Samstag, 22. April 2017

Sassoon und Kellers

Im zweiten Teil des Klavierabends bei den Magdeburger Jazztagen gab es ein Duo von:
Julie Sassoon – Piano,
Willi Kellers – Schlagzeug, Percussion

Über Julie Sassoon sagt Warnfried Altmann in seiner Anmoderation: "Wie sie die Musik atmen läßt, verschlägt einem den Atem". Und so begann das zweite Klavierkonzert ganz anders als das zuvor gehörte. Nur ganz leise klingen die Metallbesen von Willi Kellers auf seiner Steel drum, zu denen Julie Sassoon ebenso leise Klaviertöne hinzufügt. Es ist, als wollten sich beide Musiker erst langsam an die Instrumente, den Raum, das Publikum herantasten. So ist Kellers anfangs eher ein  Schlagzeuger der leisen Töne, wenn er ein Kinder-Xylophon oder eine Kalimba nutzt. Es ergibt sich ein interessantes Zusammenspiel, wenn das Klavier den Rhythmen des Schlagzeugers folgt.

Erst allmählich steigern sich Sassoon und Kellers gegenseitig in ein kräftigeres, bis ins exzessive gehende Spiel hinein, das sie immer wieder mit leisen Stellen unterbrechen, zuweilen auch mit Pausen – die das konzentrierte Publikum bewußt aushält ohne sich zu sofortigem Applaus verleiten zu lassen. An den leisen Stellen scheint das Klavier leise zu singen (oder ist es Sassoons Stimme?), so wie der Klang von ersten Regentropfen auf der glatten Oberfläche eines Sees.

Später singt auch Kellers leise zur seinen Kalimba-Tönen. Sassoon greift die Kalimba-Töne auf und imitiert sie am Klavier. Daraus entwickelt sich eine Musik voller Dynymik. Man erlebt die Metamorphose eines kleinen Liedes hin zu einer Anhäufung fast aller im Universum vorkommenden Töne und Rhythmen, zu etwas völlig neuem, kräftigem – aus dem am Ende wieder die kleine Melodie hervorscheint.

Als Zugabe gibt es wieder ein sehr leise beginnendes Stück (bei dem Willi Kellers auch schon mal den Finger auf die Lippen legt, als im Publikum jemand etwas sagt). Die beiden Musiker – Julie Sassoon am Klavier stehend, es wie eine Harfe zupfend und als Rhythmusinstrument klopfend, wollen noch ein letztes Mal voller Konzentration spielen. Das Publikum läßt sich auf die Stille ein, so können selbst leiseste Geräusche wie das Treten und Loslassen des Pedals als Klang einfließen.


Fotos 1, 4 und 5: ©Thomas Hohlbein

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