Heute war das Simon Popp Trio bei Jazz in der Kammer im Forum Gestaltung zu hören. Drei Schlagzeuger auf der Bühne, Klang und Rhythmus bestimmt die Musik.
Simon Popp– Schlagzeug
Flurin Mück – Schlagzeug
Sebastian Wolfgruber – Schlagzeug
| Flurin Mück, Simon Popp und Sebastian Wolfgruber (von links nach rechts) |
Schon beim Betreten des Raumes kommt ein Wow!-Gefühl auf: die gesamte Bühne steht voller Schlagzeug. Die komplette Bandbreite von der großen Base-Drum bis zu kleinen Percussion-Instrumenten, und das ganze gleich in unterschiedlicher Kombination drei mal, für drei Schlagzeuger. Nur Schlagzeug, sonst nichts - das sieht man nicht oft. Beeindruckend.
Dann setzt die Musik ein: mit einer über die gesamte Bühne hinweg stereoskopisch breit verteilten Klang. trotz des großen Instrumentariums zunächst überraschend sanft. Leise Trommeln mischen sich mit Percussion und nach indonesisch klingenden Blech. Später werden sich einige dieser metallsichen Klänge als elektronisches Pad herausstellen. Das ist dann aber auch schon alles, was elektronisch an Klängen erzeugt wird, alles andere entsteht rein akustisch. Zwischen Handpan und hölzerner Schlitztrommel ist auf der Bühne wohl alles versammelt, was es abseits des üblichen Drumsets an etwas exotischeren Instrumenten gibt.
In der Musik des Trios mischen sich kräftige mit sanften Klänge, und es ist erstaunlich, wie das Ohr des Konzertbesuchers beim aufmerksamen Lauschen auf die Klangvielfalt, wie drönend laut die Musik ist. Eine interessante Differenzierung des menschlichen Hörvermögens.
Die Klangfarbe wechselt, als Sebastian Wolfgruber den großen Tonkrug mit den Händen anschlägt. Warme dumpfe Töne, zu denen später die elektronischen Klänge aus dem Schlagzeug-Pad von Simon Popp kommen, exotische Klänge, was dann in der Mischung nach so etwas wie Urwald-Percussion klingt. Es macht einfach Spaß, der Herkunft der Klänge auf der Bühne zu folgen.
"High high low" hat einen interessanten Ansatz, über den Popp sagt: "wir nehmen einfach mal einen tiefen und einen hohen Ton, stauchen und strecken die Töne und schauen mal was passiert". Ein Musikexperiment, das sich in die vorherigen einordnet.
Was wären drei Schlagzeuger, wenn sie nicht auch mit völlig verqueren Rhythmen experimentieren würden. So gibt es dann auch Stücke, bei denen jeder einen anderen Rhythmus spielt, die aber in einer eigenartig selbstverständlichen Weise zusammenpassen, sich dieses polyrythmische Spiel am Ende zusammenfügt.
Nach kräftigem Applaus des Magdeburger Jazzpublikums kommen die drei SchSchlagzeuger nochmal für eine Zugabe auf die Bühne. Diesmal frei improvisiert, mit spacigen Klängen, mit Drumsticks, die Blech und Trommelfell anreiben, mit einer Dymamik zwischen leisen Rascheln und Hufgetrappel einer Pferdeherde, eben alldem, was man mit Drums und Percussion an Klängen erzeugen kann.
Die drei Musiker kennen einander schon lange, wie Simon Popp sagt. In der Triobesetzung kamen sie zusammen, als Popp sein Album erst einmal mehrspurig selbst aufnahm und als dann Live Konzerte geplant wurden feststellte, "auf der Bühne kann ich ja keine aufgenommenen Spuren abspielen". In der Dreier-Besetzung passen die Musiker wunderbar zusammen und eröffnen den Zuhörern rhythmische Klanghorizonte.
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