirov – Saxophon

Eintritt: 20 € / ermäßigt 15 €

Vorschau März: Tabla und Sax

Beim nächsten Termin von Jazz in der Kammer, am Montag, dem 18. März im 20.00 Uhr erwartet uns eine wunderbare Kombination von Saxophon und indisch geprägter Percussion.
Ramesh Shotham – Perkussion
Roger Hanschel – Saxophon

Im Video gibt es einen längeren Mitschnitt eines Konzertes der beiden Musiker beim WDR-Jazzfest. Hört rein, lasst Euch neugierig  machen und kommt zum Live-Konzert nach Magdeburg. Denn auch hier ist live natürlich viel besser als alle Youtube-Videos.

Roger Hanschel und Ramesh Shotham sind beide Preisträger des WDR Jazzpreises 2018.
In der Kategorie „Improvisation“ gewann Hanschel als Solo-Saxophonist. Laut Jury ist er „der Traum eines virtuosen Stilisten, einer der sein Ding macht, dieses Ding stetig fortentwickelt, perfektioniert und einmal angekommen, direkt wieder um die nächste Ecke verschwindet, um sich eine weitere musikalische Welt zu erschließen“.
Der Perkussionisten Shotham wurde in der Kategorie „Musikkulturen“ vom WDR ausgezeichnet. Der Autodidakt schafft es mit seinem ungewöhnlichen Stil Kulturen zu verbinden. Seine Karriere begann als Schlagzeuger in einer Rockband und wurde u. a. von den Beatles und den Rolling Stones beeinflusst. Einen Kontrast dazu bildet das Studium der indischen Tempelmusik und Schlaginstrumente.

ROGER HANSCHEL,
ist ein deutscher Saxophonist und Komponist, der vor allem im Bereich des Creative Jazz arbeitet.
Hanschel studierte erst Saxophon an der Musikhochschule in Köln. Dort gründete er 1983 die Gruppe NANA (Hans Lüdemann-p, Rainer Linke-b, Klaus Mages-dr) aus der die Gruppe BLAU FRONTAL entstand. Seit dieser Zeit ist neben dem Saxophon das Komponieren ein Schwerpunkt seiner Arbeit. 1986 studierte er an der „school for fine arts“ in Banff/Canada bei Dave Liebman, Dave Holland, Richie Beirach u.a.
Seit 1987 ist Roger Hanschel Mitglied in der ausgezeichneten KÖLNER SAXOPHON MAFIA (Steffen Schorn, Joachim Ullrich, Wollie Kaiser).
Nach etlichen Projekten und Kooperationen arbeitet er seit 2010 mit größeren Ensembles zusammen und ist Lehrbeauftragter für Saxophon an der Musikhochschule in Köln.

RAMESH SHOTHAM,
ist ein indischer Perkussionist und Schlagzeuger des World- und Fusionjazz.
Nach einem Zoologiestudium wurde er Schlagzeuger der indischen Rockband Human Bondage. Mitte der 1970er Jahre studierte er in Madras die Tavil, eine in Südindien und Sri Lanka verbreitete Tempelmusik-Trommel und später am Karnataka College of Percussion unter Leitung des Meisters T. A. S. Mani die klassischen Schlaginstrumente Ghatam, Mridangam, Kanjira und Morsing. Ende der 70er Jahre lernte Shotham die deutschen Ethno-Pioniere Embryo kennen und arbeitete mit Louis Banks. 1980 kam er mit der Indo-Jazz-Fusion-Band Jazz Yatra Septet für eine Tournee nach Europa.
Mitte der 80er Jahre lehrte er in Deutschland Seit 1995 ist er Mitglied von Sigi Schwabs Percussion Project und dem Duo Mandala mit Sigi Schwab. Er arbeitete mit dem Bundesjazzorchester und gründete weitere Formationen. Seit mehr als 20 Jahren lebt Ramesh Shotham in Köln.

Montag, 18. Februar 2019

Paradox Dreambox

In seinem Projekt Paradox Dreambox brachte der Schlagzeuger Peter Gall Jazz auf die Bühne, der oft kräftigen und wild daherkam, aber auch viele harmonische Momente hatte.  
Peter Gall – Schlagzeug
Wanja Slavin – Altsaxophon
Reinier Baas – Gitarre
Rainer Böhm – Piano
Felix Henkelhausen – Bass

Eine Mischung aus leicht gespielten Gitarrenriffs und langsamen Klavierakkorden bestimmt den Beginn des Konzertes, diese werden bald vom Saxophon überlagert, das Wanka Slavin ausdrucksvoll spielt, sich immer weiter in seine Klänge hinein steigernd, bis der Raum diffus von den Bläserklängen gefüllt ist. Als Slavin sein Spiel plötzlich abbricht, hört man ebenso plötzlich wieder die anderen Instrumente mit großer Klarheit heraus, die kräftigen Akkorde am Klavier, den gezupften Bass und das Schlagzeug.

Donnerstag, 24. Januar 2019

Vorschau Februar

Am Montag, dem 18.02.19 ist um 20.00 Uhr  „Paradox Dreambox“ bei Jazz in der Kammer zu hören.
Peter Gall – Schlagzeug
Wanja Slavin – Altsaxophon
Reinier Baas – Gitarre
Rainer Böhm – Piano
Matthias Pichler – Bass
Im Video-Trailer bekommt man eine Kostprobe auf Musik, die von schnell gespielter Fingerpicking-Gitarre ebenso wie vom Klavier und von warmen Bläserklängen geprägt ist. Da sollten auch die Jazz-Fans auf ihre Kosten kommen, denen die experimentellen Freejazz-Klänge zu experimentell und wild sind.